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Kundenrezension

272 von 326 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Nichts, was zu lesen wichtig ist, oder: Wie man Bestseller produziert, 29. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Nichts: Was im Leben wichtig ist. Roman (Broschiert)
In einer für ein Werk einer bisher weitgehend unbekannten Autorin außergewöhnlich intensiven Medienkampagne wurde dieses Buch in den letzten Wochen in zahlreichen TV-Magazinen (ttt, Kulturzeit usw.) und Zeitschriften "besprochen". Ein Roman, der sich der philosophischen Frage nach dem Sinn des Lebens stelle und nicht nur Jugendliche an diese Frage heranzuführen, sondern auch Erwachsene aus einer neuen Perspektive zum Überdenken ihrer liebgewonnen Ansichten anzuregen verspricht, klingt wirklich nach einem Buch, an dem man nicht achtlos vorbeigehen sollte. Dazu ein kleiner Skandal - Angriffe aus konservativen Kreisen, dann die Verleihung des Buchpreises, Verbannung und Wiedereinführung als Schulstoff in Dänemark - und man ist sogar ein wenig gewillt, zu glauben, es handle sich dabei tatsächlich um ein "mutiges, tabubrechendes Buch". Angesichts dessen, dass der Text eigentlich nicht sehr lang und die Geschichte nicht sehr komplex ist (man kann das Buch tatsächlich an einem Nachmittag lesen), wurde der Inhalt der Story im Grunde von den Kulturmagazinen bereits komplett "gespoilert" (Achtung beim Weiterlesen!). Da es bei philosophischen Büchern, als welches "Nichts" ja auch angepriesen wird, jedoch immer mehr um die Darlegung und Begründung von Gedankengängen geht, als um das eigentliche Ende der Geschichte, ist das vielleicht zu verschmerzen. Worum geht es also?

Das Leben einer Gruppe von Schülern in Tæring, einem nicht näher charakterisierten Vorort einer dänischen Kleinstadt, wird durcheinandergewirbelt, als Pierre Anthon, einer ihrer Mitschüler, eines Tages den Unterricht mit der Begründung verlässt, "nichts habe Bedeutung, und daher lohne auch nichts einer Anstrengung." Fortan sitzt er auf einem Pflaumenbaum, von wo aus er gelegentlich seine Einsichten zu seinen verärgerten Mitschülern hinabruft. Nachdem ein Versuch, den Spötter mit Steinwürfen gewaltsam zum Schweigen zu bringen, misslingt, verlagern die Schüler sich auf die Idee der Überzeugung. Statt jedoch eine Diskussion über die These zu führen, beginnen sie damit, einen "Berg aus Bedeutung" in einem stillgelegten Sägewerk anzuhäufen. Dafür wird jeder der Schüler von den anderen genötigt, etwas für ihn wertvolles preiszugeben, woraufhin er das nächste Opfer bestimmen darf. Der Wunsch, sich für die eigene Verletzung zu rächen, führt in Verbindung mit der Gruppendynamik zu immer sadistischeren Forderungen. Können sie ihren Mitschüler mit dieser Aktion auch nicht überzeugen, so verleiht ihnen die mediale Aufmerksamkeit, die sie für ihr Projekt erhalten, doch ein vorübergehendes Gefühl von Bedeutsamkeit. Doch stellen sich die alten Zweifel mit dem Ende des medialen Interesses erneut ein, derer man sich nur durch den kollektiven Mord an ihrem Verkünder zu entledigen können glaubt.

