Kundenrezension

141 von 188 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen The Final Problem (?), 25. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Sherlock Holmes: Spiel im Schatten (DVD)
Auf den ersten Blick ist dies ein Film, der vor allem den Konventionen der eines Blockbusters aus Hollywood folgt. Atemlos wirkt hier die Action, es gibt Stars, ein ganz offensichtlich hohes Produktionsbudget, dramatische Musik und einen klaren Konflikt zwischen Gut und Böse. Und ja, es wird viel getan, um den Zuschauer zu unterhalten, und auch, um das Budget über Kinokarten und DVD-Auswertung wieder herein zu bekommen. Dabei wird es mit dem schönen Blendwerk manchmal so viel, dass einige leise Zwischentöne sowie einige durchaus intelligente Details manchmal untergehen. Deshalb lohnt es sich durchaus, diesen Film mit besonderer Aufmerksamkeit, vielleicht sogar zweimal zu sehen.

"Langweilig" wäre diesmal das bereits im ersten Film dieser Sherlock Holmes Reihe zu sehende Planen der Prügeleien im Kopf des Protagonisten, die man dadurch doppelt sehen und ertragen müsste, so beschrieb das ein dem Film insgesamt leider wenig geneigter, professioneller Rezensent in einer durchaus bekannten, deutschen Tageszeitung. Aber wie mit so vielem lag dieser Rezensent aus meiner Sicht völlig falsch. Hier dient dieses Vorausplanen, dieses Schach mit Fäusten, nicht nur der Charakterisierung von Holmes, sondern auch noch der seines großen Widersachers Moriaty. Und außerdem bietet dieses für die Reihe inzwischen stilbildend gewordene Feature auch noch Stoff für einen der Gags am Ende. Allerdings setzt dies alles schon Aufmerksamkeit und Vermögen zur Deduktion beim Zuschauer voraus. Nicht ganz so viel wie Holmes es hat, selbstverständlich.

Mehrfach kann man sich während des Filmes des Verdachts nicht erwehren, dass die Macher sich hier die Kritik am ersten Film (der zwar schon sehr gut, aber gerade unter Fans von Arthur Conan Doyles Geschichten umstritten war) zu Herzen genommen haben und es doch noch einmal ein Stück besser machen wollten als beim ersten Mal. So kommen in diesem Film noch einmal deutlich mehr Motive aus dem Canon der ursprünglichen Geschichten vor. Der Schurke in diesem Stück ist natürlich mit Moriaty genau der Bösewicht, der von Holmes selbst als "Napoleon des Verbrechens" bezeichnet wurde. Und der Schluss des Films spielt dann auch selbstverständlich an den "Reichenbach Falls" in der Schweiz. Und auch das Buch, welches Moriaty Holmes in einer Szene signiert, taucht bereits im Original auf. Kenntnis des Zusammenhangs gibt dem Dialog zwischen beiden auch im Film noch einiges an Würze. Und noch ein kleines Beispiel abseits des Konfliktes der Hauptpersonen: Humpelte eigentlich Watson bereits im ersten Film dieser Reihe schon so überzeugend? Jaja, die Kriegsverletzung aus Afghanistan.

Dass die Macher des Films die Diskussionen über den ersten Teil aktiv mitverfolgt haben, mag man auch dem Umgehen mit dem Thema der offenbaren Männerbeziehung in diesem Film entnehmen. Gleich zu Beginn des Films wird in einem Dialog klar, dass Holmes natürlich durchaus körperliche Liebe mit Frauen praktiziert (eine der ganz wenigen Textstellen, in denen der Film die Konventionen des viktorianischen Englands verletzt). Mag noch die Travestie in einer Szene ebenfalls in der ersten Hälfte des Films einige Zuschauer auf eine falsche Fährte setzen (diese ist eben nicht immer mit Sex verbunden), so führt der Film nicht viel später eine offenbar wirklich homosexuelle Nebenfigur ein, wie es sie schöner nicht geben kann. Dass der sie spielende Schauspieler seine Karriere mit einer Darstellung eines HIV positiven Homosexuellen begann und dann später Oscar Wilde verkörperte, mag da nur eine kleine Rolle spielen. Jedenfalls spielt Stephen Fry den besten Mycroft, den ich bisher in einem Film gesehen habe.

