Kundenrezension

140 von 145 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Genie und Wahnsinn liegen so dicht beieinander, 14. August 2006
Rezension bezieht sich auf: Atom Heart Mother (Audio CD)
Dies ist meine Feststellung, nachdem ich die meisten Rezensionen gelesen habe. Aber der Reihe nach: bei solch sehr schwierigen Werken wie ATOM HEART MOTHER gibt es zwei Möglichkeiten. 1. man kennt das Werk aus seiner eigenen Jugend und hat bestimmte Erinnerungen daran oder 2. man lernt es, auf Grund einer späteren Geburt :-)) erst viel später kennen, nachdem eben auch schon THE WALL oder DSOTM erschienen sind. Das verändert natürlich die Sichtweise.

Fakt ist, dass die Musiker selbst AHM später als "Bullshit" abgetan haben, welches sie niemals wieder freiwillig hören möchten. Nun, da ich die Meinung der Musiker zwar respektiere aber nicht unbedingt teilen muss, denke ich (und jetzt bitte nicht auf mich einschlagen), dass AHM ein sehr ehrliches Werk ist, jedenfalls weit weniger kommerzorientiert als spätere Alben, allen voran DSOTM.

Persönlich habe ich es bereits 1971 AHM, also mit 13 Jahren, durch einen Freund kennen gelernt. Das 23 Minuten Titelstück war ja für damalige Verhältnisse von der Länge her gesehen, nichts aussergewöhnliches. Andere Bands wie ELP oder YES hatten es bereits vorgemacht und so mussten PINK FLOYD eben auch etwas in dieser Form, wenn möglich mit einem bombastischen Orchester und Chor hervorzaubern. Mit Ron Geesin als Dirigenten und dem John Alldis Choir hatte man dann bald alle Mitstreiter zusammen und die Aufnahmen konnten beginnen.

Kurioserweise wurde damals bereits an mehreren Alben (oder "Konzepten") gleichzeitig gearbeitet. Man siehe nur den Film "Live at Pompeji", der so ziemlich um die gleiche Zeit in den Kinos startete. Da ist kein Stück von AHM zu hören aber kurioserweise bereits die ersten Outtakes von "Lunatics" oder "On the run" aus dem späteren DSOTM. Und wir waren hier erst 1971, DSOTM erschien erst 1974!!! Soviel mal zur damaligen Arbeitsweise.

AHM besteht also aus dem Hauptstück, mit einem stets wiederkehrenden Grundthema, welches teils mit Bläsern, Stimmen, Streichern variiert wird. Richard Wright an der Orgel sowie Roger Waters am Bass bekommen sehr lange Solipassagen. David Gilmour wird teilweise doch sehr aus diesem Spiel ausgegrenzt. Allerdings ist sein in der Mitte platziertes Gitarrensolo so genial, dass es sehr nahe an das Solo aus "Comfortably numb" herankommt. Dass AHM am Schluss völlig chaotisch in sich zusammenfällt um dann wieder grandios mit dem Hautthema wieder langsam Formen zu gewinnen, das muss man einfach als phänomenal bezeichenen. Aber wie gesagt, es ist doch schon sehr gewöhnungsbedürftig und eine sehr schwere Kost.

Die B-Seite glänzt hauptsächlich mit dem Song "Fat old sun" von Gilmour. Obschon seine Stimme reichlich dünn klingt, was sicherlich auch am ungewöhnlichen Aufnahmeverfahren liegt (Alan Parsons ist hier übrigens bereits als Tontechniker mit von der Crew, dies zur Erklärung da einige Renzensenten geschrieben haben, die Aufnahmequalität sei miserabel, was an sich nicht stimmt, da PF ganz bewusst diesen an und für sich niedrigeren Frequenzpegel gewählt hatten), ist der Song sehr sehr gut. Auch "If" kann überzeugen. Und als krönenden Abschluss dann natürlich das Eierbrutzeln eines Roadies auf "Alan's psychedelic Breakfast". Dies mag man oder nicht. Persönlich fand ich die Idee schon dazumal Klasse und auch noch heute fasziniert es mich jedesmal auf's Neue, wenn ich höre wie man Eierbrutzeln mit Musik vermischen kann.

