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86 von 98 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
In diesen vielleicht fünfzehn Sekunden wird - wen wundert es - Ratatouille gegessen. Gegessen wird es von einer Filmfigur, die schon so tot ist, dass sie in einem Raum lebt, der die Form eines Sarges hat. Und plötzlich sieht man die Figur lebendig werden. Denn sie wird eins mit sich selbst, mit den eigenen Ursprüngen und Gefühlen. Und das verändert dann alles. Soll ich noch sagen, dass man den Geschmack des Gerichtes selbst auf der Zunge zu spüren meint? Oder dass die Dekoration des Gerichtes auf dem Teller mit den Künsten der besten Restaurants auf diesem Kontinent problemlos mithalten kann? Ich will es einfacher ausdrücken: Die Figur will in diesem Moment zurück zu seiner Mama, und das will der Zuschauer auch. Und so wird es niemand wundern, wenn der Rezensent den Film schon allein aufgrund dieser fünfzehn Sekunden empfiehlt. Aber auch sonst haben die Zuschauer ihren Spaß. Es geht um eine Ratte, die unglaublich gut kochen kann. Es ist die alte Geschichte vom Außenseiter, der in der Gesellschaft aus äußerlichen Gründen nicht erfolgreich sein darf, und dann Wege finden muss, sich selbst in der Welt zu behaupten. Natürlich ist das ein Lehrstück für Kinder. Es geht darum, selbst einen Platz in der Welt zu finden, und auch darum, dem Fremden gegenüber tolerant zu sein und sich von Äußerlichkeiten nicht abschrecken zu lassen. Und so ist Ratatouille gleich auch noch ein pädagogisch sinnvoller Kinderfilm. Denn den von McDonalds verführten Bälgern wird dann auch noch gleich etwas über die Kultur des Essens erklärt. Aber auch für die Eltern und andere Erwachsene gibt es genug zu sehen, um von dem Film gut unterhalten zu werden. Es gibt viele lustige Küchensprüche. Ein paar von den Szenen in der Küche und den Beschreibungen der Welt der Köche sind von Anthony Bourdains Büchern clever entlehnt. Man hat natürlich Hunger, wenn man das Kino verlässt. Soll ich jetzt noch sagen, dass die Animationen wirklich gut gemacht sind? Das sich Ratten hier wirklich wie Ratten bewegen, trotzdem sie gleichzeitig süß aussehen? Wichtiger ist vielleicht, dass der Film in den meisten seiner Szenen drive hat. Er ist oft umwerfend komisch, weil hier mit Rhythmusgefühl gearbeitet worden ist. Ein Highlight des Genres. Der Rezensent geht jetzt kochen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen Kommentare
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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag:
16.09.2008 11:04:42 GMT+02:00
Ophelia meint:
Ich stöber hier gerade bei Dir rum. Macht Spaß Deine Rezen zu lesen! ;-)
Antwort auf einen früheren Beitrag vom
16.09.2008 12:23:07 GMT+02:00
Niclas Grabowski meint:
Vielen Dank für das Lob.
Niclas
Veröffentlicht am
21.09.2008 12:14:32 GMT+02:00
moziple meint:
ich weiß ja nicht, ob du gut kochen kannst... aber Rezensionen verfassen kannst du mit Sicherheit!!! Und wie! - die sind lebendig, frisch und unglaublich feinsinnig... - speziell wie du die "Ratatouille-ess-Szene" beschreibst... aus jedem einzelnen Wort kommt heraus wie unglaublich feinsinnig du selbst Dinge wahrnimmst und eben nicht nur wahrnimmst, sondern sie dann auch noch beschreiben kannst. (das ist ja was, was nicht für jeden selbstverständlich ist...)
ich weiß ja nicht wer du bist, aber ich könnte mir vorstellen, wenn du dem Leben genauso viel Aufmerksamkeit schenkst, wie den Filmen, dann könntest du ein echt guter, ich mein professioneller "Schreiberling" werden (oder du bist's vielleicht eh schon schon und ich hab da was verpasst?)... Das ist zumindest das was da bei mir ankommt, wenn ich jetzt nicht den Film selber, sondern dich als Rezensionist auf mich wirken lasse... Ja und wie gesagt, wenn du so gut kochst wie du schreibst, dann gibt's für dich und deine Mitmenschen einiges zu genießen...
Veröffentlicht am
27.01.2009 10:54:06 GMT+01:00
Petrosilius Zwackelmann meint:
Ich stimme Dir zu. Und doch ist es gerade diese Szene, die nichts anderes als eine Entlehnung, eine Adaption von Prousts berühmter Madeleine-Szene im ersten Band von "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" ist. Allerdings - in der Tat - meisterhaft adaptiert.
Veröffentlicht am
10.12.2009 20:47:21 GMT+01:00
Betatesterin meint:
Die eingangs erwähnte Szene ist auch für mich eine der besten und berührendsten, die ich je in einem Film gesehen habe. Danke für die treffende und einfühlsame Beschreibung.
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