Ein Kritikpunkt ist die technische Umsetzung des Stoffes. Kann man über Stil auch grundsätzlich unterschiedlicher Meinung sein, so würde ich von einem Jugendbuch - als welches "Nichts" ja angepriesen wird - doch zuerst erwarten, dass es sich mit den Problemen dieser Altersgruppe befasst, statt nur im Stil einen Schüleraufsatz zu imitieren. Die in jeden zweiten Absatz eingeschobenen dreifachen "Steigerungen" - blau, blauer, am blausten; allein, einsamer, ganz allein; usw. - sollen den Leser wohl in seinem Eindruck bestärken, es hier mit dem Bericht eines Mädchens zu tun zu haben. Irgendwie verstärkt es jedoch eher den durch die "Handlung" bereits erzeugten Eindruck von Wahnsinn. Teller schreibt ohne Berücksichtigung der Sinne: Abgesehen von einer kurzen - ich zögere, es "Ortsbeschreibung" zu nennen - Stelle zu Beginn ist der Text ein fast ausschließlich an Handlung und Rede orientierter Bericht. Es gibt keinen Charakter, der in irgendeiner Weise durch Handlung oder Rede von der Masse der anderen Schüler unterscheidbar wäre. Die Möglichkeit zu Reflexion und Introspektion - durch die Erzählperspektive der ersten Person ja nahelegt - wird, abgesehen von der Schilderung der Exhumierung des jüngeren Bruders einer der Schülerinnen (eine Szene, die fast mehr Platz einnimmt als die gesamte Auseinandersetzung mit Pierre Anthon - und damit etwas über die Prioritäten der Autorin verrät), völlig vertan. Teller vermischt in ihrer Erzählung zudem kontinuierlich metaphorische und reale Ebene: Für eine realistische Handlung gibt es zu viele Ungereimtheiten - der Junge, der für Monate in einem Baum lebt, ohne Fragen seitens der Lehrer oder Eltern zu provozieren; der Umstand, dass keines der Kinder in irgendeiner Weise für die von ihnen begangenen Straftaten behelligt wird; der Umstand, dass sämtliche Kinder sowohl auf Pierre Anthons Provokation wie auch in Fragen des Opfers anderer Mitschüler gleich reagieren. Für ein philosophisches Essay ergeht sich die Autorin dann wiederum zu sehr in morbiden Details, und versäumt darüber hinaus die Begriffsklärungen.

Tatsächlich ist dies einer der gravierendsten Schwachpunkte: Die Frage, was Bedeutung eigentlich meine, wird an keinem Punkt auch nur angedacht, geschweige denn versucht, zu klären. Die Kinder reagieren unmittelbar mit Gewalt - erst durch die versuchte Steinigung Pierre Anthons, dann durch Gewalt gegeneinander in Form der erzwungenen Opfer. Als die Kinder sich entschließen, den Zweifler durch einen "Berg der Bedeutung" zum Schweigen zu bringen, hat sich das Buch bereits vollständig von seinem vielleicht anfänglichen Vorhaben entfernt. Tatsächlich entsteht der Eindruck, die Autorin habe sich für ihre Geschichte an Vorbildern wie Goldings "Herr der Fliegen" orientiert, um eine Situation zu schaffen, in der die Regeln des freundschaftlichen, zivilisierten Miteinander außer Kontrolle geraten. Doch was bei Golding einer gewissen Logik nach aus der Situation folgt - die Isoliertheit der Insel, der Wegfall der durch die Allgemeinheit getragenen Regeln und sozialen Normen der Zivilisation, die Durchsetzung des Prinzips der Herrschaft des Stärksten - folgt in Tellers Erzählung keiner inneren Notwendigkeit, sondern erscheint lediglich durch die allseitige Bereitschaft der Schüler zur Ausübung von Gewalt motiviert. Vermittelt Goldings Roman uns durch die Gegenüberstellung tiefere Einsichten in Sinn und Wesen der zivilisatorischen Regeln, so wird die Situation in Tellers Roman nur dadurch möglich, dass alle gesellschaftliche Situiertheit der Jugendlichen ignoriert wird. Doch hat der Exzess, zu dem sich die Schüler in dem alten Sägewerk gegenseitig treiben, nicht nur nichts mehr mit der Gesellschaft zu tun; er hat auch keinen Bezug mehr zu dem ursprünglichen Thema: Die Opfer, die sich die Mitschüler gegenseitig abverlangen, dienen in keiner Weise dazu, die Thesen von Sinn und Bedeutungslosigkeit zu diskutieren. Statt den Nihilisten im Pflaumenbaum zu widerlegen, übertreffen sie ihn sogar noch, indem sie Bedeutungen zerstören. Die Erzählerin indes reflektiert auch darüber nicht, zu wichtig scheint ihr die Schilderung der sadistischen Details, als dass sie sich Gedanken machen würde, aus welchem Grund diese geschehen.

