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Kundenrezension

26 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Über die Wanderung des Geistes von Ionien über Jena nach Paris, 21. November 2009
Von 
Rezension bezieht sich auf: Philosophische Temperamente: Von Platon bis Foucault (Gebundene Ausgabe)
Blaise Pascal schreibt in seinen Pensées vom Menschen als einem denkenden Schilfrohr; wer kann dann nicht verstehen, wie die neu erlebte Zerbrechlichkeit des Menschen sichtbar wird. Was Nietzsche an Pascal entdeckte, ist jener Sinn für eine intellektuelle Redlichkeit, die sich gegen die eigenen Interessen zu wenden vermag; fiat veritas, pereat mundus. (Es soll Gerechtigkeit geschehen, und gehe die Welt darüber zugrunde.) Doch wieviel Gewißheit der Mensch braucht, um sich im Denken zu orientieren, ist eine Frage, die spätestens mit Husserl beantwortet wird. Weniger als absolute Gewissheit wird nicht genügen, meint er. Kann man daraus schließen, dass im Wissen, dass es absolute Gewissheit nicht geben wird, Orientierung im Denken ebenso ausgeschlossen ist?

Neunzehn Miniaturen großer Philosophen sind es, die Sloterdijk über 2500 Jahre im Mittel aus Notwendigkeit und Willkür gewählt hat und subjektiv über sie berichtet. Getreu dem Motto Fichtes, dass die Wahl des Philosophen von der eigenen Wahl des Menschseins abhängt, wird auch Sloterdijk zumindest seine willkürliche Wahl getroffen haben, denn Platon zu wählen als den nahen Anfang aller Philosophen ist eine Notwendigkeit. Über den Typenansatz des Menschen (man wählt, wie man ist) hinausgehend, gilt der Ansatz der Temperamente. Sloterdijk kommt nicht an eine Grenze auf diesem seinen Weg, weil auch er erkennt, dass man an keine Grenze kommen kann, soweit man auch gehe. Dieser Gedanke Heraklits trägt das Buch und die Vorstellungen Sloterdijks, die sich eben mehr in den Verbindungen und Übergängen großer Denker bewegen und somit den Kontext deren Geistesleben offenbaren. In allem wird deutlich, dass ein Ziel aller Philosophie ist, aus berauschten Meinungsinhabern besonnene Wissensfreunde zu machen. Und aus den Sklaven der Leidenschaften heitere Selbstbeherrscher. Denn, dass der Mensch etwas sei, was überwunden werden müsse, ist seit Nietzsche Programm und mit dem Wiener Kreis um Wittgenstein wurde dem Genius Grandiosität zur Pflicht. Selbstübersteigung, so Sloterdijk, wurde zur Mindestbedingung. Der Mensch ist nun nicht mehr als ein Seil zwischen einem Tier und der Logik im Sinne Wittgensteins. Logik nicht mehr im Sinne der prosaischen Sprache, vielmehr in der korrekten Wortwahl innerhalb eines Satzes und letztlich als ein Sprachspiel in der "Passion eines Intellekts, der sich seinen Ort in der Welt an deren Grenzen zu erklären versucht". Des Menschens Existenz wird mit Sartre zur Verdammung zur Freiheit und final mit Foucault ist der Mensch tot. Tot in dem Sinne, dass er nicht mehr den Urbedingungen genügt, sondern sich in seiner Überwindung neu schaffen muss in seiner Sorge um sich. Spätestens hier erkennt man die Rundung der philosophischen Welt, die in Hegel einen Wendepunkt erfuhr und wo Foucault als Denker des 20. JH. sich nun Nietzsche nimmt und jener über Schopenhauer von Platon lernte, dass die Selbstüberwindung seit jeher Aufgabe des Menschen sei. Wieder ist der Mensch auf sich zurückgeworfen als auf den Selbstschöpfer aller Dinge. Wieder ist die alte Fassung: "Ich, Plato, bin die Welt" [Lou Salome über Nietzsche], möglich geworden und steht als letzte Weisheit am Anfang aller Philosophie.

Nach den bravourösen Übersichten von Russell, Weischedel u. a. über die Geschichte der Philosophie und ihrer Denker ist Sloterdijk ein neuer Blick gelungen, der die Aufgabe der Philosphie als Umbeseelung, Umbegeisterung der Menschen hervorhebt, letztendlich den Weg mit den großen Miniaturen (Platon, Aristoteles, Augustinus, Bruno, Descartes, Pascal, Leibniz, Kant, Fichte, Hegel, Schelling, Schopenhauer, Kierkegaard, Marx, Nietzsche, Husserl, Wittgenstein, Sartre, Foucault) aufzeigt, den alle Philosophie dem Menschen gibt: aus ihnen erwachsene Weltbürger zu machen. Oder die Antwort auf die Frage zu geben: Wie die freien Bodenlosen wieder zu festen sachlichen Verhältnissen kommen können?

So wie Sloterdijk vorwarnend auf die subjektive Wahl hinweist, gilt dieses für den Rezensenten als Leser und Schreiber ebenso, aber auch für den Leser, also für Sie, der in seinem Interesse das Gelesene mit seiner Erfahrung verbindet. Subjektivität erscheint somit als Wahrheit und als Unwahrheit gleichzeitig, unvorstellbar und nahezu destruktiv im Sinne Platons, der diese Gleichheit ins Reich der Transzendenz verschob oder man trifft sich im Kierkegaardschen "Entweder - Oder", nämlich dort, wo eine Wahl zu treffen im Angesicht des Unglaublichen und des Zweifels notwendig ist. So ist Kierkegaard Vorbild der Moderne, man betritt mit ihm das Zeitalter der "schöpferischen Entscheidung". Ein anregendes Intermezzo durch die philosophische Zeit- und Ideengeschichte ist hier dem philosophischen Essayisten Peter Sloterdijk (1947-) gelungen.
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