Kundenrezension

14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Überraschend gut, 14. April 2010
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Rezension bezieht sich auf: Emily Brontë's Sturmhöhe - Wuthering Heights (inkl. Dokumentation) (2 Disc Set) (DVD)
Die englische Pfarrerstochter Emily Bronte hat der Nachwelt nur einen Roman hinterlassen: Wuthering Heights/Sturmhöhe. Schon zu Lebzeiten der Schriftstellerin war es ein großes Rätsel, was sie zu diesem ungewöhnlichen und geradezu skandalösen Romanwerk inspiriert haben mag. Die Firma KSM ermöglicht dem Zuschauer mit dieser Ausgabe sich dem Werk in zweierlei Hinsicht zu nähern. Zum einen kann man die zweiteilige Adaption genießen, die durch aufwändige Ausstattung und leidenschaftliche Schauspieler besticht und den Roman als emotionsgeladenes Drama präsentiert. Außerdem kann man auf der zweiten DVD die möglichen Recherchen Emily Brontes nachvollziehen. Der Gesamteindruck ist durchaus positiv und sehr ansprechend.

Zum Film:
Wie gehetzt, jagt die Kamera durch die wilde Moorlandschaft und durch die Heide, bis sie an einem finster aussehenden Gemäuer still hält. In schaurigen Buchstaben liest man die Worte "Wuthering Heights", die sich natürlich auf das düstere Haus beziehen. Doch auch jetzt hält das Bild nicht lange still. Der Zuschauer dringt in das Innere des Gebäudes vor und der Blick zieht vorbei am großen Kamin mit dem lodernden Feuer, huscht die dunkle Treppe hinauf und dann durch enge Flure bis zum Schlafzimmer, wo ein erschreckend aussehender Mann mit wirrem Blick verzweifelt nach seiner Liebsten ruft, während er sich unruhig im Bett wälzt. Schon klopft es an das Fenster und eine Geisterstimme ruft nach Einlass. Als sich eine bleiche Hand durch das Glas bricht, versucht der Verzweifelte vergebens, seine Cathy festzuhalten. Das ist die Eingangsszene dieser Verfilmung und für den Kenner der Romanvorlage ist damit gleich klar, dass die Inszenierung nicht dem vor-gegeben Ablauf folgen wird. Der neue Pächter von Thrushcross Grange, dem Nachbaranwesen von Wuthering Heights wird ebenso wenig vermisst werden, wie die Erzählerstimme von der Kinderfrau und Magd Nelly, die im übrigen auch hier eine würdige Rolle spielt. Die klassische Einteilung wird durchbrochen und Elemente aus dem zweiten Teil des Romans werden an den Anfang der filmischen Erzählung gesetzt. Was zunächst für Verwirrung sorgt, ist ein geschickter dramaturgischer Kniff dieser Inszenierung, welche die leidenschaftliche Geschichte von Wuthering Heights und ihrer Bewohner der frühen Generation in Rückblenden erzählt.
Liebe und Hass sind Geschwister in Wuthering Heights und sie heißen Catherine und Hindley. Eines Tages reiste ihr Vater nach Liverpool und fragte seine Kinder, was er ihnen von dort mitbringen sollte. Doch als er nach Hause zurück kommt, hat er weder die gewünschte Fiedel, noch die Reitgerte mitgebracht. Vielmehr präsentiert er ein Findelkind, welches er vor dem sicheren Tod bewahrt hat und der nun unter dem Namen Heathcliff ein Teil der Familie Earnshaw von Wuthering Heights aufwachsen soll. Zunächst hat das Zigeunerkind, wie es die Leute im Dorf verächtlich nennen, einen starken Beschützer, doch nach Mr. Earnshaws plötzlichem Tod, wendet sich das Blatt. Der herangewachsene Hindley übernimmt das Regiment und verbannt das verhasste Kuckuckskind in den Pfer-destall. In seiner Position als ungeliebter Knecht bangt Heathcliff auch um seine Zukunft mit seiner geliebten Cathy, die für ihn in den Jahren viel mehr als eine Schwester geworden ist. Die Liebenden schließen den mutigen Plan durchzubrennen, doch ein Unfall verhindert die Flucht. Die verwundete Cathy wird bei den Nachbargeschwistern, Edgar und Isabella Linton, gesund gepflegt und kommt so erstmals mit der gepflegten Zivilisation in Berührung. Als Catherine schließlich wieder nach Hause zurück kehrt, sieht Heathcliff die endgültige Veränderung und beschließt, den düsteren Rachegedanken seines verwundeten Herzens freien Lauf zu lassen...
Letztlich werden auch diesem Heathcliff-Darsteller die gefährlichen Reißzähne gezogen. Auch sonst scheint es Tom Hardy schwer zu fallen, die finstere, geradezu diabolische Natur seiner Rolle dem Zuschauer begreiflich zu machen. Auf der anderen Seite entspricht diese Darstellung dem Gesamtkonzept dieses Zweiteilers. Die einzelnen Charaktere werden sehr einfühlsam portraitiert und wo möglich, wird auch für Verständnis und Mitgefühl mit den Figuren geworben. Bei Catherine Earnshaw/Linton, dargestellt durch Charlotte Riley, fällt dies nicht besonders schwer. Dass für diese Adaoption tatsächlich einmal eine nordenglische Schauspielerin diese Rolle übernehmen durfte, wird zu Recht stolz angemerkt. Die attraktive Charlotte Riley spielt die temperamentvolle, gefühlsmäßig sehr unausgeglichene Heldin mit der nötigen Leidenschaft. Bis auf Andrew Lincoln, der als Edgar Linton viel zu kernig und vital wirkt, und dadurch eher snobistisch als schwächlich, aber liebenswert herüber kommt, sind alle Schauspieler sehr gut gewählt.
Die Adaption folgt insgesamt zwar nicht der klassischen Vorlage, was auch überhaupt nicht gewollt war, sondern beschränkt sich auf die Interpretation und Darstellung gewisser Grundelemente des Romans. Dadurch wirkt dieser Film glaubwürdiger und überzeugender als andere Sturmhöhe-Verfilmungen.
Das viertelstündige Behind-The-Scenes kann in diesem Zusammenhang erwähnt werden, welches interessanten Aufschluss enthält. Warum die Geschichte jedoch in das 19. Jahrhundert versetzt wurde und wer für die etwas seltsame Kostümauswahl der Darsteller verantwortlich ist, wurde leider nicht erklärt.
Als weitere Extras sind auf DVD 1 Trailer, Biographien einzelner Schauspieler und eine Bildergalerie vorhanden.

