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5.0 von 5 Sternen Hervorragende wissenschaftliche Präsentation, 7. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Thracia: Eine römische Provinz auf der Balkanhalbinsel (Gebundene Ausgabe)
Die im Jahr 44 n. Chr. eingerichtete römische Provinz Thracia wie auch die gleichnamige spätantike Diözese erstreckte sich über ein südosteuropäisches Gebiet, das heute zum südlichen Bulgariens, dem nordöstlichen Griechenland und dem europäischen Teil der Türkei gehört. Mit der im 8. vorchristlichen Jahrhundert beginnenden griechischen Kolonisation der Küsten Thrakiens wurden dieses Gebiet wirtschaftlich, politisch und kulturell näher an die Welt des östlichen Mittelmeerraumes angebunden. Der Sage nach gilt Thrakien als Heimat der griechischen Götter Dionysos und Apollon sowie des Sängers Orpheus.....

....ab dem 5. vorchristlichen Jahrhundert bildete das Volk der Thraker ein gemeinsames Reich, dessen südliche Teile in das griechisch-persische Spannungsfeld und dann unter persische Herrschaft gerieten. Unter denen in viele Völkerstämme auseinanderfallenden Thrakern spielten die die oftmals mit Athen verbündeten Odrysen die führende Rolle, mussten jedoch 341 v. Chr. die makedonische Vorherrschaft König Philipps II. anerkennen. Nach dem Tode seines Sohnes Alexander fiel das Gebiet an dessen Feldherrn Lysimachos, der sich um 306 v. Chr. zum König von Thrakien krönen ließ wurde. Nach einem abgewehrten Einfall der keltischen Galater wurde unter Kaiser Claudius schließlich die römische Provinz eingerichtet, die nach der Reichsteilung von 395 beim Byzantinischen Reich verbleiben sollte, um schließlich unter bulgarische und osmanische Herrschaft zu gelangen.

Für die Autorenschaft des bereits im Juli 2008 erschienenen Bandes haben sich mit Dr. Gerda Sommer-von Bülow von der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts in Frankfurt am Main und Prof. Dr. habil. Rumen Teofilov Ivanov vom Archäologischen Institut mit Museum der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften in Sofia zwei ausgewiesene Experten für römische Provinzialarchäologie auf Balkan zusammengefunden.

Nach einem ultrakurzen Vorwort wird der Leser in die Zeit der griechischen Kolonien und verschiedenen Thrakerreiche bis hin zum ersten Vordringen der Römer eingeführt. Mit "Thrakien zur Kaiserzeit" im ersten bis dritten nachchristlichen Jahrhundert stellt das zweite Kapitel auf 50 Seiten die Einrichtung der Provinz Thracia, den Verlauf ihrer Grenzen sowie Infrastruktur, Militärwesen, Städtebau, Gesellschaft, Wirtschaft, Religion und Sepulkralwesen dar. Das dritte Kapitel schildert die Veränderungen in der Spätantike zwischen dem 4. und 6. unter denen vor allem das frühe Christentum mit seinen unzähligen Kirchenbauten eine herausragende Rolle einnimmt. Ein Ausblick betrachtet schließlich die Besonderheiten dieser römischen Provinz und ihren Übergang zu den neuen Machtstrukturen des Mittelalters.

Eine Zeittafel bildet zusammen mit einem Register den Abschluss des Bandes, dem noch ein Anhang mit einem Abkürzungsverzeichnis, einer umfangreichen Bibliographie und einem Bildnachweis für die 79 Abbildungen folgt.

Für mich erweckte der Band Erinnerungen an die alte Metropolitenkirche (S. 86) und Pankaratorkirche (Seite 92) im einstigen Nesambria (Nesebar), das sich seit dem 4. Jahrhundert zu einem bedeutenden Kirchenzentrum mit unzähligen Gotteshäusern entwickelte. Ebenso an die Kirche Sv. Georgi, (S. 77) die im Hof des Sheraton Hotels das älteste intakte Gebäude Sofias ist. Die Rotunde entstand im 4. Jh. als Mausoleum auf den Ruinen eines römischen Bades und wurde im 6. Jh. zur Kirche umgebaut. Oder auch an das an einem Felshang erbaute Theater von Philippopolis, heute Plovdiv (S. 48), welches einst 3500 Besuchern Platz geboten hatte. Diese beeindruckenden Bauwerke konnte ich während meiner zwei Bulgarienreisen in den Jahren 2006 und 2007 ebenso wie die Bogenöffnung eines unterirdischen Ganges in der Wendekurve des einstigen 240 Meter langen Stadions (S. 51) seinen mit 13 marmorverkleideten Sitzstufen (heute als Freilichtmuseum Freilichtmuseum eingerichtet) besichtigen.

5 Amazonsterne für eine hervorragende wissenschaftliche Präsentation.
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