Es ist interessant, zu sehen, mit welchen Argumenten die Schriftstellerin sich in Interviews gegen verschiedene Vorwürfe verteidigte. Laut eigener Aussage wolle sie mit ihrem Buch gegen die "sinnlosen Konventionen" der Erwachsenenwelt vorgehen. Bezeichnenderweise liefert sie jedoch keine Unterscheidungsmöglichkeit, wie man sinnlose von sinnvollen Konventionen unterscheiden könne. Sollte dies wirklich die Zielsetzung dieses Buches sein, kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, sie selbst hätte ihren Stoff nicht ganz verstanden. Tatsächlich lassen sich die Aussagen Pierre Anthons in dieser Form nicht widerlegen. Sie werden nur - zum Glück? - von den meisten Menschen ignoriert. Zwar behauptet Teller, sie habe eine Diskussion anstoßen wollen, doch vermittelt das Buch eine ganz andere Botschaft. Dass "Nichts" nicht deprimiere, sondern die Menschen zu selbstbestimmtem Leben ermutige, wie es in einer der Verlagsanpreisungen heißt, ist eine der üblichen Floskeln, die mit dem Buch nichts zu tun haben. Tatsächlich ermutigt das Buch viel eher dazu, das Nachdenken sein zu lassen: Der Denker wird erschlagen, die Erzählerin wünscht sich, nie mit dem Nachdenken über die Bedeutung begonnen zu haben. Es dürfte ein Glück für das Buch sein, dass viele der jungen Leser - ähnlich wie die Erwachsenen - den Gedanken eben nicht konsequent weiterspinnen.

Ein letzter Punkt ist der verkaufswirksam inszenierte "Skandal", der vielen anscheinend schon als Argument für Qualität gilt, da alles, was Widerspruch provoziert, wohl als Verkündung unangenehmer Wahrheiten gesehen wird. Bei seinem Erscheinen in Dänemark war das Buch zuerst Gegenstand der Kritik, Vorwürfe waren die darin vorkommende Gewalt und die deprimierende Botschaft, und man verbannte das Werk aus dem Schulunterricht. Die Stimmung schlug um, als das Werk mit mehreren Buchpreisen ausgezeichnet wurde, was es in den Augen mancher Kritiker ironischerweise rehabilitierte, und ist nun auch als Stoff an Schulen zu finden. - Wer diese Spiegelfechterei verschiedener Positionen, Kritiken und Preisvergaben noch immer für das Merkmal des Kampfes eines sich Gehör verschaffenden, "mutigen, tabubrechenden Buches" hält, hat den Rummel, der zwischen Verlagshäusern und Kritikern läuft, um einen potentiellen Bestseller ins Gespräch zu bringen, noch immer nicht durchschaut. (Balzacs "Verlorene Illusionen" geben hier zeitlos interessante Einblicke.) Gegen den Vorwurf der Gewalt verteidigte sich die Autorin in oben genannten Kulturmagazinen, nicht 'die Gewalt sei das eigentlich Verstörende', sondern "dass das Buch einem durch In-Frage-Stellen der Werte den Boden unter den Füßen wegziehe". Erwachsene sähen ihre Werte nicht gerne in Frage gestellt, darum würden sie das Buch kritischer beurteilen, als Kinder, die der Thematik offener gegenüberstünden. - Diese Aussagen verraten zwar, dass die Autorin ihr Buch gerne als philosophisches Werk verstanden wissen möchte, doch hätte es dafür einer wirklichen Auseinandersetzung mit dem Thema bedurft. In seiner letztendlichen Form wirkt die Frage nach dem Sinn zu Beginn Werks jedoch nur als ein Vorwand für die folgenden Schilderungen makaberer Spiele. Der Zweifel am Sinn des Lebens ist sicherlich ein Thema für sich, das, konsequent weitergedacht, verunsichert. Doch zu behaupten, es sei diese (tatsächlich kaum behandelte) philosophische Fragestellung, die verstöre (und auf die sich die Kritik vornehmlich richte), nicht aber Mord, Verstümmelung, die Tötung von Tieren, sexuelle Nötigung, und die generell psychisch belastende Situation durch eine allgegenwärtige Bereitschaft jedes einzelnen Protagonisten zur unbeherrschten Gewaltausübung, zeugt schon von einigem Realitätsverlust. Tellers Charaktere kennen kein Mitleid, keine Zweifel, keine ethischen Werte - jeder scheint dazu bereit, die an ihm begangene Gewalt durch eine noch sadistischere Variante einem weiteren Schüler gegenüber zu übertreffen; Kinder, die sich dem "Spiel" entziehen wollen, werden durch Gewalt zum Mitmachen gezwungen; mit dem aufmüpfigen Pierre Anthon versucht man erst gar nicht zu diskutieren, sondern geht - nachdem sich die Jungen weigern, ihn zu verprügeln (was den Mädchen stark missfällt) - daran, ihn direkt vom Baum weg zu steinigen; gegenüber anderen Schülern existieren nur Ressentiments, Verachtung und Hass; und die Eltern stehen dem ganzen selbstverständlich in nichts nach und brechen einem armen, von seinen Mitschülern verprügelten Jungen gleich noch den Arm hinterher.

