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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Im Schatten vom 11. September, 4. Oktober 2007
Katharina Hacker stellt hier zwei Welten nebeneinander. Einmal die Welt von Isabelle und Jakob. Sie lernten sich als Studenten kennen, verloren sich aus den Augen und treffen sich ausgerechnet am 11. September 2001 auf einer Party wieder. Weil alles so gut "passt", wird geheiratet und nach London gezogen. Dort nämlich bekommt Jakob, inzwischen Anwalt, einen Job anstelle eines im World Trade Center umgekommenen Kollegen. Isabelle ist Grafikerin und kann von England aus weiter in ihrem alten Job arbeiten. Die beiden scheinen, nach außen hin, alles zu besitzen, was als Grundlage für's Glücklichsein dient. Sie haben Jobs, Geld, Freunde, Interessen und vor allem sich selbst. Doch genau da liegt der Knackpunkt, denn die beiden erscheinen in "Die Habenichtse" nicht wie eigenständige, erwachsene Menschen, die wissen was sie wollen, sondern eher wie Getriebene ohne Ziel. Sie leben einfach so dahin ohne die Dinge groß zu hinterfragen, auch ohne ihre Liebe nur ansatzweise in Frage zu stellen. Man könnte hier vielleicht von einer geistigen oder seelischen Armut sprechen.
Die andere Welt in diesem Buch, ist die Welt der materiellen Armut. Direkt neben den beiden Hauptfiguren lebt nämlich eine Familie, die von Gewalt und Alkohol beherrscht wird. Opfer sind in diesem Fall die beiden Kinder Dave und Sara, wobei das Mädchen noch viel mehr zu ertragen hat. Die Autorin schafft es nun, diese beiden "Welten" immer wieder zu verbinden, zu kreuzen ohne dass es konstruiert wirkt, aber so, dass der Leser die Problematik genaustens vor Augen hat. Sie beschreibt ganz ruhig und lakonisch was passiert, wenn diese Welten sich treffen. Da fühlt Isabelle sich dann plötzlich zu einem Mann hingezogen, der als Dealer unterwegs ist. Ebenso Jakob, der ganz still und heimlich Intersse an seinem Chef entdeckt zu haben scheint. Oder auch die Kunst des Wegschauens, die von beiden Protagonisten perfekt beherrscht wird. Dumpfe Geräusche aus der Nachbarwohnung und ein Mädchen, übersät mit Blutergüssen im heruntergekommenen Garten, werden einfach mal nicht wichtig genommen bzw. gar nicht als Problem erkannt.
Nicht zu vergessen sind hier natürlich auch die viel tiefer und frabenfroher gezeichneten Nebenfiguren, die natürlich auch alle ihre Problemchen haben, mit diesen aber stärker werden und sich nicht in einen Sog hineinziehen lassen. Somit ist die Stärke dieses Buches aber auch schon irgendwie wieder seine Schwäche. Jakob und Isabelle sind kalt und oberflächlich beschrieben, finde ich. Das verstärkt das Bild der beiden, schwächt aber auch den Lesegenuss ein wenig. 5 Sterne kann ich also nicht geben
Dieses Buch hat dennoch aber auf mich eine große Wirkung, ich musste doch etwas warten, bis ich jetzt diese Rezension schreibe. Nachdem ich das Buch weglegte konnte ich erst gar nicht viel sagen. Je länger das nun her ist, umso besser gefällt mir "Die Habenichtse". Es wirft Fragen auf, die der Leser gern den Hauptfiguren stellen möchte und sich diese dann unweigerlich auch selbst stellen wird. Es sei denn er ist den beiden ähnlich. Wie will/soll ich leben? Was ist mir wichtig? Und vor allem auch: Wie und wann soll handeln? Es ist natürlich schon aufgrund der Zeit, in der es spielt auch ein politisches Buch. Desweiteren haben auch historische Fakten, wie der Nationalsozialismus, seinen Platz. Alles in allem bin ich schon begeistert, kann mir aber auch vorstellen, dass es nicht für Jedermann gemacht ist. Dazu ist es vielleicht zu subtil.
