Kundenrezension

13 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beherzt zugreifen! Es lohnt sich!, 2. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Chronist: Der erste Kreuzzug. Roman (Taschenbuch)
Warum nicht mal wieder einen historischen Roman lesen, habe ich mir gedacht, als mir dieses Buch zur Rezension angetragen wurde. Es ist lange her, dass ich zuletzt einen historisch angehauchten Roman gelesen habe. Leider muss ich Iny Lorentz und Konsorten auf ihre Plätze verweisen, ich bin nämlich kein Fan der romantisierten Mittelalter-Schnulze ohne Niveau. Ein Glück, dass Chronist hier in anderen Gewässern fischt.

Der Autor:
Matthias Wenzel wurde am 31. Mai 1979 in Aschaffenburg geboren. Er bezeichnet sich selbst als „leidenschaftlicher Leser von Fantasy, Krimis, Science Fiction, Abenteuerromanen und historischen Romanen“. Stephen King’s Friedhof der Kuscheltiere hat seine Schreiblust geweckt. Wer kann es ihm verdenken. Friedhof der Kuscheltiere war einer meiner ersten “Erwachsenen”-Romane und hat auch meine Lesewelt geprägt wie kein anderes Buch danach.

Inhalt:

»Was ist dort geschehen, fragst du? Wenn ich dir die Wahrheit sage, wird es deine Vorstellungskraft übersteigen …« – Raimund von Aguilers, Die Eroberung Jerusalems, Jahr des Herrn 1099

Manchmal wird Geschichte lebendig. Dies ist bei Chronist der Fall. Chronist ist nicht nur einfach ein weiterer historischer Roman, denn für das Buch hat Wenzel sich lange in Recherchen gestürzt und viel Zeit darauf verwendet, historische Fakten in das Buch einfliessen zu lassen. In Chronist – Der erste Kreuzzug begegnen wir Raimund von Aguilers, einem schon früh vom Leben gebeutelten Jungen, der mit viel Glück seinen Weg ins Kloster der Benediktiner in Vézelay findet. Seine Intelligenz und eine tiefe Sehnsucht, Neues zu entdecken, aber auch Schuldgefühle aus der Kindheit, all diese Faktoren führen dazu, dass Raimund stets ein nagendes Gefühl von Rastlosigkeit in sich trägt. Vor allem Schuldgefühle plagen seinen Geist und wecken in ihm den Wunsch, Busse zu tun.

Als Raimund im Jahre 1905 als Chronist am Konzil von Clérmont teilnehmen darf, bietet sich ihm auch bald Gelegenheit, dem eintönigen, behüteten Klosteralltag zu entfliehen. In Clérmont während des Konzils lernt er nämlich alsbald seinen Namensvetter, den Grafen Raimund IV. von Toulouse, kennen und schätzen. Mit dieser Bekanntschaft ist auch Raimunds Chance gekommen, in die grosse, weite Welt zu entfliehen, er soll als Chronist unter dem Grafen den Kreuzzug von Papst Urban dem Zweiten für die Nachwelt dokumentieren. Jedoch entpuppt sich dieser Aufruf als Auftakt zum Eintritt in die menschliche Hölle des religiösen Fanatismus und Raimunds Glaube wird auf eine harte Probe gestellt.

Meine Meinung:
Chronist – Der erste Kreuzzug ist ein Erstlingswerk, das sich jedoch mit anderen bereits landläufig bekannten und erprobten historischen Ergüssen ohne Scham messen kann. Es ist interessant und sehr spannend einen Roman zu lesen, bei dem man sich immer wieder vergegenwärtigt, dass man hier nicht nur der Fantasie eines Autoren „zu“liest. Oft habe ich mich gefragt, was ich an Stelle von Raimund getan hätte. Da ich mich selber zur unreligiösen Sorte Mensch bekenne, hat mich die Frage „Wie viel Blut darf der Weg ins Paradies kosten? „ besonders beschäftigt. Es ist immer wieder unsagbar beängstigend, was Menschen im Namen Christi, Allah’s oder auch eines Xenu zu opfern bereit sind.

Wieviel Religion braucht der Mensch und wozu führt Religion eigentlich im ungünstigsten Fall? Antworten findet man für sich selber genug in diesem Roman. Besonders gut gefallen hat mir das Buch selber. In der Hardcover Variante fühlt sich das Buch, selbst schon rein was das Gewicht angeht, wie eine Bibel an. Das macht Eindruck. Auch sehr schön ist das Buchcover. An dieser Stelle möchte ich dem Illustratoren Chris Reinfels ein Kränzchen winden. Sollte ich jemals einen Roman schreiben wollen, hätte auch ich gern ein Cover von ihm gestaltet. Es ist sehr stimmig zum Buch und passt quasi wie die Faust aufs Auge. Der Schreibstil soll an dieser Stelle auch noch erwähnt werden: Wenzel schreibt flüssig und direkt. Auf detaillierte Beschreibungen der Umwelt oder auch Gesichtszüge wurde zwar verzichtet, aber anstatt zu stören, lässt dies mehr Raum für die eigene Fantasie. Lediglich etwas habe ich auszusetzen: das englische Wort „Baby“ empfinde ich in deutsch verfassten, historischen Romanen als etwas zu neumodisch, insofern auch die Dialoge in eher mittelalterlichen Gefilden fungieren.

Fazit:
Wer sich den Fans von historischen Romanen zugehörig fühlt oder Autoren wie Ken Follet (Die Säulen der Erde) gerne mag, sollte auch hier beherzt zugreifen! Liebevoll recherchiert und spannend geschrieben, erleben wir als Leser den Kreuzzug in Begleitung von Protagonist Raimund von Aguilers am eigenen Leib. Ein Autor, von dem man sicher auch in Zukunft wieder lesen wird.
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