Kundenrezension

9 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Es hätte so schön sein können..., 21. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Malavita - The Family (DVD)
Ah, de Niro, Mafia, Ironie, Scorsese als ausführender Produzent = muss ich sehen
Also: Nach einem Massaker, bei dem anscheinend mal wieder die Falschen abgeschlachtet wurden, sehen wir Familie Blake (d.h. Giovanni Manzoni, Mafioso a.D., mit Frau und halbwüchsigen Kindern) nachts durch Frankreich fahren - auf der Suche nach einem Haus in einem verschlafenen Ort in der Normandie. Unauffälligkeit wäre angebracht, wenn das FBI mal wieder einen Umzug innerhalb des Zeugenschutzprogrammes organisieren musste. Aber nein, nachdem Fred Blake (Robert de Niro) zuerst eine Leiche entsorgen und dann auch noch Streit mit dem örtlichen Klempner anfangen musste, "fackelt" Gattin Maggie (Michelle Pfeiffer) nicht lange, als sich der französische Supermarktinhaber von seiner weniger charmanten Seite zeigt. Dabei ist das Amerikanische der Blakes nur Tarnung, beide entstammen dem italienischen Mafia-Adel. Blake hatte mit seiner Aussage einen der Paten ins Gefängnis gebracht, der nun seine Zelle zur Suchzentrale ausgebaut hat, um seine Helfer weltweit auf die Suche nach Manzoni/ Black zu schicken. Eine Weile erleben wir die launigen Schwierigkeiten der Blakes mit dem unerträglich ereignisarmen Alltagsleben in der Provinz. Gerne gesellt sich Maggie etwas zu den beiden netten FBI-Leuten im Nachbarhaus aus, die sie ganz wie eine italienische Mama bekocht. Allerliebst, wie die beiden alles auskundschaften ("Sohn in der 7. Klasse sitzengeblieben") und Anteil am Liebesleben der Tochter nehmen. Der Lolita-Charme der 17-jährige Tochter Belle (Dianna Agron) täuscht, sie kann mit handfesten Argumenten ihre Position unterstreichen. Der 14-jährige Warren (John D`Leo) ist nur scheinbar der gemobbte Freshman, bald hat er das "Geschäft" der bösen Jungs übernommen und weiter ausgebaut. Wunderbar souverän auch seine Reaktion, als ihn die Schulleiterin zum Gespräch bittet. Leider möchte sich der "Schriftsteller" Blake zu sehr in die Gemeinschaft integrieren und nimmt die Einladung zu einem Filmabend (Franzosen lieben amerikanische Filme!) an, was FBI-Kontaktmann Robert Stansfield (Tommy Lee Jones) neue graue Haare wachsen lässt. Und dass Blake ausgerechnet zu "Some came running" eingeladen wird - herrlich! Die Reverenz an "Good Fellas" lässt das Herz des Filmfreundes höher hüpfen. Tommy Lee Jones ist ohnehin der neue Walter Matthau, von dem jemand (Wilder? Lemmon?) gesagt hatte, sein Gesicht sähe so aus, als habe jemand darin übernachtet. Rente mit 65? Vergiss es! Und den ungemein talentierten John D`Leo sollte man wohl auch im Auge behalten.
Irgendwie habe ich den in einigen Kritiken gelobten "culture- clash" als überhaupt nicht vorhanden oder sehr bemüht empfunden. Wenn Franzosen über Erdnussbutter und Amerikaner über creme fresh lästern, ist das doch recht dünn. Der Film hat so seine wunderbaren Momente, ich hatte auch nicht den Eindruck, dass de Niro lustlos spiele, wenngleich etwas weniger Spielfreude als in "Reine Nervensache" für mich erkennbar ist. Köstlich auch, dass der Klau geistigen Eigentums und die Globalisierung des Altpapiermarktes dazu führen, dass der inhaftierte Pate auf die Spur der Blakes kommt. Leider wird nicht jede skurrile Idee optimal umgesetzt. Ein Beispiel: Der örtliche Pfarrer überredet das neue Gemeindemitglied Maggie, doch mal zur Beichte zu gehen. Spannung beim Zuschauer - und nichts passiert. Viel zu viele Szenen weiter wird der Pfarrer Maggie viel zu wortreich aus der Kirche schieben. Leider vergeht zwischen Vorbereitung und Einlösung einer Pointe manchmal zu viel Zeit. Schlechtes Timing. Auch de Niros Gespräch mit dem Arzt, in dem er ihn vom "Unfall" des Klempners überzeugen will, war zu lang, man möchte ihm zurufen: Ja, wir haben die Pointe verstanden! Lange Zeit dachte ich noch, dies sei - trotz einiger kleinerer Hänger, eine wunderbar kuriose Mafia-Komödie, solide vier Sterne. Aber leider haben sich die Drehbuchautoren plötzlich dazu entschlossen, auch noch einen bleihaltigen Thriller zeigen zu wollen, ein Finale anzukleben, das überhaupt nicht zum launigen Film passt.

