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Kundenrezension

14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Was lange währt..., 1. November 2013
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: WRC 4 - World Rally Championship - [PlayStation 3] (Videospiel)
Milestone hat also nun sein viertes WRC-Spiel veröffentlicht, ein wenig verwunderlich bei all der Kritik, die den drei Vorgängern widerfahren ist. Wurde auf diese Kritik eingegangen? Ist das Spiel besser als seine Vorgänger? Wie ist es insgesamt? Gehen wir die Punkte mal durch:

Rallyes:
In diesem Spiel hat der Spieler die Möglichkeit, an 13 Rallyes (welche an den 13 Rallyes der offiziellen WRC-Saison 2013 angelehnt sind) bestehend aus jeweils 6 Wertungsprüfungen (sogenannte Special Stages) teilzunehmen. Die Wertungsprüfungen sind gefühlt viel zu kurz, kaum eine Wertungsprüfung dauert länger als fünf Minuten. Das liegt daran, dass die Wertungsprüfungen auch entsprechend kurz gehalten sind, besonders die Powerstages (Wertungsprüfungen am Ende der Rallye) sind im Schnitt nur um die 2km lang. Super Special Stages (spektakuläre Kopf an Kopf Rennen in Stadien oder auf Plätzen auf einer "großen Kart-Bahn") fehlen sogar komplett. Absolutes Contra an dem Spiel meines Erachtens. Besser wäre hier, wie in den beiden Vorgängern, eine Rallye mit sieben Stages zu versehen, von denen eine dann die SSS, bzw Power Stage ist. Verbindungsetappen (Strecken zwischen den einzelnen Wertungsprüfungen, die nicht in die Gesamtwertung einfließen) fehlen in dem Spiel vollständig (was aber nicht verwundert und eher meinem Wunschdenken und dem anderer Rallyefans entspricht).

Design der Wertungsprüfungen:
Die einzelnen Etappen wurden teilweise vollständig neu konzipiert, was den Wiedererkennungswert drastisch senkt und für viel frischen Wind sorgt. Leider ist das Streckendesign nicht sehr abwechslungsreich oder ideenreich ausgefallen, so fährt man in verschiedenen Wertungsprüfungen durch ein und die selbe Stelle. Was zu verkraften wäre, wenn sich die Etappen wesentlich stärker an der realen WRC orientieren würden. Ferner erinnern sogar einige Stellen frappierend an Stellen aus anderen Rallyes. Außerdem haben die Macher anscheinend ein kleines Faible für Haarnadelkurven entwickelt. Sicher, Haarnadelkurven sind wohl eines der spektakulärsten Elemente des Rallyesports (wenn man sie und sein Fahrzeug beherrscht), aber in WRC 4 wurden sie schon inflationär hoch implementiert, besonders die "Haarnadelschikanen" (Haarnadel links, direkt gefolgt von Haarnadel rechts bzw umgekehrt), was sehr schnell den Eindruck erweckt, dass die Macher es sich einfach eingemacht haben und eine Gerade mal schnell durch solch eine Schikane aufgelockert haben. Auch ist das Neudesign der Wertungsprüfungen nicht immer zum Vorteil des Spiels ausgefallen, so hat mich schon in WRC 3 irritiert, dass die "Banden" in der deutschen Wertungsprüfung "Arena Panzerplatte" fehlen, in WRC 4 fehlt diese Etappe sogar komplett. Die Rallye Finnland dagegen stand in den Vorgängern immer für einfachen Fahrspaß mit seinen breit angelegten ebenen Schotterpisten, in WRC 4 dagegen führt die Rallye über enge, holprige Wege, die sich farblich kaum vom umliegenden Gelände abheben. Zusätzlich erschwert wird das noch durch die Schatten, die die naheliegenden Bäume werfen (was an sich ja nicht verkehrt ist, aber hier hat es Milestone eindeutig übertrieben). Die Strecken an sich bieten also viel Neues, was aber nicht unbedingt gut ist.

Der Co-Pilot/Pacenotes:
Ohne Beifahrer ist jede Etappe von vorneherein zum Scheitern verurteilt, deshalb gehe ich hier gesondert darauf ein. Was ich seit dem dritten WRC Spiel vermisse, ist eine weibliche Stimme, aber das ist nur mein persöblicher Geschmack. Die vorhandene männliche Stimme ist größtenteils aus dem Vorgänger übernommen, was bedeutet, dass ihr der "Zack" aus den ersten beiden Teilen fehlt. Auch tendiert der Copilot eher dazu, Unfälle zu kommentieren, was auf Kosten der nächsten Kursanweisungen geht. Die Anweisungen sind größtenteils korrekt und richtig getimet, bis auf wenige Ausnahmen. Besonderes Manko: Im Spiel wurde eine neue Anweisung eingeführt, nämlich "scharfe Kurve". Dass dabei die Richtungsangabe (links oder rechts) fehlt und der Spieler selbst zusehen muss, wohin die Reise geht, erschwert das Spiel nur unnötig. Die Anweisungen kann man sich auch im HUD einblenden lassen oder sich für eine Minikarte entscheiden, genutzt habe ich diese Features allerdings nicht, da sie mich nur vom tatsächlichen Fahren ablenken würden.

