Kundenrezension

52 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wer wissen will was morgen diskutiert wird, sollte dieses Buch heute lesen., 22. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Worauf warten wir?: Ketzerische Gedanken zu Deutschland (Taschenbuch)
Mit dem wachen Auge des in Deutschland aufgewachsenen und lange Zeit hier wirkenden, jetzt jedoch im Ausland lebenden Beobachters, analysiert Notker Wolf (Abtprimas des Benediktinerordens) die geistige Grundhaltung in der Bundesrepublik.
Die insgesamt 21 flüssig geschriebenen Kapitel lassen sich grob in drei Themenblöcke gliedern, deren erster aus der Position des Kosmopoliten heraus geschrieben ist.
Getreu der Erkenntnis, dass sich große Zusammenhänge nur mit Abstand erkennen lassen, schaut Wolf mit seinen in der Welt gesammelten Erfahrungen auf unser Land. Ein Land, das er als „Wartesaal voller Verbotsschilder“ beschreibt, „bei denen das größte strengstens untersagt, bei Ankunft des Zuges den Bahnsteig zu betreten“ – während sich in der Welt der Globalisierungswettlauf beschleunigt.
Der zweite Themenblock ist eine leidenschaftliche Abrechnung mit dem Geist der 68'er. Dieser Strömung wirft Wolf vor, sie habe einen Staat mit moralisch überhöhtem Anspruch geschaffen. Die Folge: Der Einzelne wurde aus der Verantwortung für die Gesellschaft entlassen. Der auf den Staat übertragene moralische Anspruch spricht von eigener Schuldhaftigkeit frei. Selbstverwirklichung tritt an die Stelle von Freiheit in Verantwortung. Was daraus folgt, ist ein „Betreuungsstaat“, bei dem Reformen vom Scheitern bedroht sind, da sie den „Mythos von 68“ aufs Spiel setzen.
Der Grundtenor von Wolfs Plädoyer ist der freie, selbst bestimmte Mensch, der sein Lebensglück in die Hand nimmt anstatt seine Freiheit – und damit seine Würde – an einen Staat zu verkaufen, der ihm das trügerische Versprechen gibt, dafür alle Lebensrisiken zu übernehmen.
Nach Wolf geht es darum, dass wir unsere Freiheit zurück gewinnen (3. Themenblock) und uns aus der Lage des „gehorsamen, resignierten, verzagten, also entmündigten Bürgers“ befreien. Daher verwundert es nicht, dass sein kämpferischstes, aber auch sein nachdenklichstes Kapitel die „Gleichheit“ betrifft, in der er eine „deutsche Obsession“ sieht, die zur „Freiheitsberaubung“ der Bürger führte.
Für diesen Aufbruch aus der Unfreiheit ist er sich weder zu schade geradezu lustvoll in Fettnäpfchen zu springen, noch mit analytischer Unbeugsamkeit verkrustete Denkschablonen zu sprengen. Eine davon, die „politische Korrektheit“, interpretiert Wolf als die „Terrorherrschaft des Hintergedankens“. „Multikulti“ versteht er als falsch verstandene Toleranz, die in „kultureller Selbstverleugnung“ endet. Auch beklagt er eine Orientierungslosigkeit mangels einer anerkannten, letzten göttlichen Autorität.
Anstöße zur „Erziehung in der Konsumgesellschaft“ und zum Lehrersein runden das Buch ab.
Die „ketzerischen Gedanken zu Deutschland“ (Untertitel) sind nicht frei von Schwächen. Zu häufig bezieht Wolf sich auf Regeln und Traditionen der Benediktiner. Das verschafft dem Leser zwar einen guten Einblick in das Wirken in Geschichte und Gegenwart dieses Ordens, rückt das Buch aber zu oft weg von einem Denkanstoß für Veränderung hin zu einer Beschreibung der Lebenswirklichkeit des obersten Repräsentanten der Benediktiner. Interessant, aber nicht immer zielführend.
Dazu kommt: Eine Verknüpfung der Gedankenstränge hin zu einem abschließenden Appell „Worauf warten wir?“ fehlt. Sie würde die Schlagkraft des Buches deutlich erhöhen.
Lesetipps: F.A. Hayek "Der Weg zur Knechtschaft", Ludwig Erhard "Wohlstand für alle", Roland Vaubel "Sozialpolitik für den mündigen Bürger", Francis Schäffer "Wie können wir den leben?" (auf engl. erhältlich als "How should we then live?")
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