Aber auch andere Nebenfiguren sind diesmal bis ins Detail durchdacht besetzt. Frauen müssen halt im späten 19. Jahrhundert nicht wie Modells aussehen, Charakterköpfe tun es auch. Das passt denn auch besser zu den vielen Bildern, die wie Farbversionen von historischen Aufnahmen aus der damaligen Zeit wirken. Und das passt denn auch besser zu der politisch paranoiden Stimmung am Ende des Imperialismus, die sich dann - wie von Moriaty prophezeit - auch wirklich im großen Krieg entladen sollten, auch wenn dieser in der Wirklichkeit erst 23 Jahre später beginnen sollte. So kann ich nur sagen, dass ich vom Film begeistert war, und über einen weiteren Film aus dieser Serie durchaus auch sehr froh wäre. Denn schließlich gab es ja nach "The Final Problem" auch noch "The Empty House". Und da eine im Film eigentlich ganz unwesentliche Nebenfigur die Handlung überlebt, steht auch den Machern des Films da wohl noch einiges offen.
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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1-10 von 27 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 04.01.2012 19:57:35 GMT+01:00
Danke für diese wundervolle Rezension eines meisterhaft gemachten Filmes. DVD wird sofort vorbestellt :D

Veröffentlicht am 14.01.2012 00:42:37 GMT+01:00
Monty Burns meint:
Hallo Niclas Grabowski!

OK, meine Bedenken in Bezug auf dieses Sequel sind zerstreut. Hervorragende, stilistisch sehr schöne und kenntnisreich geschriebene Rezension. Ohne den Film gesehen zu haben vermute ich dass sie auch hilfreich sein wird, sodass ich den Klick auf den "Ja"-Button sicher bald nachholen werde.

LG, M. Bähre

Veröffentlicht am 16.01.2012 12:58:35 GMT+01:00
C. Burow meint:
ich hab nur mal eins
watson hunpelt nicht so sehr wegen dem krieg, sondern wegen der explosion in der werft im ersten teil oder? nur so als frage!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.01.2012 16:02:50 GMT+01:00
Nach der Riesenexplosion in Teil 1 müsste er dann doch gleich auf beiden Beinen humpeln, oder?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.01.2012 07:36:21 GMT+01:00
C. Burow meint:
Naja , ich denke mal ganz so übertrieben wollte man es nicht machen, da sonst holmesi nen ziemlich "lahmen" helfer hätte:)

was mich irritiert hat war die tatsache, das watson trotz seines humpels ziemlich schnell rennen kann :/ ?!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.01.2012 14:40:36 GMT+01:00
Ach das kenne ich. Etwas Adrenalin im Blut, und man spürt keinen Schmerz.

Oder jedenfalls erst am nächsten Morgen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.01.2012 15:29:03 GMT+01:00
C. Burow meint:
najut wenn mans so sehen will, aber denke mal er humpelt, weil irgendwas kaputt ist und nicht wegen schmerzen. kenn das bei wem mit hüftschaden, wenn der läuft, also joggt oder sprintet geht das auch ohne schmerzen, aber es sieht eben eigenartig aus :D

naja aber ist ja nur ne kleinigkeit, wegen der man ja nicht streiten brauch! und es macht einen rundum gelungenen film nicht unbedingt schlechter :)

Veröffentlicht am 21.01.2012 18:59:50 GMT+01:00
Eleanor meint:
Hallo!

Ich habe den Film Ende letzten Jahres im Kino gesehen und kann mich deshalb vielleicht nicht mehr so genau daran erinnern, aber beim Lesen deiner Rezension stellten sich mir einige Fragen (Das soll keine Kritik sein, nur Fragen):
1. Von welcher Szene sprichst du hier: "wird in einem Dialog klar, dass Holmes natürlich durchaus körperliche Liebe mit Frauen praktiziert"? Die ist irgendwie an mir vorbeigegangen. Und ich denke, das hätte ich mir gemerkt.
2. Wie kommst du darauf, Mycroft sei homosexuell? Offensichtlich steht er nicht auf Frauen (Sein Kommentar zu Mary war echt toll!), aber muss er deshalb gleich auf Männer stehen? Oder habe ich da auch eine Szene verpasst?
3. Du schreibst "Und da eine im Film eigentlich ganz unwesentliche Nebenfigur die Handlung überlebt, steht auch den Machern des Films da wohl noch einiges offen." Hä? Weil eine unwichtige Figur überlebt, kann es einen weiteren Teil geben?! Mir fallen 2 Interpretationen ein:
a) Du meinst das ironisch und die Figur ist die Hauptperson. Dann wäre alles klar.
b) Du meinst, es hätte sich nicht gelohnt, diese Figur für diesen Film einzuführen und da man direkt darauf hingewiesen wird, dass sie überlebt, soll sie wohl im nächsten Teil eine Rolle spielen. In diesem Fall habe ich keine Ahnung, von wem du redest.
Oder meinst du etwas ganz anderes?

