Kundenrezension

11 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Auf ins Abenteuerland!, 8. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Traumtänzer (Audio CD)
Ganz ehrlich liebe Schandmäuler, seid ihr jetzt wirklich dort angekommen wo ihr hinwolltet?
Eure Wurzeln lagen damals in der Spassgesellschaft, heute habt ihr euch im Bildungsbürgertum eingeigelt.
Die Fans die euch bekannt gemacht haben und das Fundament für euren Erfolg waren haben zu Met und Bier ausgelassen zu euren munteren Klängen getanzt und dabei die schelmischen Texte lauthals mitgesungen. Euer neues Zielpublikum hingegen hört eure neuen Alben im Ohrensessel, verfolgt den Textaufbau dabei grübelnd mit einer Denkerstirn das Kinn konzentriert auf Daumen und Zeigefinger gestützt und nickt durchaus manchmal zustimmend mit dem Kopf, wenn es meint, ein doppeldeutiges Wortspiel im bedeutungsschwangeren Text ausgemacht zu haben.
Früher fand man eure CDs im Regal zwischen "In Extremo" und "Fiddlers Green", heute stehen eure Alben neben "Pur" und "Max Mutzke".
Aus dem turbulenten Narrenkönig ist ein in sich gekehrter Pierrot geworden. Der Totenschädel mit der Schellenmütze spielt uns fortan nicht mehr von den Späßen und Torheiten aus mittelalterlichen Zeiten vor. Stattdessen ziert eine kleine Träne die Wange des porzellangesichtigen Barden, der uns nurmehr von Schwermut, dem Ernst des Lebens und der großen Bedeutung kleiner Dinge zu berichten weiß. Dieses konnte zwar der Schelm auch damals schon und hat einem mit Stücken wie "Die goldene Kette" oder "Dein Anblick" eine Gänsehaut verpasst, bevor er uns mit schmissigem Liedgut mit und über Wein, Weib und Gesang wieder zum Freudentanz hinreißen konnte, aber der Glaubwürdigkeit eines seriösen Liedermachers steht es heutzutage nicht mehr gut zu Gesicht, sollte man vermuten, sein Liedgut erfülle den Zweck, den gar schnöden Drang nach Spaß und Ausgelassenheit zu bedienen.
So verfolge ich nun den Niedergang eines der größten Musikphänomene, dahinsiechend im Meer der Marktorientierungen und der Segmentplatzierungen, künstlich am Leben erhalten von denen, die im Schatten der vergangenen Kunst meinen, einen Hauch der ehemals gleißenden Präsenz erleben zu können, von denen die gerne das erleben würden, was Schandmaul früher einmal verkörperte, sich aber lediglich vorsichtig an das heranwagen, was heute noch von ihnen übrig ist und ebenso von denen die in der traurigen Gestalt des verendenden Schelmen noch immer den tobenden Harlekin von einst zu erkennen glauben.
So geht es also zuende, der letzte Atemhauch wird vielleicht noch eines, unter sinnlosem Aufbäumen gegen die inhaltliche Leere auch ein zweites Album mit einem blassen Abbild der einstigen Größe füllen. Aber wer den Leidensweg des Narren verfolgt hat weiß, dass es längst zu spät und jegliche Hoffnung vergebens ist.
So wende ich also mein Ohr ab vom verzweifelten Kampf des Schelmen gegen die Pest der Banalisierung, lasse noch einmal die großen Taten der Glanzzeit des närrischen Barden auf meinem geistigen Trommelfell Revue passieren und muss mich halt einfach damit abfinden, dass das Schandmaul schon seit geraumer Zeit bereits für immer schweigt...
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1-7 von 7 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 09.02.2011 17:03:41 GMT+01:00
Beeindruckende Rezension, ich verneige mich vor Deinem literarischen Können, das auch noch ziemlich gut meine Ängste, wie evtl. auch die anderer Rezensenten, bzgl. des Abrutsches in - Achtung, das böse Wort - Mainstream widerspiegelt.
Ich persönliche hoffe wirklich auf ein nächstes Album, das wieder zum Ursprung der Band und ihrer (ehemals?) großartigen Musik findet, denn die Hoffnung stirbt bekanntermaßen zuletzt...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.02.2011 02:25:01 GMT+01:00
Likendeeler meint:
Hahaha! Da musste ich wirklich kurz herzhaft lachen! Da schreibst du (tadelnd) von Bildungsbürgertum und grübelnder Denkerstirn, nur um dann selbst in bestem Literarisches-Quartett-Schwadronieren zu landen.

