Kundenrezension

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Warum Hans Hopf?, 12. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Tannhäuser (Audio CD)
Der Tannhäuser wurde von den Plattenfirmen immer etwas stiefmütterlich behandelt - diese Einspielung von 1960 war tatsächlich die erste vollständige Studioaufnahme der Oper. Dass sie sich bis heute im Katalog halten kann, liegt vor allem an einigen herausragenden Sängerleistungen:

Elisabeth Grümmer war eine der führenden lyrischen Sopranistinnen der 50er und 60er Jahre, hat aber leider viel zu wenige Aufnahmen hinterlassen. Darunter sind ausgerechnet drei Wagner-Rollen, in denen sie Maßstäbe gesetzt hat - als Elsa und Eva unter Rudolf Kempe und eben als unübertroffen innige Elisabeth in diesem Tannhäuser. Ihr unschuldiger Jubel in der Hallenarie, ihre Entschlossenheit im Sängerkrieg, ihre Hingebung im Gebet "Allmächt'ge Jungfrau" allein machen diese Aufnahme kostbar.

Der Wolfram von Eschenbach war Dietrich Fischer-Dieskaus beste Wagner-Rolle, und selten hat er sie besser gesungen als hier: Sein Wolfram hat Würde, Eleganz und auch Herz, Fi-Die wirkt nicht so professoral wie in vielen späteren Aufnahmen und ist stimmlich in sehr guter Form.

Gottlob Frick ist ein ebenso majestätischer wie väterlicher Landgraf. Und Fritz Wunderlich macht die an sich relativ kurze Partie des Walter von der Vogelweide zur Hauptrolle und seinen Auftritt im Sängerkrieg zum Höhepunkt der Oper.

Auch mit der sehr kühlen Venus von Marianne Schech mit ihrer scharfen Höhe und ihrem großen Vibrato könnte ich leben - sie verkörpert weniger die Erotik der Liebesgöttin als die Seelenlosigkeit der Unsterblichen, eine zumindest mögliche Auffassung.

Aber warum muss ausgerechnet Hans Hopf die Titelrolle singen? Ein Kraftsänger mit lauter, robuster, aber wenig kultivierter Stimme. Das große Stimmvolumen erkauft der Sänger durch einen Verlust an Flexibilität und Kern. Die Stimme klingt ab der Mittellage angestrengt, gaumig und nasal. Hohe Töne rutschen ihm in den Hals, von Legato kann keine Rede sein, die Belcanto-Stellen des ersten Aktes ("Dir töne Lob") werden einfach durchgestemmt. Auf der Bühne mag er die Rolle bewältigt haben. Zwischen den kultivierten Stimmen der anderen Sänger wirkt seine Leistung im Studio schlicht provinziell. Schade.

Chor und Orchester bieten eine ordentliche Leistung - die Staatskapelle Berlin war damals noch kein Spitzenensemble, wirkt in virtuosen Passagen bemüht bis überfordert (Vorspiel Hallenarie). Der Dirigent Franz Konwitschny versucht Rücksicht zu nehmen und wählt möglichst eher langsame Tempi. Dadurch gerät ihm die Aufführung recht steif und etwas steril. Die trockene Akustik tut das ihre. Es gibt temperamentvollere Tannhäuser-Aufnahmen.

Hauptkritikpunkt ist und bleibt aber Hopf - mit einem anderen Tenor wäre die Einspielung auch heute noch insgesamt hörenswert, zumal es sich um die für das Studio geeignetere Dresdner Fassung handelt - ohne Bacchanal-Ballett, dafür mit längerem Sängerkrieg, bei diesen Sängern ein echter Gewinn. So hört man den ersten Akt lieber in der Barenboim-Aufnahme (mit Peter Seiffert und Waltraud Meier) und wechselt zum zweiten Akt hierher.
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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 07.06.2011 19:59:00 GMT+02:00
persona221 meint:
Sie erwähnen, es gäbe temperamentvollere Aufnahmen des Tannhäuser, da wäre es hilfreich gewesen, Sie hätten diese genannt; wer sich bei Wagner nicht auskennt, ist für jeden Tipp dankbar!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.06.2011 23:31:01 GMT+02:00
vully meint:
O. K., also:

Mein Favorit: Sawallisch von den Bayreuther Festspielen 1961, spannend auch Cluytens, für Leute ohne Angst vor historischem Stiedry (1948).
Eher prächtig opulent Solti und - bis auf die Elisabeth auch großartig besetzt - Barenboim.
Sehr sorgfältig, wenn auch vorsichtig musiziert und wunderbar gesungen: Haitink

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 29.02.2012 18:47:43 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 01.03.2012 14:05:44 GMT+01:00
Falparsi meint:
Ich würde auf jeden Fall auch Sinopolis Aufnahme mit der großartigen Agnes Baltsa als Venus und der fantastischen Cheryl Studer inder Rolle der Elsa und dem in absoluter topform singenden Placido Domingo empfehlen.......Sawalisch doch eher nicht wegen Windgassen- zuviel Malz, da ist ja fast der Hopf(en) noch besser!!! Ansonsten natürlich Barenboim ( Eaglen -grauenhaft) und Solti mit einem Kollo 'at his best'!!!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.03.2013 14:11:58 GMT+01:00
Pelleas07 meint:
@Falparsi
Stimme Ihnen völlig zu. Baltsa und Studer sind hervorragend in ihren Rollen (Studer singt auch eine grandiose Elsa in Abbados "Lohengrin" und eine faszinierende Salome unter Sinopolis Leitung). Überhaupt sollte man die guten Darbietungen zeitgenössischer Künstler mehr würdigen und nicht immer von vornherein den älteren Aufnahmen hintanstellen. Auch viele der sog. "Referenzaufnahmen" weisen mitunter deutlich Schwächen auf, sei es in der Besetzung, im Orchester, in der Akustik, in der Tontechnik...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.03.2013 03:00:09 GMT+01:00
vully meint:
Die Sinopoli-Aufnahme ist insgesamt nicht mein Favorit, auch wenn Studer und Baltsa eine der besten Kombinationen aus Elisabeth und Venus sind, die auf Tonträger zu bekommen ist. Ich werde aber mit Sinopolis Dirigat nicht warm und störe mich an Domingos zerhackter Artikulation. Ein Problem der Aufnahme ist auch, dass man m. E. hört, dass Orchester und Sänger getrennt voneinander aufgenommen wurden.

Von den neueren Aufnahmen würde ich Barenboim vorziehen - trotz der schwächeren Elisabeth der Eaglen.
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