Kundenrezension

8 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen zwiespältig mit lichten Momenten, 26. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Me Before You (Kindle Edition)
Nachdem mir das Buch in meinem Bekanntenkreis mehrfach empfohlen wurde, entschloss ich mich zur Lektüre: Ein großer Fehler.

Dieses Buch besticht zunächst durch eine interessante Figurenkonstellation und gute Beobachtungen des Alltags in einer britischen Arbeiterklassefamilie. Doch dann nimmt die Autorin die Leserin in den emotionalen Schwitzkasten und zwingt ihr ein kontroverses Thema auf, dass sie zuvor auf BILD-Niveau verhackstückt hat. Gab es zwischendrin lichte Momente (groß und wirklich berührend: die Geburtstagsfeier) ist vor allem das Finale so eine peinliche Soße, dass man jede Minute bedauert, die die Lektüre gekostet hat.

Erzählt wird die Geschichte von Lou, einem glücklosen Twen aus prekären Verhältnissen. Das betrifft allerdings nur das Materielle, denn ansonsten wird die Familie als liebevoll und fürsorglich beschrieben - inklusive pflegebedürftigem Opa und Lous Schwester, die ihren Sohn gemeinsam mit der Familie aufzieht, jedes Klischee wird also bedient, bis hin dazu, dass die Mutter das Haus täglich saugt. Wer arm ist, muss nicht dreckig sein, oder so.

Bisher hat sich Lou von einem schlechten Job zum nächsten gehangelt, und weil sie Geld braucht, ist ihr so ziemlich jedes Angebot recht. So kommt es, dass sie als Gesellschafterin für Will angeheuert wird. Will, ein Mann aus sehr gutem Hause, ist nicht nur reich, sondern sieht auch gut aus - dumm nur, dass ihn vor ein paar Jahren ein Motorradfahrer in den Rollstuhl gerammt hat. Lou jedenfalls macht das erstmal nichts, nur als der gute Will dann nicht so nett ist, wie man von einem Krüppel erwarten darf, platzt ihr kurzzeitig der Kragen. Was um so besser ist, denn nun kann Will seine tiefen Verletzungen (also die ganz innen) herzeigen und hat in Lou bald nicht nur eine verständnisvolle Freundin, sondern auch eine Eliza Dolittle gewonnen. Denn, wir ahnen es schon, Lou hat von der Welt nix gesehen (was auch an einer ganz dunklen Geschichte in ihrer Vergangenheit liegt), der Ex-Manager aber schon - und jetzt führt er das hässliche Entlein mal in die Gesellschaft ein, Klassikkonzert, Gesellschaftshochzeit und Scuba-Diving inklusive.

Was klingt wie eine vielversprechende Liebesgeschichte wird auch so erzählt: Mit dem hübschen kleinen Haken, dass Lou von Wills Mutter eigentlich dazu angeheuert wurde, ihn innerhalb eines halben Jahres Galgenfrist davon zu überzeugen, dass das Leben im Rollstuhl abgesehen von den paar Nachteilen so blöd nun wieder nicht ist. Denn Will ist fest entschlossen, seinem Leben in der Schweiz ein Ende zu setzen: Wir sind also mittendrin in der Diskussion um Selbstbestimmung und Freitod für Behinderte und Kranke. Das lässt das süßliche Cover nicht gerade vermuten, doch dieses passt zur Art, wie dieses Problem hier verhandelt wird. Frei von jeglicher Information, schlicht auf den emotionalen Effekt hin aufgeschrieben.

So wird den Helden weder die Mühsal eines schlammigen Parkplatzes beim Pferderennen erspart (merke: im Rollstuhl ist echt schxxx) noch die plötzliche Lungenentzündung kurz vor der Traumreise (merke: es geht ja nicht nur um den Rollstuhl, sondern man ist ja auch sonst über nichts mehr Herr). Obwohl Will es zunächst kaum bis in den Garten schafft, ohne in seinem Rollstuhl kraftlos zusammenzubrechen, verfrachtet ihn die zu allem entschlossene Lou bald in ein Flugzeug für einen 12 (!!!) Stunden währenden Flug nach Mauritius. Man muss kein Pflegeexperte sein, um das anzuzweifeln. Der Flug wird zudem noch dargestellt als Offenbarung für Will (und Lou), denn auch die anderen Fluggäste können nur 12 Stunden reglos herumsitzen - genau wie er, wie schön. Man möchte mit den Wölfen heulen bei solch pathetischem Schwachsinn.

Natürlich wird das nix mit Will und Lou am Ende, klar, denn Liebe ist zu wenig, wenn man sein Leben lang im Schlamm stecken bleibt. Da helfen Will die Millionen auf seinem Konto auch nichts mehr, deshalb vererbt er das gleich mal an Lou, damit die herauskommt aus dem Kaff mit der Burg und wenigstens die schöne Erinnerung an ihren Helden hat.

Wer "Die Einsamkeit der Primzahlen" für ein gutes Buch gehalten hat, wird sich mit diesem Werk trefflich unterhalten fühlen.
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 29.01.2014 15:14:03 GMT+01:00
A. Ch Lanz meint:
Großes Kompliment !

Festzustellen, dass einem ein Buch nicht gefällt, kann jeder . . . . . dies allerdings nicht nur festzustellen, sondern auch handfest und detailliert begründen zu können, gelingt kaum jemandem.

Ihnen ist das gelungen - dazu noch auf kauzig-humorige Weise . . . . dafür ein ganz großes DANKE SCHÖN !

Liebe Grüße -- Angie
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