Kundenrezension

36 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Grafisch revolutionär, spielerisch stagnierend, 6. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: Age of Empires III (Computerspiel)
Age of Empires 3 ist der neueste Spross der AoE-Serie und der Nachfolger des preisgekrönten und allseits beliebten AoE 2, daß damals spielerisch das Echtzeit-Genre vom simplen Speed-Klicken hin zu richtiger Strategie weiterführte. So war es nicht mehr nur wichtig, schnellstmöglich viele Einheiten auszubilden und auf den Gegner zu werfen, sondern ein geschicktes Aufbauen eines Wirtschaftsnetzes und eine gute Defensive waren in AoE2 unerlässlich, um nicht unterzugehen.
Diese Dinge finden sich in AoE3 natürlich wieder, es spielt sich weiterhin viel langsamer als beispielsweise Warcraft 3 oder Command and Conquer, und es ist weiterhin aussschlaggebend, sich Ressourcen zu sichern und auch zu verteidigen. Erst muss eine funktionierende und gut befestigte Siedlung aufgebaut werden, bevor man ans Angreifen denkt, ansonsten geht einem im späteren Verlauf schnell die Luft aus. AoE3 ergänzt diese Dinge durch einige neue Elemente, z.B. gibt es Handelsrouten und daran gelegene Handelsposten, die wahlweise Rohstoffe oder Erfahrung generieren. Dies simuliert die enorme Wichtigkeit des Postkutschentransports und (im späteren Verlauf) der Eisenbahn bei der Besiedlung Amerikas und ist ein neues, spannendes spielerisches Element, daß zu harten Scharmützeln führt. Die Erfahrungspunkte können dann für ein weiteres neues Konzept genutzt werden - den Aufbau der Heimatstadt. Aus diesen in der "alten Welt" gelegenen Städten gibt es nämlich in regelmäßigen Abständen Warenlieferung, die - je nach Ausbaustufe - mehr oder weniger bieten, von großen Rohstoffmengen bis hin zu militärischen Einheiten oder wissenschaftlichen Neuerungen. Ebenfalls ein gutes, reizvolles und auch dekoratives Konzept, da eine 3D-Ansicht der Heimatstadt den Hintergrund des Hauptmenüs ausmacht.
Insgesamt bietet AoE3 jedoch spielerisch wenig neues. Das Grundkonzept Siedlungsaufbau - Militäraufbau - Angriff ist das Gleiche geblieben, neue Ideen wie z.B. Grenzen à la Rise of Nations oder konfigurierbare Einheiten wie in Earth 2160 sucht man vergebens. Dazu fehlen einige mittlerweile zum Standard gehörende Komfortfunktionen wie z.B. eine Auto-Entdecken-Funktion oder intelligente Siedler, die sich ihre Arbeitsplätze selber raussuchen. Bei AoE3 muss alles noch "per Hand" gemacht werden, was einerseits reizvoll ist, bei hektischen Partien aber wahnsinnig nervt.
Ebenfalls schlecht ist die Intelligenz der Truppen, so ist es z.B. unmöglich, Kavallerieeinheiten zum Galoppieren zu bringen - wer also schnell von A nach B muss, um dort die Heimatstadt zu retten, wird angesichts der gemächlich reitenden Husaren zur Weißglut gebracht. Auch rennen Truppen trotz "Aggressiv"- Grundeinstellung blind an gegnerischen Armeen vorbei, wenn man ihnen nicht genaustens den Weg zeigt. Diese kleinen Dinge können einen gehörig nerven, vor allem, weil sie in vielen anderen neueren RTS-Spielen mittlerweile zum Standard gehören.
Definitv ein Reinfall ist die Kampagne, die eine fiktive, fast schon im Reich der Fantasy angesiedelte Kampagne um einen Jungbrunnen erzählt und nur dem mittlerweile angestaubtem Zwischensequenz - Mission - Zwischensequenz-Konzept folgt. Bei Aufgaben wie "Führen sie diese Kuhherde zurück in die Heimatstadt" kann einem als historisch und strategisch interessiertem schon mal die Hand zum Reset-Knopf ausrutschen. Fragt sich, wieso man nicht den spannenden Hintergrund (Besiedlung Amerikas) zu einem Kampagnenmodus genutzt hat, der zumindest historisch korrekt und nachvollziehbar ist. Noch besser wäre natürlich eine freie Kampagne mit einer Art Welteroberungsmodus wie in Rome oder in Rise of Nations gewesen, in meinen Augen hätte sich die Thematik dazu angeboten.
Dem Einzelspieler bleibt hiermit eigentlich nur der Skirmish-Modus, der glücklicherweise exzellent ist. Die Partien lassen sich gut konfigurieren, von Kartengröße bis hin zum Startzeitalter, und die CPU-Gegner sind eine Herausforderung. Dennoch wird sicher nicht die Spannung geboten, die eine Multiplayer-Partie bietet; hier ist AoE3, wie der Vorgänger auch, eine absolute Referenz.
Ebenfalls bahnbrechend ist AoE3 im audiovisuellen Bereich. Grafisch ist das Spiel wohl das beste, was es im Strategiebereich zur Zeit gibt, von der hervorragend animierten, atmosphärischen Spielewelt bis hin zu dem Schadensmodell, bei dem Schiffe oder Gebäude richtig schön und echtzeitberechnet in ihre Bestandteile zerfliegen. Dies erlaubt einem ein wunderbares "Eintauchen" in die Spielewelt und lässt über einige spielerische Mängel gnädig hinwegsehen. Auch der Sound ist hervorragend, so hört man z.B. das Grollen von in der Ferne abgeschossenen Kanonen. Die Musik ist eine richtig schmissige Variation des AoE-2-Themens und passt sich der Spielsituation an. Insgesamt ist AoE 3 ein tolles audiovisuelles Erlebnis, daß man eigentlich gesehen und gehört haben muss.
Mein Fazit? AoE3 hätte eine absolute Referenz werden können, wenn Ensemble genausoviel ins Spielerische wie ins Audiovisuelle investiert hätte. So bleibt ein wunderbar aussehendes und klingendes Echtzeitstrategiespiel, daß jedoch spielerisch ein paar Trends verpennt hat (Komfortfunktionen, Kampagne), dem Einzelspieler recht wenig bietet und insgesamt kaum revolutionäres bietet. Das heisst natürlich nicht, daß es keinen Spaß macht, deswegen 4 Sterne von mir.
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