Nunja, zumindest amüsant zu lesen. Aber mal im Ernst: Du willst doch nicht im Ernst behaupten, dass DES DICHTERS SEGEN mehr bedeutungsschwanger ist, als beispielsweise DIE DREI PRÜFUNGEN, dass DIE ROSEN kitschiger sind als beispielsweise DEIN ANBLICK oder dass TRAUMTÄNZER und DER PAKT weniger fröhlich, ausgelassen und partytauglich sind als DER SPION und VOGELFREI?!?!?!

Schon mal daran gedacht, dass diese Einschätzung möglicherweise einfach nur an dir liegt? Ich meine, der Narrenkönig liegt 9 Jahre zurück. Damals war das deutsche Folk-Rock-Genre noch weitestgehend unbeackert und für dich klang es nunmal alles überraschender, frischer und spannender. Ich bin davon überzeugt, dass es Leuten, die Schandmaul mit dem Traumtänzer kennenlernen genauso ergeht, wie dir damals mit dem Narrenkönig.

Aber so bleibt eben alles subjektiv. Mich langweilen zum Beispiel InEx mit jedem Album mehr ...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.02.2011 20:13:58 GMT+01:00
Dingo meint:
Hee...ich darf schwadronieren, schließlich verhöker ich meine rezis nicht als Folk-Rock! :-)

Aber du hast recht, auch InEx haben seit ihrem Zenit mit "verehrt und angespien" den rückwärtsgang eingelegt und sacken mit jedem neuen album tiefer. ähnlich ergeht es "subway to sally", die seit "hochzeit" erfolglos versuchen, den alten stil und den mainstream unter einen dreispitz zu bekommen. ebenso schandmaul. keine muntere nischen-musik mehr, nur noch uninspirierter Mist für die Massen ohne Ecken und Kanten. mag sein, dass "narrenkönig" bereits 9 jahre her ist, aber bereits "leib und seele" war ein sehr langweiliges album. dieser trend zeichnet sich nicht erst seit "traumtänzer" ab. "kunststück" hat die band verdorben, seitdem ist der zauber dahin. Ich hab immer gehofft, dass sie nochmal wieder die kurve kriegen, aber spätestens mit dem Traumtänzer ist diese Hoffnung endgültig geplatzt.

und ja, es stimmt die "drei Prüfungen" waren ein sehr schmissiger song, einer der besten von schandmaul. "dichters segen" hingegen ist bloß füllstoff.
die "rosen" sind tatsächlich ausgemachter seelenloser kitsch, was zeigt, dass schandmaul seit "anblick" die grenze zwischen kitsch und kunst selber nicht mehr wahrnehmen kann. der "spion" ist eines der ausgelassensten lieder überhaupt, und sogar das mittelmäßige "vogelfrei" übertrifft "traumtänzer" und das sehr lahme "pakt" noch um längen. ich sehe also, das problem liegt auf der hand.

damals vor neun jahren war das deutsche folkrock genre tatsächlich noch unbeackert. und Schandmaul waren damals auch noch Folkrocker.

