Kundenrezension

25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine ungewöhnliche Sichtweise, für die es Zeit wurde, 21. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die geheim gehaltene Geschichte Deutschlands - Vom Ersten Weltkrieg bis zur Wiedervereinigung (Band 3) (Kindle Edition)
Das dreibändige Werk erhebt den Anspruch, die geheim gehaltene Geschichte Deutschlands, also den von Historikern bis heute verschwiegenen Teil darzustellen. Folgerichtig beginnt der erste Band mit der Darstellung des Unterganges des Römischen Reiches und reicht bis zum Beginn der Neuzeit, Band 2 schließt an und führt bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs, der dritte Band betrifft den Zeitraum bis zur Wiedervereinigung.
Der erhobene Anspruch wird – ungeachtet der Richtigkeit vieler Detailaussagen – nicht erfüllt, denn die geschichtlichen Fakten, sind großteils bekannt und keineswegs „geheim“, wenn gleich zuzugestehen ist, dass sie selten in so komprimierter Form konsequent dargestellt werden. Als störend habe ich die doch sehr saloppe und flapsige Sprache empfunden, die dem Buch einen Teil seiner Seriosität und seines Wertes nimmt. Insbesondere der zweite und der dritte Band leiden erheblich darunter. Beispiele aus dem zweiten Band: „Unter den fürstlichen Hintern war ein Feuerchen angezündet worden, das es ...“. „Einige Fürsten packten ihre sieben Sachen und gaben Fersengeld“. „Bismarck schäumte“. Die häufige Verwendung des Begriffes „Mischpoke“ ist ein weiteres Beispiel. Das heißt nicht, dass man in trockene Gelehrtensprache verfallen muss.

Kleinere sachliche Fehler (die Magna Charte aus dem Jahre 1215 wurde beispielsweise in das Jahr 1216 verlegt; negative Aussagen über die Sozialdemokratie „Ratten im Lande“ werden zum einen in das Jahr 1893 und an anderer Stelle auf das Jahr 1897 datiert) dürften Übertragungsfehler sein. Sie fallen aber auf und erwecken den Eindruck eines laxen Umganges mit Fakten.

Bedauerlicher ist da schon, dass es romantisierende Illusionen und sachliche Fehler bzw. Auslassungen gibt, die dem angestrebten Ziel des Buches nicht gerecht werden. So heißt es in Band 3: „Nazis wurden glücklicherweise radikal abserviert.“ Wenn dem mal so wäre. Eine wesentliche Stütze des Regimes waren die Juristen. Keiner von ihnen wurde bestraft. Im Jahre 1954 übernahm der Bundesgerichtshof eine Rechtsprechung des Reichsgerichts zum vergeistigten Gewaltbegriff, die bis heute unkritisch von Juristen nachgeplappert wird, obwohl es sich um einen Verstoß gegen das auch damals bereits geltende Verbot der Analogie im Strafrecht handelte, der begangen wurde, um ein Todesurteil zu rechtfertigen, wie man in dem Buch „Furchtbare Juristen“ von Ingo Müller nachlesen kann, der das Urteil mit seiner Fundstelle genau zitiert. Auch im übrigen war es mit der sogenannten Entnazifizierung nicht weit her. Bis in die siebziger Jahre war Karl Larenz Pflichtlektüre in der Juristenausbildung, obwohl er Direktor der NS-Parteihochschule war; auf jedem Richtertisch stand der Kommentar von Eduard Dreher, der als Kriegsrichter in Innsbruck noch in den letzten Kriegswochen sechs mehr als zweifelhafte Todesurteile verhängte. Diese Beispiele ließen sich noch einige Zeit fortsetzen. Auch die Tatsache, dass der Nazi Globke in der Bundesrepublik in eine hohe Politische Position gelangte, findet nicht einmal Erwähnung.

Dass die „deutschen Spitzenwissenschaftler“ nach Kriegsende in die Siegerländer abgewandert waren, ist bekannt. Auf der Grundlage des erhobenen Anspruches des Buches hätte man sich aber den deutlichen Hinweis gewünscht, dass diese Kräfte, obwohl sie auch dem Nationalsozialismus häufig nicht fern oder ablehnend gegenüberstanden, wie das Beispiel Wernher von Braun zeigt, angeworben wurden, weil es dem zukünftigen Machterhalt nutzte.

Psychiater als Stütze des Systems werden angesprochen, aber zu unkritisch, denn wie viele von ihnen wurden nach Kriegsende bestraft? Wäre sonst ein Fall Mollath wirklich möglich gewesen, wenn man gegen die willfährige Denkweise von Psychiatern wirklich vorgegangen wäre ? Denn wer hat die heutigen Psychiater ausgebildet ?

Die Bewertung des geschriebenen Grundgesetzes als eine der klügsten Verfassungen der Welt ist zutreffend, aber wünschenswert wäre ein Hinweis auf die Tatsache gewesen, dass es seit 1967 kontinuierlich ausgehöhlt und sukzessive abgeschafft wurde.

Abschließend noch der Hinweis, dass sich SPD und KPD in den russisch besetzten Gebieten nicht zusammengeschlossen haben, wie es im Buchh heißt, sondern zwangsweise vereinigt wurden, und dass die CDU in ihrem Ahlener Programm von 1947 in Einzelpositionen sogar links von der SPD stand. Auch dies wird nicht erwähnt und erzeugt unnötig ein schiefes Bild.

Deshalb verdient dieses durchaus lesenswerte Buch, das zu Recht auf die Tatsache hinweist, dass sich Geschichte nicht „ereignet“, sondern „gemacht“ wird, nur drei Sterne.
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