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Kundenrezension

5.0 von 5 Sternen Zeitlos, 30. November 2006
Rezension bezieht sich auf: Propaganda [Ltd. Mini. Paper] (Audio CD)
Die Sparks waren eigentlich immer ihrer Zeit voraus.

Ganz am Anfang. als sie noch Halfnelsons hießen, brachten sie Elemente in den Rock, die damals, zumindest gemessen auf ganze LP-Seiten, eher ungewöhnlich waren, nämlich Vaudeville und Couplets und auch ein bisschen Bar-Room-Jazz.

Eine Zeitschrift hat das mal treffend ihre "Marlene Dietrich Goes Stooges-Phase" genannt. Nur, gezogen hat das nicht (bei mir schon, wenn auch mit Verzögerung, aber das nur nebenher), also taufte man die Gruppe in Sparks um und schob ein weiteres Album nach "A Woofer In Tweeters Clothing", das wieder ein Flop wurde (Ganz davon abgesehen veröffentlichten sie aus diesem Album die Single "Girl From Germany", dass um Verständnis für Deutschland warb,' eher ungewöhnlich für amerikanische Interpreten. Russell Mael hat das in einem Interview einmal so gesagt).

Danach siedelte diese amerikanische Gruppe, die genaugenommen immer aus den Brüdern Ron und Russell Mael bestand und auch heute noch so besteht, nach England um.

Dort und in ganz Europa kamen ihre skurrilen Texte und ihre verschrobene Musik wesentlich besser an, zumal sie es verstanden, ihren Sound kommerzieller zu verpacken.

Die Single "This Town Ain't Big Enough For Both Of Us" wurde ein Hammer, wenn auch meines Wissens nirgends Nummer 1. Hier zeigten die Sparks erstmals ihr schlummerndes Chartpotential . Langsam, aus dem Nichts kommt ein recht einfache Klaviermelodie, dann setzt Russels Stimme, immer noch zurückhaltend, ein, bis plötzlich ein Pistolenschuss fällt. Und dann geht das los....

Die nachfolgende Single "Amateur Hour" war um keinen Deut schlechter und das dazugehörige Album "Kimono My House" (eine Verballhornung von "Come On To My House") ging ebenfalls wie eine Rakete ab. Nur ' es hatte auch mindestens zwei böse Ausfälle: "Thank God It's Not Christmas" hat für seine Länge am Standard der Platte gemessen zu wenig Einfälle. Bei "Equator" nervt irgendwann Russells Falsettstimme, die ein Markenzeichen wurde, fürchterlich.

Immerhin, Sparks 1974 waren eindeutig Rock, aber mit einem Keyboard (das zweite Markenzeichen), das man so bis dahin nicht gehört hat. Genau genommen sind alle Instrumentenparts recht einfach, sogar simpel, aber wie sie diese simplen Ideen zu einem Ganzen zusammen getragen haben, das war damals die Kunst der Sparks. Bei "Propaganda" haben sie diese Kunst perfektioniert:

Los geht's mit dem kurzen a capella gesungenen Titelstück, richtig schön verquer, eigentlich mehr ein Intro als ein eigenständiger Song, um dann überfallartig mit "At Home, At Work, At Play" loszubrettern. Irgendwie hat man das Gefühl, dass sich der Plattenteller für das Tempo des Songs zu langsam dreht. Selbst beim Mitlesen des Textblattes hat man immense Schwierigkeiten, dem Text zu folgen (ich war damals der Meinung, niemand könnte schneller singen als Russell Mael, bis der Punk kam und mich Jello Biafra eines besseren belehrte).

"Reinforcements" beginnt dann etwas gemäßigter, um sich zum Schluss in einen regelrechten Soundteppich einzubetten. "BC" (haben wir uns da ein kleines Wortspiel mit "Before Christ" erlaubt?) hat etwas von Kinderabzählreimen und "Don't Leave Me Alone With Her" klingt ein bisschen nach "Do Re Mi Fa.... usw". Dazwischen ist dann noch "Thanks But No Thanks" bei dem es sogar eine richtig schweinische Gitarre zu hören gibt.

Mit "Never Turn Your Back On Mother Earth" ist dann der Beweis erbracht, dass auch Russell ab und zu mal Luft holen muss, ein schönes Stück mit ausgezeichneten Soundtürmen und einem kleinen, feinen Gitarrensolo. "Something For The Girl With Everything" rotzt dann wieder in knapp zwei Minuten einen Text herunter, für den Pink Floyd ein Doppelalbum gebraucht hätte, einen recht fiesen außerdem. Denn das Girl, das alles hat, ist zum Schluss "speechless", mit anderen Worten, sie ist stumm. "Achoo" endet in einer wahren Niesorgie und "Who Don't Like Kids" ertrinkt in Ironie. Das abschließende "Bon Voyage" ist purer Bombast.

Das war's und das war eine Menge, vor allem weil die LP mit knapp einer halben Stunde Laufzeit eigentlich verdammt kurz geraten ist. Aber lieber eine halbe Stunde mit tollen Ideen als eine Stunde mit einem Haufen Lückenbüßer.

"Propaganda" ist eine Platte, die zeitlos ist, schon allein deshalb, weil sonst niemand davor und danach eine solche Musik gemacht hat, nur die Sparks selber mit dem schon erwähnten 'Kimono My House' und dem Nachfolger "Indiscreet".

Die beiden Bonusstücke sind B-Seiten der besseren Sorte.
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