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Kundenrezension

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Belastungsprobe für Stealth-Shooter-Fans, 29. Juli 2011
Von 
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Project I.G.I. (Computerspiel)
Das Leben in einer Egoshooter-Welt verzeiht keine Fehler. Im Stealth-Genre erst recht nicht. Die Rambo-Taktik ist mitnichten immer die beste Lösung, und wer diese dennoch probiert gibt am Ende umso schneller den virtuellen Löffel ab. Immer in Deckung bleiben, auf leisen Sohlen anschleichen, danach lautlos und schnell zuschlagen - und schon ist man mit weiterhin heiler Haut seinem Missionsziel ein gutes Stück näher. Dieses kleine Erfolgserlebnis ist oft motivierender als das lautstarke Niedermähen des hundertsten Gegners in den meisten Standard-Shootern.
Stealth-Shooter sind keine Exoten, denn es haben sich in den vergangenen Jahren einige Marken etabliert. Und doch gibt es kaum eine unter ihnen, die Spieler meines Erachtens wirklich taktisch bis zum Äußersten herausfordern. Höre ich da jemanden große Namen rufen wie "Splinter Cell", "Hitman" oder "Metal Gear Solid" rufen?!
Ha ! Mit der Lupe betrachtet sieht es in Wahrheit doch so aus:
"Splinter Cell" - Mehr als das ständige Schattenspielchen hat der liebe Sam Fisher leider nicht drauf. Wäre nicht sein engster Verbündeten - die Dunkelheit -, gäbe es überhaupt keine taktische Note. Spielerisch betrachtet ein kinderleichter Spaziergang, der auf nahezu alle Teile der Reihe zutrifft ("Convictions" nicht mitgerechnet, kenne diesen bisher nicht).
"Hitman" - Schon gehobenere Kost, die mehr Möglichkeiten für lautlose Attentate zulässt. Die Reihe rund um den Glatzkopf mit markantem Strichcode auf Selbigen leidet dafür seit dem indizierten Erstling an fehlenden Neuerungen und teils unfairen Level-Passagen. Und bei Verwendung lautstarker Tötungswerkzeuge wurde man seltener bestraft als es eigentlich der Fall sein sollte. Ob der in Entwicklung stehende Teil 5 daran was ändern wird, bleibt abzuwarten.
"Metal Gear Solid" - Auch wenn es als Stealth-Action-Game geworben wird, die Reihe ist mehr für seine Action mit eher oberflächlicher Stealth-Komponente bekannt. Spaß macht sie trotzdem, was anderes wäre gelogen, aber als echte Stealth-Shooter zähle ich diese nicht.

Wenn ich nun versuche, mich an den letzten Schleich-Shooter zu erinnern, welcher selbst bei Profis für schlaflose Nächte gesorgt hat (weil realistisch schwer), fällt mir gerade ein einziger Titel ein: "Project I.G.I." aus dem Jahr 2000. Ein wahrlich uralter Vertreter des Genres, doch vom Alter und der Präsentation des Spiels sollte man sich täuschen lassen, denn dieses Game hatte es echt in sich.

Als einsamer Spezialagent David Jones gilt es aktiv gegen einen russischen General und seine Soldatenschaft zu operieren, um die Bedrohung in Form einer nuklearen Waffe aus dem Weg zu räumen. Dabei bewegt man sich in 14 knallharten Missionen möglichst unentdeckt, effektiv und treffsicher durch feindliches Terrain.
Vorab seien Interessierte gewarnt: "Project I.G.I." eignet sich überhaupt nicht für Freizeit-Rambos. Das Spiel setzt stark auf verdecktes Voranschreiten, Auskundschaften der Umgebung und die Nutzung technischer Hilfsmittel wie den Feldstecher und den Satellitencomputer. Letztere sind umso überlebenswichtiger, weil man so die Positionen und die Bewegungsmuster feindlicher Einheiten besser einstudieren kann - ein Spielelement, das dem der "Commandos"-Reihe nachempfunden wurde.
Generell wird rüpelhaftes Vorgehen schnell gestraft, denn alarmierte Soldaten rücken einem schnell im Dutzend zu Leibe, was nach höchstens 1-2 erlittenen Treffern den sofortigen Bildschirmtod zufolge hat. Ohne sorgfältige Planung, Schnelligkeit und Deckungssuche scheitert man garantiert mehr als nur einmal.
Das Waffenarsenal beinhaltet klein- und großkalibrige Schusswaffen sowie verschiedene Granatentypen und ein Armee-Messer. Vom Großteil davon wird auch tatsächlich Gebrauch gemacht, der sinngemäße Einsatz der jeweiligen Waffe hängt davon ab, ob auf kurzer / weiter Entfernung, durchschlagend oder möglichst geräuschlos gekämpft wird. Distanzen, Lautstärke und Zielgenauigkeit sind dabei stets zu berücksichtigen. Schließlich haben die Gegner nicht nur Augen, sondern auch gute Ohren. Und ihre KI gehört auch nicht zur Schlechtesten.

