Kundenrezension

474 von 524 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bittere Milieustudie, 28. September 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Ein plötzlicher Todesfall (Gebundene Ausgabe)
Mit ihrem ersten Roman seit dem Ende der überaus populären Harry-Potter-Reihe entführt uns J. K. Rowling in eine englische Kleinstadt, die ebenso gut in jedem anderen (westlichen) Land dieser Welt liegen könnte.
Die Geschichte beginnt mit dem völlig überraschenden Tod von Barry Fairbrother, einem Lokaljournalisten und Gemeinderat mit großem Herzen, der sich unermüdlich für die Bedürftigen und Unterprivilegierten aus der Sozialsiedlung eingesetzt hat. Wir erleben mit, wie verschiedene Bürger der Gemeinde mit völlig unterschiedlichen Vorstellungen um den durch Barrys Ableben vakant gewordenen Platz im Gemeinderat kämpfen, wobei sie nicht gerade zimperlich vorgehen.

In den ersten Kapiteln führt Rowling eine beachtliche Anzahl an Figuren ein und verknüpft deren Geschichten, Sorgen und Probleme gekonnt miteinander. Sie erzählt von dysfunktionalen Familien und Streit unter Nachbarn, von Liebesaffären ohne Liebe, von Hoffnungslosigkeit und Verwahrlosung, von häuslicher Gewalt und vom Drogenmissbrauch, von Eltern und Kindern, die einander nur noch Verachtung entgegenbringen, kurzum, vom ganz normalen Wahnsinn, der wohl jedem von uns bekannt ist.

Die Atmosphäre ist provinziell, die Handlung mitunter trostlos und entlarvend. Die Autorin rührt tief in den menschlichen Niederungen und beschreibt Abartigkeiten, vor denen niemand verschont wird. Sie beschreibt, wie hilflos Lehrer/innen und Sozialarbeiter/innen den Problemen ihrer Schutzbefohlenen gegenüberstehen und oft nicht in der Lage sind, das Schlimmste zu verhindern. Sie beschreibt ungesunde Familienverhältnisse und wendet sich unbequemen Wahrheiten zu, die niemand wahrhaben will.

Die sprachlichen Mittel, zu denen Rowling greift, sind stilistisch nicht hochwertig, die Sprache, die sie verwendet ist roh, derb und alltagssprachlich, die Dialoge sind oft anstößig und nichts für Zartbesaitete.
So beschimpfen sich Eltern und Kinder gegenseitig aufs Abscheulichste und nicht nur in der Sozialsiedlung, sondern auch in den noblen viktorianischen Vorstadthäusern spielen sich dramatische Szenen voller Hass, Verachtung und Gewalt ab.
Es ist gewiss nicht das literarisch hochwertigste Buch, dass jemals geschrieben worden ist, aber dennoch lesenswert, denn es spricht Alltagsprobleme an, die niemandem, der mit offenen Augen durchs Leben geht, fremd sind. Von mir gibt es daher 4 bis 5 Sterne.

Wenn Sie, lieber Leser/liebe Leserin, es unerträglich finden zu lesen, dass Eltern und ihre Kinder sich gegenseitig beschimpfen und zerstören, dass Frauen weder sich selbst noch ihre Kinder vor roher Gewalt schützen, dass "brave" Bürger fiese Intrigen schmieden, dass Jugendliche auf dem Friedhof vollkommen lieb- und gefühllosen Geschlechtsverkehr haben und dass alle paar Seiten wüste verbale Ausdrücke en masse benutzt werden, können Sie sich die Lektüre dieses Buches und den Ärger über die Zeit- und Geldverschwendung ersparen.

Sollten Sie sich doch für den Kauf (oder für das Ausleihen) dieses Romans entscheiden, erwartet Sie meiner Meinung nach eine gut erzählte, gesellschafts- und sozialkritische Geschichte mit einer Vielzahl an Protagonisten und Handlungssträngen, welche Rowling gekonnt zusammenlaufen lässt. Besonderes Augenmerk hat sie dabei auf ihre jugendlichen Protagonisten gelegt, die für mich persönlich die interessantesten Figuren des Romans sind.
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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1-10 von 17 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 30.09.2012 20:06:02 GMT+02:00
Karina Hack meint:
Vielen Dank für Ihre Rezension. Sehr informativ. Könnten Sie noch etwas zur Qualität der Übersetzung sagen. Danke

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 30.09.2012 21:53:56 GMT+02:00
Vio meint:
Hallo Karina,
vielen Dank für Ihr Lob.
Ich habe das Buch sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch gelesen. Das Original hat mir persönlich besser gefallen, wenngleich ich nicht sagen könnte, dass die deutsche Übersetzung schlecht wäre. Der eher schlichte Stil des Originals wurde übernommen, die Sätze sind für gewöhnlich eher einfach und kurz gehalten, da sie sehr nah an den Gefühlen und Gedanken der Protagonisten sind.
Ich hoffe, dass ich Ihnen ein wenig helfen konnte.
Liebe Grüße, Vio

P.S.: Vielleicht hilft es Ihnen weiter, zwei Amazon-Seiten zu öffnen und beide Male die Funktion "Blick ins Buch" anzuklicken. Dann können Sie zumindest die ersten paar Seiten direkt miteinander vergleichen.

