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5.0 von 5 Sternen Walhalla und Cola-Automaten, 6. Juni 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der lange dunkle Fünfuhrtee der Seele: Dirk Gently's Holistische Detektei (Taschenbuch)
Bedauerlicherweise ist der Autor dieses Buches, der so geniale wie einzigartige Douglas Adams seit 2001 nicht mehr unter uns. Ich kann nur hoffen, dass es ihn irgendwohin in die von ihm beschriebenen Galaxien verschlagen hat, denn wenn es dort nur ansatzweise so ist, wie er sich das vorgestellt hat, dürfte er jede Menge Spaß und Abenteuer erleben. Man kommt einfach nicht umhin, über Douglas Adams zu schreiben, ohne seine "Per Anhalter durch die Galaxis"-Buchserie zu erwähnen. Von seiner mit dem "Der elektrische Mönch" begonnenen zweiten Serie um den Privatdetektiv Dirk Gently gibt es leider nur zwei Folgen, was umso bedauerlicher ist, da auch hier wieder auf jeder Seite die schier unerschöpfliche Phantasie des Autors aufblitzt. Douglas Adams schreibt sicherlich keine hochgeistige Literatur, die Themen seiner Bücher sind verspielt bis verrückt, nichtsdestotrotz kommt man nicht umhin zu bemerken, was für ein überaus talentierter und einfallsreicher Autor Adams ist. Sein Wortwitz, seine unglaublichen Ideen, sein beneidenswertes Talent, absurde Geschichten als völlig selbstverständliche niederzuschreiben, sucht meiner Ansicht nach seinesgleichen. Wer den Alltag einmal komplett abstreifen will, nichts Problembeladenes, Tragisches oder Wahres lesen will, dabei aber bestens amüsiert werden und sich geschätzte 300 Seiten lang in einem phantastischen Konstrukt aus Erkenntnis, Wahnwitz, Komik und Krimi verlieren will, der sollte definitiv alles lesen, was er von Adams in die Finger bekommen kann. Er wird fasziniert, überrascht und begeistert sein von dem, was er in Händen hält.

So geschehen (zumindest bei mir) auch bei der zweiten Geschichte um Privatdetektiv Dirk Gently, der im hier behandelten "Der lange dunkle Fünfuhrtee der Seele" wieder mit wahrhaft unglaublichen Vorgängen konfrontiert wird. Und auch hier fängt rein gar nichts harmlos an. Ach ja, bevor ich's vergesse: soweit ich mich erinnere, hat der Titel diesmal rein gar nichts mit der im Buch erzählten Geschichte zu tun, aber man weiß ja, dass die Engländer ein nahezu symbiotisches Verhältnis zu Tee haben, und Adams war Engländer.

Also, Kate Schechter steht am Flughafen London-Heathrow und will eigentlich nur nach Norwegen, zumindest glaubt sie, dass sie das will. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände kommt es im Folgenden aber zu einem, wie es später Flughafenbehörde und Presse einheitlich erklären, " Akt höherer Gewalt", nach welchem Kate im Krankenhaus erwacht und erfährt, dass ihr Abfertigungsschalter in Terminal 2 sich per Feuerball in Luft aufgelöst hat. Während sie noch dabei ist herauszufinden, ob das Ganze irgendetwas mit dem Typen vor ihr am Schalter zu tun hat, der cholerisch und flugticket- und kreditkartenlos ebenfalls nach Norwegen wollte, ist parallel Privatdektetiv Dirk Gently in London unterwegs zu einem Mandanten. Abgelenkt durch völlig konfuse Gedanken, in denen es hauptsächlich um seine Putzfrau und einen Kühlschrank geht, kommt Gently im wahrsten Sinne des Wortes viel zu spät zu seinem Mandanten, der mittlerweile kopflos im Sessel sitzt, während sich sein Kopf auf einem Schallplattenteller dreht. Nur nebenbei sei bemerkt, dass die Polizei erstmal von Selbstmord ausgeht...
Im weiteren Verlauf der Geschichte finden Kate und Dirk durch eine Reihe völlig unglaublicher Zufälle zusammen und machen sich an die Aufklärung des Todes von Gentlys Mandanten und der Explosion am Flughafen. Es stellt sich heraus, dass der Donnergott Thor und sein übermächtiger Vater Odin, der mittlerweile in einer psychiatrischen Klinik lebt und eine obsessive Vorliebe für Leinenbettwäsche entwickelt hat, in die Sache verwickelt sind. Fortan muss Kate einem kindischen und aufbrausenden Donnergott Manieren beibringen, während Gently hinter das Geheimnis seines Mandanten zu kommen versucht, dessen One-Hit-Wonder "Hot Potato" eine gewichtigere Rolle spielt als zunächst angenommen...

Menschen, denen Bandnamen wie "Faustkampf und der dritte autistische Kuckuck" einfallen, verdienen einfach meinen Respekt, auch, wenn es bescheuert klingt. Nein, gerade weil es so unglaublich bescheuert klingt. Wie kommt man auf so was? Unfassbar! Adams schafft es auch hier wieder, völlig absurde, abstruse und extrem unrealistische Vorkommnisse als das Normalste der Welt zu schildern. Natürlich gibt es Götter, und diese treffen sich gerne mal zum Fressen und Feiern im Bahnhof St. Pancras, der kurzfristig zu Walhalla umgewandelt wird. Natürlich hat der einäugige Odin eine Vorliebe für Leinen, natürlich verwandeln sich Schalterangestellte in Cola-Automaten, in was denn auch sonst? Das Unglaublichste wirft sich hier den Mantel stinklangweiliger Normalität über... glücklicherweise passt er nicht und sorgt somit für eine wunderbar verschrobene, seltsame, brüllkomische und phantastische Geschichte. Natürlich ist das ab und an albern, aber da das alles, wie gesagt, so herzerfrischend normal und selbstverständlich daherkommt, sieht man die Dinge schon nach ein paar Seiten mit denselben Augen wie Adams. Umso bedauerlicher, dass die seinen für immer geschlossen bleiben werden.
Ich kann auch hier nicht anders als volle fünf von fünf heißen, mit Sahne und Zucker verfeinerten Tassen Tee einzuschenken. Well done, Adams. Slainte!
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