Kundenrezension

14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen spannend und mit Fragezeichen, 1. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Wurde Amerika in der Antike entdeckt?: Karthager, Kelten und das Rätsel der Chachapoya (Gebundene Ausgabe)
Respekt, Anerkennung und ein großes Dankeschön an den Autor dieses Buches. Die Theorie, die von Hans Giffhorn hier vertreten wird, ist nicht neu. Seit Jahren gibt es Spekulationen darüber, woher das Volk der Chachapoya im Norden der peruanischen Anden stammt. Aber im Gegensatz zu allen bisherigen Vertretern der Einwanderungstheorie belässt es Giffhorn nicht bei Vermutungen und Behauptungen. Akribisch hat er in den letzten Jahren alle Informationen zusammengetragen, die dazu dienen können, seine These zu belegen oder auch zu widerlegen.
Giffhorn hat erkannt, dass er sich Verbündete suchen muss, um seine These hieb- und stichfest zu präsentieren. Seit Jahrzehnten arbeitet die internationale Archäologie mit einer Vielzahl von anderen Wissenschaften eng zusammen, weil sich nur so die vielen komplexen Zusammenhänge erkennen lassen, die eine bisher unbekannte Kultur ausmachen. Giffhorn hat das erkannt und scheut sich nicht davor, so viele Fachleute wie möglich in seine Forschungen mit einzubeziehen.
Nach Jahren intensiver Forschung präsentiert er nun auf knapp dreihundert Seiten, zusammen mit aussagekräftigen Karten und zahlreichen Abbildungen seine Forschungsergebnisse in einem Buch, eine Fernsehdokumentation wird folgen. Giffhorn listet exakt alle Fakten auf, die ihn zu der Annahme veranlassen, zu glauben, dass das Volk der Chachapoya aufgrund einer Einwanderung aus Europa/Nordafrika seine Wurzeln zum Teil in der Antike der Alten Welt hat. Er verweist auf steinerne Bauten im Andenhochland, rote Haare bei der indianischen Bevölkerung, Tuberkulose-Funde, Schädelkult, eine besondere Form der Steinschleuder, Spiralmuster, figürliche Darstellungen, Totenkult und mehr. Akribisch untersucht er jeden einzelnen seiner Belege und präsentiert im Ergebnis eine Arbeitshypothese, die es in sich hat:
Danach hat sich am Ende des 3. Punischen Krieges, der mit der Niederlage der Karthager gegen das Römische Reich endete, eine Gruppe von Karthagern, Kelten und Einwohnern von Mallorca per Schiff auf den Weg nach Südamerika gemacht, der den Karthagern zu dieser Zeit bereits bekannt war. Über eine Zwischenstation im Amazonasdelta gelangten diese Auswanderer den Amazonas flussaufwärts bis ins peruanische Andenhochland und vermischten sich dort mit der einheimischen Bevölkerung.
Und als die Inka das Territorium der Chachapoya erobern wollten, trafen sie auf großgewachsene, zum Teil hellhäutige Krieger, die ihnen mit größerem Mut entgegentraten, als alle Gegner bisher.
Weil der Autor bei seinen Forschungen erkannt hat, wie vehement sich viele gegen die von ihm vertretene These stellen, hat er alles versucht, um Ungenauigkeiten auszumerzen und um klare Belege zu präsentieren. Die Liste seiner Indizien und Belege ist beeindruckend und zeigt, dass sich Giffhorn und seine Mitstreiter die Arbeit nicht leicht gemacht haben. Aber neue Theorien haben es immer schwer – und es gibt noch eine ganze Anzahl von Streitpunkten in der hier vorgelegten Beweiskette:
So behauptet der Autor, dass es nur bei den Chachapoya und nirgendwo sonst steinerne Rundbauten in Amerika gäbe. Dabei liegt ein Gegenbeispiel gar nicht so weit entfernt: denn die Tairona-Kultur in Kolumbien ist für ihre steinernen Hausfundamente bekannt - und auch dort gibt es runde Bauten.
Auch verweist der Autor auf die Spirale als besonderes Merkmal der Chachapoya-Kultur. Doch gerade die Spirale tritt beispielsweise an der peruanischen Küste bei der Nasca-Kultur sehr oft auf – und nicht nur dort. Ebenso ist das Argument, dass die Chachapoya-Festung Kuelap plötzlich wie aus dem Nichts auftaucht nicht ganz nachvollziehbar. Auch die Pyramide von Caral hatte anscheinend keine Vorgängerbauten in dieser Dimension. Zudem präsentiert Giffhorn einige wichtige Funde (Schädel mit Trepanationsöffnungen, bronzene Axt), deren Herkunft leider nicht eindeutig ist weil sie nicht in einer wissenschaftlich dokumentierten Grabung gefunden worden sind. Dadurch wird der Spekulation zu viel Raum gegeben.
Schwierig scheint mir auch die Einordnung der im Buch genannten Amazonas-Keramik. Hier nur aufgrund von Mustern zu vermuten, diese Keramik müsste europäisch beeinflusst sein, ist eine These, die auf sehr wackligen Füßen steht. Und wenn gesagt wird, dass die Chachapoya-Keramik deutliche Einflüsse aus dem Amazonasgebiet zeigt, dann sollte nicht vergessen werden, dass die südamerikanische Keramik ihren Ursprung grundsätzlich im Amazonasgebiet hat. Vom Amazonas aus hat sich die Keramik über ganz Südamerika verbreitet.
Der Leser muss sich vor Augen halten, dass die von Giffhorn angesprochenen Kulturparallelen im Grunde genommen nichts aussagen. Denn genauso gibt es angeblich eindeutige Kulturparallelen zwischen China und Mexiko. Und trotz der berühmten Flotte des Admirals Zheng He lassen sich solche Beziehungen bis heute nicht belegen.
Hingegen sind andere Fakten nicht von der Hand zu weisen: für die roten Haare gibt es mittlerweile sogar DNA-Tests und man kann viele der oben genannten Belege in zweierlei Hinsicht deuten.
Trotz einiger Schwächen in der Argumentation hat Hans Giffhorn hier eine spannende Geschichte präsentiert und es bleibt abzuwarten, ob sich noch mehr und vor allem überzeugendere Belege für die von ihm vorgestellte Theorie finden lassen. Spannung und viel Stoff für Diskussionen bietet dieses Buch auf jeden Fall.
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Mario Koch
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