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Kundenrezension

45 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bücher wie dieses können Museumsbesuche ersetzen, 28. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Hieronymus Bosch. Das vollständige Werk (Gebundene Ausgabe)
Museumsdirektoren, Kunsthändler und Städtevermarkter haben es geschafft, dem Original eine Bedeutung zu geben, die inzwischen unangreifbar scheint. Und obwohl Dutzende von Künstlern darauf aufmerksam machten, was hinter diesem Wahn steckt und wohin er führt, ist die Aura des Originals ungebrochen. Andy Warhol, meine Jahre in der Tourismusmetropole Rom und die Erlebnisse in überfüllten Museen waren maßgeblich daran beteiligt, dass ich heute nicht mehr das dringende Bedürfnis habe, Meisterwerke unbedingt im Original zu sehen.

Vor großformatigen Reproduktionen zu sitzen und in Ruhe auf Details zu achten, ist für mich eine gute Alternative zu Besuchen in überfüllten Museen. Nur wenn ich genügend Zeit habe, mich auf ein Bild einzulassen und meine eigenen Geschichten mit denen des Künstlers zu verbinden, löst ein Kunstwerk bei mir etwas aus, das eventuell nachhallt. Und weil das im Pulk des heutigen Kunsttourismus’ nicht möglich ist, kann ich auch damit leben, Guernica, Sternennacht, Seerosenteich oder Mona Lisa nicht im Original gesehen zu haben. Und das gleiche gilt natürlich auch für den „Garten der Lüste“ von Hieronymus Bosch.

Der Hieronymus Bosch-Experte Stefan Fischer und der Taschen Verlag ermöglichen mit diesem Buch einen Zugang zu einem Werk, das in seiner Art sicher einmalig ist. Dass es auch eine besondere Rezeptionsgeschichte hat, liegt an Motiven, die Urängste wecken, an die eigene Sterblichkeit erinnern und das Böse in jedem Menschen sichtbar machen.

Ein Werk so interpretieren zu wollen, wie es der Künstler gemeint hat, ist ebenso naiv wie unmöglich. Aber Hintergrundinformationen können dem Betrachter oder Leser Türen öffnen, hinter denen sich Szenen aus längst vergangenen Zeiten abspielen. Bei Hieronymus Bosch sind das die moralischen Verwerfungen am Übergang von der Spätgotik zur Frührenaissance, die Drohgebärden einer Kirche in ihrem Widerstreit mit der weltlichen Macht, die Lebenswirklichkeiten verarmter Bauern und inzestuöser Adelsgeschlechter, mystische Allegorik und groteske Doppelmoral.

Obwohl die Forschung der letzten Jahrzehnte viel Licht in das Werk von Hieronymus Bosch brachte, bleiben die ersten zwanzig Lebensjahre dieses Malers nach wie vor im Dunkeln. Aber während frühere Kunstbände noch Werke aufnahmen, die mit größter Wahrscheinlichkeit von anderen Malern stammen, sind in diesem Buch nur noch 20 Gemälde und 8 Zeichnungen aufgenommen. Es sei denn, der Abdruck von Bildern anderer Künstler oder Werkstattarbeiten diene dem Verständnis von Bosch’s Werk.

Das Konzept dieses Bildbands möchte ich anhand des bekanntesten Gemäldes von Hieronymus Bosch kurz skizzieren. Zwei Ausschnitte aus „Der Garten der Lüste“ wecken Erinnerungen und machen auf Typisches aufmerksam. Danach folgt der erläuternde, zweispaltige Text von Stefan Fischer, der immer wieder von den großformatigen Bildtafeln unterbrochen wird. Der Leser wird so dazu angehalten, vor- und zurückzublättern, um die Interpretationen und kunsthistorischen Hinweise des Autors anhand der Details zu verifizieren oder allenfalls zu verwerfen. Dank der Reproduktionen von Details erhält man sogar einen Eindruck der Maltechnik, die selbstverständlich von Stefan Fischen ebenfalls beschrieben wird. Nach knapp zwanzig Seiten lässt sich das berühmte Tryptichon sogar ausklappen, wobei das Format auch Klappen am oberen und unteren Seitenrand erfordert. Das entspricht natürlich noch immer nicht den Ausmaßen des Originals im Museo National del Prado in Madrid, ist aber doch beeindruckend.

„Der Garten der Lüste“ entstand um 1503, war eine Auftragsarbeit für Heinrich III. von Nassau-Breda und hatte die Funktion eines Hochzeits- und Ehespiegels. Das Tryptichon sollte wie die meisten Gemälde aus jener Zeit erfreuen und bekehren. Der heutige Titel wurde dem Gemälde übrigens durch einen Kunsthistoriker aufgedrückt.

Wer lieber eine Kurzbeschreibung und erste Interpretation möchte, kann zuerst im Kapitel „Katalog der Gemälde“ am Schluss des Bildbandes nachschlagen. Dort gibt es alle wichtigen Angaben zu den jeweiligen Gemälden, Hinweise auf die Seitenzahlen der ausführlichen Beschreibung und die wesentlichen Literaturstellen. Nach den Zeichnungen folgen Quellen zu Leben und Werk sowie das Literaturverzeichnis.

Mein Fazit: Dieser prächtige und großformatige Bildband kann selbstverständlich auch als Vorbereitung für die Besichtigung der Originale dienen. Mir gibt er das gute Gefühl, dass ich nicht zwingend nach Brüssel, Madrid, London, Venedig, Brügge, Rotterdam oder Wien reisen muss, um die Faszination von Hieronymus Bosch’s Bilderwelt erleben zu können. Und selbst wenn ich diese Absicht hätte, würde ich zuerst die klugen und erhellenden Texte von Stefan Fischer lesen. Denn sie ermöglichen einen Zugang zu Bosch’s phantastischem Werk, den man ohne diese Hintergrundinformationen nicht hätte.
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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 31.12.2013 14:37:15 GMT+01:00
[Von Amazon gelöscht am 16.09.2015 15:43:37 GMT+02:00]

Veröffentlicht am 04.03.2014 18:42:51 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.03.2014 18:45:36 GMT+01:00
Traude meint:
Vor ein paar Jahren habe ich auch festgestellt
, dass es mir mehr gibt, ein Bild in einem Buch vor mir zu haben als im Museum davor zu stehen und das sogar unabhängig davon ob ich allein im Saal bin oder ob ich mich in einer Schlange vorwärts schiebe. Ich habe den Gedanken aber schuldbewusst von mir gewiesen. Deshalb bin ich Dr. Fuchs sehr, sehr dankbar für seine Worte. Werde ich doch jetzt Hieronymus Bosch mit diesem wunderbaren Band guten Gewissens genießen können.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 31.08.2014 17:39:26 GMT+02:00
[Von Amazon gelöscht am 27.09.2015 16:50:44 GMT+02:00]
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