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Kundenrezension

49 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Man fragt nach dem Sinn dieser DVD..., 20. Dezember 2007
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Homo Faber [2 DVDs] (DVD)
Lange hat es gedauert, ehe die Verfilmung eines der populärsten deutschsprachigen Romane überhaupt auch das Licht der digitalen Welt erblickte: Max Frischs Homo faber". Der Erlebnisbericht des Technikers, der in seiner rationalen Welt verfangen ist, der zwar die notwendigen Erkenntnisse über sein falsch gelebtes Leben noch gewinnt, aber dafür teuer bezahlen muss.

1991 setzte Volker Schlöndorff den Stoff um. Für Freunde und Verehrer der grandios geschriebenen Geschichte Walter Fabers war dies endlich die Möglichkeit, neue Einblicke und Erkenntnisse zu gewinnen. Oder doch nicht? Das Echo auf Seiten der Kritik fiel gemischt aus, denn Schlöndorff vereinfachte den Stoff stark. Das Krebsleiden Fabers wird nur äußerst subtil angedeutet (dazu gleich mehr), die Liebesgeschichte rückt ins Zentrum und somit nicht der eigentliche Mittelpunkt: Fabers Dilemma eines selbst auferlegten, falschen Menschenbildes. Es geht im Leben um weit weit mehr als Ratio und Technik. Nicht die Macht des Schicksals läutert Faber, nicht bloße Zufälle - denn nach Frischs Verständnis, war und ist es immer das "Fällige", das einem passiert.

Schlöndorff wählte zur Verkörperung des Walter Faber Sam Shepard, einen smarten, groß gewachsenen Charaktermimen. Der Oscar nominierte Pulitzerpreisträger Shepard - eine nicht gerade häufige Konstellation - vermag in seine Mimik Stoik zu legen; aber ebenso eine gewisse Fragilität. Das macht ihn eigentlich wie geschaffen für die Rolle, wäre er nicht ein viel zu charismatischer Walter Faber. Dass dieser Mensch nämlich ein zynischer Misanthrop ist, der seinen toten Jugendfreund Joachim lieber mit der Kamera filmt, als in Trauer zu verfallen, der seine Geliebte - Ivy - kurzerhand abserviert und sich zu den bewegenden Worten: "mag sein, ich war gemein" hinreißen lässt, all das glaubt man Shepard nicht. Oder besser: Man würde es ihm nicht glauben, hätte Schlöndorff die Figur plastischer gezeichnet.

Julie Delpy als Sabeth verzaubert und betört. Unschuldig, engelsgleich erweckt sie in Faber das Gefühl echter Liebe. Einer wie ihr nimmt man das ab. Definitiv ist die Französin eine Sabeth, die man sich so vorgestellt hätte. Ein weiterer Volltreffer ist Barbara Sukowa als Hanna. Ihre verhärmte Mimik deutet die Defizite der Figur aus dem Roman an. Auch Hanna ist ja letztlich ein sozial eher schwieriger Fall, eine etwas skurrile Person. Sukowa spielt dies grandios. Lässt man also mal beiseite, dass da eine nicht nur sprachlich hochklassige Romanvorlage existiert, bietet der Film ein sehr gutes Schauspielerensemble, das eine eher einfache, aber relativ souveräne Dramaturgie gut umsetzt. Anders gesagt, Schlöndorffs Film ist als Film gut.

Was macht nun die DVD. Wer den Film bereits kannte, der darf sich wundern, denn einiges fehlt. Kein zusammengebrochener Walter Faber auf der Flughafentoilette, kein "Sturz vornüber in die Bewusstlosigkeit", keine Odyssee, bis der Jugendfreund endlich gefunden wurde. Die Szenen sind zwar als Extras vorhanden, aber eben nur als solche. Das ist schade, denn so verliert der Streifen nochmals an Komplexität. Eigentlich ist das ein Unding. Denn wer schaut sich eine Literaturverfilmung mehrheitlich an? Freunde von Actionfilmen, oder doch eher Schulklassen, die darüber diskutieren - bzw. Menschen, die sich damit auseinandersetzen wollen.

Frisch, der die Premiere des Films nicht mehr miterlebte, war von Schlöndorffs Arbeit ausgesprochen angetan. Dank Shepard, Delpy, Sukowa und weiteren Akteuren, versteht man das. Aber man versteht nicht, warum hier ein deutschsprachiger Roman behandelt wird, als ginge es drum, Popcorn-Cineasten dafür zu begeistern. Das ist definitiv nicht die DVD-Umsetzung, die man sich erhofft hatte. Leider. 4 Sterne gibt es dennoch: Wegen einer sonst sehr soliden, gut ausgestatteten Arthaus-DVD.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 01.01.2008 18:48:43 GMT+01:00
Tye-J meint:
Danke für das interessante und ausführliche Review!

Eine Anmerkung zum Fehlen einiger Szenen innerhalb des Films auf der Arthaus-DVD: Die DVD enthält den neuen "Director's Cut" des Films. Regisseur Schlöndorff sagt dazu auf der Homepage des Anbieters (arthaus.de): "A propos "Director's Cut": der ist bei mir meist etwas kürzer als die Originalfassung. So war es bei der BLECHTROMMEL, so ist es bei HOMO FABER. Alles Schwerfällige, Überdeutliche, was man anfangs noch für nötig hält, fällt mir im Laufe der Jahre als überflüssig auf. Es behindert den Erzählfluss, deshalb weg damit. So ist denn die DVD um 4 Minuten gekürzt; für Liebhaber gibt es diese "Schnipsel" aber im Anhang." Insofern ist diese kürzere Version nicht auf das Label Arthaus, das damit eine weitere erstklassige Veröffentlichung aus der Premium Reihe präsentiert, sondern auf den Regisseur selbst zurückzuführen.

Für Interessierte: Die Extras der Doppel-DVD sind folgende:
DVD 1: Fotogalerien, Biografie Volker Schlöndorff, Alternative und geschnittene Szenen, Dokumente und Zeichnungen zum Film DVD-ROM-Part
DVD 2: Erlebtes Leben – Volker Schlöndorff über Homo Faber (ca. 55 Min.), Interview mit Produzent Eberhard Junkersdorf (ca. 21 Min.), Notlandung in der Wüste – Erinnerungen von Produktionsdesigner Nicos Perakis (ca. 15 Min.), Interview mit Barbara Sukowa (ca. 7 Min.), Trailer

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.02.2009 19:59:59 GMT+01:00
onomaton meint:
Gerade dieses Zitat zum Thema Directors Cut ist aufschlussreich: so als hätte Herr Schlöndorff nicht auch für die Kinoversion den Schnitt und die Szenen und die Länge bestimmt.
Ehrlicher wäre es gewesen zu sagen: "Ach wissen Sie, mir gefällt der Film heute so besser, da müssen sich die Zuschauer halt an meinen neuen Geschmack gewöhnen."
Es gibt DVDs, das ist technisch keine Schwierigkeit, bei denen man vor Beginn des Films zwischen den beiden Versionen wählen kann. Sie laufen dann kontinuierlich ab. Insofern muss sich Arthaus die Kritik sehr wohl anziehen.
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Details

Artikel

Rezensentin / Rezensent

A. Wolf
(REAL NAME)   

Ort: Wiesbaden

Top-Rezensenten Rang: 149.183