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Kundenrezension

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Führen wahre Meisterwerke nur über die Liebe?, 20. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert: Roman (Gebundene Ausgabe)
Harry Quebert, ein angesehener und erfolgreicher Autor, der unter Mordverdacht steht.
Marcus Goldmann, ein aufstrebender und erfolgreicher Debüt- Autor, der seinem Mentor helfen will und mit dem Fall seine Schreibblockade bekämpft, die ihn seit mehr als einem Jahr in der Klemme hält.
Nola Kellergan, eine 15 Jährige Unschuld vom Lande, die 33 Jahre nach ihrem Verschwinden tot im Vorgarten von Quebert gefunden wird.
Aurora, eine typische Kleinstadt an der Ostküste der USA, in der Quebert lebt und die den typischen Kleinstadtcharme versprüht, in der jeder jeden kennt und in der die Leute viel zu verbergen haben.
Das ist der grobe Rahmen, den dieser spannende, einfach geschriebene Krimi vorgibt, der Dickers zweiter Roman ist und der letztes Jahr die Bestsellerlisten stürmte. Dieses Buch krankt an ein paar Kleinigkeiten ist aber im Großen und Ganzen spannende Unterhaltung, die es lohnt zu lesen.

Harry Quebert, der vor über 30 Jahren seinen Durchbruch mit dem Buch „Der Ursprung des Übels“ feierte, wird des Mordes an dem jungen Mädchen Nola Kellergan beschuldigt. Nola galt 33 Jahre als vermisst und die Suche nach ihr wurde bald eingestellt. Bei Ausgrabungsarbeiten im Garten von Harry Quebert wird die Leiche des Mädchens gefunden und ein Manuskript des eben genannten Buches, was Harry Quebert zum Hauptverdächtigen werden lässt.
Marcus Goldmann hat eine Schreibblockade. Er hatte einen großen Erfolg mit seinem Debütroman und hat das Leben in vollen Zügen genießen können. Leider hat er im Überschwang des Erfolges einen Knebelvertrag unterschrieben, welcher ihn zu weiteren fünf Büchern verpflichtet. Da er das nächste große Meisterwerk schreiben möchte, ist ihm kein Satz gut genug und sein Talent versagt ihm den Dienst. Sein Verleger macht ihm dagegen Druck und setzt Marcus ein Ultimatum. Um sich besser konzentrieren zu können und weil er Hilfe erwartet, geht er zu seinem Mentor Harry Quebert, der ihm alles über das Schreiben beigebracht hat. Doch auch dieser kann ihm nicht helfen und so reist Marcus wieder ab und geht nach New York zurück.
Kaum zurück, erreicht ihn die Nachricht, dass Harry unter Mordverdacht steht und das im Zuge der Ermittlungen herauskommt, dass Harry eine Beziehung mit dem Mordopfer hatte. Da diese zum Zeitpunkt der Tat erst 15 Jahre alt war und Harry schon über 30, wird er als Autor und Mensch verteufelt und seine Werke aus allen Bibliotheken und Buchhandlungen entfernt. Dies und das schon erwähnte Manuskript sind Indizien, die Harry schwer belasten und keiner, außer Marcus, glaubt mehr an seine Unschuld und alle fragen sich nur noch, wie lange es dauert, bis Harry verurteilt wird und wie hoch die Strafe ausfällt. Doch im Zuge seiner Ermittlungen, die durch Perry Gahalowood von der State Police unterstütz werden, stellt Marcus fest, dass die Dinge nicht so eindeutig stehen, wie sie eingangs aussahen. Doch die Wahrheit, die Marcus herausfinden wird, stellt alles in den Schatten und er wittert die Chance, durch sein Wirken Harry zu entlasten. Als Zugabe fällt ihm die Geschichte seines Lebens in den Schoß, die er zu einem Buch verarbeiten wird und das ihn zum nächsten großen Autor machen wird.

„Wenn das Buch dem Ende zugeht, Marcus, bieten Sie Ihrem Leser in letzter Minute einen Überraschungseffekt.“
„Warum?“
„Warum? Weil man den Leser bis zum Schluss in Atem halten muss. Das ist wie beim Kartenspielen: Ein paar Asse müssen Sie bis zum Ende im Ärmel behalten.“