Fazit für das gesamte Album: AHM ist ein tolles Stück Musikgeschichte, nicht jedermanns Sache (ja noch nicht mal für PF selbst), aber wer sich je ernshaft mit ihnen beschäftigt hat muss zugeben, dass ohne AHM kein "Echoes" entstanden wäre. Und "Echoes" hätte 6 Sterne verdient, wenn es sie denn gäbe. Alles nach "Echoes" ob DSOTM oder WISH YOU WERE HERE (zwar noch immer das Beste aus der zweiten Phase von PF) und schon gar nicht THE WALL erreichten künstlerisch später dieses Potenzial.
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-10 von 11 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 26.08.2010 15:33:17 GMT+02:00
frijid meint:
Tolle Rezension, ich habe nur ein paar Anmerkungen:

Außer dem recht skurillem, disharmonischem Part finde ich Atom Heart Mother(Den Titeltrack) keineswegs schwer verdaulich. Man möge sich das zur selben Zeit erschienene "A Plague Of Lighthouse Keepers" von Van Der Graaf Generator mal zum Vergleich ranziehen.

Ich würde Pink Floyds Experimente mit bombastischen Orchester nicht mit denen von ELP oder YES vergleichen. Die klingen dann doch ganz anders. Pink Floyd waren zu dieser Zeit noch sehr psychedelisch, was ELP und YES nicht waren.

Ich finde nicht, dass David Gilmour hier ausgegrenzt wurde. Jedes Instrument ist hier gleichberechtigt, was bei Pink Floyd später nicht mehr unbedingt der Fall war.

DSOTM mag vielleicht kommerzieller sein, war aber damals trotzdem noch was völlig Neues, auch wenn natürlich "Echoes" und "Atom Heart Mother" bereits so etwas wie eine Grundlage dafür darstellten. Ich glaube ich brauche nicht aufzuzählen, welche Künstler im Vergleich zu Pink Floyd kommerziell waren. Pink Floyd waren immer etwas mystisches und geheimnisvolles...

"The Dark Side Of The Moon" kam 1973, nicht 1974 heraus.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.09.2010 19:05:04 GMT+02:00
Marc Colling meint:
Danke für das Lob. Van der Graaf war leider nie für mich zugänglich. War mir zu "jazzig". Aber dieser disharmonische Teil ist für mich jedesmal das Highlight. Da soielt sich ein ganzer Film im Kopf ab, mit der Zerstörung allen Lebens, bis zur langsamen Wiedergeburt, wenn die Violine das Grundthema wieder aufnimmt.

ELP oder YES wollte ich nicht musikalisch mit PF gleichsetzen. Es geht mir hier nur um den Fakt, dass alle diese Bands Stücke auf über 20 Minuten gedehnt haben.

Angeblich war Wright, als einziger studierter Musiker, bei AHM führend. Natürlich mit Geesin im Hintergrund. Dies hat Gilmour in einem Interview dazu bewogen zu sagen, dass seine Rolle doch noch sehr bescheiden war. Und DSOTM kam tatsächlich 1973 raus.....

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.01.2011 21:30:01 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 11.01.2011 21:31:51 GMT+01:00
Ich fand Atom Heart Mother auch nie schwer verdaulich. Ich fand Modern Talking viele Jahre später jedenfalls wesentlich schwerverdaulicher, um nicht zu sagen: Zum Kotzen - genauso wie all diese TV-Castingprostituierten von heute mit ihren betörenden Jugendorgasmusgesängen!

Das hier meinte übrigens das zu damaliger Zeit anscheinend noch tiefrevolutionäre ZDF zu Pink Floyds Atom Heart Mother (zu sehen im Youtube-Video):

"Der Rückfall der Popmusik in längst überholte Formen wird allem Anschein nach von dem größten Teil der jungen Generation unkritisch hingenommen. Allzu gern lässt sie sich von dieser pseudo-romantischen Atom Heart Mother mitreißen."

(ZDF Aspekte)

... Lächerlich, oder? :)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.01.2011 10:40:23 GMT+01:00
Marc Colling meint:
Sicherlich ist Modern Talking für richtige Musikliebhaber eine sehr schwer verdauliche Kost..........stell dir vor, du wirst mit Modern Talking 24 Stunden dauerberieselt in einem festgesteckten Fahrstuhl........dann sicherlich lieber AHM.

