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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
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Rezension bezieht sich auf: Einer flog über das Kuckucksnest (DVD)
McMurphy hält sich für clever. Statt in den Knast zu gehen, macht er auf irre und lässt sich zur Beobachtung in die Klapse einweisen. Bei den noch einigermaßen intakten Insassen herrscht Schwester Ratched mit kalter Freundlichkeit. Wer an die Errungenschaften der modernen Medizin glaubt, der wird in den täglichen Gruppensitzungen mit ihr eine Art der Therapie sehen. Vielleicht hoffen das auch einige der Teilnehmer, die annehmen, sie seien freiwillig hier und dass sie jederzeit wieder verschwinden könnten. Doch um Therapie geht es hier nicht, dazu fehlen Wärme und menschliches Verständnis. Hier wird der Schwachsinn nur noch verwaltet.In diese dunkle Welt bricht McMurphy ein. Er verkörpert den spröden, aber warmherzigen einfachen Kerl, den Draufgänger und Frauenaufreißer. Ihm gelingt es schnell die anderen aufzuschließen, weil er sie in seiner direkten Art nicht wie Idioten, sondern wie Menschen behandelt und ihnen die Anerkennung und den Respekt gibt, der ihnen sonst verwehrt wird. Doch McMurphy ist kein einsamer Kämpfer, kein amerikanischer Held oder sonst wie großartig. Er kämpft auch nicht wirklich. Tatsächlich begreift er noch nicht einmal, dass er in der Falle sitzt. Er ist einfach nur er selbst, der einfache Kumpel, der nicht verstehen will, was man an dieser Anstalt nicht verstehen kann und sich deshalb gegen dieses Leben auflehnt. Was lustig beginnt, endet tragisch. Nur einer gelangt am Ende in die Freiheit zurück, der Indianer, der den Taubstummen markierte, sich nicht auflehnte, aber seine Chance letztlich zu nutzen verstand, auf die ihn McMurphy erst stieß. McMurphy jedoch scheitert an sich selbst. Merkwürdigerweise wird dieses Ende in den Rezensionen und Diskussionen zu diesem Film nicht thematisiert. Die Meisten verstehen den Film als Parabel, als Anklage gegen das "System". Aber gegen welches? Regisseur Forman fand sein kommunistisches Heimatland in der Anstalt dargestellt und vermeinte zu wissen wie die Leute dort fühlen. Aber das Buch entstand und spielt in den USA. Unsere wirklichen Abhängigkeiten werden uns meist erst bewusst, wenn wir schon in ihnen gefangen sind. Dieser Film stellt ganz unaufgeregt zwei Strategien für solche Fälle gegenüber. Das fand ich jedenfalls viel interessanter als eine hineinkonstruierte Anklage gegen irgendein "System". Fazit. Einer der Filme, die man nie wieder vergessen kann. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen Kommentare
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag:
14.05.2011 08:57:44 GMT+02:00
Francesco meint:
S.g. Dr. Manthey. "Unsere wirklichen Abhängigkeiten.....zwei Strategien gegenüber." Mit diesen beiden Sätzen treffen sie natürlich den Nagel auf den Kopf, dennoch sollten sie nicht nur an das kommunistische System des Milos Forman denken. Es gibt auch das "US-amerikanische System" des menschenverachtenden Raubtierkapitalismus, in dem die Menschen dahingehend manipuliert werden, das zu wollen, was sie sollen ("Du glaubst zu schieben, und wirst geschoben", wie schon Goethe sagte). Wie auch Ken Kesey kritisierte hat es Forman offensichtlich nicht geschafft, die Botschaft des Buches in den Film zu transponieren. Ich empfehle ihnen das Buch zu lesen, wahrscheinlich werden sie danach den Film kritischer bewerten.
Antwort auf einen früheren Beitrag vom
15.05.2011 12:25:56 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 15.05.2011 12:27:13 GMT+02:00
Dr. R. Manthey meint:
Hallo Francesco,
in meiner Rezension habe ich versucht deutlich zu machen, dass ich es für sinnvoller halte, den Film so wie er ist zu betrachten. Dort haben wir eine konkrete Situation, aus der heraus die Beteiligten mehrere Strategien entwickeln. Bei zwei Lösungsansätzen wird das Resultat gezeigt oder wenigstens angedeutet. Das fand ich sehr interessant und lehrreich. Sich Gedanken über versteckte Botschaften oder irgendwelche Systeme zu machen, ist nicht mein Ansatz. Sie sehen ja schon allein daran, dass Buch und Film unterschiedlich interpretiert werden, dass so etwas zwar ganz spannend zu sein scheint, aber das Ende immer offen bleibt. Ich halte mich deswegen besser an die eigentliche Film-Handlung, die konkret ist und wenig Platz für Spekulationen bietet. Filme und deren zugrundeliegende Bücher zu vergleichen, finde ich auch aus den oben erklärten Gründen wenig produktiv. Dazu kommt dann noch, dass ein Film eine völlig andere Form der Wahrnehmung anspricht, also niemals so sein kann wie das Buch. Und natürlich spiegelt ein Film darüber hinaus immer bereits eine Interpretation des Buches durch einen Dritten wider.
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