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Auf ins Abenteuerland!,
8. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Traumtänzer (Audio CD)
Ganz ehrlich liebe Schandmäuler, seid ihr jetzt wirklich dort angekommen wo ihr hinwolltet?
Eure Wurzeln lagen damals in der Spassgesellschaft, heute habt ihr euch im Bildungsbürgertum eingeigelt.
Die Fans die euch bekannt gemacht haben und das Fundament für euren Erfolg waren haben zu Met und Bier ausgelassen zu euren munteren Klängen getanzt und dabei die schelmischen Texte lauthals mitgesungen. Euer neues Zielpublikum hingegen hört eure neuen Alben im Ohrensessel, verfolgt den Textaufbau dabei grübelnd mit einer Denkerstirn das Kinn konzentriert auf Daumen und Zeigefinger gestützt und nickt durchaus manchmal zustimmend mit dem Kopf, wenn es meint, ein doppeldeutiges Wortspiel im bedeutungsschwangeren Text ausgemacht zu haben.
Früher fand man eure CDs im Regal zwischen "In Extremo" und "Fiddlers Green", heute stehen eure Alben neben "Pur" und "Max Mutzke".
Aus dem turbulenten Narrenkönig ist ein in sich gekehrter Pierrot geworden. Der Totenschädel mit der Schellenmütze spielt uns fortan nicht mehr von den Späßen und Torheiten aus mittelalterlichen Zeiten vor. Stattdessen ziert eine kleine Träne die Wange des porzellangesichtigen Barden, der uns nurmehr von Schwermut, dem Ernst des Lebens und der großen Bedeutung kleiner Dinge zu berichten weiß. Dieses konnte zwar der Schelm auch damals schon und hat einem mit Stücken wie "Die goldene Kette" oder "Dein Anblick" eine Gänsehaut verpasst, bevor er uns mit schmissigem Liedgut mit und über Wein, Weib und Gesang wieder zum Freudentanz hinreißen konnte, aber der Glaubwürdigkeit eines seriösen Liedermachers steht es heutzutage nicht mehr gut zu Gesicht, sollte man vermuten, sein Liedgut erfülle den Zweck, den gar schnöden Drang nach Spaß und Ausgelassenheit zu bedienen.
So verfolge ich nun den Niedergang eines der größten Musikphänomene, dahinsiechend im Meer der Marktorientierungen und der Segmentplatzierungen, künstlich am Leben erhalten von denen, die im Schatten der vergangenen Kunst meinen, einen Hauch der ehemals gleißenden Präsenz erleben zu können, von denen die gerne das erleben würden, was Schandmaul früher einmal verkörperte, sich aber lediglich vorsichtig an das heranwagen, was heute noch von ihnen übrig ist und ebenso von denen die in der traurigen Gestalt des verendenden Schelmen noch immer den tobenden Harlekin von einst zu erkennen glauben.
So geht es also zuende, der letzte Atemhauch wird vielleicht noch eines, unter sinnlosem Aufbäumen gegen die inhaltliche Leere auch ein zweites Album mit einem blassen Abbild der einstigen Größe füllen. Aber wer den Leidensweg des Narren verfolgt hat weiß, dass es längst zu spät und jegliche Hoffnung vergebens ist.
So wende ich also mein Ohr ab vom verzweifelten Kampf des Schelmen gegen die Pest der Banalisierung, lasse noch einmal die großen Taten der Glanzzeit des närrischen Barden auf meinem geistigen Trommelfell Revue passieren und muss mich halt einfach damit abfinden, dass das Schandmaul schon seit geraumer Zeit bereits für immer schweigt...
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