Kundenrezension

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5.0 von 5 Sternen Phänomenal - Ein literarischer Genuss, nicht nur für Zombie-Fans!, 26. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Das Buch der lebenden Toten (Broschiert)
Der österreichische Verlag EVOLVER, der mit 'The Nazi Island Mystery' sein außergewöhnliches Taschenbuchprogramm startete, hat auch bei seiner Zombie-Anthologie keine Kosten und Mühen gescheut. Das Buch ist in jeder Hinsicht absolut hochwertig. Klasse Papierqualität, erstklassiges Lektorat, toller Satzspiegel, und wirklich phänomenale Innenillustrationen. Vom Covermotiv indes sollte man sich nicht in die Irre führen lassen, denn 'Das Buch der lebenden Toten' ist keine Persiflage, sondern eine überfällige und herausragende Ergänzung des Genres auf dem Buchmarkt, und zeigt wie beliebt die lebenden Leichen bei Autoren und Lesern immer noch sind. Egal ob als Sozial- und/oder Gesellschaftskritik, als tumber Bösewicht oder schlichtweg als Symbol für den Schrecken des Krieges, wo Menschen sterben, können Tote leben.
Obwohl sich die Szenarien und der Schreibstil in den 22 Storys zum Teil erheblich unterscheiden gibt es keine Geschichte, die mir nicht irgendwie gefallen hat. Die eine zwar mehr als die andere, doch einen negativen Ausreißer gibt es nicht, denn die Ideen sind so vielfältig wie das Potenzial der lebenden Toten. Für mich aber besonders bemerkenswert ist Sören Stedings 'Frederika und der kleine Zombie'. Erzählt in Form eines modernen Märchens, begleitet der Leser den kleinen Zombie und seine ständige Begleiterin, die Fliege Frederika. Schnörkellos und unbeirrbar wird der Leser Zeuge, wie Frederika ihren Schützling zu einem Kinderheim führt, wo er sich gleich an den Bewohnern gütlich tut.
Frank Schweizer hingegen, Autor der Fantasy-Satire-Bestseller 'Grendl' und 'Gott', hat sich für diese Sammlung eine äußerst surreale Geschichte einfallen lassen, in der sich das fortschrittliche Internet und der archaische Zombie auf höchst originelle Art und Weise verbinden. Faszinierend ist es auch immer wieder zu lesen wie fremde Kulturen mit einer Zombie-Invasion umgehen würden, siehe hierzu Zombie-Samurai von Marc Wiswede, oder aber was in unserer unmittelbaren Nachbarschaft passieren würde. 'Ronnies Vorrat', von Lothar Nietsch, zeigt, wie sich beispielsweise ein Junkie mit den Untoten arrangieren könnte. Simon Saier schildert in seinem 'Tagebuch 2901' gar den Versuch einer Zombie-Seuche Herr zu werden, wobei die Versuchsobjekte ungeahnte Fähigkeiten entwickeln. Der Plot der Geschichte erinnert ein wenig an Romeros 'Day of the Dead' (allerdings ohne die schlechten Schauspieler). Teilweise sehr beklemmend ist David Grades 'Samstag', ebenso wie 'Der schöne Tom'von Ingrid Kaliner. Diese Storys schlagen einen gänzlich anderen Weg ein, als die übliche globale Katastrophe und bedienen sich des Untoten als Bedrohung innerhalb einer beschaulichen Kulisse. Auch Torsten Scheib beschäftigt sich in 'Mr. Z' mit der Suche nach einem Heilmittel, doch gegen den Zombievirus scheint kein Kraut gewachsen zu sein.
Ruth Kornberger scheint sich in ihrer Erzählung 'Im Wald, allein' von ihren Aversionen gegen den Sportunterricht und diverser Lehrer befreit zu haben. Mit zynischer Eleganz unterhält sie den Leser mit ihrem Bericht von einem Orientierungslauf der ganz besonderen Art. Ebenfalls einer meiner persönlichen Favoriten dieser Anthologie. Surreal und stilistisch anspruchsvoll ist Nathalie Veits 'Sepia', ein schönes Beispiel dafür, dass Zombie-Geschichten keineswegs purer Trash sind. 'Urnen aus Stahl' von Marlene Geselle beschreibt dagegen eine sehr düstere Zukunftsvision, in der die Regierung eine Ausbreitung des Untodes verhindern will, auch auf Kosten von Menschenleben. Bettina Ferbus schuf mit 'Für den Fleiß der Preis' eine bitterböse Satire auf den schnöden Büroalltag. Irgendwie genial und wunderbar geschrieben. Eine Liebesgeschichte mit dem Flair der Verwesung stellt 'Sand' von Raouf Khanfir dar. Stefanie Lasthaus beschreibt die übliche Rache am Ex auf eine besonders perfide Weise. 'Wiedervereint' gehört mit zu den originellsten Highlights des Buches und beschäftigt sich darüber hinaus mit dem Voodoo-Kult, dem der ursprüngliche Zombie zugeschrieben wird. Besonders gut gefallen hat mir auch Michael Zandts 'Nazi Zombie Holocaust'. In der düsteren Phantastik, sprich Horror, gibt es wohl keine Teufelei, die den Nazis nicht in die Schuhe geschoben wird, und so ist es nicht verwunderlich, dass sie auch mit Untoten versucht haben das Schlachtenglück zu ihren Gunsten zu verändern. Aus der Sicht eines SS-Offiziers erlebt der Leser, wie die nationalsozialistischen Zauberlehrlinge den Geistern die sie riefen, nicht mehr Herr werden. Ein ähnlich gelagertes Szenario entwirft Tobias Egle in 'Nachzehrer'. Hier allerdings werden aus Feinden Verbündete. Katja Kuhlin hat für das Zombie-Problem 'Die perfekte Lösung' gefunden und zeigt schonungslos und düster wie ein totalitärer Staat sich seiner kriminellen Elemente entledigt. Eine schwarzhumorige Verbeugung vor George A. Romero ist Kai Seuthes Geschichte 'Herzensangelegenheiten'. Besonders gefallen hat mir an dieser Story, dass sie in Deutschland spielt und die Europäer überhaupt nicht verstehen, warum die Amis mit den Zombies nicht zurechtkommen. Ob man Zombies allerdings wirklich zähmen kann erfährt nur derjenige, der diese Geschichte liest. Recht alternativ, aber auch sehr ausgefeilt ist die Story 'Unsterblich' von Frank M. Vermeer, obwohl der Held der Geschichte sich das Ergebnis sicherlich ganz anders vorgestellt hat. Ruth Reuter verleiht der Anthologie mit ihren zombielosen Nächten das nötige Lokalkolorit. Allein der auf österreichisch geführte Dialog zwischen Protagonist und dem nächtlichen Ruhestörer auf dem Zentralfriedhof ist die Lektüre wert. Science-Fiction mit biblischem Hintergrund und fleischfressenden Zombies ist eine brisante Mischung, die Claudia Lampert höchst unterhaltsam zu Papier gebracht hat. Dabei erinnert die Story am ehesten an den skurrilen Humor eines Douglas Adams und ist keineswegs der billige Trash, den man dahinter vermuten könnte.
'Das Buch der lebenden Toten' ist eine erstklassige Anthologie, die jeden Cent wert ist und in keinem Bücherschrank eines Zombie-Fans fehlen sollte.
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Florian Hilleberg
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