Die Steuerung:
Eines muss man Milestone lassen: Steuerungstechnisch ist WRC 4 wohl der bisher beste Teil der Serie. Die Fahrzeuge fahren sich besonders "smooth" und antwortfreudig (auch wenn sämtliche Fahrhilfen deaktiviert sind). Sollte das Fahrzeug doch mal außer Kontrolle geraten, so liegt das meist an Fahrfehlern des Spielers. Konstantes Fahren wird in WRC 4 besonders gefördert, so ist ein flüssiger Fahrstil mit gemäßigter Geschwindigkeit bedeutend effektiver als unkontrollierte Raserei oder ein wankelmütiger defensiver Fahrstil. Wirklich realistisch ist die Steuerung auch hier nicht, aber das kann kein Rennspiel von sich behaupten (auch kein Gran Turismo). Tatsächlich ist die Steuerung von WRC 4 in meinen Augen der mit Abstand größte Pluspunkt des Spiels und der Hauptlieferant für den Spielspaß.

Spielmodi:
Auch in WRC 4 gibt es wieder einen Karrieremodus, in dem man sich von den schwächeren Junior-WRC Wagen mit Frontantrieb zu den Drehmoment-Monstern der obersten WRC-Klasse hocharbeiten muss. Dies geschieht zum Glück ziemlich flott. Ich bin auf Schwierigkeitsgrad 5 schon in der dritten Saison meine erste Rallye auf WRC-Niveau gefahren. Zum Glück versucht WRC 4 nicht, wie in WRC 3 an die DiRT-Serie anzuknüpfen (anscheinend hat sich bei Milestone jemand gedacht, dass Tony Hawks Pro-Skater mit Autos nicht allzu sehr zur WRC passt).Leider hat WRC 4 den Abwärtstrend aus dem Vorgänger, was die Personalisierung im Karriere-Modus angeht, fortgesetzt. Lediglich das Nummernschild an den offiziellen WRC-Fahrzeugen kann man noch nach seinen persönlichen Vorstellungen gestalten, eigene Fahrzeuge, die man individualisieren kann, fehlen komplett. Ansonsten kann man im Singleplayermodus wählen, ob man eine einzelne Etappe, Rallye oder gleich eine ganze Meisterschaft fahren will. Dabei lässt sich die Meisterschaft erstaunlich umfangreich nach den eigenen Vorstellungen gestalten. Ein Schnellrennen-Modus gibt es im Hauptmenü auch, falls man sich nicht mit der Auswahl einer Strecke und eines Fahrzeugs aufhalten will.

Multiplayer:
Gibt es wie gewohnt Online und Offline via Hot-Seat (die Spieler wechseln sich dabei ab und fahren nicht gleichzeitig). Besonders ärgerlich ist, dass es mal wieder keinen Splitscreen-Modus gibt, so dass mehrere Spieler gleichzeitig fahren können. Deshalb sind Offline-Sessions bedingt durch die wie gewohnt langen Ladezeiten in der Regel sehr zeitaufwendig.

Der Rest/allerlei Durschnittliches:
Damit habe ich das Spiel größtenteils erörtert. Bleiben noch paar Kleinigkeiten: Die Schadensmodelle sind detailiert und authentisch, genauso wie die Sounds. Das Schleifen der Kupplung an einem beschädigten Getriebe und das Rattern einer kaputten Gangschaltung machen dem Spieler auch ohne optische Hilfsmittel klar, wie es um sein Fahrzeug steht. Die Motoren klingen satt und kräftig und das Quietschen der Reifen signalisiert zuverlässig, wie um die Bodenhaftung bestellt ist. Nachdem die Musik in WRC 1 und 2 stark nach lienzfreiem, generischen Gedudel und die Musik von WRC 3 nach Pseudo-modernem Szenegewummer geklungen hat, fällt die Musik in WRC 4 viel zu überdramtisch aus und würde eher zu einem Militäraufmarsch als zu einem Rennspiel passen. Die PS3-Version des Spiels kann man schon wieder nicht installieren, was zu nervig langen Ladezeiten führt. Auch sollte man von der Grafik nicht alzu viel erwarten, zwar ist sie nicht schlecht, aber auch kein High-End Wunder.

Zusammenfassung:
Alles in Allem ist WRC 4 ein ziemlich durchschnittliches Spiel, welches allerdings mit einer hohen Portion Fahrspaß aufwarten kann. Auch ist es wohl das das beste Rallye-Spiel der aktuellen Konsolengeneration, was allerdings nicht sehr schwer ist in Anbetracht seiner Monopolstellung als reines Rallyespiel. Wer auf der Skala zwischen Arcade und Simulation eher in Richtung Simulation tendiert, oder ein bischen Abwechslung von Rennspielen auf Rundkursen braucht, sollte dem Spiel eine Chance geben.
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