Verlagsangaben und der Autorin zufolge seien es die Erwachsenen, die die Unbestimmtheit ihre Werte nicht gerne in Frage gestellt sähen und sich deswegen z.B. gegen das Buch als Unterrichtsmaterial aussprächen. Nach der Lektüre jedoch kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass gerade die Eltern dagegen sein dürften, die noch über eine bestimmte Vorstellung von Werten verfügen - z.B. ihre Kinder vor intellektuellem Gift zu bewahren, das an sie durch - über das Etikett des "mutigen Tabubrechers" von den Verlagen verführte - Lehrer verfüttert wird, ohne dass die philosophischen Löcher und das durch und durch negative Menschenbild, das dieses Werk kolportiert, thematisiert würden. Würde ich mich einer Diskussion mit meinen Kindern über den Sinn des Lebens verschließen, weil ich dieses Buch als Schund ablehne? Natürlich nicht. Doch ich würde es nicht anhand dieses Werks tun, denn es trägt inhaltlich nichts zum Verständnis bei. Jemand, der nur "wir müssten mal über den Sinn des Lebens diskutieren" fordert, ohne dabei etwas zu dieser Diskussion beizutragen, ist auch dann kein Philosoph, wenn sich im Anschluss daran eine Debatte entspinnen sollte. Aus diesem Grund kann ich einem Buch, dass die Bedeutung des Lebens zwar als Thema benennt, sich anschließend aber nicht damit auseinandersetzt, auch keine andere Wertung als "Thema verfehlt" geben.

Allerdings kann auch aus etwas schlechtem noch etwas positives entstehen. Nachdem ich nach der letzten Seite endlich den Buchdeckel schließen konnte, wurde mir bewusst, dass ich, statt mein Geld für diesen Mist aus dem Fenster zu werfen, dafür sechs oder sieben Obdachlosen in der Fußgängerzone ihre Zeitung hätte abkaufen können. Aller Wahrscheinlichkeit nach hätte mich das dem Sinn des Lebens entscheidend näher gebracht, als mich durch das Gehirn dieser Autorin zu quälen. Ich hoffe, dass mir dieses Gefühl wieder ins Gedächtnis treten wird, sollte ich erneut in die Versuchung kommen, von den Verlagen angepriesene Bestseller zu erwerben.
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1-10 von 18 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 04.11.2010 12:53:23 GMT+01:00
clausED meint:
Danke für Ihre wundervolle Rezension, in der alles angesprochen wird was mich beim Lesen dieses Buches bewegte.

