Kundenrezension

706 von 748 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ein geniales Buch, aber..., 2. August 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Herr der Ringe. Die Gefährten / Die zwei Türme / Die Rückkehr des Königs. Mit Anhängen und Register. (Gebundene Ausgabe)
"Der Herr der Ringe" ist sicherlich eines der faszinierensten Bücher der Welt, ohne Zweifel. Und man geht sicherlich nicht zu weit, wenn man sagt, daß ein jeder es zumindest einmal gelesen haben sollte. Die Komplexität, mit der Tolkien seine Figuren ausgearbeitet hat, die unglaublich stimmige Beschreibung der einzelnen Schauplätze und die Mythen und geschichtlichen Fakten, die er rund um die eigentliche Handlung herum geschaffen hat (gerade die vielen Lieder/Gedichte), sorgen für eine unglaublich dichte Atmosphäre, die einen sofort in ihren Bann zieht und nie wieder los lässt.
Doch nun kommt das große Aber: Ein jeder, der vorhat, den HdR zu lesen, sollte sich nach einer alten Ausgabe (Übersetzung von M. Carroux) umsehen und die Neuauflage tunlichst meiden. Denn Wolfgang Krege, der für die neue Übersetzung des HdR verantwortlich zeichnet, hat den (absolut angemessenen) etwas altertümlichen Stil der alten Übersetzung aufgegeben zugunsten einer peppigen, modernisierten Sprache und hat somit, und das kann man so drastisch sagen, die Stimmigkeit von Tolkiens Werk vollkommen zerstört. Nicht nur dass man beim Lesen seiner Übersetzung immer wieder über das völlige Fehlen von jeglichem sprachlichem Einfühlungsvermögen stolpert, nein, des Öfteren findet man grobe Schnitzer, die eigentlich absolut unverzeihlich sind, z.B. werden "große Gestalten in grauen Gewändern" (Carroux) zu "langen Kerlen in grauen Hemden", was mir persönlich ziemliche Schmerzen bereitet hat. Krege schreibt in einer Rechtfertigung seiner Übersetzung, er habe die differenzierten Sprachebenen des englischen Originals endlich auch im Deutschen berücksichtigt. Nun, unterschiedliche Sprachebenen gibt es nun auf einmal im HdR, das ist wahr. Diese sind jedoch vollkommen unsinnig eingesetzt (und bestimmt nicht im Sinne Tolkiens...). Die Hobbits reden jetzt nämlich mal unglaublich salopp ("Chefchen"), mal übetrieben altmodisch("Feurio"), je nach Lust und Laune des Herrn Krege. Dem Modernisierungswahn ist übrigens auch der Majestätsplural zum Opfer gefallen, so daß man sich nun in Mittelerde siezt, was unglaublich dazu beiträgt, dem Leser eine dem sagenumwobene Phantasiewelt näherzubringen. Krege hat ferner auch einige Namen neu übersetzt, doch, oh Grauen, wie nur: "Bob und Nob" statt "Hinz und Kunz" (Klar, klingt ja auch viel "cooler"), "Stolzfüßer" statt "Stolzfüße", etc. SPIEGEL-Online liefert weitere Beispiele der Geschicklichkeit von Kreges Übersetzung: Z.B. werden "ever moving leaves" zu "unermüdlich wedeldem Laubwerk", etc. Gewiß, die alte Übersetzung weist auch viele Fehler auf, hält sich aber weitgehend an Tolkiens Stil und versucht niemals, besonders modern zu wirken oder Tolkiens Sprache "glattzubügeln". Aber natürlich erfüllt sie insofern ihren Zweck, als daß sie Verkaufszahlen des HdR wieder ankurbelt, der Verlag Geld einstreichen kann. Und mit dem Film wird sich dieser Effekt weiter verstärken. Der Kommerz hält weiter Einzug in Mittelerde, auch wenn Tolkiens Original darunter leiden muss; die "Kids" lesen halt dann doch eher einen flotten, durchgestylten Herrn der Ringe anstatt sich auch sprachlich auf die Sagenwelt Mittelerde einzulassen. Bezeichnend auch die Reaktion der zuständigen Lektorin bei Klett-Cotta auf Kritik: "Die Fans [...] reagieren [...] mit dem Bauch" und "Manchmal habe ich das Gefühl, daß die Fans nicht so viel literarische Erfahrung haben". Genug Erfahrung jedenfalls, um den neuen "Herr der Ringe" beim Buchhändler im Regal stehen zu lassen...
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Kommentare

