summersale2015 Hier klicken Jetzt Mitglied werden Liebeserklärung Cloud Drive Photos Learn More blogger ssvpatio Fire HD 6 Shop Kindle Sparpaket SummerSale
Kundenrezension

105 von 125 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "A Darwinist Mob Goes After a Serious Philosopher", 7. Oktober 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Geist und Kosmos: Warum die materialistische neodarwinistische Konzeption der Natur so gut wie sicher falsch ist (Gebundene Ausgabe)
... so titelte die "New Republic" über einer Rezension zu Nagels "Mind and Cosmos" von Leon Wieseltier. Selten schlug ein wissenschaftstheoretisches Werk in jüngerer Vergangenheit solch hohe Wellen. Thomas Nagel, ein atheistischer, linksliberaler Philosoph, noch dazu einer der renommiertesten und populärsten der USA, sagt das Ende des Materialismus und des Darwinismus in heute gängiger Form voraus. Naturalisten, Materialisten, besonders ostentative Atheisten, toben und ergehen sich z.T. in wütenden Beschimpfungen. "Schäbig" seien Nagels Gedanken, "Mitglied einer reaktionären Bande" sei er.

Dabei wäre es ganz und gar nichts Neues, dass sich ein eindimensionaler Naturalismus bzw. Materialismus als Blockade erweist. Zuletzt konnte man das am Anfang des letzten Jahrhunderts beobachten. Die entscheidende Frage war, ob es eine Grundordnung des Seins gibt, die noch bestimmender für das Geschehen in der materielle Welt ist, als die sich aus der physikalisch-chemischen Eigenschaftlichkeit der Dinge ergebenden Wechselwirkungen. Genau diese Sicht der Dinge, sei es in Form eines spinozistischen Weltbildes wie bspw. bei Einstein oder in der eines theistischen wie bspw. bei Planck, war Voraussetzung für die wissenschaftlichen Einsichten, die der festgefahrenen Physik des auslaufenden 19. Jh. zu einem neuen Durchbruch verhalfen.

Ein ähnliches Bild in der Mathematik jener Epoche. Die Konstruktivisten bzw. Positivisten - Hilbert, Russell, Frege - hatten sich mit ihrer Suche nach rein konstruktivistischer Konsistenz festgefahren. Wieder war es jemand, der imstande war, sich eine ebenso unser unmittelbares Denken wie auch die empirischen Muster über- oder hintergreifende Ordnung vorzustellen, der den gordischen Knoten durchschlug: der religiös geprägte Mathematiker Kurt Gödel (Stichwort Unvollständigkeitssätze).

Nagel macht deutlich: Von Antworten in Bezug auf die großen Fragezeichen der Naturwissenschaft - Universum aus dem Nichts, Naturgesetze, Feinabstimmung der Naturkonstanten, Entstehung von Leben aus toter Materie, Entstehung von Bewusstsein - sind wir nach wie vor meilenweit entfernt und es ist auch nicht vorstellbar, wie im materialistischen Paradigma Auswege aus dieser Sackgasse zu finden sind.

Ist Leben, ist gar Bewusstsein reduzierbar auf physikalische Abläufe? Das behaupte ja niemand, sagen einige der Gegner Nagels. Leben sei gegenüber den zugrunde liegenden physikalisch-chemischen Prozessen "emergent"; Bewusstsein gegenüber der zugrunde liegenden Bio- bzw. Neurochemie. So gibt es also keine Rückführbarkeit? - fragt Nagel zurück. Und sofort wird das Dilemma deutlich. Der Begriff der "Emergenz" kaschiert nur klaffende Erklärungslücken in den Theoriegebäuden - zur Klärung beitragen kann er so gut wie nichts.