Veröffentlicht am 10.11.2010 23:18:02 GMT+01:00
Mathias meint:
Vielen Dank für Ihre Rezenzion. Sie entspricht meiner Meinung. Ich habe heute auf einer langen Autofahrt das Hörbuch gehört und habe mich im Nachhinein sehr geärgert über dieses Buch. Den gravierendsten Schwachpunkt, den Sie ansprechen, sehe ich genauso: Die Frage der Bedeutung wird in keinster Art und Weise angerissen und innerhalb der Jugendgruppe versucht zu klären. Statt dessen finden sich alle sofort damit ab, daß der Junge auf dem Baum Recht haben könnte und beginnen nach kurzer Zeit sich selbst und andere zu verstümmeln.
Etwas philosphisches konnte ich an diesem Buch nicht feststellen.

Veröffentlicht am 11.11.2010 14:09:22 GMT+01:00
Andreas Reich meint:
Danke für die lobenden Kommentare. Nachdem das Buch in allen Medien nur positive Besprechungen erhielt, dachte ich, es täte Not. Es ist aber trotzdem schön zu sehen, dass man mit seinen Ansichten nicht allein steht. - Habe gerade eine sehr sehr gute 2-Sterne-Rezension gesehen, die jemand vorgestern eingestellt hat und die die philosophischen Schwächen noch besser herausarbeitet.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.11.2010 00:28:31 GMT+01:00
Peter Samol meint:
Hallo Herr Reich,

vielen Dank für den netten Querverweis auf meine Rezension. Ich selbst bin froh darüber, dass mit Ihrem Text eine kritische Rezension so weit oben auf dieser Seite steht.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.12.2010 14:52:10 GMT+01:00
Andreas Reich meint:
Danke :-)

Veröffentlicht am 04.12.2010 08:28:40 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.12.2010 08:29:19 GMT+01:00
RKue meint:
Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben diese aussagekräftige und differenzierte Rezension zu schreiben. Ich wollte mir das Buch als Weihnachtslektüre beschaffen. Aufgrund ihrer Rezension werde ich dies nun nicht tun. Dafür werde ich aber ihren "Idee" umsetzen, das Geld für das Buch einem Obdachlosen in meiner Stadt zu spenden.

Veröffentlicht am 12.12.2010 13:31:09 GMT+01:00
Wenn man sich soviel Mühe macht, ein Buch, das einem nicht gefallen hat, zu kommentieren und dazu immerhin sehr viele Worte braucht, heißt das für mich, dass ich das Buch sicher lesen werde. Vielleicht nicht mit dem Anspruch der großen Philosophie, auch nicht dem anspruch, der nächsten Literaturnobelpreisträgerin zu begegnen, aber wenn ein Jugendbuch soviele Menschen dazu bringt, nachzudenken, dann hat es ja eigentlich seine Funktion erfüllt. Werde dann berichten, ob es mit der "Welle" mithalten kann, die komischerweise damals ganz ähnliche Kritiken erntete und heute Kult ist.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.12.2010 18:48:37 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 16.12.2010 11:44:54 GMT+01:00
Peter Samol meint:
Hallo Herr Reich,
die Kommentarfunktion ihrer Rezension entwickelt sich ja so langsam zu einem Diskussionsforum über dieses Buch.

Hallo Frau Vonwald,
für gewöhnlich würde ich Ihnen ja Recht geben. Ein Buch das polarisiert ist sehr häufig gerade deswegen interessant; meist liegt der Grund darin, dass es mit Hergebrachtem bricht, was dann der eine Teil der Leserschaft als Durchbruch zu Neuem und der andere als ungeheure Zumutung empfindet.
Ich glaube allerdings, dass die Dinge bei diesem Buch etwas anders liegen. Janne Teller - so mein Eindruck - ist auf etwas gestoßen, was als Thema in der Luft lag, womit sie aber selber nichts rechtes anzufangen wusste. Was in der Luft lag ist das verbreitete Gefühl der Sinnlosigkeit in einer leerlaufenden und dennoch immer hektischer werdenden Leistungsgesellschaft, in der sich die Frage nach dem Sinn (alias der Bedeutung) des Ganzen (und damit auch des eigenen Lebens) geradezu zwingend aufdrängt. Diese Frage hat sie gespürt. Nur lässt ihr Umgang damit mehr als zu wünschen übrig. Ihre Protagonisten suchen in einem Gesamtunsinn immer noch verzweifelt nach einer Bedeutung, wo einfach keine mehr vorhanden ist. Das liegt auch daran, dass sie die falsche Ebene wählt: Eigentlich handelt es sich letztlich um ein gesellschaftliches Problem, sie macht daraus aber eines der Welt als solcher (im philosophischen Fachjargon spricht man von einer falschen Ontologisierung). Diese falsche Verortung des Problems führt leider zu hanebüchenen Ergebnissen.