Von 4 Kunden verfolgt

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1-10 von 29 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 23.07.2008 11:25:05 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 23.07.2008 11:26:01 GMT+02:00
Earwen meint:
In Bezug auf M. Carroux und Wolfgang Krege kann ich nur zustimmen. Auch ich habe zuerst die >Krege-Version< und dann die von Magaret Carroux gelesen. Ich war richtig überrascht über die großen Unterschiede und enttäuscht von der Übersetzung von Krege. Ich kann allen, die DER HERR DER RINGE lesen wollen nur empfehlen die alte Version von M. Carroux zu kaufen!!! und auf Kreges zu verzichten.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.07.2008 18:55:53 GMT+02:00
A. Bender meint:
Da kann ich mich nur anschließen, ich denke John Ronald Reuel Tolkien hätte auch erhebliche Einwände gegen solch eine Übersetzung gehabt! Schade, dass viele immernoch nicht wissen, dass es 2 Übersetzungen gibt, aber ich glaube, dass wird sich noch ändern.;-)

Veröffentlicht am 29.03.2010 02:23:31 GMT+02:00
Elendil meint:
Ich schließe mich dem voll an!
Ich muss zugeben ich habe angefangen mich für HDR zu interessieren, als die Kinotrailer zum ersten Film anliefen und Aragorn einfach nur toll war. Frau ist dann hingegangen und hat sich mit Freunden unterhalten die mir Strafe angedroht haben sollte ich 1. die Bücher nicht lesen und 2. nicht mit ihnen die Filme gucken gehen.
Ich bin dann zu meinem großen Glück! in die kleine Bibliothek um die Ecke gegangen und hab die Bücher ausgeliehen. Dort gab es nur die Übersetzung von M. Carroux, leider auch ziemlich mitgenommen. Anschließend habe ich irgendwann die HDR Bücher geschenkt bekommen (neuauflage) dachte mir nichts dabei, und habs gelesen. Mir ist teilweise das Grauen gekommen. Die Krege Ausgabe ist zwar schön neu, aber das wars. Zum Lesen bringt die "alte" Übersetzung auch den richtigen Flair.
Viele Grüße, von der Jugend für die, die hippe Sprache gedacht ist, aber die Schreiend wegläuft wenn sie "Chef Frodo" liest. (Das hat nix mehr mit Bauchgefühl zu tun......)

Veröffentlicht am 19.05.2010 20:24:59 GMT+02:00
Grueni52 meint:
Vollkommen richtig - diese "neue" Übersetzung ist absoluter Mist !!!!

Veröffentlicht am 19.05.2010 22:54:10 GMT+02:00
C. Kirchner meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Veröffentlicht am 19.06.2010 14:12:07 GMT+02:00
MXXX meint:
Ich lese den Herrn der Ringe grad zum ersten Mal, und ohne etwas von dem Übersetzer-Sprach-Problem zu wissen, habe ich mich über die saloppe, gar nicht passende Sprache gewundert. Jetzt ist mir das Problem klar. Schade! Dann muss ich meine Bücher wohl noch ein zweites Mal kaufen. Es ist wirklich nicht schön geschrieben/übersetzt.

Veröffentlicht am 20.08.2010 15:19:57 GMT+02:00
Ich schließe mich auch an: Die neue Übersetzung ist kommerziell bzw. schlecht.