Doch nicht nur um die Frage, wie Bewusstsein entsteht, geht es. Im Evolutionsprozess ist die treibende Kraft der Druck zur bestmöglichen Anpassung einer Spezies an die Umwelt. Mutation und Selektion - erweitert durch den Horizont, den die moderne Molekularbiologie eröffnet - sind die Mechanismen, durch die sich diese Entwicklung vollzieht. Dass Evolution menschliches Bewusstsein mit einem Denkapparat, der eine cleverere Gefahrenabwehr, Nahrungsversorgung u.ä. ermöglicht hervorbringt, wäre rein formallogisch noch nachvollziehbar. Wie aber erklärt sich eine neurophysiologische Ausstattung, mit der es möglich ist, so etwas wie die Brandenburgischen Konzerte zu komponieren, die Infinitesimalrechnung oder Hegels Phänomenologie des Geistes" zu entwickeln?

Wie, so fragt Nagel, kann die Evolutionstheorie erklären, dass der Mensch eine Vorstellung von objektiver Wahrheit und moralischen Absoluta entwickelt? Bezeichnenderweise wird beides nicht selten von naturalistischer Seite bestritten. Es gäbe keine Objektivität, sondern nur subjektiv konstruktivistische Sichtweisen. Dass Paradoxon, das im objektiven Geltungsanspruch einer solchen Aussage liegt, übersieht man. Ebenso kann keine auf Selbst- oder Gruppenerhalt abstellende Theorie des Altruismus - der sich so, wie fast alles, das menschlichen Leben Sinn und Wert verleiht, als listig verkappter Egoismus darstellt - erklären, warum die Selbstlosigkeit bspw. eines Maximilian Kolbe, Menschen zeit- und kulturübergreifend Respekt abnötigt.

Oft ist im Zusammenhang mit Nagel von einer aristotelischen Renaissance die Rede. Viel eher erinnern Nagels Gedanken jedoch an Hegel oder Schelling. Geist bzw. eine geistige Ordnung als der Materie gegenüber ursprünglicher anzusehen, macht durchaus Sinn. Noch einmal zum Bsp. Relativitätstheorie: Bewegte Objekte schrumpfen, bewegte Uhren gehen langsamer, mit zunehmender Geschwindigkeit vergrößert sich die Masse - physikalische Eigenschaften verändern sich also einzig um des Erhalts einer universellen Ordnung willen. Im Paradigma des damaligen Materialismus hätte man auf derartiges wohl kaum kommen können und die ersten Reaktionen waren dementsprechend.

Nagel bleibt bezüglich der Alternativen zum reduktionistischen Naturalismus im Vagen. Wenn er von Teleologie redet, denkt er offenbar an eine Art Tendenz zur Komplexitätssteigerung, die sich im Rahmen sonstiger Naturgesetzlichkeit im Kontext des jeweils Möglichen verwirklicht. Solche "Tendenzen" gibt es in der Physik auch andernorts. In der Thermodynamik ist, wie der Physiker Ludwig Boltzmann es einst ausdrückte, der zweite Hauptsatz vom molekulartheoretischen Standpunkte ein bloßer Wahrscheinlichkeitssatz" In der Quantenmechanik sind die Positionen der Elektronen unbestimmt; es gibt lediglich eine größere Aufenthaltswahrscheinlichkeit im Bereich der sog. Orbitale. An anderen Stellen im Buch deutet Nagel die Idee einer noch darüber hinaus gehende Zielorientierung und Sinnrealisierung an, etwa wenn er von einer "kosmischen Prädisposition der Entstehung von Leben, Bewusstsein und den Werten, die sich davon nicht trennen lassen" redet.

H. Allen Orr, einer der renommiertesten Evolutionstheoretiker unserer Tage, geht in seiner Rezension in der New York Review of Books" mit Nagel insgesamt nicht konform, gesteht aber zu: "It could turn out that teleological laws affect how the universe unfolds through time. While I suspect some might regard such heterodoxy as a crime against science, Nagel is right that there's nothing intrinsically unscientific about teleology. If that's the way nature is, that's the way it is, and we scientists would need to get on with the business of characterizing these surprising laws. Teleological science is, in fact, more than imaginable."