Warum Herr Reich das Buch mit sehr vielen Worten kommentiert hat, maße ich mir natürlich nicht an zu sagen. Ich kann nur vermuten, dass seine Motivation eine ähnliche wie meine war (wie sie wahrscheinlich wissen, habe auch ich eine sehr umfangreiche Rezension geschrieben). In meinem Fall verhielt es sich so, dass ich mir einen ungeheuren Albdruck vom Leib geschrieben habe, den mir das Buch bereitet hat. Für gewöhnlich bereitet mir das Verfassen einer Rezension eine gewisse Freude; es macht mir einfach Spaß, den Inhalt eines Buches, einer DVD etc. anderen nahe zu legen bzw. zu begründen, warum davon abzuraten ist. Im Falle von Janne Tellers "Nichts" war es wie gesagt vollkommen anders.

Nun möchte ich Ihnen keineswegs davon abraten, das Buch lesen. Ich für meinen Teil würde vielmehr sehr gern erfahren, wie es Ihnen gefallen haben wird. Sie haben ja schon angekündigt, sich dann noch einmal dazu zu äußern. Vielleicht an dieser Stelle, oder sie verfassen gleich eine eigene Rezension.

Sehr interessiert,

Peter Samol

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.12.2010 13:12:25 GMT+01:00
Andreas Reich meint:
Bitte bitte, nur zu! Ist ja ein offenes Forum.
Ich hatte schon überlegt, ob ich selbst darauf noch einmal etwas antworten sollte, aber was zu sagen war, steht ja eigentlich größtenteils bereits in der Rezension.
Ich denke auch nicht, dass es die Aufgabe von Negativrezensionen sein sollte, Leute vom Lesen abzuhalten. Manche fühlen sich davon bestätigt, andere provoziert. Für mich hat es eher die Funktion einer vertieften Auseinandersetzung mit dem Stoff, und gerade ausführliche Kritiken, die ihre Ansichten zu begründen versuchen, sind in der Regel die interessantesten und lesenswertesten, ob man ihre Ansichten nun teilt oder nicht.
Manchmal, wie in diesem Beispiel, kann es darüber hinaus auch eine (emotionale) Selbstvergewisserung sein: "Alle Welt lobt dieses Werk über den grünen Klee, aber mir rollt es die Fußnägel hoch. Übersehe ich da nicht irgendwas wesentliches?" Andere kritische Stimmen können einem - indem sie die Gefühle in Worte fassen - da helfen, die Lobeshymnen als medialen Hype zu erkennen und dem eigenen Urteil letztendlich wieder mehr zu vertrauen :-)

Veröffentlicht am 10.01.2011 17:40:32 GMT+01:00
Ein schlechtes Buch ist ein schlechtes Buch. Begründungen dazu liefert Andreas Reich ausreichend. Ich fand es durchgehend schrecklich.

Man fragt sich, warum das Buch so ein Erfolg geworden ist. Werden vielleicht mehr Bücher gekauft als gelesen? Vielleicht kann sich so mancher Buchkäufer mangels eigener Meinung auch nicht mehr vom Paradigma der Feuilletons trennen. Oder hält jemand dieses Ergebnis von Einsamkeit und Sprachlosigkeit tatsächlich für pädagogisch wertvoll und "philosophisch"? Dann würde ich gerne mal die Begründung hören.

Ich werde jetzt mal ins Lexikon unter Philosophie und Pädagogik nachschauen, und mir klar machen, wer hier dem Neusprech verfallen ist.
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