Kundenrezension

4.0 von 5 Sternen Eine Großtat für Menschen ohne musikalische Scheuklappen, 27. Mai 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Unisonic (Audio CD)
Drei lange Jahre hat es gedauert, bis die Supergroup Unisonic nach ihrer Gründung 2009 die gespannte Fangemeinde mit ihrem Debutalbum beglückt. Die Truppe, bestehend aus Michael Kiske (Gesang, Ex-Helloween und Place Vendome), Kai Hansen (Gitarre, Ex-Helloween, aktuell Gamma Ray), Mandy Meyer (Ex- Gotthard und Krokus), Dennis Ward (Bass, Pink Cream 69) und Schlagzeuger Kosta Zafiriou (Ex-Pink Cream 69) vereint geballte Melodic Metal bzw. Melodic (Hard) Rock Kompetenz und liefert insgesamt 12 Songs ab. Bereits vor der Veröffentlichung ist klar, dass man von dieser Formation keine Double-Bass getränkten Speed Metal Songs erwarten kann. Sänger Michael Kiske bewegt sich seit seinem Ausstieg bei Helloween 1994 vornehmlich in sanfteren Melodic Rock und AOR Gefilden. Dem klassischen Metal hat er entsagt, auch wenn sich seine Einstellung dazu über die Jahre wesentlich gebessert hat. Dennoch bewegt sich das selbstbetitelte erste Album von Unisonic vorwiegend im Bereich des melodischen Hard Rock mit dezenten AOR Einsprengseln.

Die Vorab Single "Ignition" erzeugt bei vielen alten Helloween Fans bereits große Vorfreude auf das Album. Tatsächlich ist der darin enthaltene Titelsong und Opener "Unisonic" die mit Abstand härteste Nummer der CD. Die zackige Hymne ballert ordentlich los, ohne in hyperschnelle Edguy-Gefilde abzudriften. Ein sattes Statement zu Beginn, das zeigt, dass die Herren mittleren Alters ordentlich Dampf unterm Kessel haben. Michael Kiske packt das Genretypische Vibrato aus, seine Stimme klingt aber anno 2012 wesentlich edler und erwachsener als auf seinem Helloween Debut "Keeper of the Seven Keys Part 1" (1987). Mit damals 19 Jahren quietschte sich der Hamburger durch Passagen, die nicht einmal der Große Rob Halford hätte meistern können. Es ist angenehm zu hören, dass Kiske darauf mit über 40 weitgehend verzichtet. Seine beeindruckende Stimme hat solch nerviges Gejaule auch gar nicht nötig.

"Souls Alive" ist die erste Nummer, die Unisonic jemals gemeinsam komponieren. Bereits 2009 als Demo via youtube veröffentlicht, klingt die Albumversion noch einen Tick satter und kraftvoller. Der Refrain funkelt golden, die Gitarren flirren und im Hintergrund unterstützt ein Keyboard dezent geschmackvoll. Hochprofessionelle Melodic Rock-Kost, die deutlich macht, dass hier absolute Könner am Werk sind. Wenige Bands bewegen sich in dem oftmals bieder wirkenden Genre derart gekonnt und unpeinlich wie Unisonic.

Ein weiterer Beweis hierfür ist "Never too late". Das von Kai Hansen geschriebene Gute Laune Stück ist bester Mitsing-Rock für lange Cabriofahrten an Sommertagen. Macht ganz einfach Spaß. Puristen werden mit der vergleichsweise harmlosen Nummer ihre Probleme haben, mir gefällt sie sehr gut. Schlägt in die selbe Kerbe wie etwa der Place Vendome Song "Follow me" oder "Don't walk away" aus dem Kiske/Somerville Projekt. So muss guter Melodic Rock anno 2012 klingen.

"I've tried" weist dezente Progressive-Einflüsse auf. Hübscher Basslauf und ein Rush-artiger Refrain. Einer der Höhepunkte des Albums, gerade wegen seines fast poppigen Klanggewandes. Das ist ganz einfach richtig gute Musik - wenn man nicht mit Scheuklappen an die Sache herangeht.

"Star Rider" klingt dann wieder etwas traditioneller. Der bombastische Refrain schwillt zwar etwas kitschig aus den Boxen, die Nummer geht aber trotzdem völlig in Ordnung. Würde auch auf einem Avantasia Album eine gute Figur machen.

