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Kundenrezension

50 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Anleitung zum eigenständigen Denken - Aufklärung im besten Sinne, 8. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Über das Böse: Eine Vorlesung zu Fragen der Ethik (Taschenbuch)
Es tut mir leid, aber ich muss beiden Rezensenten widersprechen. Ich finde diese Vorlesung über das Böse grandios und das aus mehreren Gründen. Zunächst ist es sicherlich die sinnliche Präsenz und die persönliche Ansprache, die dem Arendtschen Stil inne wohnt und der in dieser Vorlesung in gesteigerter Form hervorsticht. Hier kann man ihr beim Nachdenken buchstäblich zu sehen. Sie spricht klar und ohne intellektuelle Attitüde, wobei die Sache, die verhandelt wird, sicherlich keine leichte Kost ist. Arendt ringt wirklich mit diesem Problem, denn sie ist und war von ihm existentiell betroffen. Diese Vorlesung über das Böse ist im Kontext der Eichmann-Debatte gehalten worden, in der Arendt heftig wegen ihrer Rede von der "Banalität des Bösen" angegriffen worden ist. Diese Vorlesung kann als Versuch gelesen werden, diese Charakterisierung des Bösen als banal zu reflektieren und zu erläutern. Wer also immer schon mal Wissen wollte, warum Arendt Eichmann Gedankenlosigkeit als Kern seiner banalen Boshaftigkeit vorgeworfen hat, dem sei diese Vorlesung wärmstens empfohlen. Eine weitere Frage, die in dieser Vorlesung behandelt wird, ist die Frage nach der moralischen Qualität des Denkens, also kann das Denken Unrecht und Ungerechtigkeit verhindern, und wenn ja, wie und warum. Ein dritter Grund, dieses Buch zu lesen, ist der originelle Überblick über die Geschichte der Moralphilosophie: Von Sokrates, Platon, Aristoteles, über Jesus, Paulus, Augustinus hin zu Kant und Nietzsche werden die Ansichten über das Böse dargestellt und kommentiert. Dabei verfährt Arendt so, dass sie die unterschiedlichen Autoren in ein Gespräch bringt, in dem es nicht so sehr um fertige Antworten und Lösungen, sondern immer um Anregungen zum weiter und selber Denken geht. Das mag den/die eine/n oder andere/n unbefriedigt lassen und enttäuschen, an sich ist es aber die beste Tradition der Aufklärung, Menschen zum eigenständigen, kritischen Denken anzuregen. In diesem Sinne endet das Buch auch mit der Aufforderung zum eigenen Urteil als Widerstandskraft gegen Opportunismus, Konformismus und die Banalität des Bösen.
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Kommentare


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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 17.01.2010 16:24:31 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 25.09.2013 15:12:58 GMT+02:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.01.2010 20:00:12 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 15.12.2013 21:12:27 GMT+01:00]

Veröffentlicht am 12.01.2013 21:46:56 GMT+01:00
Sagittarius meint:
Der gerade erschiene Film über Hannah Arendt verdeutlicht die Bedenklichkeit ihres Ansatzes. Sie schaut nicht empirisch auf die Welt. Warum passen Menschen sich an und beteiligen sich an Ungeheuerlichkeiten aller Art? Weil sie nicht denken? Oder weil aus Angst heraus eher Mitmachen als Verweigerung angesagt ist? Milgram hat dazu umfassende Experimente gemacht, die beweisen, dass es KEINE Frage des Denkens ist. Auch gebildete Menschen haben sich daran beteiligt,andere zu quälen. Aber die Angst, nicht zu gehorchen, aus der Reihe zu tanzen, war größer als die Einsicht, hier wird ein Mensch gequält. Diese Einsicht kann man nur haben, wenn man das Gegenüber überhaupt als Mensch wahrnimmt. Hier kommt nun der Sozialpsychologe Welzer ins Spiel, der sich lange damit beschäftigt hat, warum aus " normalen" Menschen Massenmörder werden. Nein, das ist heute Forschungsstand: das waren KEINE Monster, sondern "normaler" Menschen in einer wahnsinnigen Zeit. Das war der Sprengstoff der Banalität des Böse: es waren vielen und es hätte ( fast) jeder sein können.
Mit Denken ist das Problem gar nicht zu beheben. Es wäre sicher wissenschaftlich gewesen, sich die Frage zu stellen, wer warum brauchte, die Täter zu damönisieren. Zum Beispiel das deutsche Volk, damit man sich von Mit-Verantwortung frei sprechen konnte, Hilter und seine Clique waren es, wir nicht. Oder die Opfer, die eine Dämonisierung als Rechtfertigung ihrer eigenen Handlungen benutzen konnten?

Da sind ganz andere Dimensionen aufgetan, als sie von Kant oder anderen beanwortet werden könnten. Hat sich ebensolcher nicht auch angepasst, als der Druck von seinem König erhielt. Bestimmt nicht, weil er nicht denken konnte!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.01.2013 09:44:38 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 14.04.2013 11:36:45 GMT+02:00
J. Foerster meint:
Sie werfen sehr komplexe Fragen auf, die ich hier sicher nicht beantworfen kann oder die wir auch nur annährend erörtern können. Was meint Arendt mit Denken? Sehen Sie, es hat nichts mit Bildung und Philosophie zu tun, sondern Denken ist das innere Gespräch von mir mit mir selbst, in dem ich vor mir selbst Rechenschaft ablege. Dieses Denken impliziert und drückt eine Haltung zur Welt aus. es ist auch Urteilskraft, weil in ihm die Repräsentation mit den Meinungen der anderen stattfindet und es ist Einbildungs- Vorstellungskraft, weil ich mir Rechenschaft über die möglichen Folgen meines Handelns abgebe. Im Kern ist Denken dann die Frage, könnte und möchte ich mit einem Verbrecher, notorischen Lügner, Karrieristen zusammenleben? Mir scheint Arendt gar nicht soweit von Welzer und Co entfernt. Sie interessiert aber auch die wenigen, die nicht mitgemacht haben und fragte sich, warum haben sie nicht mitgemacht.
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