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3.0 von 5 Sternen Warum ausgerechnet Pavarotti?, 28. April 2003
Rezension bezieht sich auf: Verdi: La Traviata (Gesamtaufnahme) (Audio CD)
Ja, warum bloß? Mit einem anderen Tenor hätte ich dieser Aufnahme auch gerne vier Sterne gegeben, denn dann hätte sie sich durchaus mit den beiden besten Studio-Aufnahmen im Katalog messen können: Pritchard (mit der jungen Sutherland und Bergonzi stimmlich die beste) und Kleiber (perfektes Ensemble-Zusammenspiel).
Cheryl Studers Traviata präsentiert sich stimmlich hervorragend, sicher und mit glänzendem Stimmklang. Ihre Traviata ist kein junges Mädchen, ätherisch und leidend wie Ileana Cotrubas bei Kleiber oder die Gruberova, sondern eine leidenschaftliche, extrovertierte Frau: Diese Kurtisane hat schon viel erlebt und stürzt sich mit vollem in die Herausforderung der Beziehung. Dass sich die Sängerin den Spitzenton am Ende von "Sempre libera" verkneift, finde ich imponierend: Er ist weder von Verdi noch nötig und wird meist nur geschrien, und das hätte Studer auch gekonnt. So kann man nur kritisieren, dass die Sängerin ab und zu etwas zu exaltiert, fast hysterisch singt. Trotzdem eine der beeindruckendsten Violettas seit der jungen Scotto oder Sutherland (die Callas bleibt unerreicht). Für sie der dritte Stern.
Sehr ordentlich, wenn auch etwas neutral im Ausdruck und zu jung im Stimmklang Juan Pons als Germont Père - eine sehr schöne Stimme, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ganz ausgezeichnet sind hier die Nebenrollen besetzt, und Chor und Orchester kommen - was Präzision und Klang angeht - fast in die Nähe von Carlos Kleibers Münchner Ensemble. Dabei ist James Levines Auffassung breiter, pompöser, aber nicht langweilig oder temperamentlos.
Sehr lobenswert, dass die Aufnahme ohne Striche auskommt: Endlich einmal dürfen sowohl Alfredo als auch sein Vater ihre Stretta singen, die bei älteren Aufnahmen immer fehlen - bei Pons ein echter musikalischer Gewinn.
Aber dann Pavarotti! Hätte es da nicht andere, jüngere Sänger bei der Deutschen Grammophon gegeben (Vargas, Lopardo, Araiza)? Oder, wenn es schon ein Superstar sein muss, warum nicht den damals wie heute noch erheblich frischer klingenden Placido Domingo, noch dazu einen erheblich intelligenteren Interpreten?
Pavarotti war zum Zeitpunkt der Aufnahme 56 Jahre alt, klingt aber mindestens 10 Jahre älter! Der Klang seiner Stimme erinnert mich an eine Blechbüchse oder ein altes Reise-Grammophon, scheppernd und nasal. Die hohen Töne kommen zwar, wirken aber dünn und matt, mit Kraft hochgepresst.
Sicher ist es eindrucksvoll, wenn sich ein Sänger dieses Alters noch so eine Rolle zutraut, und diese technisch - das zumindest - noch gut bewältigt, aber warum muss er sie dann auch aufnehmen? Die Bühne verzeiht vieles, die CD nichts. Und wem nützt ein ehemaliger Superstar, der die Rolle eines Jünglings von Anfang 20 singt und älter klingt als sein eigener Vater? Ein Symptom der Midlife-Crisis, passend zu schlecht gefärbten Haaren und einer 30 Jahre jüngeren Geliebten?
Insgesamt also eine durchaus interessante Aufnahme der Traviata mit einem fehlbesetzten (Ex-)Superstar.
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