Kundenrezension

30 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schonungslose Abrechung mit dem Business oder doch eher Schwarz-Weiß-Malerei ohne Selbstkritik?, 22. März 2009
Von 
Rezension bezieht sich auf: Hitman: My Real Life in the Cartoon World of Wrestling (Gebundene Ausgabe)
Als langjähriger Wrestlingfan und nach der Lektüre diverser Biographien verschiedenster Wrestler, hielt ich Bret Harts Autobiografie für ein absolutes Muss.
Ich muss sagen, ich wurde von dem Buch zwar nicht enttäuscht jedoch habe ich es am Ende nur mit 3 Sternen bewertet. Das Buch ist zwar besser als vieles auf dem Markt, nicht zuletzt weil jedes Wort aus der Feder von Bret Hart stammt und er sich keines Co-Autoren bediente, jedoch behält es nach dem Lesen einen faden Beigeschmack.
Die Gründe hierfür werde ich nachfolgend erläutern.
Bret Hart war zweifelsohne einer der erfolgreichsten Wrestler aller Zeiten. Hineingeboren in eine Familie, die von dem Business lebte, kam er nicht umhin, früher oder später selbst die Stiefel zu schnüren und in den Ring zu steigen.
Das Buch erläutert detailreich seinen Aufstieg und den harten Weg dorthin. Leider lässt Bret von Anfang an kein gutes Haar an vielen Familienmitgliedern und Wrestlern. Dies ist zum Teil berechtigt, zum Teil jedoch eine pure Trotzreaktion bar jeglicher Grundlage. So scheint die Abrechnung mit seinen Geschwistern ein Protestschrei zu sein gegen all das, was ihm in seinem Leben widerfahren ist. Große Stars der 90er wie der Ultimate Warrior, Hogan oder Ric Flair werden aufgrund ihrer mangelnden Erfahrung bzw. ihres limitierten Repertoires verurteilt'wobei Bret zu vergessen scheint, dass das Business erst du sie zu dem geworden ist, was es heute darstellt. Er mag recht haben, wenn er behauptet dass ein Hulk Hogan nicht das Zeug zu einem technisch versierten Wrestler hat, jedoch hatten er und viele andere stattdessen das Zeug zu einem Sports-Entertainer. Der Wandel der Wrestlingwelt und das Verlangen der Fans nach neuen Wegen ist etwas, was Bret leider völlig ignoriert.
Er selbst war laut seinen Schilderungen stets der ruhende Pol der Familie, der Bruder der sich nicht vom Strom mitreißen lies, der Wrestler der als einer der wenigen für familienfreundliches Sports-Entertainment und Moral stand und der Geprellte der immer nur das Beste für das Business wollte und bitter enttäuscht wurde.
Beim kritischen Blick hinter die Fassade des 'Best there ever will be' kommt jedoch ein anderer Bret zum Vorschein. Der Bret, der seine Frau Julie mitsamt den Kindern jahrelang alleine zuhause lies, der Bret der seine Frau ständig nach Strich und Faden betrog und der Bret der angeblich nie verstehen konnte, warum Julie ständig damit drohte, ihn zu verlassen.
Genau wie der Bret, der sich ständig im Mittelpunkt der WWE sehen wollte und der Bret, der das Wrestling-Business moralisch verfallen sah anstatt zu realisieren, dass es einzig und allein um Geld geht. Genau wie der Bret, der genau wie alle anderen im Geschäft Steroide spritzte, in Massen Alkohol trankt, feierte bis zum Umfallen, Kokain und andere Drogen nahm und sich mit Massen an Schmerzmitteln über Wasser hielt. All dies gibt er zwar zu, jedoch stellt er sich immer als denjenigen dar, der all dies weniger exzessiv als alle anderen betrieben hat'was nicht sehr glaubwürdig erscheint. Jedoch ist anzuerkennen, dass er im Gegensatz zu vielen anderen rechtzeitig den Absprung geschafft hat.
Alleine er und Owen (möge er ihn Frieden ruhen) hielten sich noch an alte Werte'jedoch vergisst Bret dabei oft, dass sich die Wrestling-Welt in den 90ern nicht nur um ihn drehte.
Auch nach so vielen Jahren scheint er nicht verstanden zu haben, dass sich die WWE nicht an seinen Moralvorstellungen sondern an den Wünschen der Fans orientiert. Die old-school Wrestler sind fast ausgestorben, die neue Generation bring frischen Wind und ungewöhnliche Storylines mit sich, die Bret mit seiner Einstellung leider nie vereinbaren konnte.
Nicht genug, dass er Wrestler wie Hulk Hogan, der dem Business in den 90er einen Riesenpush gab als mehr oder weniger untalentierten Sportler mit limitiertem Repertoire bezeichnet'.nein, auch die New Generation resp. die Clique um Shawn Michaels bekommt ihr Fett weg.
Dass es Vince McMahon nie um die Erfüllung von Moralvorstellungen sondern vielmehr um Quoten und klingelnde Kasse ging, auch wenn er dabei über Leichen gehen musste, scheint Bret Hart bis heute nicht begriffen zu haben.
Auch seine einseitige Schilderung des Montreal Screwjobs spricht hier Bände. Kein Wort von der Idee der WCW, seinen Titel mit in diese Promotion zu nehmen'nein, Bret wäre natürlich ehrlich gewesen und hätte den Gürtel zurückgegeben'er ist ja ein Mann der zu seinem Wort steht.
Leider sprechen andere Quellen eindeutig gegen seine Schilderung der Ereignisse. Wie leider zu oft in diesem Buch schreibt Bret die Ereignisse so nieder, dass er als 'Superheld' dasteht, währenddessen er andere Fakten vorenthält und so tatsächlich als der Geprellte dasteht.