Zur Dokumentation:
Ausgehend von den Forschungen einer gewissen englischen Dame mit Namen Mary Butterfield, die in dieser einstündigen Dokumentation auch oftmals selbst zu Wort kommt, wird der Entstehung des Weltliteraturwerkes von Emily Bronte auf den Grund gegangen. Mrs Butterfield wurde durch eine Korrespondenz mit der Schriftstellerin Daphne DuMaurier, auf die sogenannten Heaton-Dokumente aufmerksam. Ihre Recherchen hat sie in dem Buch "The Heatons of Ponden Hall and the legendary link with Thrushcross Grange in Emily Bronte's Wuthering Heights" veröffentlicht. Wenn man die historischen Gegebenheiten genauer betrachtet, so Mrs Butterfield, ist eine Verbindung zwischen den Brontes und den Heatons ganz sicher vorhanden gewesen. Die neugierigen und literaturbegeisterten Bronte Schwestern dürften auch ab und an in der Bibliothek in Ponden Hall, dem Herrensitz der vornehmen Heatons gestöbert haben. Mary Butterfield stieß in den Papieren der Heatons auf eine sehr interessante und skandalöse Familiengeschichte aus der Vergangenheit, die auch die phantasiebegabte Emily fasziniert haben muss. Die Originalschauplätze dieser Familientragödie, die letztendlich doch noch ein halbwegs gutes Ende nahm, kann man heute noch aufspüren. In kurzen filmischen Szenen wird diese Geschichte wiederbelebt. Interessanterweise war die Familie Heaton alles andere als begeistert von der Veröffentlichung Emily Brontes Buch, und Mary Butterfield geht der Frage auf den Grund, welche Konsequenzen dieses Ereignis für die Nachbarfamilien hatte.
Die Dokumentation kann in englischer oder in deutscher Sprache angesehen werden, wobei zu bemerken ist, dass die deutsche Tonspur nur mäßig integriert wurde. Man kann den Originalton noch deutlich vernehmen. Die filmischen Szenen sind nur in englischer Sprache zu hören. Zuschaltbare Untertitel gibt es leider nicht.
Die Darsteller der historischen Szenen wurden insgesamt sehr gut ausgewählt und es macht Freude die Originalplätze der Heimat Emily Brontes näher kennen zu lernen.
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1-6 von 6 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 15.04.2010 13:12:29 GMT+02:00
Hallo Tanja,