Und ich denke, dass dem Tolkien damit unglaublich unrecht getan wird, da er ein passionierter Sprachwissenschaftler war! Eine vernünftige Überarbeitung der alten Übersetzung hätte ausgereicht.

Veröffentlicht am 28.10.2010 01:52:17 GMT+02:00
Kurz: Absolute Zustimmung! Die neue Übersetzung ist Mist! Kaufen Sie das Buch in der alten (ich möchte sagen: bewährten) Übersetzung! Neu ist nicht immer besser...

Veröffentlicht am 24.12.2010 21:10:26 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 30.03.2011 11:55:45 GMT+02:00
RDK meint:
Ich kann mich ebenfalls nur anschließen!!!

Ich hatte "Der Herr der Ringe" erstmals als deutsche Übersetzung von Carroux gelesen und von der ersten bis zur letzten Seite geliebt!!!! Leider fiel diese dann einem Brand zum Opfer. Völlig unbedacht kaufte ich mir dann, bevor der erste Teil der Verfilmung ins Kino kam, die neue Auflage mit der neuen Übersetzung von Krege und war unsagbar enttäuscht! Nach den ersten Seiten musste ich mich regelrecht davon abhalten, den Rotstift zu zücken und jedes einzelne verflixte "Chef" durch das alte, so viel passendere "Herr" zu ersetzen!!! Da ich Bücher aber liebe, verschandele ich ungern eines, also ging ich dazu über "Chef" wenigstens vor meinem inneren Auge durch "Herr" zu ersetzen. Es war etwas mühsam, aber nach einiger Zeit doch etwas angenehmer zu lesen!

Es ist schließlich eine phantastische Erzählung, die sich vielfach an alten Mythen und Legenden orientiert, in denen sicher keiner seinen Herrn mit "Chef" angesprochen hat! Mich störte es nie an der alten Übersetzung von Carroux, dass die Sprache etwas angestaubt wirkte - es passte wunderbar zur Geschichte, die ja auch so wirkt, als wäre sie so alt wie z.B. das Beowulf-Epos oder das Nibelungenlied.

Ich finde auch, dass sich das Klima an vielen Arbeitsplätzen verändert hat, dass das Wort "Chef" eine gewisse negative Konnotation bekommen hat. Mag sein, dass dasselbe noch vor 100 Jahren bei dem Wort "Herr" der Fall gewesen ist, aber dennoch passt "Herr" viel besser für das sehr respektvolle Verhältnis von Sam und Frodo!!! Für mich sagt "Chef" lediglich aus, dass die betreffende Person mir hierarchisch übergeordnet ist, nicht aber unbedingt wie sehr ich diese Person schätze und respektiere, das spiegelt, meiner Ansicht nach, nur die respektvolle Anrede "Herr" wieder! Ich finde auch nicht, dass diese altmodisch ist, schließlich findet sie sich immer noch auf jedem Briefkopf an einen männlichen Adressaten - weshalb sollte man sie also aus "Der Herr der Ringe" verbannen, solange sie auf Briefköpfen noch existiert????

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.01.2011 17:54:49 GMT+01:00
Firetribe meint:
Wenn man die alte Version nicht kennt ist die neue vielleicht nicht so schlimm. Ich hab das Lesen der Neuen abgebrochen, weil ich nicht mehr konnte, und bei dem Hörbuch mit Achim Höppner, der auch die neue Version liest, bleibe ich nur, weil er das so gut macht. Aber gerade das "Chef", mit dem Sam Frodo anspricht, tut richtiggehend weh. Krege hat es wirklich geschafft, diese Illusion einer kompletten, echten und in sich stimmigen Welt, die Tolkien da erschaffen hat und worin seine Genialität liegt, an den richtigen Stellen zu durchlöchern. Ganz nebenbei verhunzt er auch wirklich die Sprache, von den Gedichten gar nicht zu sprechen. Ich hab meine neue Übersetzung zurückgegeben^^
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