Dgl. ist für naturalistische Dogmatiker ein Sakrileg. Der Atheist Nagel kann noch so oft betonen, dass er keinen theistischen Standpunkt vertritt, dass er nicht Intentionalität" meint, wenn er Teleologie" sagt - es nützt nichts. Zu sehr scheinen seine Argumente den Theisten, dem Intelligent Design gar, in die Hände zu spielen. Und Nagel, als Freidenker nur der Wahrheit verpflichtet und nicht bereit, sich irgendwelchen PC-Geboten zu beugen, macht i.d.T. deutlich, dass er zwar den Design-Ansatz nicht teilt, ihn aber für legitim und das pauschale ID-Bashing für unseriös hält.

Die Stärke von Nagels Buch liegt in der Herausarbeitung der Fragestellungen, die sich einer Beantwortung im Paradigma eines eindimensionalen Naturalismus entziehen. Dass er selbst keine ausgearbeiteten Antworten zur Hand hat, macht der Autor von vornherein deutlich. Er skizziert in welche Richtung diese aus seiner Sicht gehen müssten. Wirklich überzeugend ist er diesbezüglich nicht. Dennoch - ein revolutionäres Buch, welches das oft allzu selbstgefällige wissenschaftliche Establishment gehörig aufmischt und dem Leser viel Stoff zum Nachdenken bietet.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
 

Kommentare

Von 5 Kunden verfolgt

Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-10 von 30 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 19.10.2013 09:22:07 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 08.01.2014 22:37:32 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.10.2013 19:21:44 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 19.10.2013 19:28:23 GMT+02:00
Fabian B. meint:
Na ja, bei Fragen, auf die es kaum eine endgültige Antwort gibt, muss man m.A nicht, wie sie sagen,
irgendwann "die Karten auf den Tisch legen". Aber mit seiner Kritik am strikten Physikalismus, Naturalismus impliziert Nagel ja bereits, dass es in die Richtig agnostisch, die sie ja genannt haben, geht. Dazu passen auch frühere Argumente von Nagel, wie das mit der Fledermaus. Auch eine allwissende Naturwissenschaft könnte den intentionalen Zustand einer Fledermaus nie richtig verstehen, da sie ihn möglicherweise auf nervlicher Ebene erklären, aber nicht künstlich herbeiführen kann. Darüberhinaus sind kritische Positonen zum strikten Reduktionismus generell begrüßenswert, um für gesellschaftliche Aufklärung zu sorgen und eine Gegenpostion zum reinen Wissenschaftsdenken, das u.U. auch falsche gesellschaftliche Folgen (etwa im Strafrecht) nach sich ziehen kann, zu bieten.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.10.2013 10:35:44 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 08.01.2014 22:37:39 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.10.2013 12:50:26 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.10.2013 12:51:28 GMT+02:00
FMA meint:
Bitte genau lesen.. Dass Religiosität in "Gleichungen zu den Relativitätstheorien Niederschlag findet" oder dgl. wurde nirgends behauptet..Es ging darum, dass das neue Weltbild, das sich infolge von Einstein, Planck und Kollegen ergab den Rahmen des damaligen Naturalismus völlig sprengte, während die Ergebnisse im Rahmen eines spinozistischen, idealistischen, deistischen oder theistischen Weltbildes weit besser zu integrieren waren. Heisenberg kam in Hinblick auf antike Vordenker nicht umsonst zu dem Schluss, dass Platon mit seiner Ideenlehre weit richtiger gelegen hat als Demokrit mit seiner Teilchenlehre. Planck sah sich darin bestätigt, dass "Geist der Urgrund der Materie" sein müsse... Der materialist. Substanzbegriff war auf einmal nicht mehr haltbar,, Und dann entwirft dieser Lemaître, Physiker, Theologe und späterer Präsident der Päpstl. Akademie d. Wiss. die Urknalltheorie.. Von Einstein zunächst als ein bisschen sehr biblisch inspiriert belächelt.. Aber dann war es mit der Ewigkeit von Raum, Zeit und Materie auch dahin - im Grunde alles, was den damaligen Naturalismus ausmachte - und was seine vehementen Vertreter, die sicher auch nicht dümmer waren, daran hinderte das zu sehen, was ihre Kollegen mit einer etwas weiter gestellten Optik sehen konnten...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.10.2013 12:54:11 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.10.2013 12:54:34 GMT+02:00
FMA meint:
Darwin entwickelte die Evolutionstheorie übrigens auch als engagierter Christ.. (obwohl man in diesem Fall sicherlich nicht unbedingt eine Verbindung herstellen kann..) Der Kreationismus kam mit dem mechanist. Weltbild auf,,, Schon in Patristik und Scholastik ist dagegen von "creatio continua" die Rede und wenn man Genesis genau liest, klingt das ja auch nicht unbedingt nach unmittelbarer, punktueller Schöpfung ("Die Erde bringe hervor...")..
"Karten auf den Tisch" kann doch nur heißen "Fakten auf den Tisch" - egal wem man damit vermeintlich od. tatsächlich in die Hände spielt - und nicht, wie Sie meinen, sich auf eine genormte Sicht der Dinge festzulegen.. Das führt nämlich dazu, dass alles was dem entgegen stehen könnte, ängstlich-aggressiv ausgeblendet, zurecht gebogen oder wegerklärt wird, was man bspw. "sehr schön" in den Publikationen von Hardcore-Atheisten a la Dawkins beobachten kann..
Auch was den "Kampf" in den USA betrifft empfehle ich seriöse Analysen, bspw. BPB, M. Pally od. die jüngste Studie von Wissensch. des MIT zum Thema..