Ansonsten eine tolle Rezension, sehr gut! Du hast Recht, den Film sollte man sich mehrmals ansehen.

Vielen Dank im Voraus für alle Antworten, gerne auch von anderen Personen!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.01.2012 02:42:56 GMT+01:00
OK.

Das ist jetzt wohl der Platz für die Warnung. Spoiler, Spoiler, Spoiler. Spoiler.

Zu 1:
Ich habe den Text inzwischen auch nicht mehr wörtlich im Kopf. Aber es geht um einen Dialog von Holmes mit Irene Adler, in dem es um das "zu früh kommen" geht - und auch darum, dass beide eine Erfahrung mit diesem Thema teilen. Sorry, ich habe eine schmutzige Phantasie, aber Holmes ist zu intelligent, um nicht auf die schmutzige Phantasie der Zuhörer (also wieder Frau Adler) Rücksicht zu nehmen. Und auch Irene Adler ist im zwischenmenschlichen Bereich klug genug, um die Pointe und die Doppeldeutigkeit zu verstehen, selbst wenn Sie mit Moriaty nicht ganz mithalten kann.

Zu 2:
Diesmal hast Du keine Szene verpasst. Aber alle Menschen sind sexuell. Und Mycroft drückt so ein völliges Unverständnis, und vor allem aber, ein so völliges Desinteresse an der Gefühlslage von Frauen aus, so dass ich das jetzt mit der Homosexualität im Sinne von Holmes als bewiesen ansehe. Im Sinne des Autors: Wenn alles Wahrscheinliche ausgeschlossen ist, muss das Unwahrscheinliche doch die Wahrheit sein (so oder so ähnlich im originalen Werk von Sir Arthur Conan Doyle).

Zu 3:
a) ist natürlich wahr.
b) ist natürlich auch wahr - und ja, ich schreibe manchmal auch Sätze, die zwei Interpretationen zulassen. Was Dir aber möglicherweise entgangen ist, ist das Überleben von Colonel Sebastian Moran, der nicht nur im Film als Scharfschütze auftaucht, sondern auch noch in der genannten Kurzgeschichte "The Empty House" von Conan Doyle eine Rolle spielt.

Ich hoffe, dass ich jetzt nicht ganz so rüberkomme wie Holmes manchmal gegenüber Watson, aber wie bei Conan Doyle auch, müssen am Ende ja die Rätsel aufgeklärt werden. Ich hoffe, es war hilfreich.

Niclas

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.01.2012 09:55:56 GMT+01:00
Eleanor meint:
Hallo!

Vielen Dank für deine schnelle Antwort, ja, sie war sehr hilfreich.

Bei 1. und 3. stimme ich dir zu, das hatte ich tatsächlich vergessen...
Moran sehe ich auch im Originalwerk als unwichtige Nebenfigur, in einigen Filmen spielt er eine größere Rolle. Aber jetzt erinnere ich mich wieder, dass er hier ja auch mitspielt... Ich hatte die Figur irgendwie nicht mit dem Moran, den ich aus anderen Werken kenne, verbunden (Also mir ist natürlich aufgefallen, dass er es sein soll, aber ich habe es wohl nicht richtig "abgespeichert", wenn man so will.). Im Original wird ja so wenig zu ihm (und besonders zu seinem Verhältnis zu Moriarty) gesagt, dass da viel Spielraum bleibt.

Beim 2. Punkt möchte ich dir allerdings widersprechen, siehe z.B. hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Asexualit%C3%A4t Hoffe mal, der Link funktioniert... Was ich sagen will, ist, dass es durchaus auch möglich ist, nicht sexuell zu sein und so sehe ich Mycroft (sowohl im Original als auch in allen mir bekannten Abwandlungen, seien es Bücher oder Filme). Aber vielleicht ist es so gedacht, dass jeder die Szene anders interpretiert. Ich kannte z.B. die anderen Filme, die du erwähnt hast, nicht, vielleicht (!) liegt es daran.

Und damit du wunschgemäß nicht wie Holmes rüberkommst, spiele ich jetzt mal den Besserwisser: Es ging um das Ausschließen des Unmöglichen, genauer: "Wenn man das Unmögliche ausgeschlossen hat, muss das, was übrig bleibt, die Wahrheit sein, so unwahrscheinlich sie auch klingen mag."
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