Veröffentlicht am 02.10.2012 10:20:53 GMT+02:00
Lilly meint:
Also ein Buch wie aus dem Leben gegriffen! Vielen Dank für Ihre excellente Rezesion, die Lust auf lesen macht.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.10.2012 10:38:03 GMT+02:00
Karina Hack meint:
Hallo Vio,
vielen Dank für Ihre zusätzliche Info! Ich habe mir jetzt einfach mal eine Leseprobe auf meinen Kindle geschickt, dass sollte meine Entscheidung erleichtern :-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.10.2012 15:58:30 GMT+02:00
Vio meint:
Liebe Lilly,
danke für Ihren charmanten Kommentar.
Seien Sie darauf gefasst, dass Sie ein untypisches Buch zu lesen bekommen: Statt einem oder zwei netten Hauptprotagonisten gibt es eine Vielzahl von gleichwertigen und oft unsympathischen Figuren und ein Happy End gibt es für einige der Protagonisten auch nicht - ganz im Gegenteil ...
(Der Schluss mag manchen Lesern zu dramatisch vorkommen, passt aber besser zum Gesamtwerk als ein Happy End es getan hätte.)
Liebe Grüße, Vio

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.10.2012 15:59:17 GMT+02:00
Vio meint:
Gern geschehen, liebe Karina

Veröffentlicht am 02.10.2012 16:24:18 GMT+02:00
Liebe Vio,

hm. Zitat:

Wenn Sie, lieber Leser/liebe Leserin, es unerträglich finden, dass Eltern und ihre Kinder sich gegenseitig beschimpfen und zerstören, dass Frauen weder sich selbst noch ihre Kinder vor roher Gewalt schützen, dass "brave" Bürger fiese Intrigen schmieden, dass Jugendliche auf dem Friedhof vollkommen lieb- und gefühllosen Geschlechtsverkehr haben und dass alle paar Seiten wüste verbale Ausdrücke en masse benutzt werden, können Sie sich die Lektüre dieses Buches und den Ärger über die Zeit- und Geldverschwendung ersparen.
// Zitat Ende

Ich frage mich gerade, warum man das nicht unerträglichfinden sollte? So ist es doch wahrscheinlich auch gemeint?

Beste Grüße

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.10.2012 23:21:04 GMT+02:00
Vio meint:
Hallo Morgan,

ich glaube, dass die meisten Leser und Leserinnen - mich selbst eingeschlossen - die im Buch geschilderten Familien- und Nachbarschaftsverhältnisse Entsetzen erregend und schwer zu ertragen finden (werden). Zugleich weiß ich ebenso gut wie jeder andere, dass es in vielen Familien tatsächlich so zugeht wie hier beschrieben.
(So kenne ich Familien, in denen sich häusliche Gewalt und Drogenmissbrauch durch Generationen ziehen.)

Meine Absicht beim Schreiben dieser Zeilen war es, potentielle Leser darauf vorzubereiten, was sie bei der Lektüre des Romans erwartet, nämlich Geschichten, die gesellschaftliche Abgründe aufzeigen und aus dem Leben gegriffene Protagonisten, welche sich gegenseitig (physisch und psychisch) die grausamsten Verletzungen zufügen.

Also, ja, die im Buch dargestellten Verhältnisse können Sie selbstverständlich unerträglich finden!
Mir geht es einfach darum, den künftigen Lesern klarzumachen, was beim Lesen auf sie zukommt.

Liebe Grüße, Vio

Veröffentlicht am 05.10.2012 16:16:48 GMT+02:00
* meint:
Nur mal so: Wie kann denn etwas prompt nicht geschehen?
Ansonsten: Hört sich nach einer sehr hilfreichen Rezension an.

Veröffentlicht am 05.10.2012 16:40:38 GMT+02:00
Helga Kurz meint:
Das Buch erschien am 27.9., Ihre Rezension am 28.9. 575 Seiten in so kurzer Zeit gelesen, womöglich bereits auf deutsch und englisch, eine ausführliche gescheiterte Rezension und eine geänderte, die dann veröffentlicht wurde - Respekt. Mehr als Querlesen und das Verfassen von ein paar Allgemeinplätze wären bei mir da nicht drin.
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