Wäre er nur ein wenig selbstkritischer, wäre dieses Buch wirklich eine schonungslose und ehrliche Abrechnung mit dem Wrestling-Business. Leider verfällt der Hitman aber zu oft in Selbstmitleid und seine mangelnde Selbstkritik lässt ihn als Moralapostel, der zu seinem Wort steht erscheinen.
Schade drum'das Buch hat sehr viel Potential und verliert einiges durch Brets kritiklose Selbstdarstellung. Nach manchem Kapitel erschien mir der Hitman wie ein kleines, trotziges Kind, dass immer Recht behalten will. Die Wut über den Montreal Screwjob sitzt nach wie vor tief und das merkt man in dem Buch nur allzu deutlich.

Nichtsdestotrotz bietet dieses Buch umfangreiche Informationen über den Werdegang des Hitman, jedoch sollte sich jeder Leser auch mit anderen Biographien aus der Wrestlingwelt auseinandersetzten um schlussendlich sein eigenes Bild über die ganze Wahrheit zu bekommen.
Meine Kritik an dem Buch mag sehr negativ erscheinen'ich habe es dennoch gerne gelesen und würde es jedem empfehlen. Allerdings hätte ich mir von Bret Hart eine selbstkritischere Auseinandersetzung mit dem Wrestling-Business erwartet, so wie ich es z.B. in den Büchern von Mick Foley erlebt habe.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
 

Kommentare


Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 13.04.2009 12:27:21 GMT+02:00
Selten eine so kritische und dennoch positive Rezension gelesen. Man sollt ehier vielleicht anmerken, daß es McMahons Pflicht ist, mit einem Unternhemen Geld zu verdienen. Wrestling ist wie jeder andere Profisport auch eine wirtschaftliche unternehmung und hat weniger mit einem Sportverein als mehr mit einem Unternhemen zu tun. Das ist etwas, was ein Bret Hart möglicherweise nicht verstanden hat.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 31.03.2010 08:25:17 GMT+02:00
digra meint:
Wobei Bret wohl nur zu gut selbst weiss, dass es ein ständiges finanzielles Auf und Ab ist. Das hat er ja bei Stampede Wrestling seines Vaters deutlich gemerkt.
Aber im Gegensatz zu Vince war Stu vielleicht etwas menschlicher.

Veröffentlicht am 28.04.2011 16:46:22 GMT+02:00
kos.mo meint:
Ich persönlich glaube nicht dass Bret vorhatte den Titel mit zur WCW zu nehmen. Wer wüsste besser, dass dies ein no-go ist, als jemand der in einer Familie aufwuchs bei der sich alles ums wrestling drehte.
Er wollte ihn nur nicht im PPV in Kanada verlieren wo er, nach seinem Empfinden, ein Held war. Vince hätte es auch gemacht aber dann auf Drängen von Shawn Michaels nachgegeben (kann man in S. Michaels Biographie, wenn man ein wenig zwischen den Zeilen liest, rauslesen) und die extremere Variante gewählt. Alles was danach folgte hat Vince perfekt ausgenutzt und mithilfe der "attitude era" den Quotenkrieg für sich entschieden und schließlich sogar die WCW aufgekauft.
‹ Zurück 1 Weiter ›

Details

Artikel

4.5 von 5 Sternen (11 Kundenrezensionen)
5 Sterne:
 (7)
4 Sterne:
 (2)
3 Sterne:
 (2)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
Gebraucht & neu ab: EUR 2,98
Auf meinen Wunschzettel
Rezensentin / Rezensent


Top-Rezensenten Rang: 2.864.269