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Die Habenichtse 3518417398
Katharina Hacker
Suhrkamp
Die Habenichtse
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Im Schatten vom 11. September
Katharina Hacker stellt hier zwei Welten nebeneinander. Einmal die Welt von Isabelle und Jakob. Sie lernten sich als Studenten kennen, verloren sich aus den Augen und treffen sich ausgerechnet am 11. September 2001 auf einer Party wieder. Weil alles so gut "passt", wird geheiratet und nach London gezogen. Dort nämlich bekommt Jakob, inzwischen Anwalt, einen Job anstelle eines im World Trade Center umgekommenen Kollegen. Isabelle ist Grafikerin und kann von England aus weiter in ihrem alten Job arbeiten. Die beiden scheinen, nach außen hin, alles zu besitzen, was als Grundlage für's Glücklichsein dient. Sie haben Jobs, Geld, Freunde, Interessen und vor allem sich selbst. Doch genau da liegt der Knackpunkt, denn die beiden erscheinen in "Die Habenichtse" nicht wie eigenständige, erwachsene Menschen, die wissen was sie wollen, sondern eher wie Getriebene ohne Ziel. Sie leben einfach so dahin ohne die Dinge groß zu hinterfragen, auch ohne ihre Liebe nur ansatzweise in Frage zu stellen. Man könnte hier vielleicht von einer geistigen oder seelischen Armut sprechen. Die andere Welt in diesem Buch, ist die Welt der materiellen Armut. Direkt neben den beiden Hauptfiguren lebt nämlich eine Familie, die von Gewalt und Alkohol beherrscht wird. Opfer sind in diesem Fall die beiden Kinder Dave und Sara, wobei das Mädchen noch viel mehr zu ertragen hat. Die Autorin schafft es nun, diese beiden "Welten" immer wieder zu verbinden, zu kreuzen ohne dass es konstruiert wirkt, aber so, dass der Leser die Problematik genaustens vor Augen hat. Sie beschreibt ganz ruhig und lakonisch was passiert, wenn diese Welten sich treffen. Da fühlt Isabelle sich dann plötzlich zu einem Mann hingezogen, der als Dealer unterwegs ist. Ebenso Jakob, der ganz still und heimlich Intersse an seinem Chef entdeckt zu haben scheint. Oder auch die Kunst des Wegschauens, die von beiden Protagonisten perfekt beherrscht wird. Dumpfe Geräusche aus der Nachbarwohnung und ein Mädchen, übersät mit Blutergüssen im heruntergekommenen Garten, werden einfach mal nicht wichtig genommen bzw. gar nicht als Problem erkannt. Nicht zu vergessen sind hier natürlich auch die viel tiefer und frabenfroher gezeichneten Nebenfiguren, die natürlich auch alle ihre Problemchen haben, mit diesen aber stärker werden und sich nicht in einen Sog hineinziehen lassen. Somit ist die Stärke dieses Buches aber auch schon irgendwie wieder seine Schwäche. Jakob und Isabelle sind kalt und oberflächlich beschrieben, finde ich. Das verstärkt das Bild der beiden, schwächt aber auch den Lesegenuss ein wenig. 5 Sterne kann ich also nicht geben
Dieses Buch hat dennoch aber auf mich eine große Wirkung, ich musste doch etwas warten, bis ich jetzt diese Rezension schreibe. Nachdem ich das Buch weglegte konnte ich erst gar nicht viel sagen. Je länger das nun her ist, umso besser gefällt mir "Die Habenichtse". Es wirft Fragen auf, die der Leser gern den Hauptfiguren stellen möchte und sich diese dann unweigerlich auch selbst stellen wird. Es sei denn er ist den beiden ähnlich. Wie will/soll ich leben? Was ist mir wichtig? Und vor allem auch: Wie und wann soll handeln? Es ist natürlich schon aufgrund der Zeit, in der es spielt auch ein politisches Buch. Desweiteren haben auch historische Fakten, wie der Nationalsozialismus, seinen Platz. Alles in allem bin ich schon begeistert, kann mir aber auch vorstellen, dass es nicht für Jedermann gemacht ist. Dazu ist es vielleicht zu subtil.
deathdealer92618
4. Oktober 2007
- Insgesamt:
5
- Insgesamt:
5
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Ort: Bochum
Rang der Rezensentin/des Rezensenten: 351
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