---SPOILER---
Über die vollkommen unmotivierte, sich tragisch entwickelnde Liebesgeschichte der Tochter könnte ich ja noch hinwegsehen, wenngleich das Objekt der Begierde nur peinlich und der angedachte Selbstmord vollkommen unpassend ist. Wenn aber allenortes plötzlich Killer die Gegend bevölkern und zahlreiche Franzosen und FBI-Leute -ups- als Kollateralschaden tot liegen bleiben, hört für mich der Humor auf (seltsamer Weise kicherten da einige im Kino). Deutlich lehnt sich Besson da an Tarantino an. Wenn er schon kopiert, sollte er doch besser das Gute, zum Beispiel die komplexe Erzählstruktur, nachahmen und nicht die unerträgliche "Gewalt-ist-sexy"- Attitüde. Oder sollte es "nur" dramatisch sein? Ich schätze Bessons Thriller "Nikita" und "Leon - Der Profi". Die Vermengung schwarzhumoriger Mafiakomödie mit ernsthaften (?) Thrillerelementen funktionierte für mich leider überhaupt nicht. Zap zap zap - komisch - unkomisch - komisch - Rohrkrepierer. Schon die Rückblende, in der gezeigt wird, was überhaupt zwischen Blake und dem Klempner passierte, zeigt de Niro eher als psychopathischen Killer denn als launigen Paten. Und bei der drohenden Vergewaltigung Maggies ist ohnehin Schluss mit lustig. Pathos und "funny action", schade.
---SPOILER ENDE---

Fazit. Eine nette Groteske, die leider zu deutlich an einem mörderisch-schwachen Ende leidet. Für deNiro-/Pfeiffer- und/ oder Jones- Fans aber auf jeden Fall einen Blick wert. Falten haben wieder Konjunktur, gerne mehr davon!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
 

Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 02.12.2013 18:47:13 GMT+01:00
christine meint:
Liebe Berlinoise, Isabella, Ophelia, lieber Rumburak,
die Diskussion mit euch hat mich beflügelt, den Text an einigen Stellen noch zu ergänzen. Für "Zapzap" bleibt das Copyright natürlich bei unserer Freundin aus Helsingör. Angesichts der interessanten Aspekte wundert es mich, dass noch keine weitere Rez geschrieben wurde. Oder sollte der Film unbeachtet von de Niros Fans vorüber gegangen sein? Oder wollte ihm niemand ans Bein pinkeln? Seltsam. LG, Christine

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.12.2013 14:51:30 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 13.12.2013 15:05:03 GMT+01:00
Der Film wurde vermutlich in nicht so vielen Kinos gezeigt. Ich habe ihn per Zufall in einer Sneak gesehen, danach lief er beim offiziellen Filmstart nur 2 Wochen und das mit einer Vorstellung am Tag. Da sind nicht viele reingerannt, weil der Trailer schon nicht aaaallzu vielversprechend war denke ich mal....
Ich freu mich im Januar auf "Zwei vom alten Schlag" mit de Niro und Stallone - ja ja, eher Männerkino, aber der soll durchaus nicht nur ein Boxer-Film sein, zumal ich Boxen eh nicht viel abgewinnen kann, dennoch mag ich Rocky 1 und natürlich Eastwoods "Million Dollar Baby"...
Wo sind eigentlich die anderen Kommentare hin? Oh, vermutlich automatisch verschwunden als Du die Rezi geändert hast....*BING* ;-)

P.S. nach stöbern in Wikipedia: wieso zum Geier ist die Offizielle Seite von Malavita auf japanisch?!! So macht man auch (miese) Werbung....

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.12.2013 17:20:26 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 13.12.2013 17:21:42 GMT+01:00
christine meint:
Hallo Isabella, ja ich habe mir mal erlaubt, den Text noch mal ganz neu einzustellen, aber eure Kommis haben mir wirklich in mancher Hinsicht die Augen geöffnet, niemals öffentlich über Ausscheidungen von Rindern zu reden.
Ich mag Rocky 1 und auch zu Eastwoods Film habe ich eine gewisse Affinität, aber der Trailer zu "Zwei vom alten Schlag" lässt bei mir die Alarmglocken schrillen. Wenn wir mal davon ausgehen, dass die Verleiher die vermeintlich besten Szenen in den Trailer schnibbeln, scheint ja nicht so viel mit dem Film los zu sein. Ich gehe, immer wenn es die Zeit erlaubt, in unsre Sneak (da laufen oft Filme, die in unserem Provinzstädtchen nicht laufen), aber diesen Film wollte ich ohnehin sehen und hatte mich eigentlich darauf gefreut.
Ist der Film wie der Tunnel unterm Kanal und die Restaurierung der Sixtinischen Kapelle mit japanischem Geld finanziert worden? Rätsel über Rätsel...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.12.2013 20:24:07 GMT+01:00
Ja, der Trailer war in der Tat nicht soooo der Hit, aber dennoch könnte der Streifen ok sein, wenn sich die beiden nicht allzu ernst nehmen und ein gewisser Humor noch dabei ist. Schauen wir mal!
Sneak kann mal gut sein, wenn ich drin bin, erwische ich aber meist den letzten Mist, oft sind es irgendwelche blöden Horrorfilme, da vergeht einem die Lust ein wenig. Daher schaue ich mir meist gezielt die Filme an, die ich auch sehen will. Malavita war hingegen ein Glücksfall, wenn man so will. Ich hätte ihn grundsätzlich sehen wollen wegen der Besetzung, von daher ein wenig Kohle gespart, aber dennoch enttäuscht worden. Na ja, gibt schlimmeres....mit japanischem Geld finanziert worden? Who knows....ich weiß nicht, mit wem Luc Besson so seine Connnections hat ;-)
‹ Zurück 1 Weiter ›

Details

Artikel

3.8 von 5 Sternen (87 Kundenrezensionen)
5 Sterne:
 (36)
4 Sterne:
 (19)
3 Sterne:
 (16)
2 Sterne:
 (10)
1 Sterne:
 (6)
 
 
 
EUR 7,99
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Rezensentin / Rezensent