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5.0 von 5 Sternen Verdienstvolle Veröffentlichung, 22. Januar 2014
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Rezension bezieht sich auf: Vita Sancti Martini / Das Leben des Heiligen Martin: Lateinisch / Deutsch (Broschiert)
Die 5 Punkte gehen in erster Linie an Prof. Dr. Gerlinde Huber-Rebenich, die es "einem interessierten Lesepublikum" (S.125) ermöglicht, die Lebensgeschichte des heiligen Martin von Tours, die Sulpicius Severus um 396 verfaßt hat, in einer preiswerten zweisprachigen Reclam Ausgabe kennenzulernen. Die vorzügliche Übersetzung hält sich eng am Text. Den zahlreichen Anmerkungen am Ende des Textes folgt eine Gliederung des Inhalts und übersichtliche Literaturhinweise. Besonders wertvoll ist das Nachwort, worin die Verfasserin die neueren wissenschaftlichen Forschungen und Erkenntnisse zusammenfaßt. Die hinzugefügten Fußnoten verweisen allerdings häufig nur auf wissenschaftliche Literatur, die der Leser erst beschaffen müßte. Z.B. werden Unstimmigkeiten der Chronologie, die zu zwei differierenden Geburtsjahren führen, 316 oder 336, nicht näher erläutert.

---------------FORM UND INHALT------------------

Um die verhältnismäßig kurze Monographie des Sulpicius angemessen zu würdigen, sollte der Leser zwei innere Haltungen miteinander verbinden und gegenseitig durchdringen, die der Wissenschaft und die des christlichen Glaubens. Beide beanspruchen rationales Denken für sich. Beiden Haltungen entsprechen die literarischen Prinzipien FORM und INHALT.

Die Altphilologin Gerlinde Huber-Rebenich wird der wissenschaftlichen Betrachtungsweise durch folgende Gliederung ihres Nachworts gerecht:
A. Der Autor: Sulpicius Severus
B. Der Protagonist: Martin
----I. Der historische Martin
---II. Das Martinsbild des Literaten Sulpicius Severus
------ 1. Das literarische Programm des Sulpicius Severus
------ 2. Das Martinsbild des Sulpicius Severus
C. Rezeption der Vita und weitere Martinsschriften

Formal arbeitet Huber-Rebenich über Sulpicius Severus folgendes heraus:
- Vorbild für S.S. ist die Vita des ägyptischen Mönchs Antonius, verfaßt von Athanasius.
- Sein Bestreben ist, eine christliche Historiographie zu begründen. Widmungsbrief und Prolog stellen eine ars poetica der christlichen Kunstprosa dar. In wörtlichen Anklängen bezieht sich S.S. dort auf die Prologe der Komödie Andria des Terenz und der Coniuratio Catilinae des Sallust. Der Aufbau der Vita lehnt sich an die Kaiserbiographien des Sueton an. "Er macht sich das Erbe der Antike untertan, um es wirksam zur Propagierung des christlichen Glauben zu benutzen." (S.110)
- Adressaten seiner Monographie sind die "provinziellen Eliten des Westens". (S.106)
- Er verteidigt Martin gegen seine aristokratischen Bischofskollegen, die ihm früheren Kriegsdienst und übetriebenes Asketentum vorwerfen.

Aus den genannten Umständen ergibt sich für H.-R. eine "Stilisierung" seines Martin, dem er "systematisch ... die Züge von Propheten, Aposteln, Märtyrern und Bekennern verleiht und damit verschiedene anerkannte Modelle von Heiligkeit integriert." (S.118) Der Begriff "Stilisierung", der mehrmals verwendet wird, ist geeignet, dem Leser Vorbehalte gegenüber dem Wahrheitsgehalt der hagiographischen Schrift einzuflößen. Allerdings räumt H.-R. dem Verfasser ein, die Faktizität der Ereignisse einer 'höheren Wahrheit' (S.104) unterzuordnen.

Es ist von H.-R. nicht zu erwarten, daß sie in den für sie abgesteckten Rahmen literarischer Analyse Glaubensaspekte einbezieht. Sie bewahrt stets die Haltung wissenschaftlicher Sachlichkeit. Dem Glaubenden reicht diese jedoch nicht aus. Welchen Bezug zu Martin von Tours, dem Patron Frankreichs und einer der bedeutendsten Symbolfiguren des Christentums, sollte der Glaubende idealer Weise gewinnen?
Die Betrachtungsweise des Glaubens ist zunächst vom Grundsätzlichen anzugehen und dann auf den Verfasser S.S. anzuwenden.

