Kundenrezension

8 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Auf den Spuren des Grossvater's, dessen Geschichte bis nach Galizien führt..., 6. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Katzenberge: Roman (Gebundene Ausgabe)
Wer gibt eigentlich schon gerne zu, dass ein Buch schwierig zu rezensieren ist? Und wie soll man denn mit einer jungen Nachwuchsautorin verfahren, wo man das Schreibtalent ebenso wahrnimmt, wie die Durchschnittlichkeit, oder die Schwächen mit dem Anspruch, dem Allem noch irgendwie gerecht zu werden? Inwiefern wir uns von einem Zitat eines renommierten Günter Grass auf dem Front-Cover beeinflussen oder beeindrucken lassen, möchte ich jedem Leser selbst überlassen.."Diesem Buch sind.."

Sabrina Janesch begibt sich in ihrem Debut, auf Spurensuche ihrer Protagonistin und ihres verstorbenen Grossvaters, der aus Galizien stammt.."Dort hinter meinem Kieselstein-Bug, lag die Ebene des ukrainischen Galiziens, und, irgendwo in ihrer Mitte, unweit seiner Schlaufen, hinter seinen Wassern..Zastavne. Der Ort, wo Grossvater geboren worden war, wo alles begonnen hatte." Sie macht sich auf den langen Weg von Berlin, zunächst über Schlesien nach Wydrza.."Grossvater wäre der Erste gewesen, der mich eine Verrückte genannt hätte, dass ich nach Wydrza gefahren war und noch weit darüber hinaus fahren würde. Um in seiner Vergangenheit umherzuschnüffeln."

Sie schreibt in einer einfachen Sprache, in rätselhaften Schilderungen, mystisch, dämonenhaft.."was wenn Dämonen, wie Sprache oder Land, vererbbar sind?", unklar, keine Höhen, keine Tiefen, keine Emotionen, keine Sprache die einen irgendwie packen würde, alles plätschert einfach irgendwie dahin, abergläubisch, verwendet nervige polnische Ausdrücke, die sie auch nicht übersetzt, manchmal wirr, gespensterhaft, unheimlich, von Fluch umwoben, spannt den Leser auf die Folter.., und doch finden wir wieder feine Beobachtungen, oder Schilderungen, wo man spürt, dass diese junge Frau schreiben kann...

Das verschleiert dämonenhafte, scheint ihre Spezialität zu sein.."Über den Sümpfen lag Stille. Unweit einer Uferweide fiel Janeczko eine kleine Gestalt auf, die er für ein Kind hielt. Knietief stand sie im Sumpf, und als Janeczko näher kam, erkannte er eine ziegenartige Fratze und ihr lächerliches, zinnoberrotes Fräcklein, das im Winde flatterte. Zum Gruss hob das Wesen manierlich seinen Zylinder, durch dessen Löcher die Sonne schien. Eine weisse mottenzerfressene Perücke kam darunter zum Vorschein. Dann verbeugte es sich, lachte meckernd, zog die Füsse, die in pechschwarze Hufe mündeten, aus dem Sumpf heraus und verschwand so schnell, wie es erschienen war. Nur mehr ein paar Ringe waren auf der Wasseroberfläche zu sehen..Grossvater sagte,..dass in der Wildnis von Sandomierz mehr Teufel als Menschen gebe. Wasserteufel seien das gewesen, niedere Wesen, die kaum die Grösse eines neunjährigen Kindes erreichten."

Im Grunde lesen wir in zwei Ebenen, die Gegenwart, der Ich-Erzählerin und Journalistin Nele Leibert, die in den Osten fährt, von ihrer Reise, ihren Begegnungen erzählt, und dann schreibt sie uns im Grunde ihre Erinnerungen auf, der Erzählungen, Erinnerungen ihres Grossvaters, den sie Djadgos nennt, "Djadjos Erzählungen aus Wydrza, waren immer vage geblieben, unruhig, waren weder Erzählungen aus dem Jenseits noch aus dem Diesseits", wo wir in der Vergangenheit sind, wo wir von der Vertreibung der Deutschen in den Ostgebieten hören, wo der Grossvater aus Galizien stammend, in Schlesien Höfe vertriebener Deutscher übernimmt. Ahnend bekommen wir einen Geschmack wie sich das Deutsche und Polnische im Krieg gegenüber gestanden haben muss, die Protagnostin selbst ist halb deutsch, halb polnisch..Wir erfahren etwas davon, mit welchen Konsequenzen eine damaligen Vertreibung, begleitet war und wie diese Menschen damit umgegangen sind...

Ein Buch, das nach frischen Wald und Natur riecht..."Immerhin würde es bald Herbst sein..Wenn er im Dorf niemanden fände, bei dem er wohnen könnte, würde er im Wald bleiben und von Beeren, Nüssen und Wilderei leben. Als Kind hatte er sich manchmal zum Vergnügen tagelang im Wald versteckt, jetzt würde es ihm zugute kommen. Er musterte das Gewölbe der Rottannen über ihm. Um sich heraus eine Hütte zu bauen, bräuchte er ein Werkzeug, Überwintern würde er darin schwerlich können."

Eine Geschichte um Vertriebenheit, Spurensuche, dem Wiedererzählen eines Grossvaters der diese Zeit erlebt hat, und einer Enkelin die sich aufmacht, jene Erinnerungen wieder neu aufleben zu lassen, wo das Schicksal dieser Menschen unter den damaligen Umständen eine ganz eigene Atmosphäre und von mystischen Geschichten erzählt, wo sich Dämonen vertriebener Deutscher zu unsichtbaren Widersachern, wiederum vertriebener Galizier in den Weg stellen, ein Buch über Heimat und Heimatlosigkeit, der Suche aber auch dem Akzeptieren einer neuen Heimat...wo das Überleben in erzwungener Umgebung, von Fluch und Verrat nicht auszuweichen ist. Eine Lektüre wo man Anfängertum einer jungen Autorin und Talent gleichzeitig zu spüren vermag, lesenswert anders..
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