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5.0 von 5 Sternen Für ernst gemeinte Beschäftigung mit dem Thema unverzichtbar, 9. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Begegnung mit dem Serienmörder. Jetzt sprechen die Opfer (Gebundene Ausgabe)
Die Frage nach den Ursachen einer Tat wird meist nur aus Tätersicht zu entschlüsseln versucht. Woher kommt der Drang des Mordens? Welche Motive werden verfolgt? Wie kann man diesen Taten vorbeugen?
Ein wichtiger Aspekt wird dabei zuhauf schlichtweg vergessen oder einfach negiert: Die Rolle des Opfers in der Geschichte eines Mordes.
Dabei gerät man oftmals leider in das gleiche Verhaltensmuster des Täters an sich, in dem man die Opfer zu willenlosen Objekten degradiert, sie nach dem Drehbuch des Täters handeln lässt und ihre Rolle zu einer unwichtigen Facette eines weitreichenden Komplexes aus Kausalitäten verkommen lässt.
Die Realität hingegen spricht eine ganz andere Sprache: Die Rolle des Opfers spielt eine ebenso wichtige Rolle wie die des Täters - in Hinsicht auf das bloße Ergeignen der Tat, den Ablauf und zuguterletzt dem Ausgang des mörderischen Spiels.

Stephan Harbort hat sich in seinem neuesten Buch dieser vernachlässigten Rolle angenommen und ging auf Spurensuche - dabei beschäftigten Ihn vor Allem die Fragen: Weshalb gerade diese Opfer? Gibt es eine Gemeinsamkeit, einen kleinsten gemeinsamen Nenner, auf die man den Opfertypus reduzieren kann? Welches Verhalten verwirrt den Täter? Welches stachelt ihn an?
Als Randpunkte dienten ihm zahlreiche Interviews mit Tätern und Überlebenden. Das Spektrum reicht dabei von lang vergangenen Seiren wie die des "Vampirs von Düsseldorf" Peter Kürten bis hin zu zeitgenössischen und hochaktuellen, teils noch ungelösten Mordserien. Auch die tödlich ausgegangenen Taten wurden dabei berücksichtigt und in die Auswertungen eingewoben. Die Auswertungen selbst und die damit verbunden gewonnenen Daten werden in einem sehr ausführlichen Anhang dargestellt, wie von Harbort gewohnt akribisch aufbereitet und übersichtlich sortiert.

Das Buch Begegnung mit dem Serienmörder" erinnert teilweise an einen Roman, so fesselnd beschreibt Harbort die einzelnen Taten und lässt den Leser an den Gedanken und der Psyche der Beteiligten teilhaben. Man erfährt, dass Motive und Tatvorgänge verschlungenen und hochkomplexen Regeln folgen, oftmals der Tatbeginn nicht gleichbedeutend mit einem gelungenen" Tatausgang gleichzusetzen ist. So werden manche Taten akribisch geplant und benötigen ein wochenlanges Vorspiel", während andere völlig spontan erfolgen und manchmal den Täter selbst überraschen. Eine entscheidende Rolle spielt auch hier wieder das Opfer.

Harbort filtert aus den verschiedensten Mordserien Opfertypen heraus und teilt diese in sechs Hauptgruppen auf, die nachfolgend in den einzelnen Kapiteln angesprochen werden. Die Beschreibungen aus den Interviews der Überlebenden gehen dabei teils tief unter die Haut. Man erfährt, wie aus Lebenslustigen traumatisierte Menschen wurden, wie aus Selbstbewussten Ängstliche. Das Schrecken wird an manchen Passagen extrem greifbar, so daß man sich nur noch wünschen kann, niemals in eine derartige Situation zu geraten. Besonders interessant und berührend fand ich den Fall eines Mannes und seines Freundes, die urplötzlich und ohne ersichtlichen Grund von einem Serientäter überfallen wurden. Der Mann konnte fliehen, sein Freund wurde regelrecht hingerichtet. Der Kampf des Mannes, wieder in den Alltag zurück zu finden, die Wunden, die geblieben sind und manchmal von dem Opfer selbst nicht mit diesem Ereignis in Verbindung gebracht werden, die Alpträume und schlaflosen Stunden - all dies schockiert. Hat man tatsächlich immer Glück", einem Serienmörder entronnen zu sein? Macht dies die Tat weniger grausam?
Eine besonders schwer verdauliche Tatsache ist zudem, dass Opfer meist mit ihrem Schicksal alleine gelassen werden, während manche Täter eine umfassende psychologische Betreuung und Resozialisierungsmaßnahmen erfahren - paradox.

Was Opfer am Ende verbindet? Herzlich wenig. Lediglich die Tatsache, dass alle dachten: Mir passiert so etwas nicht. Serienmörder? Die gibt es hier bei mir nicht.
Jeder kann Opfer werden, er muss nur dem richtigen Täter begegnen und in dessen individuelles Schema passen.

Die Aufklärung bezüglich richtigen Verhaltens der Opfer liegt Harbort merklich am Herzen, und auch wenn am Ende kein endgültig richtiges Verhalten gefunden werden kann, so wird dem Leser und der Leserin doch das Gefühl vermittelt, nun besser auf die Situation vorbereitet zu sein; auf das Unerwartete, weit Entfernte, auf die Begegnung mit dem Serienmörder".

Mein Fazit: Ein wichtiges Buch - nicht nur in Hinsicht auf die vernachlässigte "Viktimologie", sondern auch als Aufklärungsbuch zu verstehen. In meinen Augen ist es nicht nur Kriminologie-Interessierten zu empfehlen, sondern dient auch als gute Ergänzung zu Selbstverteidigungskursen oder als wichtige Lektüre innerhalb dieses Spektrums. Insofern würde ich das Buch schlichtweg beinahe Jedem/r an`s Herz legen! Und so leid es mir auch tut - zu Meckern gibt es hier wirklich nichts.
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