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Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 3 (Audio CD)
Nachdem Mahler mit seiner 2. Sinfonie eben Weltuntergang und Auferstehung beschwor, ging es ihm in seiner 3. und längsten Sinfonie (105 Minuten Spieldauer hier) um nichts weniger als mit allen orchestralen Mitteln eine Welt zu erschaffen. Allein dieser Anspruch ist ja schon zum Scheitern verurteilt, doch ein tönerndes Abbild Kakaniens, des kaiserlich-königlichem Österreichs um 1900 ist ihm doch gelungen: Die Apotheose des Militärmarsches, der Paraden und Umzüge, "wenn das Gschwerl in der Prater geht" (Richard Strauss), der grenzenlose Selbstüberschätzung. Auch die in den Sätzen 2 und 3 beschworene Natur ist ein seltsames Idyll, immer wieder ironisch gebrochen zwischen Posthorn-Seligkeit und aggressiven, höchst poyphonen Stellen. Dann der abrupte Wechsel über Nietzsche, Engelslied zu endlosen brucknerischen Steigerungen - so ein Werk muss einfach modern sein, im informativen Begleittext (heute ja keine Selbstverständlichkeit mehr) werden dann gleich Schönberg und Ligeti als entsprechende Bürgen aufgeführt.Einen durchgängigen Spannungsbogen über diese Symphonie zu ziehen, ist wohl garnicht möglich. Jonathan Nott mit den Bambergern versucht aber zumindest, einen gemeinsamen Nenner für die heterogenen Stimmungen zu finden. So ist seine Interpretation eigentlich nicht modern im Sinne alle Brüche herauszuarbeiten, alle Tempo- und Stimmungswechsel nochmals extra zu verstärken und die grellen Marschepisoden noch im Sinne etwa Bernsteins zu übertreiben. Eher ist das ein trockener, britischer (?), aber auch immer wieder massiver, monumentaler Mahler, mit viel Blech- und Schlagzeugpower. Dass das dann aber eben nicht in Langeweile oder hohlem Dröhnen mündet, liegt in der Präzision, der Durchhörbarkeit der Aufnahme, die gerade immer wieder die Holzbläser markant erklingen lässt und gnadenlos die vielen verschiedenen Stimmen gegeneinandersetzt. Man sollte sich mit seinen Nachbarn schon gut verstehen, wenn man diese Aufnahme ohne Kopfhörer hört. Nüchtern, ohne jegliche Süßlichkeit (englische Chortradition des britischen Dirigenten?)kommt der 5.Satz und weit schwingt das "Oh Mensch" aus, Mihoko Fujimura gestaltet das ergreifend schön, auch wenn sie das "sch" bei Mensch immer wieder verschluckt. Dazwischen gehen die klagenden "Klezmertöne" der Klarinette unter die Haut. Dass die Bamberger Symphoniker auch ein hervorragendes Brucknerorchester sind, beweisen sie im letzten Satz, der für mich genau richtig langsam, aber nicht zu langsam "ruhevoll, empfunden" und sehr sanglich dahinströmt, um in einer gewaltigen Apotheose zu gipfeln. Hier wie in den Schlüssen der 2. und 8. packt Mahler den Hörer einfach, da kann mann sich kaum entziehen. Krach haben hier schon viele gemacht, selten aber so schönen wie hier. Und wenn sich nach dem Höhepunkt des Choralthemas das Orchester in eine große Orgel verwandelt und die Pauken wie Glocken dazu dröhnen, ist das für mich auch wie ein Abschied von der romantischen Orchester-Symphonie, in der 8. geht er mit Chor, Solisten und Orgel zwar äußerlich nochmal darüber hinaus, eigentlich ist aber hier schon alles gesagt. Jonathan Nott und die Bamberger setzen ihren Mahler-Zyklus auf gleichhohem Niveau wie bisher fort und stellen da manche berühmtere Dirigenten und Orchester in den Schatten. Wenn das so bleibt, entsteht hier einer der größten Mahlerzyklen überhaupt, mir drängt sich der Vergleich zu Günter Wands ersten Bruckner-Zyklus aus den 70/80iger Jahren auf, der damals ja auch ein "Außenseiter" unter den großen Pultstars war und nun Referenzstatus besitzt. Die hervorragende Klangtechnik darf auch nicht unerwähnt bleiben - ob Stereo oder in der Surround-Anlage gehört. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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