Ohne drumherum zu reden: Der Schwierigkeitsgrad dieses Shooters ist schon zu Beginn nicht ohne, und er steigert sich im Laufe der Mission in schwindelerregende Höhen. Kleinste Fehler oder Unachtsamkeit, und man fängt sich schneller die Kugel ein als der Köter die Zecke. Doppelt hart kommt noch hinzu, dass auf eine Speicherfunktion während einer laufenden Mission bewusst verzichtet wurde, ein Patch zur Entschärfung wurde nie nachgeschoben. Oft stand ich kurz vorm Abschluss einer Mission, um auf den letzten Metern vor die Linse eines guten Schützen zu laufen oder ungewollte Aufmerksamkeit zu erregen. Dass man in solchen Situationen vor Frust glatt in die Tastatur beißen wollte (und das sehr oft ! *g*), kann sich wohl jeder nur zu gut ausmalen. Aber das widerum war Ansporn genug, seine eigene Vorgehensweise bzw. Taktik zu überdenken und entsprechend zu ändern. Nur hartnäckige Genre-Fans werden sich dieser Herausforderung stellen, der Rest wirft schnell gefrustet das Handtuch. Fragt mich nicht wie viele Nächte ich damals mit "Project I.G.I." verbracht habe, ich weiss nur dass ich es letztendlich erfolgreich beendet habe. Schaffbar ist es also schon, die Anpassungsfähigkeit des Spielers ist eben gefragt.

Man muss sich vor Augen halten, dass das Spiel aus dem Jahre 2000 stammt und seinen technischen Zenit längst überlebt hat. Level-Architektur, Figuren-Design und Textur-Qualität sind für heutige verwöhnte Augen kaum als "hübsch" anzusehen, mit beinah unendlicher Weitläufigkeit, hoher Sichtweite und netten Wettereffekten aber immerhin noch erträglich.
Die Sound-Seite dagegen ist frei von Tadel: Gute englische Sprachausgabe (deutsch untertitelt), authentische Waffengeräusche und angenehm klingende Hintergrund-Musik sprechen für sich.

Wie "Project I.G.I" sich mit heutiger Hardware verträgt habe ich nicht ausgetestet, Tatsache ist aber dass es schon damals auf manche Grafikkartentreiber-Version höchst empfindlich reagierte. Soll heissen: Das Fadenkreuz und die Lebensenergie-Leiste löste sich bei falscher Treiber-Wahl gern in Luft auf. Brachte lustigerweise ein nochmal verstärktes "Realismus-Feeling" mit sich, gleichzeitig war aber mit der Zielgenauigkeit sofort Sense. Zur Not musste man sich einen kleinen Spot auf den Monitor kleben, der als Aim-Hilfe dient. Not macht bekanntlich erfinderisch. ;-)

Fazit:
Stealth-Shooter mit Hardcore-Schwierigkeitsgrad gesucht ? Dann zugreifen. Bei heutigen Genre-Vertretern wird man das Prädikat "schwer" nur noch mit Vorsicht verwenden, wenn man "Project I.G.I" vorher angezockt hat. Ohne Witz. Unerfahrene und Semi-Geübte sollten wegen großer Frustgefahr lieber Abstand halten.
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S. K.
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