....................................DIE PERSPEKTIVE DES GLAUBENS .....................

--------------------------------- VOLLKOMMENHEIT -----------

Der Christ ist zu einem vollkommenen Leben in der Nachfolge Jesu Christi berufen. Es gibt viele Stufen der Vollkommenheit. Ein heiliger Mensch zeichnet sich dadurch aus, daß er entschlossener und radikaler den Weg des Evangeliums geht. Ein Heiliger ist wie Jesus Christus selbst für jeden Christen ein nachahmenswertes Vorbild im Glauben.
Nach den Worten Jesu werden seine Werke auch von seinen Jüngern vollbracht werden, wenn ihr Glaube stark ist (Joh 14,12-14; Mk 16,17f; Lk 10,19). Martin von Tours ist einer der Ausnahmeheiligen, die schon während ihrer Lebenszeit durch Wunder im ganzen Land berühmt werden. Dieser Umstand bildet den Ausgangspunkt der literarischen Berufung des S.S.

----------------------------SULPICIUS SEVERUS ----------------

___________________________ Frühe Lebenszeit ______________

Sulpicius Severus wurde um 355 als Sproß eines vermögenden aquitanischen Adelsgeschlechts geboren. In Bordeaux erhielt er Rhetorikunterricht und machte als Anwalt Karriere. Mit seinem Freund Paulinus (ca. 353-431), dem späteren Bischof von Nola und dem Politiker und Dichter Ausonius (310-393) stand er in geistigem Austausch. Nach dem frühen Tod seiner Gattin veräußerte seinen Besitz und führte auf seinem Landgut, das er behalten hatte, ein asketisches Leben.
S.S. war von Haus aus Christ. Er hatte keine Schwierigkeiten, wie auch wir heute, sein Christsein mit dem Studium der klassischen lateinischen Schriftsteller zu vereinbaren. Die durch sie vermittelte geistige und sprachliche Bildung hielt er für wertvoll und erhaltenswert. Wir können annehmen, daß er eine hohe ideale Gesinnung besaß wie etwa der moralisch denkende Historiker Sallust, von dem noch zu sprechen sein wird.
Als Angehöriger der Aristokratie war er über die geistige und religiöse Lage des Landes auf dem laufenden. Von Martin war er gewiß bald sehr beeindruckt und wird ab einem bestimmten Zeitpunkt Partei für ihn gegen seine bischöflichen Gegener ergriffen haben. Das Jahr 385, in dem der als Häretiker angeklagte Priszillian hingerichtet wurde, obwohl Martin für ihn eingetreten war, könnte eine entscheidende Wegmarke seines inneren Verhältnisses zu dem Bischof von Tours gewesen sein. Priszillian vertrat wie Martin einen asketischen Lebensstil. Irgendwann nach 390 "brannte er darauf, Martins Lebensgeschichte aufzuschreiben" (25,1).
____________________ Seine Vision von Martin_______________
Sulpicius erkannte, daß Martin eine christliche Ausnahmeerscheinung war, ein zweiter Christus für die gallische Nation. Er machte eine "Pilgerreise" zu dem Bischof von Tours, um seine innere Vorstellung von ihm zu vervollständigen. Drei Dinge scheinen ihm, wie auch für uns Nachvollziehende, Martins Lebenslauf zu bestimmen:
1. Seine frühe göttliche Berufung (2,2)
2. Sein Mut, mit 10 Jahren gegen den Willen der Eltern um Aufnahme in die Kirche zu bitten (2,3)
3. Seine Absicht im Alter von 12 Jahren, ein Eremitendasein zu führen, d.h., auf eine weltliche Laufbahn zu verzichten und sich der Kontemplation des Göttlichen zu widmen (2,4)
Diese drei Bestimmungsfaktoren stellt Sulpicius in verdichteter Form an den Anfang der Vita. Seine außergewöhnliche Heiligkeit erlangte Martin durch die Konsequenz und dem Mut, seine ursprünglichen Intentionen zu verwirklichen.

