Kundenrezension

29 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Desaster, 9. Februar 2008
Von 
Rezension bezieht sich auf: Romantic Arias (Audio CD)
Wenn die PR-Maschine rollt, heißt das noch lange nicht, dass auch viel Substanz dahinter sein muss. Mit dieser Veröffentlichung hat Jonas Kaufmann weder sich noch uns einen Gefallen getan. Zugegeben, er verfügt über eine Stimme, die durchaus Qualitäten besitzt, die leider hier nicht zum Tragen kommen. Vom Klang her ist es eine dunkel timbrierte, attraktiv klingende Tenorstimme, die allerdings in der Höhe deutlich begrenzt ist, zumal er auch teilweise den Klang der Bruststimme in die Höhe treibt. Die Textur der Stimme ist eher körnig und sorgt dafür, dass sie zuweilen heiser klingt und auch nicht frei ist von kehligen Einfärbungen.
Kaufmann ist durchaus ein Sänger mit vokaler Phantasie und offenbar vom Wunsch beseelt, dramatische Charaktere auf die Klangbühne zu bringen. Das Programm stand unter dem Vorsatz, die Vielseitigkeit des Sängers herauszustellen. Aber hier scheitert der Sänger auf ganzer Linie. Die CD ist ein Sammelsurium der Opernliteratur des 19.Jahrhunderts. Schön, dass ein Sänger versucht, alles zu singen, doch sollte er es auch können. Die Grundlage für ein Singen in verschiedenen Stilen ist stilistische Sicherheit, und genau die ist bei Kaufmann nicht gegeben. Die französischen Arien geraten durch seinen Zugriff zu komischen Großartigkeiten, weit entfernt von jener plastischen Artikulation, die einst zu den Tugenden des französischen Singens gehörte. Kaufmann hat für alle Arien einen Einheitszugriff entwickelt, der die kompositorischen Unterschiede verwischt und beispielsweise Faust zu einem Verismo-Helden macht, was er gerade nicht ist. Hinzu kommt die Tendenz des Sängers zum krassen Übersingen, als ob er ständig den vokalen Kraftprotz herauskehren müßte. Als wäre all das nicht genug, hat er deutliche vokaltechnische Probleme. Die Pianofunktion der Stimme ist nicht in Ordnung. Allenfalls in der mittleren Lage hat das Piano klangliche Substanz, ansonsten produziert er nur hohle Klänge, oder, weniger freundlich formuliert, bloße heiße Luft. Zudem hat er eine unangenehme Tendenz, die Vokale zu verfärben, besonders krass in den Traviata-Ausschnitten. Der Schlußton der Cabaletta macht ein anderes Problem deutlich. Er ist nicht höhensicher. Das hohe C wird erkämpft und rutscht ihm fast weg - schlecht gebrüllt, Löwe! Nach Anhören dieser miserabel konziperten CD fragt man sich, wie so etwas möglich war. Recitals sollen die Stärken von Sängern herausstellen und nicht die Schwächen auf so gnadenlose Weise offenbaren. Kaufmann produziert hier Klänge, die die Studiotür nie hätten passieren dürfen und einem guten Produzenten auch aufgefallen wären. Das Orchester spielt wie eine drittklassige Provinzkapelle und so gibt es leider überhaupt keine Freude im Winter dieses Mißvergnügens. Bleibt zu hoffen, dass Decca ihm das nächste Mal bessere Partner gibt und ihn Musik singen läßt, die zu seinem stimmlichen Apparat passen, aber diese Einspielung deutet eher darauf hin, dass er verheizt werden soll.
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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 19.02.2008 21:34:45 GMT+01:00
Wolfgang S. meint:
Ein veritabler Verriss, aber offensichtlich von jemandem, der sich in der Stimmtechnik theoretisch auskennt. Man darf durchaus seine Meinung auch mit Nachdruck artikulieren; mir gefällt hier, dass es so ohne Bösartigkeit und/oder Polemik geschieht.

Veröffentlicht am 01.03.2008 12:56:40 GMT+01:00
Maze meint:
Wie schön. dass wir alle etwas von Jonas Kaufmann haben: diejenigen, die sich an einem großartigen Tenor erfreuen können, und diejenigen, die mit aller Macht das Haar in der Suppe finden wollen.

Veröffentlicht am 02.03.2008 08:01:07 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 19.05.2008 11:36:18 GMT+02:00]

Veröffentlicht am 10.05.2008 23:59:56 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 11.07.2008 12:09:30 GMT+02:00]

Veröffentlicht am 20.02.2012 20:26:21 GMT+01:00
Liebe(r) Megdal,
ich danke Ihnen für Ihre Rezension, der ich voll zustimme. Ich kann die Enttäuschung gar nicht beschreiben, als ich mir die CD anhörte. Von einem Haar in der Suppe kann gar nicht die Rede sein - es handelt sich um eine ganze Perücke!
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