Was das revolutionäre ZDF von damals betrifft, so sei gesagt, dass die öffentlich-rechtlichen die Jugend damals wie heute nicht zu ihrer Zielgruppe rechnen. Und was der Jugend dann eben gefällt, kann nur subversiv sein......

Veröffentlicht am 02.08.2011 22:52:12 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 02.08.2011 22:54:11 GMT+02:00
Sorry, lieber Kollege, die AHM ist keine schwierige Musik. Sie ist ein Versuch, etwas umzusetzen, was im Trend der Zeit lag und R. Geesin lieferte eine nicht optimale Orchestrierung dazu. Mittlerweile spielt man sie in Musikhochschulen oder auf Festivals, im Bestfall mit Gilmour als Solist. Sie ist, wie schon das ZDF, unser aller liebster Rentnersender, damals treffend bemerkte, ein seichter musikalischer Rückschritt. Die AHM ist in den erhaltenen Liveshows, ohne Orchester und Chor, kompositorisch dichter und reizvoll durch das tastende Ausprobieren der vier damals jungen musikalischen Autodidakten von PF. Ich liebe die AHM - eben wegen ihres Kitsches und weil sie pathetisch und naiv ist. Da hilft mir auch eine persönliche Nostalgie "Weißt-du-noch-damals" nicht.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.08.2011 17:41:29 GMT+02:00
Marc Colling meint:
@Heike. Es liegt ja im "Ohr" des Hörenden, wo "schwierig" anfängt. Sicherlich ist AHM nicht so schwierig wie die ganz frühen Werke von PF, aber sicher auch nicht so leicht wie The Wall. Pathetisch und naiv, da bin ich einverstanden. Aber seicht? Nein, kann ich nicht teilen......Auf jeden Fall war das Album wichtig für PF, eben auch wegen Ron Geesin. Mit dem haben sie sich damals einen Fachmann ins Boot geholt, dessen Ziele PF nicht immer verstanden haben, was auch zu chaotischen Aufnahmesessions führte. Als, wie erwähnt, Autodidakten hat manchem von PF, allen voram Nick Mason, das Können gefehlt. Was alle 4 ab diesem Album durch professionelleres Üben abgeschafft haben. Mason blieb allerdings immer nur ein mässiger Drummer, aber ein ziemlich liebenswürdiger.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.04.2014 13:23:50 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 16.04.2014 13:24:40 GMT+02:00
Rainbow meint:
Jetzt lasst mal Nick Mason in Ruhe! Ja, er ist von der Technik sicher nicht der beste Drummer! Aber sein Drumming auf "A Saucerful Of Secrets" oder "Echoes" ist doch sehr eindrucksvoll! Und so ein Schlagzeug Solo wie in "The Grand Vizier's Garden Party" spielt auch nicht jeder.

Ansonsten volle Zustimmung zu deiner Rezension! Auch ich denke dass AHM kein einfaches Album war!

Grüße Rainbow

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.04.2014 10:37:08 GMT+02:00
Marc Colling meint:
@Rainbow: ich bin vollkommen mit dir einverstanden. Hab ja auch geschrieben, dass er ein "liebenswürdiger" Drummer war/ist, ein kauziger Mensch auch, aber eben diese Sorte Mensch gefällt mir. Dass er nicht genial war gibt er augenzwinkernd ja auch in seinem Buch zu :-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.04.2014 21:41:15 GMT+02:00
Rainbow meint:
In "Inside Out"?! Jo, das hab ich auch gelesen. Ich finde Mason wird oft ein bisschen zu wenig beachtet.. besonders in der Frühzeit hat er viel für die Band getan.. und er war der Einzige, der auf allen Pink Floyd-Alben gespielt hat. Aber genug davon ;-) was sind deine Lieblings-Alben von Pink Floyd?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 30.04.2014 11:53:12 GMT+02:00
Marc Colling meint:
Ich besitze alle Alben, ausser Zabriskie (ist ja auch kein reguläres Album). Mein Favorit ist AHM (auch die 2. Seite!), es folgen dann Meddle, Wish you were here und Obscured by clouds. Final cut kann ich gar nicht ab, auch das Debut ist für mich grenzwertig, trotz Syd Barrett. Der wurde m. E. definitiv total überbewertet von einigen Fans. DSOTM geht noch, besonders wegen der Songs von Wright.
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