Veröffentlicht am 22.10.2013 21:42:40 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 08.01.2014 22:37:48 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.10.2013 17:22:42 GMT+02:00
FMA meint:
Was den Spinozismus betrifft, kann man Ihnen aus christlicher Sicht ja in vielem nur zustimmen. Ich glaube aber nicht, dass es mit dem "Sog des Numinosen" zu tun hat, sondern eher mit dem Erstaunen über die mathematische Struktur der Welt und dem Eindruck perfekter Abgestimmtheit des Ganzen. Im Bereich der Biologie stellen sich die Dinge etwas anders dar, das ist schon richtig. Aber auch hier haben wir es immerhin mit kaum zu erwartenden Entwicklungen zu tun. Deshalb dürften die "Supranaturalisten" - zumind. in der Spitzenliga und unter Einbezug der jüngeren Geschichte - gar nicht soooo dünn gesät sein. Wie schrieb S.J. Gould so schön im Hinblick auf den hysterischen Atheismus seines Kollegen Richard Dawkins:

"Um es für alle meine Kollegen und zum abermillionsten mal zu sagen: Die Wissenschaft kann das Thema der möglichen leitenden Hand Gottes durch ihre anerkannten Methoden nicht beurteilen. Wir bestätigen es nicht, wir weisen es auch nicht zurück, wir können als Wissenschaftler einfach nichts darüber sagen. [...] Darwin selbst war Agnostiker (der seine religiösen Gefühle erst nach dem tragischen Tod seiner Tochter verlor), aber der amerikanische Botaniker Asa Gray, der das Konzept der natürlichen Selektion befürworte und ein Buch namens "Darwiniana" schrieb, war ein ergebener Christ. Gehen wir 50 Jahre weiter: Charles D. Walcott, der Entdecker der Burgess Shale-Fossilien war ein überzeugter Darwinianer und ein gleichermaßen treuer Christ, der daran glaubte, dass Gott die natürliche Selektion erfunden hatte, um die Geschichte des Lebens gemäß Seinen Plänen zu erschaffen. Noch einmal 50 Jahre weiter bis zu zweien der größten Evolutionsbiologen unserer Generation: G.G. Simpson war humanistischer Agnostiker und Theodosius Dobshansky ein gläubiger Russisch-Orthodoxer. Entweder ist die Hälfte meiner Kollegen ausnehmend dumm oder die Wissenschaft des Darwinismus ist vollkommen vereinbar mit herkömmlichen religiösen Überzeugungen - und ebenso vereinbar mit dem Atheismus."