zunächst muss ich meine Begeisterung für die Einleitung Deiner Renzension zum Ausdruck bringen. Sehr Plastisch; Kino im Kopf nannte mein Ausbilder so etwas seinerzeit. Sehr fein!
Und dann bin ich sehr froh zu hören, dass es doch eine Verfilmung meines Lieblingsromanes zu geben scheint, die nicht furchtbar ist. Ich werde sie mir auf jeden Fall ansehen!

Soviel für den Moment von der Arbeit
Liebe Grüße
Daniel

Veröffentlicht am 15.04.2010 19:52:42 GMT+02:00
Liebe Tanja,

eine mitreißend geschriebene Rezension! Ich weiß gar nicht, wie viele "Wuthering Heights"-Verfilmungen es gibt, doch hat mir noch keine so richtig gefallen. Diese hier kenne ich freilich noch nicht. Ich denke, das liegt generell daran, daß man beim Lesen von wirklich guten, komplexen Büchern eben sein eigenes - in Anlehnung an IronCrane - Kino im Kopf abspielen läßt und man allzu oft enttäuscht ist, wenn man dieses dann nicht im Film wiederfindet.

Dir noch einen schönen Abend,

Tristram

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.04.2010 12:17:25 GMT+02:00
Lieber Daniel,

vielen Dank für Deine lieben Worte :-D.

Ich hoffe, Du kannst dieser Verfilmung genau so viele positive Seiten abgewinnen, wie ich. Natürlich gibt es auch bei dieser Version die üblichen Schwächen, aber es wird sehr geschickt damit umgegangen. Ich meine damit z.B., dass Catherine und Heathcliff eigentlich schon zu "alt" sind, als der Konflikt mit Hindley eine neue Dimension annimmt.
Aber hier ist das ganz gut dargestellt. Heathcliff ist in der Besuchszene der Lintons nicht kindisch, sondern aufrichtig verletzt in seinem Stolz. Als Hindley ihn schlägt, erträgt er es wie ein Mann, der weiß, dass er die Schläge seines Herrn ertragen muss, weil er ihm noch verpflichtet ist, auch wenn er die Dienerrolle nicht freiwillig übernommen hat.
Auch der optische Unterschied zwischen Thrushcross Grange und Wuthering Heights wurde gut herausgestellt, auch wenn ich die einhergehende Verwahrlosung von Wuthering durch die Verrohung seiner Bewohner etwas vermisst habe^^.

Liebe Grüße
Tanja

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.04.2010 12:22:17 GMT+02:00
Hallo Tristram,

ganz ehrlich: meinem Kopfkino von "Sturmhöhe" entspricht auch diese Verfilmung nicht. Allerdings empfand ich diese Version als annehmbare Alternative. Enttäuscht war ich auf jeden Fall nicht, sondern eher angenehm überrascht.
Die Hoffnung, dass Emily Brontes Roman einmal wirklich werkgetreu verfilmt wird, habe ich eigentlich schon fast aufgegeben.

Eine schöne Mittagspause
Tanja

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.04.2010 08:19:22 GMT+02:00
Ophelia meint:
Macht gehörig Appetit, Tanja.
Wundervoll geschrieben!
Dieser Version, auch wenn es die X. ist, werd ich auf Dauer nun doch nicht widerstehen können.
Grüße
Ophelia

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.04.2010 11:49:50 GMT+02:00
Liebe Ophelia,

vielen Dank für Deinen netten Kommentar.

Du weißt ja, die beste Art mit einer Versuchung umzugehen, ist ihr nachzugeben, wie Oscar Wilde so treffend sagte...^^
Was macht eigentlich die königliche Lektüre von Ingrid Ganß? Hast Du Deine x-te Leserunde mit dem Spielmann schon beendet? Meine Begeisterung hielt sich ja schwer in Grenzen, aber vielleicht kannst Du dem Roman noch positive Seiten abgewinnen.
Viele liebe Grüße
Tanja
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