Kundenrezension

21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tarantino & Morricone - eine Hommage an Sergio Leone, 30. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Quentin Tarantino's Inglourious Basterds (Audio CD)
Es ist wirklich beeindruckend, wie Tarantino es für jeden seiner Filme schafft, Titel aus seiner persönlichen "Jukebox" so zusammenzustellen, dass selbst Italo- Western Töne neben David Bowie, sowie einigen deutschen Klassikern bestehen können und gekonnt zusammenpassen. Inzwischen verbindet man Ennio Morricone mit Quentin Tarantino, wie einst Sergio Leone.
Tarantino's "Inglourious Basterds" ist ein Genre Mix (Action, Thriller, Komödie, Drama, Splatter) und das spiegelt sich auch im Soundtrack wieder. Vor allem die Morricone Tracks schaffen diese gnadenlose Konfrontationsspannung zwischen den Charakteren. Wenn man die Augen schließt, glaubt man man sitzt grade im Kino und genießt einen klassischen Italo Western.

"The Green Leaves of Summer" ist der perfekte Opening Track: Spannung aufbauend, den Zuschauer auf das kommende vorbereitend. Und als wäre Morricone nicht genug Stilmittel, um auf den Italo Western zu verweisen, beginnt Tarantino das erste Kapitel des Films mit "Es war einmal...". Heißen doch alle Filme von Leone's Amerika Trilogie "Once upon a time...(...in the West,...a Revolution,...in America). Zum anderen suggeriert er das der Zuschauer es hier mit einem Märchen zu tun hat: zu schön um wahr zu sein, und frei erfunden.
"The Verdict" ist nun der erste Morricone Track auf der CD, in denen der Großmeister wunderschön mit Beethoven's "Für Elise" spielt. Man mag nur einmal an den Film "Nobody ist der Größte" mit Terrence Hill denken: die Verfolgundjagd mit der Postkutsche beinhaltet einen ähnlichen Track. Bei Tarantino wird mit dieser Musik die ländliche Idylle der Milchbauernfamilie gestört durch die Ankunft des "Judenjägers" Hans Landa, genüßlich und diabolisch verkörpert von dem genialen Christoph Waltz.
"White Lighting" ist zwar von Charles Bernstein, suggeriert aber durch seine Gitarrenklänge ebenfalls Westernstimmung und sengende Hitze. Es geht um die Rekrutierung der "Basterds" durch Lt. Aldo Rayne.
Der Titel "Slaughter" passt wie die Faust auf's Auge: Tarantino zeigt die "Basterds" bei der Arbeit. Skalpieren, foltern, massakrieren, dazu diese fetzige Klavier- und E- Gitarrensounds. Nur Tarantino kann sich das erlauben und er weiß auch warum: Diskrepanz zwischen Bild und Ton erzeugt einen Widerspruch beim Betrachter. Tarantino zieht die Grausamkeiten ins Lächerliche, dadurch stilisiert sich die Gewalt und wird unreal, obgleich sie in aller Härte gezeigt wird.
"The Surrender" ist wieder von Morricone. Man erkennt einen Morricone Titel sofort, man meint sie klingen alle gleich und doch sind sie so verschieden, einzigartig, und jedesmal wieder fantastisch. Die Szene: Ein deutscher Soldat soll verraten wo sich seine Kumpane im Hinterhalt versteckt haben. Er marschiert in Zeitlupe, ganz in Western Manier auf seine Henker zu, von denen er keine Gnade erwarten kann. Diese stehen schwerbewaffnet um ihn herum. Man möchte meinen das hier die Finale Szene aus "The Good, the Bad and the Ugly" Verwendung gefunden hat, mit dem Unterschied: Im Leone Film hatten alle 3 Duellanten gleiche Chancen (eigentlich nicht, Eli Wallach's Colt war leer). Bei Tarantino kann nur der Deutsche verlieren.
"One Silver Dollar" lehnt sich mit seinen Trompetenklängen an Morricone an, hat jedoch an dieser Stelle bereits durch Einsatz von Streichinstrumenten und Schifferklavier einen französischen Hauch zu bieten.
Jetzt ein Klassiker von Zarah Leander: "Davon geht die Welt nicht unter". Klasse, das Tarantino nicht stur auf amerikanische Tracks bestand. Den letzlich ist "Inglourious Basterds" auch eine Verneigung vor dem deutschen Kino der 20er Jahre. Nicht zuletzt dadurch findet hier ein Stück Verwendung, welches stark an "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" von der Marlene Dietrich erinnert. Deshalb hat auch die Figur des Emil Jannings wohl einen Gastauftritt in der finalen Szene.
"The Man with the Big Sombrero" ist ein rein französisches Stück. Ideal um das Gleichgewicht zwischen deutschen und französischen Einflüssen herzustellen.
"Ich wollt ich wär ein Huhn" erfordert Mut von Tarantino, aber in seiner schlichten Einfachheit passt eigentlich kein anderer deutschsprachiger Track auf dieses Album. Der Witz und die Unbekümmertheit die hier vermittelt werden sind klar diskrepant zum Inhalt des Films. Einfach Klasse!
Darauf folgen "Main Theme from the Dark Sun" sowie ein Bowie Titel "Cat People". Jeder Tarantino Soundtrack verzaubert dadurch das Musikstücke völlig verschiedener Genre's kombiniert werden. Woran andere scheitern gelingt Tarantino spielend: Mögen die Stücke noch so im Gegensatz zu den Morricone Stücken stehen, Bowie passt mit seinem Pop und psychedelischen Klängen einfach genial.
"Tiger Tank" von Lalo Schifrin ist ein Stück welches eine militärische Bedrohung nahezu allein durch die Akustik suggeriert. Marschtöne liefern den Grund für strenge Trompetensalven.
Den Abschluß bilden zwei Morricone Tracks: "Un Amico" klingt ein bisschen wie die anfängliche Zeilen von James Last' "Der einsame Hirte" (bekannt aus der Schlußszene von Kill Bill Vol.1) und "Rabbia e Tarantella" klingt wie eine düstere Version der Tarantella aus dem Paten. Eine Art Tango des Todes, der nach der Hälfte fröhlicher wird und sich ins schier unermessliche zu steigern scheint.