"Never change me" ist der nächste gute Laune Rocker und ein wahrer Ohrwurm. Man bekommt das erfreute Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht. Kiske zeigt in den tieferen Parts die Varianz seiner Jahrhundertstimme und der Refrain geht einem nicht mehr aus dem Kopf.

Wieso die Power-Ballade "Over the Rainbow" nur als Bonustrack auf der Limited Edition enthalten ist, erschließt sich mir nicht, handelt es sich doch mit weitem Abstand um den besten Song der CD. Bands wie Rainbow, Iron Maiden oder Judas Priest wären selbst in den glorreichen 1970er und 80er Jahren angesichts eines derartigen Geniestreichs vor Neid erblasst. Was für ein Brett! Gewaltiger Gänsehautalarm. Die Nummer strotzt nur so vor Melodie und Gefühl. Man schließt die Augen und lässt sich genussvoll treiben im tiefblau schimmmernden Melodie-Ozean. Ja, eine derart poetische Sprache ist hier angebracht. Kai Hansen, danke für dieses Meisterwerk! Jetzt schon ein Klassiker der melodischen Rockmusik.

"Renegade" weckt den geneigten Hörer im Anschluss mit knackigem Schlagzeug und einem wuchtigen Riff aus den Träumereien. Neben dem Titelsong die krachendste Komposition der Platte. Live mit Sicherheit ein Garant für hüpfende Massen. Doch auch hier gilt: Metal ist das nicht. Die Hooks stehen ganz klar im Vordergrund, alles klingt wie aus einem Guss.

Der traditionelle AOR Rocker "My Sanctuary" ist bereits aus der Vorab Single bekannt. Nicht ganz so spektakulär wie ein Großteil des übrigen Materials, trotzdem aber von hoher Qualität. Die meisten anderen Bands würden sich danach die Finger lecken.

Das stampfende "King for a Day" ist das einzige Stück, das etwas abfällt. Musikalisch weiß es zwar zu überzeugen, der mehrstimme Gamma Ray Refrain tönt jedoch etwas zu klassisch teutonisch. Schöner Tempowechsel ab der Mitte, aber etwas mehr Einfallsreichtum hätte gut getan. Ein kleiner Ausrutscher ist aber angesichts der hohen Qualität der anderen Songs zu verschmerzen.

Zumal "We Rise" wieder zurückfindet in die Spur. Das ungewöhnlichste Stück der Platte mit fast poppiger Struktur und gerade deswegen einer der Höhepunkte. Kai Hansen und Dennis Ward beweisen ein weiteres Mal, dass sie in der Lage sind modernen Hard Rock mit großartigen Melodien zu schreiben ohne dass es peinlich wird. Schöne Nummer. An dieser Stelle hätte auch gerne Schluss sein dürfen.

Stattdessen aber folgt mit "No one ever sees me" die einzige Michael Kiske Komposition zum Abschluss. Eigentlich hat der Sänger in den vergangenen Jahren bei Balladen stets eine hervorragende Figur gemacht. Dieser schmalzige Kitschklumpen allerdings hätte nicht sein müssen. Weit entfernt von Meisterwerken der Marke "My Guardian Angel" oder "Right here", die er mit dem sensationellen AOR Projekt Place Vendome veröffentlicht hat. Schade, dass eine starke Platte einen derart belanglosen Abschluss finden muss. Kiske kann es viel viel besser.

Trotz des leichten Dämpfers gegen Ende ist festzuhalten, dass "Unisonic" ein rundum gelungenes Debut darstellt. Haufenweise große Melodien, dynamische Riffs und eine druckvolle Produktion von Dennis Ward machen es zu einer hörenswerten Angelegenheit. Die Songs sind zwar meistens in Bezug auf die Arrangements recht simpel gehalten und dürften Fans von komplexen Songstrukturen eher nicht befriedigen. Wer aber einfach nur gut gemachte, eingängige Rockmusik hören möchte, der ist hier genau richtig. Das perfekte Album für einen entspannten Sommertag. Schon jetzt darf man gespannt sein auf das nächste Album. So kann es weiter gehen, meine Herren.
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