Letztendlich ist sowieso alles subjektiv. es soll ja sogar leute geben, die die neuen star wars filme genauso gut finden wie die alten. aber was nutzt es objektiv, wenn eine band subjektiv der hälfte der fans plötzlich nicht mehr gefallen will? Bis jetzt hat niemand den ich kenne, bezweifelt dass Schandmaul das muntere Mittelalter hinter sich gelassen haben und sich längst dem Schlagergenre zugewandt haben. Der Unterschied ist halt, dass die eine Hälfte diese Wende begrüßt, während die andere das Originalschandmaul vermisst.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.02.2011 09:06:33 GMT+01:00
interessante diskussion. wie ihr ja selbst schreibt, alles sehr subjektiv. mir persönlich gefällt das album mitlerweile recht gut, ist es doch echt um längen besser als der vorgänger!!!! und sich selbst ständig wiederholen ist auch langweilig, ich für meinen teil hab nach wie vor keinen bock auf den 25sten aufguss des teufelsweibs...vielen dank. was den kitschfaktor betrifft, der war in den balladen ja immer recht hoch, stört mich nicht großartig, ne schöne art von kitsch. wobei auch ich ein problem mit den letzten songs des album hab, sind aber eher musikalischer natur......denn so positiv die handwerkliche entwicklung auf dem album ist, diese songs sind dann doch eher etwas gleichförmig....ich weiß auch net.
was die genrekonkurrenz betrifft, in diesen fällen bin ich doch schon enttäuschter. die einen touren jahrelang mit gleicher platte und gleicher show und lassen sich nichts mehr einfallen, die andern haben offensichtlich den musikalischen horizont leider erreicht......
das anbiedern an den mainstream sehe ich übrigens nicht, warum auch. bands wollen und müssen auch geld verdienen, und jeder der sich auf ne bühne stellt oder ne platte produziert will letztlich geld damit verdienen, das mag mainstream sein, ist aber völlig in ordnung!!!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.02.2011 03:37:55 GMT+01:00
Likendeeler meint:
Lustig, dass du den Star Wars Vergleich ziehst! Den wollte ich nämlich auch bringen ... nur eben mit genau gegenteiligem Fazit:
Man kann natürlich den Charme von Pappmodellen und Handpuppen bevorzugen, klar! Oder man tendiert eher zu den High-Tech Weltraumschlachten und den perfekt choreographierten Duellen der neuen Teile.
Was die phantastischen Kreaturen, den überragenden Sound und die schön/schrägen Dialoge angeht, aber auch die Albernheiten, den Kitsch und die Logikfehler, da nehmen sich die Episoden in Wahrheit nicht viel!
Der entscheidende Unterschied ist eben auch hier:
Damals war das Science-Fiction-Genre noch weitestgehend unbeackert und für dich war es nunmal alles überraschender, frischer und spannender. Ich bin davon überzeugt, dass es Leuten, die Star Wars mit den neuen Teilen kennenlernen genauso ergeht, wie dir damals mit alten. ;-)

Ich bin in der schönen Position, mich gar nicht entscheiden zu müssen ... Ich liebe alle 6 Filme!
Und alle 7 Studioalben von Schandmaul!

Veröffentlicht am 15.02.2011 21:45:24 GMT+01:00
Danke für deine Bewertung, spricht mir sehr aus der Seele.
Schandmaul fehlen neue Ideen, alte Leidenschaft, die Power und der Mut neues zu machen.
Besonders die Texte lassen stark zu wünschen übrig!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.02.2011 09:30:48 GMT+01:00
Dingo meint:
Ich war gestern im Media-Markt und siehe da: Die eue Schandmaul-CD in der Schlager-Auslage, neben Andrea Berg, Lena und Max Raabe(da waren die alten sachen auch mal besser). Weit,weit weg von jeglichem Folk, oder gar Rock!

Erinnert sich noch jemand an "Sonnenstrahl"? Auf "Narrenkönig", dem Klassiker schlechthin, war dieses der einzige Wegdrücker der Bandgeschichte bis dahin. Langweilige Melodie, kitschige, nichtssagende Texte, kurzum ein Fremdkörper im Repertoire von Schandmaul. Nun gut, bei 3 Alben muss nicht jeder Song ein Knaller sein, da darf sich auch mal der ein oder andere Fehltritt einschleichen.

Aber für alle die meinen, man dürfe sich nicht beschweren, wenn Schandmaul mal was neues machen: SIe machen nichts neues, im Gegenteil! Nach dreieinhalb Alben Folk-Rock präsentiert uns die Band bereits seit weiteren dreieinhaln Alben einzig und allein weitere Sonnenstrahlen!
Ich erwarte ja nicht, dass auf jedem neuen Schandmaul Album der zweite Narrenkönig oder das vierte Teufelsweib runtergeleiert wird, aber der nunmehr 50te Sonnenstrahl hintereinander ist einfach nicht mehr mein Ding.

Bitte Schandmaul, macht wieder mal was Neues! Und wenn nicht, dann wenigstens wieder etwas ganz Altes! Wennich SOnnenstrahlen hören möchte, dann kauf ich Rolf Zuckowski...
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