Kundenrezension

96 von 129 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sehr authentische Verfilmung mit einem Schwachpunkt..., 5. November 2008
Rezension bezieht sich auf: Der Baader-Meinhof-Komplex (DVD)
... Regisseur Uli Edel hat in die rund 150 Minuten Film einfach zu viel hineingepackt. Ich kenne die RAF und ihren Terror nur aus Büchern und Dokumentationen. Somit ist zumindestens das Grundwissen bei mir vorhanden und es ermöglicht diesem komplexen Film halbwegs gut zu folgern. Aber diejenigen, die über den Film vielleicht mehr von der RAF und ihren Taten erfahren wollen, sind wahrscheinlich hoffnungslos verloren in der Komplexität der Ereignisse.
So wird die Zeit der RAF doch bei manchen Zuschauer ein erhebliches Defizit an Allgemeinwissen verursachen. Das man sagen muss, dieser Film ist eher für jemanden geeignet, der die Namen wie Ulrike Meinhof, Andreas Baader oder Brigitte Mohnhaupt zumindestens schon mal im Zusammenhang mit der RAF gehört hat und dem Namen wie Hans-Martin Schleyer oder Siegfried Buback nicht ganz unbekannt sind.
Die erschütternd authentisch wirkende Verfilmung des nationalen Traumas aus den 70er Jahren spart nämlich an keinem Detail. In Verbindung mit dem gleichnamigen Buch von Stefan Aust bietet der Film für geschichtlich Interessierte trotzdem eine gute Ausgangsbasis. Dieser Film ist kein Terrorthriller für leichte Abendunterhaltung (eine TV-Version des Films soll im nächsten Jahr im Fernsehen starten), sondern eine beinharte Nachinszenierung der RAF-Zeit.

Uli Edels Film konzentriert sich dabei auf die Entstehung der RAF ab 1967 und endet mit dem Deutschen Herbst 1977. Hierbei konzentriert sich die Erzählung stark auf die Lebenswege von Andreas Baader (Moritz Bleibtreu), Ulrike Meinhof (Martina Gedeck) und Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek), sowie die staatlichen Bemühungen unter der Führung vom Präsidenten des Bundeskriminalamtes Horst Herold (Bruno Ganz) die Bedrohung mit allen Mitteln Herr zu werden. Dies endet mit der Gründung der GSG 9.

Die Geschichte beginnt mit den Studentenkrawallen zum Besuch des Schahs von Persien in Berlin 1967, bei denen ein Polizist den Studenten Benno Ohnesorg erschießt. Die politisch vorwiegend links orientierte Studentenschaft, glaubt ein faschistisches Verhalten von Seiten des Staates zu erkennen und beginnt gegen diesen zu rebellieren. Das Verhalten der USA im Vietnamkrieg vertieft die Kluft zwischen den Studenten und ihren Sympathisanten und dem Staat. Nach ersten Protestaktionen (Brandstiftungen), eskaliert die Situation durch das beinahe tödliche Attentat auf Rudi Duschke, dem bekanntesten Wortführer der Studentenbewegung. In Folge dessen entsteht die RAF, lässt sich militärisch ausbilden, begeht Anschläge und finanziert sich durch Banküberfälle.

Die schauspielerische Leistung, die linksradikale, aufmüpfige Einstellung auf die Figuren zu projezieren gelingt den Darstellern mit Bravour. Besonders die Figur von Bruno Ganz (Horst Herold) bildet in dieser hektischen, brutalen, blutigen Realität des "Kampfes" der RAF einen willkommenen, bedachten Pol der Ruhe.
Allerdigns einige wichtige Figuren werden in dem Film nur kurz angerissen, so ist der Auftritt von Alexandra Maria Lara als Petra Schelm nur etwa eine Minute lang. Die Folgen dieses Todes und die dadurch losgetretene Diskussion in Deutschland (Schießausbildung der Polizei) werden gar nicht weiter erwähnt.