________________________ Literarische Umsetzung _________________
************************ Vorbereitung **************************
Um seiner literarischen Aufgabe gerecht zu werden, folgt Sulpicius seinem Vorbild in der Besitzlosigkeit nach. Dies erfordert von ihm MUT, sein väterliches Erbe auszuschlagen. Nun setzt er seine literarischen Fähigkeiten ein, um dem "homini inlitterato" (25,8) ein bleibendes Denkmal zu setzen. Mit dieser sicherlich nicht herabsetzenden Bezeichnung meint Sulpicius erstens, daß Martin keine akademische Ausbildung genossen hatte und zweitens, daß er nichts Schriftliches verfaßte, das der Nachwelt erhalten bliebe.

Gewaltiger Antrieb für sein Vorhaben ist der Historiker Sallustius Crispus und sein Traktat über Catilina aus folgenden Gründen:
1. Sallust beklagt, daß Heldentaten der frühen römischen Geschichte nicht oder zu wenig gewürdigt wurden, weil es keine fähigen Historiker gab, die sie aufschrieben (Kap.8). Diesen Fehler aber würde Sulpicius begehen, wenn "die Verdienste eines so großen Mannes verborgen blieben" (Widmung 5). Er wolle sich bemühen, "daß der, den es nachzuahmen gilt, nicht unbekannt bliebe" (1,6).
2. Dem absoluten Bösewicht und Heiden steht ein Christ und außergewöhnlicher Heiliger gegenüber.
3. Sulpicius kann einen persönlichen Schlußstrich ziehen in seinem Konflikt zwischen antikem und christlichen Geist. Das Christentum verkörpert höhere Werte als das Römertum, Glaube steht höher als Beredsamkeit (Widmung 3). Es ist unverkennbar, daß sich Sulpicius gewaltsam von Sallust losreißt. Er setzt sich nicht ehrlich mit ihm auseinander. Sallusts zentraler Begriff Ruhm (gloria) wird als nichtig (inanis) bezeichnet. Während Sallust erst in Analogie zu den Tatmenschen Ruhm auch für den darstellenden Historiker beansprucht, bezieht ihn Sulpicius primär auf den Literaten. Hektor und Sokrates werden in einen Topf geworfen (1,3). Alles Tun bezieht sich für den Christen nun "auf jenes selige und ewige Leben" (1,2). Mit einem symbolträchtigen ersten Satz, parallel zu Sallust 2,8 verabschiedet sich Sulpicius von der heidnischen Antike:
S.S.: Plerique mortales, studio et gloriae saeculari inaniter dediti, ...
Sehr viele Sterbliche, weltlichem Streben und Ruhm eitel hingegeben, ...
Sallust: Multi mortales, dediti ventri atque somno, indocti incultique vitam sicuti peregrinantes transigere.
Viele Sterbliche, dem Bauch und dem Schlaf hingegeben, gehen ungebildet und ungesittet wie Herumirrende durchs Leben.
Der Ausdruck "studio et gloriae saeculari inaniter dediti" erscheint als eine parodistisch enthüllende Herabstufung auf die Begriffe "ventri atque somno".

************************ Durchführung **************************
Im Widmungstext an seinen Bruder drückt Sulpicius seine Befürchtung aus, es könnte ihm an sprachlicher Gewandtheit fehlen, um seinem literarischen Vorhaben gerecht zu werden. Das ist sicher nicht als bloße captatio benevolentiae zu verstehen. Schon Sallust betont in der coniuratio, den geschichtlichen Taten müsse eine gleichwertige literarische Darstellung entsprechen (facta dictis exsequenda sunt 3,2). Tatsächlich konnte Sulpicius nicht erwarten, seinem Stilvorbild gleichzukommen. Vor allem verlangte seine Abkehr von antik-heidnischen Denkmustern, etwas ganz Neues zu schaffen. Als neues Stilvorbild konnten besonders die Evangelien dienen.
Sulpicius ist daran gelegen, seine Darstellung nicht zu lang werden zu lassen. Was es an Berichtenswertem und Denkwürdigem zu berichten gäbe, wird durch drei Umstände eingeschränkt: 1. Erstens, er hat nicht alles in Erfahrung bringen können, was bekannt ist, 2. Martin hat vieles für sich behalten, 3. aus dem, was er, Sulpicius, erfahren hat, ist eine Auswahl zu treffen, um im Leser keinen Überdruß hervorzurufen. (1,7-8)