Fazit: Endlich kann man sagen, das Tarantino wieder alle Erwartungen erfüllt hat mit der Auswahl der Tracks auf diesem Soundtrack. Virtuos kombiniert er Genreuntypische Stücke, aber jedes einzelne so bestimmt ausgewählt das man meinen möchte das sie nur für diesen Film komponiert wurden. Und vergisst dabei, das viele Titel bereits schon seit langer Zeit existieren und Tarantino sie aus der Versenkung für alle nicht Kenner ins Licht zieht. Keiner versteht es das altbekannte und schon dagewesene so neu und meisterhaft zu Verbinden wie Tarantino. Zu Recht lässt er sich, sei es mit den Filmen oder mit seinen Soundtracks in keine Schublade stecken. Tarantino ist sein eigenes Genre.
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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 09.09.2009 13:32:23 GMT+02:00
jjm meint:
eine inhaltlich ungewöhnlich gute rezension. ich kann alles geschriebene nur unterstreichen! besonders der letzte satz hat mir gefallen :-)

Veröffentlicht am 18.10.2009 11:05:05 GMT+02:00
Alexander W. meint:
sehr gute rezension, wie ich finde. ich hab schon einbisschen reingeschnuppert und habe mal ne frage. und zwar habe ich auf youtube ein song gehört, den ich einfach genial finde. leider steht da nicht der titel. kann mir vielleicht jemand sagen wie dieser titel heißt und ob er auch auf der CD drauf ist!?

Link: http://www.youtube.com/watch?v=gDi6EIbPwAc

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.12.2009 17:04:21 GMT+01:00
SeviR1987 meint:
Kann mich nur anschlie0en - super Rezension! Tarantino-Soundtracks sind einfach immer klasse. Er macht sich die Sache aber ja stets recht einfach: Sucht sich einfach Tracks raus aus seiner "persönlichen Jukebox" und stellt sie neu zusammen und das ist dann der Soundtrack zum neuen Film.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.12.2009 11:33:37 GMT+01:00
Finde nicht, dass er sich die Sache einfach macht: Immerhin passt Tarantino die Stücke den jeweiligen Stimmungen (auch in konträrer Weise) an und stellt auch inhaltliche, zeitliche wie v. a. filmische Bezüge her - ich vermute schwer, dass alle Stücke explizit auf die entsprechenden Szenen angewandt werden. Und das ist nicht ohne ... Wie dem auch sei, ich schließe mich hier an: Toller Soundtrack!
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