Fazit:
Wie denn auch? 150 Minuten Film sind zu einfach zu kurz, um dieses umfangreiche Kapitel deutsche Geschichte auch nur im Ansatz mit Tiefgang zu versehen. Herausgekommen ist ein düsteres "Best of RAF"-Konglomerat, das einem zwar ein paar geschichtliche Zusammenhänge nahebringt, aber dennoch nur die Ausgangsbasis für eine vertiefende Eigenrecherche sein kann/ darf. Für sich allein funktioniert der Film voll und ganz und hat seine obigen Sterne verdient. Als geschichtliches Lehrstück versagt er jedoch leider fast auf ganzer Länge. Bis auf die grundlegenden Zusammenhänge wird dem Zuschauer nicht klar, was genau da jetzt wirklich passiert ist und damit zeigt sich: Die Realität ist so viel komplexer als ein Film dies jemals darstellen kann. "Der Baader Meinhof Komplex" kommt zwar atmospährisch nah an das geschichtliche Erleben einzelner Situationen heran, kann aber die Gesamtheit der damaligen Zeit im Ganzen nur schwer nachstellen - dafür läuft der Film zu kurz.
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Kommentare


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1-10 von 13 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 07.11.2008 12:27:40 GMT+01:00
Tinka meint:
dem ist nichts mehr hinzuzufügen - sehr gute Rezension.

Ich fand den Film auch sehr interessant, nur leider wurden viel zu viele Ereignisse in so "wenige" Minuten gepackt und manche dafür nur unzureichend erwähnt.

Veröffentlicht am 17.11.2008 13:02:08 GMT+01:00
Exciter30 meint:
Sehr gute Rezension !

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.12.2008 19:27:55 GMT+01:00
gisela mayer meint:
ich sah diesen Film noch nicht, glaube aber, dass der Rezensent irgendwo rechthaben wird. Nur - als was ist dieser
Film überhaupt gedacht? Doch vermutlich nicht als Geschichtsstunde für Mitmenschen, die diese Namen nie gehört haben, wären sie interessiert an der damaligen Situation der BRD hätten sie sich leicht informieren können. Wenn daher jüngere Generationen sich niemals darüber informiert haben, welche Erschütterungen die junge Bundesrepublik mit einem Bundeskanzler Helmut Schmidt als Lenker, durchstehen musste, muss man dann nicht auf Desinteresse schließen - immer noch besser als gewollte Unwissenheit, so wie " ich will nichts von früheren Dingen wissen, es geht mich nichts an". M.E. sind das sehr oft - nicht immer - die gleichen Leute, die die Judenfrage nie ganz begriffen haben, weil nicht recherchiert aus Desinteresse oder anderen Gründen, Palästina - Israel dürfte auch nicht sehr viel Interesse wecken - wieder " es geht mich nichts an ". Ich werde den Film so sehen, wie ich glaube, dass ein -wenn auch geschichtlich wahrer - Film gesehen werden muss, nämlich unvoreingenommen und mich erinnernd, fragend, war das so oder? Und dass ein Film niemals die ganze Wirklichkeit wovon auch immer wiedergeben kann, halte ich persönlich eigentlich für normal.Es kann nicht nicht als Aufgabe eines Filmes sein,Geschichtsunterricht zu erteilen. ein Film kann aufrütteln, unterrichten in groben Zügen,.
Ein Film ersetzt keine Geschichtsstunde und ich meine, dass er dafür auch nicht gedreht wurde. Sich informieren und Puzzleteile zusammensetzen muss jeder für sich allein, kann dazu genügend Bücher und andere Medien nehmen, so er wirklich interessiert ist. K.E.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.01.2009 15:54:12 GMT+01:00
Docmondo meint:
Quelle: Schnittberichte.com

Der Baader Meinhof Komplex als Zweiteiler im TV
ARD zeigt Kinofilm 2009 in einer längeren Fassung

Auch wenn die Kinofassung von Der Baader Meinhof Komplex bereits mit 150 Minuten ab 25.9 in den deutschen Kinos läuft, musste die Geschichte der RAF, die sich am gleichnamigen Buch vom ehemaligen Spiegel Chefredakteur Stefan Aust orientiert, drastisch gestrafft werden. Eine Tatsache, die vor allem einigen Zeitzeugen nicht besonders gefiel.