Sulpicius überlegt, worin Martins Heiligkeit im Innersten besteht und wie er sie am überzeugendsten darstellt. Er findet zweierlei heraus: 1. Niemand tritt mehr durch Wunderheilungen und sogar Totenerweckungen hervor als er. 2. Je heiliger jemand ist, umso mehr ist er Zielscheibe des Widerpartes Gottes, des Teufels. Als geweihter Exorzist ist er dessen Angriffen besonders ausgesetzt. Diese beiden außerordentlichen Wirkungsbereiche stellt Sulpicius daher in den Mittelpunkt seiner Lebensbeschreibung. Demgegenüber spielen weder Kirchenpolitik, administrative Maßnahmen oder Unterweisungen der Gläubigen eine Rolle.

Gerlinde Huber-Rebenich legt nahe (S.109), daß sich Sulpicius die Gliederung von Suetons Kaiserviten in einen chronologischen, einen systematischen und einen privaten Teil zu eigen machte. Demnach ist die Vita Martini eingeteilt in die Kapitel 1-10, 11-24 und 25-27. Die Kapitel 11-20 behandeln Wunderzeichen, die Kapitel 21-24 Auseinandersetzungen mit dem Teufel. Aber leitmotivisch wird auch im ersten Teil von Wundern und einer Begegnung mit dem Teufel berichtet. Der Teufel kündigt ihm an: "Wohin auch immer du gegen und was immer du unternehmen magst, der Teufel wird sich dir entgegenstellen." (6,2)

Die Kürze der Darstellung und Martins Demut ist Grund dafür, daß Sulpicius den Heiligen nur fünfmal in knapper direkter Rede sprechen läßt: Alle fünf Fälle erweisen die machtvolle Wirkung seines Mutes: Zuerst, als er vor einer Schlacht seinen Kriegsdienst aufkündigt und den Vorwurf der Feigheit mit dem Angebot beantwortet, waffenlos den Feinden gegenüberzutreten (4,3-5): Diese ergeben sich kampflos. In den anderen drei Direktreden tritt er in Ausübung seines Exorzistenamtes dem Teufel selbst gegenüber (6,2; 17,6; 22,5; 24,7) und verjagt ihn.
Angemerkt sei hier, daß der Name MARTINUS bedeutet, dem Kriegsgott MARS anzugehören. Von daher gewinnt seine Aussage vor Kaiser Julian "Christi ego miles sum" - "Ich bin der Soldat Christi" eine konnotative Bedeutung.

Die einzelnen Episoden sind sorgfältig ausgearbeitet, zum Teil interaktiv durch die lebhafte Beteiligung anderer Personen. Nach oder vor Episoden stehen zusammenfassende Aussagen, etwa daß fast kein Kranker zu Martin kam, "der nicht zugleich seine Gesundheit zurückerlangt hätte" (16,1) oder daß er meistens die Bauern durch "heilige Predigt" dazu brachte, ihre heidnischen Tempel selbst zu zerstören (15,4).
Als Erzähler nimmt Sulpicius eine rühmende Grundhaltung ein, die jedoch nicht aufdringlich wirkt. Synonym zu Martinus (64x) verwendet er vir sanctus (4x), vir sanctissimus (2x), sanctus episcopus, vir beatus (7x), vir beatissimus, magistri beati. Die Übersetzerin konnte sich nicht durchringen, auch beatus mit heilig wiederzugeben, denn selig hat leicht andere subjektive Konnotationen.
In den Kapiteln 25-27 äußert sich Sulpicius am persönlichsten über den Heiligen und seinen Charakter, dem Inhalt nach gleich, doch eindringlicher als im Einleitungskapitel 1, wodurch Anfang und Schluß eine konsequente Übereinstimmung bilden. Was Sulpicius am Ende sagt, ist geeignet, auch den Leser zu Nachahmung des Heiligen zu bewegen: "An Martin ist alles viel zu groß, als daß es sich in Worte fassen ließe" (26,3). Sein Denken und Tun war "stets auf den Himmel gerichtet" (26,2). Äußerste Demut und unablässiges Gebet kennzeichnen ihn: Als Sulpicius Martin besuchte, wusch dieser ihm die Füße (25,3). Er "ließ auch beim Lesen, oder wenn er etwas anderes tat, im Geist nie vom Gebet ab" (26,3). Das Gebet waren seine Waffen (16,7).
Ein weiterer herausragender Charakterzug Martins ist seine Sanftmut und Milde: "Niemand sah ihn jemals erzürnt, niemand aufgebracht" (27,1), "keinen verurteilte er, keinen verdammte er, keinem vergalt er Böses mit Bösem" (26,5). Seine Kleriker konnten ihn ungestraft kritisieren.

