Kundenrezension

11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Wahrheit auf der Spur, 10. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Jesus? Tatsachen und Erfindungen (Taschenbuch)
Mit "Jesus? Tatsachen und Erfindungen" hat Harald Specht ein hochaktuelles Buch geschrieben. Anhand von über 500 Literaturstellen wurden nahezu alle verfügbaren Quellen erfasst und mit wissenschaftlicher Akribie überprüft. Das Fazit ist eindeutig: Jesus hat nie gelebt, er ist nur ein Mythos.

Ein insgesamt sehr informatives, anregendes, nachdenkliches, spannendes und demzufolge überaus lesenswertes Buch.
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Von 1 Kunden verfolgt

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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 10.10.2012 01:24:31 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 10.10.2012 01:29:52 GMT+02:00
Komisch, dass die seriöse Wissenschaft diesen Befund noch nicht teilt.

Im Ernst, der aktuelle Stand der Forschung ist das jedenfalls nicht. Natürlich kann es sein, dass sich irgendeine allzu vorschnell abgetane Außenseiterthese aus dem 19. Jh. bei näherem Hinsehen doch als ernster zu nehmen erweist, als man bislang dachte. Aber um das herauszufinden, muss man sich mit solchen Thesen kritisch befassen und kann sie nicht einfach kritiklos referieren und dann zum "eindeutigen Fazit" deklarieren, wie das hier geschieht. Neben der Einbeziehung aktueller Forschungen wäre außerdem auch der ideologische Boden zu untersuchen, auf dem diese Jesus-hat-nie-gelebt-Theorien seinerzeit gewachsen sind (und scheinbar immer noch dankbar aufgenommen werden). Diese Voreingenommenheit treibt schlimme Blüten. So wird das nichts mit der richtigen "Spur" zur Wahrheit.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.11.2012 05:42:02 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 03.11.2012 00:23:37 GMT+01:00
Replik auf den Kommentar von Georg Küppers:

Es gibt, was die Frage nach der Existenz eines historischen Jesus betrifft, auch eine "Voreingenommenheit" der Theologie und zwar ein eindeutiges apologetisches Interesse, das ich als Profanhistoriker so nicht teilen kann. Was aber ist apologetisches Interesse anderes als ideologisches Interesse? Meiner Meinung nach sogar ideologisches Interesse hoch zehn. Ich verweise dazu auf eine kleinen Schrift des Soziologen der Religionsgeschichtlichen Schule Ernst Troeltsch, die dieser anno 1911 auf dem Höhepunkt der Debatte um Arthur Drews' "Christusmythe" unters Volk brachte. Troeltsch gesteht dort unumwunden, dass das Ritual als soziologischer Faktor an das historische Element gebunden sei, weshalb auch alle großen Religionen immer religiöse Verehrungen ihrer Stifter und Propheten seien. Der Kampf (um die Christusmythe) müsse deshalb ausgefochten werden, "und wäre er zu Ungunsten der Geschichtlichkeit Jesu entschieden, so wäre das in der Tat der Anfang vom Ende des Christussymbols in den Schichten des wissenschaftlich gebildeteten Volkes. Und von da würden Zweifel und Auflösung bald in die Unterschichten herabsinken, soweit sie bei deren sozialreformerischen und antikirchlichen Neigungen dort nicht schon lange zu Hause sind." (Die Bedeutung der Geschichtlichkeit Jesu für den Glauben, Tübingen 1911, Tübingen 1911, S. 26f; 42f).

Troeltschs Befürchtung trifft zwar insofern heute nicht mehr zu, als die "New-" und "Third-Quest"-Theologie sich selbst vom Christussymbol verabschiedet hat und einen Jesus jenseits des synoptischen sucht. Die Intention ist aber noch genau so "sozialpsychologisch" wie einst bei Troeltsch, der seine eigene Argumentation ehrlicherweise mit diesem Adjektiv (S.41)kennzeichnete. Anders als den Theologen interessiert mich als Althistoriker aber nun ausschließlich die Frage nach der Wirkungsmächtigkeit des Christentums (Wie konnte ein solches Phänomen entstehen? Warum war es erfolgreich?). Und hier war mir sogar die auf Wilhelm Bousset zurückgehende klassische Entwicklungslinie(historischer Jesus - henoch'scher Menschensohn -antiochenischer Kyrioskult) immer schon zumindest suspekt. Der aktuell behauptete Weg vom subalternen "Wandercharismatiker" (Burton Lee Mack: Jesus war eine Art Lehrer, das war aber auch alles.) zum Christuskult (ders:"Der Kyrioskult war eine völlig unnötige Überreaktion") ist für einen "Unvoreingenommenen" schon überhaupt nicht mehr nachvollziehbar. Hier zu folgen, ist vom Historiker schlicht zuviel verlangt. Die Radikalkritik bietet mir zur Lösung des Problems in der Tat, wie auch Detering in seiner eigenen Rezension zu Specht hier auf dieser Seite betont, viel plausiblere Erklärungsmuster an.

Und was die "schlimmen Blüten" betrifft, die Sie unbedingt glauben ansprechen zu müssen: Ich beschäftige mich seit geraumer Zeit wissenschaftshistorisch mit der radikalen Kritik der Geschichte und Literatur des frühen Christentums. Ich verrate hier nur: Der ideologische Hintergrund ist alles andere als einheitlich. Verbindendes Element ist lediglich die Skepsis gegenüber einem historischen Jesus. Die Motivationen und Intentionen reichen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert von monistisch-atheistisch grundiertem Freidenkertum über einen streng ideengeschichtlichen Ansatz, der im Gegensatz zum Prinzip der Carlyl'schen Heldengeschichte stand, bis hin zu einer ausgesprochen spirituellen Orientierung (neodoketisch-christlich bis theosophisch-neobuddhistisch). Ich habe bislang an die 50 einschlägige Autoren untersuchen können. Antisemitische Zwischentöne finden sich nur bei Bruno Bauer und Arthur Drews, was bei letzterem von dessen Lehrer Eduard von Hartmann herrührte, der allerdings selbst trotz aller Kritik am liberalen Protestantismus der Gründerzeit einen historischen Jesus nicht bestritten hatte. In beiden Fällen (bei Bauer und Drews) handelt es sich deshalb um den Antijudaismus des 19. Jahrhunderts, der auch auf der jesuanischen Gegenseite noch bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts virulent gewesen ist, und zwar beileibe nicht nur bei Adolf von Harnack. Drews versuchte zwar als Parteimitglied, der Radikalkritik eine Plattform innerhalb der NS-Bewegung zu verschaffen, scheiterte damit jedoch bodenlos. Man favorisierte auf breiter Front H.St. Chamberlains krudes Konzept eines "arischen Jesus" aus dem "Heidengau Galiläa". Die Radikalkritik fand weder Eingang in die NS-Ideologie noch in zeitgenössische Lexika und Nachschlagewerke ("Brauner Meyer" u.a.). Insbesondere amerikanische Neonazis berufen sich noch heute auf den "arischen Jesus", während die hiesige Szene lieber gleich "Odin statt Jesus" plärrt.
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