Wie auch schon bei Der Untergang wird es aber nur kurze Zeit nach der Kinoauswertung eine längere Fassung im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen geben.

Das Erste wird den Film 2009 als Zweiteiler zeigen. Ein genauer Termin ist noch nicht bekannt, die Laufzeit auch nicht, aber kann wohl davon ausgegangen werden, dass er dort mit mindestens zweimal 90 Minuten laufen wird, was mindestens 30 Minuten zusätzliche Szenen bedeutet.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.01.2009 17:46:49 GMT+01:00
Amigo Del Sol meint:
also wird wahrscheinlich genauso verfahren, wie bei Austrahlung von "Der Untergang", die TV-Fassung wurde auch um 30 Minuten erweitert (Kinoversion ebenfalls 150 Min.), damit es für zwei TV-Abende á 90 Minuten reicht. Anschließend gibt es wahrscheinlich auch die TV-Version auf DVD, dann werde ich mir wahrscheinlich auch erst die DVD zu Baader-Meinhof zulegen.

Veröffentlicht am 12.01.2009 19:17:23 GMT+01:00
blackwolf07de meint:
Deinen Kommentar finde ich sehr gut geschrieben. Den Film habe ich zwar noch nicht gesehen, möchte ihn mir aber in absehbarer Zeit anschauen. Zur Zeit lese ich das Buch von Stefan Aust und kann nachvollziehen was Du in Deinem Kommentar beschreibst. Für geschichtlich Interessierte empfehle ich auf jeden Fall auch das Buch zu lesen. Stefan Aust hat für sein Buch sehr Detailiert rescherschiert und zwar auf beiden Seiten. (RAF und Staatsmacht)

Veröffentlicht am 20.02.2009 20:47:33 GMT+01:00
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.02.2009 22:28:50 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 20.02.2009 22:32:50 GMT+01:00
Amigo Del Sol meint:
der Film ist genauso ein Bestandteil des Produktes, wie Cover, Zusatzmaterial, etc. - desweiteren entscheide ich und die meisten sicherlich auch aufgrund der Bewertungen zum Film, ob ich mir diesen zulege oder nicht. Wem nützt die tollste DVD und beste Tonqualität, wenn der Film nichts taugt!? Also ist eine Verfälschung des Produkts aufgrund der reinen Bewertung des Films, salop gesagt: totaler Quatsch. Außerdem gibt es hier genug Rezensenten, die nach VÖ lang und breit über Zusatzmaterial, Sprachwahl & Co. etwas schreiben werden. Das sind Dinge die mich nur sekundär interessieren, da ich schlichtweg den Film sehen will und davon ausgehe, dass meine DVD mit deutscher Tonspur läuft und ein vernünftiges Bild abliefert. Das sind Qualitätsstandards die man bei einer stinknormalen DVD inzwischen erwarten kann. Sollte dies wider Erwarten anders sein, werde ich meine Filmbewertung umgehend ergänzen.

Gruß
Esau

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.02.2009 19:41:02 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 21.02.2009 19:42:02 GMT+01:00
Chilischote meint:
So so, Produkte verfälscht Du also, wer hätte so was gedacht. LOL Schätze, das ist der Preis der Vorabrezis bzw. der alleinigen Filmrezis. Always the same. Ich werde gleichmal einen Textbaustein entwerfen, den ich bei der nächsten Beschwerde wegen fehlender Zusatzinfos einsetzen kann. ;-)

Veröffentlicht am 19.03.2009 09:19:55 GMT+01:00
maki meint:
Klasse Rezension! Ich hatte mehr einen Doku-Einschlag erwartet. Der Film ist wie eine fiktive Geschichte gedreht und nicht wie ein Teil der Geschichte Deutschlands. Warten wir mal auf die 30 Minuten längere Version...
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