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Kundenrezension

25 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Philosophie als Medizin für die Seele" (Cicero), 5. Juli 2011
Von 
Rezension bezieht sich auf: Von der Seelenruhe / Vom glücklichen Leben / Von der Muße / Von der Kürze des Lebens (Gebundene Ausgabe)
"Was nützt es, Teile des Lebens zu beweinen?
Das Ganze ist beweinenswert."
(Seneca)

Welch ein Satz, wenn man bedenkt, dass dieses sein letzter war. Nero befahl ihm, sich das Leben zu nehmen. Seneca (4 v.Chr.-65 n.Chr) gehorchte. Warum?
Im Jahre 62 nach Christus erschütterte ein Erdbeben die Gegend um den Vesuv, Kampanien, und viele tausend Tote waren zu beklagen. Ein Leid ging über das Land, die Menschen suchten Hilfe und Trost. Seneca verfasste viele Schriften aus dem Gedankengut der Stoiker. Er sprach von Gelassenheit, von Weitsicht und vor allem davon, dass neben dem kultivierten, scheinbar gewissen Leben auch das Unerwartete, die Katastrophen gehören. Das Chaos regiert vom Menschen negiert! In der Ambivalenz eines kontinuierlichen Lebens mit hoher Verlässlichkeit über Jahrhunderte und den plötzlichen, unvermittelten Katastrophen, die im Augenblick alles zerstören, lebt der Mensch in der Einfalt und dem Nichtbeachten eines möglichen Risikos. Und doch ist es da. Und Seneca empfiehlt daher, stets vom Schlimmsten auszugehen, da Fortuna alles wagen würde. An die Möglichkeiten des undenkbar Fatalen zu denken, heißt den alleinigen Gedanken aufzugeben, Schicksal in der heutigen technischen Zeit für beherrschbar zu halten.

So wie im Jahre 62 das Erdbeben unvermittelt Leid über das Land spülte und die Erinnerung an Stoa wieder anhob, so empfand der Rezensent einen Sonntag im April 2010 als eine Stille im allgegenwärtigen Chaos. Nein, kein Leid war der Auslöser. Eigentlich war es nur das, was Seneca als die Herrschaft der Natur über den Menschen bezeichnet. Nicht sich ärgern über Unveränderbares, sondern genießen, dass die Stille des Himmels nur eine Folge einer Vulkaneruption ist und gleichsam lehrt mit Seneca, zu bedenken, was geschehen kann. Loslassen des bekannten erwarteten Rhythmus, erkennen, dass der Mensch nur ein denkendes Schilfrohr ist. Alle Überlegungen der damaligen Zeit, nichts mehr an diesen Ort um Pompeji zu bauen, wurden von Seneca widersprochen, weil er bereits vordachte, dass eben jeder andere Ort mit den gleichen Unwägbarkeiten bedacht, von gleichen Katastrophen heimgesucht werden könnte. Dieser Gedanke führte Seneca zu seiner "Praemeditatio". "Nichts soll uns unerwartet treffen." Weise Voraussicht, Vorwegnahme des Bedenkens sind die Ratschläge, die den Eintritt einer schlechten Nachricht weniger bedeutend werden lassen. Dem Leben folgen, wie es voran geht, ist sein Motto. Ein Tier, das gegen die Schlinge kämpft, zieht sie zu. Linderung folgt dem Dulden und dem Sich-fügen in die Unveränderbarkeit. Daher sein Freitod als Vorwegnahme der sicher erfolgten Verurteilung.

Seneca zu lesen, ist ein Wert auch in der heutigen Zeit. Daher ist ein Blick in die Philosophischen Schriften eine Empfehlung. Weiteres zur Entscheidungsfindung lesen Sie dort. Schopenhauer unterstützt insofern, dass er feststellt: "Auch läßt die eigene Erfahrung sich ansehn, als der Text; Nachdenken und Kenntnisse als der Kommentar dazu."
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Von 1 Kunden verfolgt

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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 05.07.2011 19:35:16 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 05.07.2011 19:35:51 GMT+02:00
Timo Brandt meint:
Wirklich(!) eine tolle, zum sofortigen Wiederlesen anregende, Rezension.

"Ich habe keine Angst, denn nach dem Tod wird das sein, was davor war. Er führt uns wieder in den gleichen Ruhezustand zurück, in dem wir uns vor der Geburt befunden haben."

"Der Tod, was ist er? Das Ende oder ein Übergang. Ich fürchte beides nicht."

Seneca gehört wohl zu den größten Denkern und vor allem auch Menschen der Antike. Kaum einer, dessen Weisheiten man in so großer Fülle horten kann (mal abgesehen vielleicht von Camus, Kafka und Pascal). Mich haben vor allem seine ausgeglichene Art über den Tod und die Demut zu schreiben, immer wieder berührt.

Gruß
Timo Brandt

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.07.2011 07:55:30 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 12.02.2012 13:54:29 GMT+01:00
kpoac meint:
Philosophische Schriften. Dialoge. Briefe an Lucilius als weitere Lektüre kann ich Ihnen nur empfehlen. Lesen Sie dort Details über die Briefe an Lucilius.
Danke für Ihre Bemerkungen und Ergänzungen.
Im Fall von Hemingway hatten und haben wir gleiches Verständnis. In der Tat hatte ich nur gern Ihre mögliche Rez gelesen.
Schönen Tag, K.
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