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Kundenrezension

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Wenn Dinge der Veränderung unterworfen sind, was kann der Mensch dann mit Gewissheit von ihnen erkennen?" (J. Duns Scotus), 24. Oktober 2010
Von 
Rezension bezieht sich auf: Der Fänger im Roggen (Taschenbuch)
"Der unreife Mensch kennzeichnet sich dadurch aus, dass er edel für eine Sache
sterben will, der reife dadurch, der er bescheiden für eine leben will."
(Jerome David Salinger)

In dieser Reihe von Goethe, Wedekind, Musil, Robert Walser, hier Salinger und neuerdings Teller liest man über die Dinge, die in der Adoleszens das Erwachen deutlich machen, um Brücken zu bauen, von der Kindheit in das Erwachsenenlager und seiner erhofften Klarheiten. Getrieben von all dem unerwartet Neuen, dem Unerklärten und den unbekannt motivierenden Hormonaktivitäten ist jeder der Protagonisten auf der Suche nach sich, nach seiner Bedeutung, nach seiner Identität. Aufkeimende Sexualität verlangt das Äußerste und gerade diese Zeit ist die, die den Zweifel nährt, der Angst Vorschub gibt und die Idee des Scheiterns gebiert. Ob wir über den Werther, Törleß oder Jakob sprechen, es sind in der Tendenz die gleichen Fragen und es ist die Suche nach den bestimmenden Antworten.

Der 16jährige Holden Caulfield ist die Hauptfigur in J.D. Salingers (1919-2010) Kultbuch, welches nun vorliegt in dieser Übersetzung. Wie der Ursprungstext es vormacht, ist auch diese Übersetzung in einer direkten jugendbetonten Umgangssprache verfasst, lässig und cool sollen die Zeilen daher kommen und sie unterstützen die Vorstellung von Holdens Coolness und zeigen seinen Idiolekt. Salinger geht nicht behutsam vor. Gleich zu Anfang wird deutlich gemacht, dass Holden berichtet, nachdem er aus dem vorherigen Leben hat aussteigen müssen, um sich ruhig zu stellen. Der Schluß, dass er aus einer Therapie berichtet, liegt nahe und wird am Ende bestätigt. Es sind drei Tage vor einem Weihnachtsfest, von denen Holden über sich und seinen Lebensabschnitt berichtet. Drei Tage, die mit dem Scheitern an einer Schule - einem wiederholten Scheitern - beginnen und enden mit den Wünschen nach Flucht aus einem Versteck, dass dieses New York in der Zeit des Vagabundierens nun mal war. Sich nicht den Eltern zu früh zeigen, wohl aber seiner Schwester, den Freunden und gar machen alten Lehrern ist sein Ansinnen. Denn in seiner Streunerzeit wird Holden deutlich, dass er Hilfe zu brauchen scheint. Zwischen dem Vorurteil: "ich bin der einzige Dumme in der Familie", den Vergleich zur klugen und bezauberten Schwester und seinem Bruder als Schriftsteller scheint er zu verlieren, insbesondere scheint seine Coolness zu schwinden, die doch alles Unsägliche verdecken soll. Ihm "war danach, aus dem Fenster zu springen", abzuhauen mit der guten Sally, die er dann aber nicht einmal nach Hause bringen konnte. Jeder ungeschickte Umgang mit den Mädchen war in ihm und seiner Unsicherheit. "Ich bin wahnsinnig", so sein Resümee über sich.

Mr. Antolini war ein alter Lehrer. Ihm jedoch vertraute er sich an und dessen Hilfe, eine Weisheit auf ein kleines Blatt (s.o.) geschrieben, steckte er ein. Holden konnte zu diesem Lehrer gehen, weil er schon intuitiv wusste, dass er ihn erwarten würde. Ihm war er nahe, weil er etwas erhoffte für sein Leben.

Dass er nachts "träumte", er sei verantwortlich für die Kleinen, die am Abgrund im Roggen spielten, er als Fänger im Roggen (Burns: Should a body meet [catch] a body) habe dafür zu sorgen, dass nichts passiert. Er sah seine Verantwortung für sich, dass Erkennen, Erwachsen sein, heißt Verantwortung zu übernehmen, keimt in ihm. So ist es auch mit der Sexualität. Der Lied zum Titel, eine Anverwandlung aus einem Gedicht von Robert Burns, macht es deutlich: O, Jenney's a'weet poor body, / Jenny's seldom dry; / She draigl't a' her petticoattie / Comin thro' the rye. Holden steht an der Klippe, am Abgrund, will aber noch nicht seine Unschuld verlieren. Der Schritt in die Welt der Erwachsenen steht aber unmittelbar an.

Salingers Buch kann man als Gesellschaftskritik lesen. Doch vielmehr ist es ein Entwicklungsroman. Hier erkennt man deutlich, dass der junge Holden trotz aller gespürten Jungenhaftigkeit eine Entwicklung durchmacht, die ihn von der Gesinnungshaltung der Jugend hin zur Verantwortungshaltung des Erwachsenen führt. Dass seine kleine Schwester ihm dabei hilft, zeigt auch, dass Familie bindend ist, hilfreich ist und man nicht vor ihr weglaufen muss.

Wegen der oft übertrieben vulgären Sprache wurde das Buch, erschienen im Jahre 1951, häufig verbannt. Diese Gründe gibt es heute nicht mehr. Es bleibt ein Kultbuch und der Rezensent meint, es ist auch ein Buch, was im fortgeschrittenen Alter lesenswert bleibt. Holdens letzte Worte beginnen mit: "So. Mehr erzähle ich euch nicht."
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 22.02.2011 23:22:59 GMT+01:00
Timo Brandt meint:
Tolle Rezension zu einem meiner Lieblingsbücher - das mit dem Gedicht war mir so bisher gar nicht bekannt.

Gruß
Timo Brandt
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