Veröffentlicht am 27.10.2013 17:47:05 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 08.01.2014 22:37:56 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.11.2013 15:40:32 GMT+01:00
FMA meint:
"wären ich in Ihren Augen dann ein "hysterischer Zeus-Leugner"?"

Wenn Sie es so emotional, feindselig und in der Sache inkompetent taeten wie Dawkins - natuerlich! Aber hier wird m.E. bereits deutlich, wie sehr sich neu-atheistische Eiferer etwas vormachen. Schon bei Islam oder Hinduismus hoert das Beduerfnis dagegen zu argumentieren auf. Befasst man sich damit, eroertert man, wie politisch und gesellschaftlich mit diesen Religionen umzugehen ist. Beim - doch angeblich so offensichtlich unsinnigen - Christentum hingegen, loeckt der intellektuelle Stachel. Auch in Ihrem Kommentar wird dies ueberdeutlich, zumal e shier doch gar nicht um die Frage ging, ob am Christentum etwas dran ist oder nicht, sondern darum, welche Metaphysik im weitesten Sinne eine productive Basis fuer die naturwissenschaftliche Forschung darstellt.

"Und warum ist jemand wie Dawkins ein hysterischer Atheist, nur weil er öffentlich und mit Nachdruck den Theismus als "delusion" bezeichnet?"

Theismus erscheint denkenden Menschen von jeher als eine von verschiedenen plausiblen Weltanschauungen. Was soll das mit "Delusion" - Wahn, ein wissenschaftlich gut erforschter Geisteszustand - zu tun haben?

"Und was ist dann mit all den Theisten in Amt und Würden, ... sind die nicht dann mindestens ebenso hysterisch?"

Es gibt religioese Hysterie, die mit dem Christentum des Neuen Testaments, dessen Metaphern und Symbolen, die fuer eine transzendente Wirklichkeit stehen, nicht viel zu tun hat. Und i.d.T. - religioeser oder atheistischer Fanatismus, das nimmt sich nicht viel.

"Natürlich sind Gottglaube und Wissenschaft auf der persönlichen, "existentiellen" Ebene vereinbar, sprich: sie können im Gehirn eines und desselben Menschen koexistieren. Das beweist rein gar nichts."

Wer will etwas beweisen? Es geht um eine freie, kritische, ergebnis- und erfahrungsoffene Art und Weise, der Welt zu begegnen. Naturalistische und religioese Dogmatiker haben offenbar Probleme, offene Fragen auszuhalten; muessen sich und andern staendig zu beweisen versuchen, dass sie nicht falsch liegen.

"Denn worum es in der Wissenschaft geht, ist nicht die persönliche Erlebnisebene, sondern die intersubjektive Erklärungsebene, und hier sind beide Seiten nicht kompatibel."

Richtig - deshalb sollte Wissenschaft ihre Grenzen akzeptieren koennen..

"Wenn es etwa um ein Phänomen wie die "verkehrt herum" eingebaute Retina des Wirbeltierauges geht...."

Sie geben hier weder die evolutionstheoretische Sicht der Dinge richtig wieder ("rein zufaellig" ist einzig die Entstehung eines lichtempfindlichen "Flecks", so wie alles Neue in dem Stadium, indem es sich noch mit keinerlei selektivem Vorteil verbindet) - noch haben Sie sich mit den Gegenargumenten des ID an dieser Stelle auseinandergesetzt. Ganz so einfach ist die Sache naemlich auch wieder nicht. Diese Art von Inkompetenz und Arroganz in der Diskussion ist es uebrigens, die Nagel in seinem Buch voellig zu Recht kritisiert...

Veröffentlicht am 03.11.2013 11:07:39 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 08.01.2014 22:38:04 GMT+01:00]
‹ Zurück 1 2 3 Weiter ›