Diese Aussage nehme ich einleitend dafür, dass das nicht immer unbedingt die beste Methode ist, um ein Buch spannend zu gestalten, denn die besagte Passage, die sich diesen Worten anschließt, passt nicht so richtig in die Geschichte hinein, streckt das Buch unnötig in die Länge und hat in mir während des Lesens das Gefühl erzeugt, dass es Joël Dicker (bewusst) etwas übertreibt und mich damit fast darum gebracht hat, dieses Buch zu mögen. Ich jedenfalls habe ab dieser Stelle permanent mit dem Kopf geschüttelt, ob der Unlogik und Übertreibungen, die Dicker hier einem auftischt. Zum Glück bekommt er die Kurve noch und fängt sich in den Kapiteln danach wieder. Ebenso ist die Liebesgeschichte zwischen Harry und Nola etwas hanebüchen gestaltet. Man kann in Liebende nicht hineinschauen und sie machen sicher auch blöde Dinge und sprechen nicht unbedingt hochtrabend miteinander, aber was die Liebe zwischen diesen beiden angeht, wollte ich sie nicht so richtig schlucken. Das Meisterwerk „Der Ursprung des Übel“ war auch nicht unbedingt das, was man sich unter einem ebensolchen Meisterwerk vorstellt. Jedenfalls waren die Passagen, die im Buch abgedruckt sind, nicht gerade eine berauschende Symphonie von Prosa, die Weltruhm erlangt. Legen wir es einfach in dem Sinne positiv aus, dass es dem Fortgang der Geschichte den nötigen Vortrieb gibt und eine entscheidende Rolle spielt. Über alles Weitere kann man wohlwollend ein Auge zudrücken.
Das klingt jetzt alles negativer als ich dieses Buch im Ganzen machen will und es auch nicht sehe. Es sind einfach Dinge, die einem negativ auffallen, die aber den Gesamteindruck des Buches nicht so stark schmälern. Es ist gute Unterhaltungsliteratur, die den Leser im Sinne von Dan Brown (Frevel, dass ich diesen Namen hier nenne?) dazu verleitet, die Seiten zu überfliegen, weil man wissen will, wie es weiter geht. Dabei versteht es Joël Dicker, den Leser gekonnt in die eine Ecke rennen zu lassen, nur um ihn dann im nächsten Kapitel mit einer neuen Information zu überraschen, die den Fall Nola Kellergan (hüstel den Fall Harry Quebert) wieder in einem völlig neuen Blickwinkel erscheinen lässt. Das es am Ende ganz anders kommt, als gedacht, brauche ich nicht weiter zu betonen und ich würde sogar behaupten, dass selbst diejenigen, die bei Krimis meist den Täter schon weit vor dem Ende erraten, hier vor arge Probleme gestellt werden, heraus zu finden, was wirklich vor sich gegangen ist.
Nebenbei versteht es Joël Dicker noch, den ganzen Literaturbetrieb durch den Kakao zu ziehen und es ist als ein Wunder anzusehen, dass Dicker sein Werk so veröffentlichen konnte. Die Hysterie, wenn ein Erfolgsautor etwas Kriminelles getan hat, selbst wenn es nicht eindeutig bewiesen ist. Den Druck, den Verleger auf ihre Autoren ausüben. Die Hinterlistigkeit, mit der die Verleger an Informationen kommen und diese zu ihrem Vorteil nutzen, um den Profit des nächsten Buches zu steigern und vieles mehr, was fein ausgearbeitet wird. Es existiert parallel neben dem Hauptplot und macht stellenweise sogar mehr Spaß als der Kriminalfall.
Insgesamt ist das Buch in 31 Kapitel (Einleitung und Nachwort exklusive) eingeteilt, die allesamt mit einem Rat von Harry Quebert an Marcus Goldmann eingeleitet werden, die als Lektionen gedacht sind, wie man ein (gutes) Buch gestaltet und inhaltlich grob aufzubauen hat. Manche dieser Kochrezepte sind recht einfach gehalten und andere richtig gut. Alle spiegeln grob den Inhalt des darauf folgenden Kapitels wieder. Beispiele gefällig?

Hausmannskost

„Harry, wie lange braucht man, um ein Buch zu schreiben?“
„Das kommt darauf an.“
„Worauf?“
„Auf alles.“

Ratschlag, der mir gefallen hat

„Das Gefährliche an Büchern ist, Marcus, dass Sie manchmal die Kontrolle über sie verlieren können. Sie zu veröffentlichen bedeutet, dass das, was Sie einsam vor sich hingeschrieben haben, plötzlich Ihren Händen entgleitet und in den öffentlichen Raum entschwindet. Dieser Augenblick birgt eine große Gefahr. Sie müssen die Sache jederzeit fest im Griff haben. Die Kontrolle über sein eigenes Buch zu verlieren ist eine Katastrophe.“

Wer verschachtelte Krimis mag und an einer spannenden Geschichte interessiert ist, die ein paar Seitenhiebe auf das Verlagswesen nicht auslässt, der ist bei diesem Buch genau richtig. Ist es ein Meisterwerk? Das ganz sicher nicht, auch wenn viel von Liebe gesprochen wird, aber das größtenteils so hölzern, dass man diesen Anteil nicht allzu ernst nehmen sollte. Trotz dessen, dass es einen großen Teil der Geschichte einnimmt, verdirbt es einem nicht den Spaß am Knobeln und Lesen. Zusätzlich dazu ist das Ganze recht seicht und human geschrieben (z.B. trinken die Leute größtenteils Limo statt starke alkoholische Getränke, die Gewaltdarstellungen sind zurückhaltend geschrieben), so dass es kein ernstzunehmender Roman ist, aber auch keine Geschichte, die man so schnell vergisst. Ich hatte meinen Spaß an dem Buch und werde es, wenn die Gelegenheit wiederkommt, bestimmt noch mal lesen und sei es nur, um die Logiklöcher zu finden.
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