Auffällig ist, daß im gesamten Text nur eine Bibelstelle angeführt: Nachdem Martin dem Bettler die Hälfte seines Mantels gegeben hat, träumt er in der folgenden Nacht, Jesus selbst habe das geschenkte Kleidungsstück getragen. Sulpicius kommentiert diesen Traum mit den Worten: "Was immer ihr einem dieser Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan" (3,4). Durch diese Zurückhaltung zeigt Sulpicius, daß er in Martin die Verkörperung des Evangeliums selbst sah, das nur aus seinen Taten sprechen sollte. Auf diese Weise bleibt Suspicius dienend im Hintergrund.

In einer Hinsicht kann ich Huber-Rebenich nicht folgen: Sie meint, Sulpicius orientiere sich am ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther 12,28, um in Martin alle Gnadengaben des Heiligen Geistes darzustellen: Apostelamt, Prophetie, Krankenheilung, Zungenrede. Natürlicher ist es, das verschiedenartige Wirken Jesu selbst als Orientierungsmaßstab anzunehmen. Es geht hier um eine grundsätzliche Denkperspektive, wie sich an den drei berichteten Totenerweckungen zeigen läßt. Der erste Erweckte ist ein Katechumene seiner Mönchsgemeinschaft (Kap.7), der zweite ein Sklave, der sich erhängt hat (Kap.8). Schließlich erweckt und heilt er ein Mädchen anläßlich einer Reise nach Trier. Nach seiner Ankunft fleht ihn der Vater des Mädchens an, sie zum Leben zu erwecken, sie lebe nur noch im Geist, im Körper sei sie schon gestorben.
Auch gemäß den Evangelienberichten erweckt Jesus zwei Männer (Jüngling von Naim, Lazarus) und ein Mädchen (Tochter des Jairus) von den Toten. Nun könnte die Vermutung angestellt werden, Sulpicius habe mit Absicht diese Parallelität hergestellt, um Martins Christusähnlichkeit hervorzuheben. Die Perspektive des Glaubens folgt jedoch einer anderen Logik: Gott lenkt in weiser Vorsehung seine Kirche und die Geschicke eines jeden Einzelnen. Sankt Martin und Sulpicius sind also Werkeuge seiner Vorsehung, der sich die Christusnähe der gewirkten Wunder verdankt. Inwiefern Sulpicius dabei eine größere Auswahl von Erweckungswundern zu Gebote stand und wie weit ihm die Parallelität bewußt war, wissen wir nicht. Das Wunder, das Martin in der Kaiserstadt Trier wirkt, weist über seine Diözese hinaus auf den größeren Rahmen der westlichen Reichshälfte hin. An das genannte Wunder schließen sich im übrigen noch zwei weitere an.

Erwähnenswert sind erzählerische Mittel, die Spannung erzeugen und sogar unterhaltsam wirken, indem Sulpicius verschiedenen Gruppen von Akteuren und Zuschauern mit einbezieht. Als Beispiel sei eine Missionsbegebenheit angeführt: Die Bewohner eines Dorfes ließen zwar die Zerstörung ihres Tempelheiligtums zu, aber leisteten Widerstand bei der Fällung einer ihnen heiligen Kiefer. Auf Vorschlag eines Dorfbewohners ließ sich Martin an einen Pfahl binden, um den Leuten zu beweisen, daß sein Gott ihn beschütze. Daraufhin begannen die Bewohner mit wahrhaftigem Heidenspaß (cum ingenti gaudio laetitiaque) die Kiefer zu fällen, die unweigerlich auf Martin fallen mußte. Schon neigte sie sich gefährlich auf ihn zu. Die begleitenden Mönche erbleichten. Im letzten Augenblick erhebt Martin sein Kreuz und schwups - schnellte die gefällte Kiefer in die Gegenrichtung und hätte beinahe die Zuschauer auf der anderen Seite getroffen.
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Rezensentin / Rezensent

A. Rieble
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