Kundenrezension

20 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Beard'sche Entropie", 31. Oktober 2010
Von 
Rezension bezieht sich auf: Solar (Gebundene Ausgabe)
Wie nicht anders zu erwarten scheiden sich die Geister bei McEwan's neuem Roman, wie üblich schafft er so starke Emotionen beim Leser, dass man den Roman entweder verschlingt oder verwünscht. Ich habe mich schier kaputt gelacht.

Nihilist Professor Michael Beard ist ein Widerling der besonderen Klasse, unreflektiert, vollkommen emotionslos, von einer Egomanie gezeichnet, die bestimmt durch seinen frühen Erfolg als Nobelpreisträger für das Beard-Einstein-Theorem für Photovoltaik verstärkt wurde. In seiner unbestrittenen Intelligenz ist er der Welt und seiner Mitmenschen gegenüber abgestumpft, gefühlskalt und absolut ernüchtert. Als fetter, unansehnlicher, kleiner, haarloser Kerl hat er bemerkenswerten Erfolg bei den Frauen, wenn auch nicht von langer Dauer, dennoch bringt er es zu erstaunlichen fünf Ehen (und Scheidungen) und jeder Menge unverbindlichem Sex. Doch auch Beard ist nicht vollends unverwundbar. In einer unachtsamen Situation manövriert er sich in ein chauvinistisches Eck, verstärkt durch die Aussagen liebsamer Kollegen. Doch er kriegt die Kurve und benützt die Idee eines ehemaligen, verstorbenen Mitarbeiters, um aus seiner abgewrackten Situation einen Ausweg zu finden - und es wird ihm gelingen.

"Als sie die Londoner Innenstadt erreichten, war er beim Thema Strahlungsantrieb angelangt, anschließend kam die übliche Litanei über schrumpfende Gletscher, sich ausbreitende Wüsten, vernichtete Korallenriffs, unterbrochene Meeresströmungen, ansteigende Meersspiegel, unwiderruflich dies und das und alles Mögliche, immer mehr, während Beard längst nicht mehr zuhörte, finster und verdrossen, nicht weil der Planet in Gefahr war - wieder dieses schwachsinnige Wort -, sonder weil jemand ihm davon mit solcher Inbrunst vorschwärmte." S55

Ian McEwan ist mit diesem Roman eine "Paradesatire" par excellence gelungen. Er parodiert jedoch nicht nur den Egozentriker und Blender Beard, sondern lässt auch an den vermeintlichen "Gutmenschen" und "Weltverbesserern" kein gutes Haar. Seine Klasse bestätigt er ein ums andere Mal mit bestechenden Recherchen - kann man sich nun für Quantenphysik erwärmen oder nicht, stellt er selbst diese Materie für den Laien in ein fassbares Licht. Über beinahe ein Jahrzehnt beschreibt er die Entwicklungen und Machenschaften des Unliebsamen, gleitet von einem Erzählstrang behände zum nächsten, früheren oder parallelen, ohne in seinem fein geknüpften Netz jemals auch nur eine Masche zu verlieren. Fantastisch!
Doch hinter all der Konzentration auf das "Beard'sche Universum" und seine Unordnung, zeigt McEwan auch Tatsachen auf, die nicht zu leugnen sind - unsere Ignoranz gegenüber der Erderwärmung und der Zerstörung unseres Planeten.

Entweder man liebt diesen Roman, oder man tut es nicht! Wie erwähnt, ich habe mich köstlich amüsiert (am meisten bei der herrlichen !Chips-Tüten-Szene! im zweiten Teil)
Machen Sie sich Ihr Bild von Beard!
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 02.11.2010 10:43:04 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.11.2010 08:45:23 GMT+01:00
Babette. H. meint:
Liebe Esther,

tolle Kritik. Auf den Punkt.
Und natürlich freue ich mich, über unsere Übereinstimmung in allen wesentlichen Punkten.
Die haben wir gut erkannt, oder? :-)

"Chipstüte" wird mir unvergesslich bleiben. Aber auch "Eisbärenfell", "Wie täusche ich der Ehefrau die Anwesenheit einer Anderen vor" und "Pinkeln in der Arktis" haben die Qualität eines Monty-Pythons-Film. Ich liebe Mr McEwans Sinn für diesen schrägen Humor.

Einen schönen Tag wünscht Ihnen

Babette

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.11.2010 12:06:08 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 16.11.2010 12:08:35 GMT+01:00
Alena meint:
Liebe Babette, die Rezession von Esther trifft auf den Punkt und "die haben wir gut erkannt" ebenfalls - denn es gibt sie ja wirklich und mehr als manche glauben...die Beards dieser Welt sehen die Dinge immer so wie sie sind, sie sind niemals kleingeistig und immer interessant. Der Autor hat unglaubliches geleistet, einfach perfekt und genau beobachtet. Ich habe schon lange nicht mehr so gelacht, Chipstüte - genial

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.11.2010 12:09:41 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 16.11.2010 12:10:27 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.11.2010 07:28:30 GMT+01:00
Babette. H. meint:
Schön, liebe Alena, dass sich in Ihnen eine weitere Gleichgesinnte gefunden hat. Ich glaube, irgendwann werde ich diese Lektüre wiederholen. Da lacht man ganz sicher auch beim zweiten Mal.

Herzlicher Gruß
Babette

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.04.2012 19:57:53 GMT+02:00
SiBu meint:
Ich kann jedem nur das Hörbuch empfehlen. Gelesen von Burghart Klaußner wird das Vergnügen noch potentiert: meine Nachbarn im Zug guckten immer wenn ich vor Vergnügen juchste.
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Esther
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