Kundenrezension

114 von 114 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein eigenartiges, aber sensationelles Konzert in der Münchener Olympiahalle!!, 14. September 2006
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Live in Munich 1977 (Audio CD)
Es war an einem ziemlich nebligen Oktoberabend in München, der unverhofft zu dem kuriosesten Konzertabend wurde, den ich jemals erlebt habe.
Dabei begann der Abend wie jedes gute Konzert beginnen sollte. Gut, die Olympiahalle war schon damals kein Garant für eine 'kuschelig-intensive' Konzert-Atmosphäre, aber die Stimmung war von Anfang an ausgelassen, dass Bier floss in Strömen und auch die drittklassige Vorgruppe (Kingfish hießen die und zum Glück hat man später nichts mehr von denen gehört...) konnte die gute Stimmung nicht drücken.
Wohl aber warteten die Leute auf Rainbow. Nachdem bis 22:00 Uhr die ganze Olympiahalle lautstark 'Rainbow-Rainbow' und 'Blackmore-Blackmore' intonierte, traute sich dann doch einer der Veranstalter auf die Bühne und erklärte, dass Blackmore zwei Tage zuvor in Wien eine kleinere Auseinandersetzung mit einem Ordner hatte und deswegen von den österreichischen 'Staatsorganen' arrestiert wurde.
Buh-Rufe ohne Ende!
Dann weiter: Blackmore sei aber am Abend gegen Kaution freigekommen und mit einem Mietwagen auf dem Weg nach München; würde aber erst nach Mitternacht erwartet werden.
Viele enttäuschte Gesichter, weitere Buh-Rufe...
Dann wurde für die Leute, die nicht bleiben konnten, eine Rücknahme der Konzert-Tickets angeboten. Die Buh-Rufe versiegten.
Auf Grund dieses Angebotes leerte sich die Olympiahalle innerhalb einer Stunde merklich und trotz ständig vom Band laufender Rainbow-Takes wurde es ziemlich langweilig. Die Stimmung sank und bis Mitternacht verließen dann doch noch mehr Leute die Halle, als man eigentlich annehmen durfte. Die Zahl der 'Bierleichen' nahm dagegen zu...
Die verblieben Leute hatten (leicht untertrieben) in einem großzügigen Halbkreis locker Platz um die Bühne. Die riesige Halle war ziemlich leer geworden. Viele (da nehm' ich mich nicht aus) waren sich auch gar nicht mehr sicher, ob wir da noch ein richtiges, vollwertiges Konzert erleben durften...
Diskussionen über Diskussionen.
Dann kam endlich Leben in die Bude. Es hieß, der Chef wäre eingetroffen. Sofort verwandelte sich die Halle in ein Tollhaus. Dennoch dauerte es noch eine ganze Weile und unzählige 'Rainbow-Rainbow-' und 'Blackmore-Blackmore-Chöre' bis die Band endlich auftrat. Da ging es, glaub' ich, schon auf 1:00 Uhr Morgens zu.
Dafür legte die Band dann ein Konzert hin, dass sich gewaschen und so wohl keiner mehr erwartet hatte!
Blackmore merkte man eindeutig an, wie sauer er war; der drosch in die Saiten, dass es nur so krachte! Vor allem das Intro zu 'Mistreated' ging einem direkt vom Ohr ins Rückenmark.
Dass war sensationell!!
Bis heute die beste 'Mistreated-Version' die es gibt. Im Großen und Ganzen auch immer noch mit das beste Blackmore-Konzert, bei dem ich dabei sein konnte. Auch wenn der 76er Gig der Band im Zirkus-Krone schon erstklassig war, er wurde am 20.Oktober des Folgejahres (trotz kleiner Schwächen) getoppt! Dieser Auftritt war halt einfach ein ganz Besonderer!
Da störte selbst der nächtliche, beinah sechs Kilometer lange Fussmarsch nach Hause (Taxi war doch zu teuer...!) nicht die Bohne.

Aber nach all der, bis heute reichenden, Euphorie über diesen merkwürdigen Gig soll eine halbwegs objektive Rezension der, jetzt endlich offiziell erhältlichen, DoCD folgen.
Da möchte ich mich aber, nach der langen Vorgeschichte, eher kurz halten: Dieser Live-Mitschnitt ist, mit Abstrichen (ja, die muss man machen!) von vorne bis hinten höchst bemerkenswert und kann auch den Rainbow-Fans empfohlen werden, die schon alle Live-Aufnahmen der Band im CD-Regal stehen haben. Trotz der eher geringen Besucherzahl ist die damalige Stimmung super eingefangen. Ebenso gibt es an der Auswahl der Titel nichts zu mäkeln.
Klar: Rainbow '77 war nicht mehr die gleiche Band wie 1976. Dass ist hör- und spürbar und damit muss(te) man leben. Dass 'Stargazer' fehlt finde ich persönlich (für mich waren immer 'Mistreated' und 'Catch the Rainbow' die Höhepunkte des Abends) nicht weiter tragisch; das Stück ist ja nun auf den 76er Scheiben ausreichend dokumentiert.
-Dafür gibt es auf diesem Album erstmals ein stimmungsvolles 'Long Live Rock 'n' Roll'!
Was diese DoCD gegenüber den anderen Rainbow-Live-Scheiben so besonders macht ist in erster Linie Richie Blackmores aggresive Spielweise. -Der war echt stinkig an diesem Abend...!

So, nun kommen wir zu den wenigen Negativpunkten: Bei so einer Laune kommt es gern mal zu ein paar Fehlgriffen. Da ist auch mein Lieblings-Gitarrero nicht gegen gefeit. Ist aber verschmerzbar. R.J.Dio wirkte damals etwas müde (kein Wunder, nach all dem Hickhack); dass hört man stellenweise auch ein bisschen, ist aber längst nicht so gravierend, dass man daraus einen Nachteil ziehen müsste. Auch der neue 'Gastmusiker' an den Tasten war offensichtlich noch nicht ganz sattelfest (siehe Intro zu 'Still I'm Sad').
Der einzige, dem diese ganze Hektik und Aufregung im Vorfeld nicht anzumerken war, war Cozy Powell. Der trommelte auf Teufel komm raus. Breit, wuchtig und präzise. Ein echtes Drummer-Tier halt!
Was weiterhin etwas nervt und schon angesprochen wurde, sind die unnötigen Schnitte (zwischen den Songs) und vor allem das fehlende Intro. Wobei: Letzteres ist ohnehin Sakrileg!
Aber vielleicht schielte man dabei ja auch ein bisschen auf die Verkaufszahlen der DVD zu diesem Konzert, denn da ist ja nun alles drauf:
Von 'Toto, I'm feelin'we are not in Kansas anymore' bis hin zum 'Gitarren-Mord' am Konzertende.
Was mich im Nachhinein am meisten stört ist die übersteuerte Anlage. Im Konzert damals hat das zwar kein Mensch gemerkt bzw. gehört, aber auf den beiden CDs stösst mir das doch ein bissl sauer auf (auf die DVD trifft das wegen des anderen Aufnahmeverfahrens nicht zu). Allerdings und zum besseren Verständnis für alle, die damals nicht dabei waren: Es gab für die Band keine Möglichkeit zu einem Soundcheck! In der, nicht gerade für ihre Akustik berühmten, Olympiahalle aber dann so drauflos zu rocken ist schon auch ein Zeichen großen Selbstbewusstseins und kann der Band rückwirkend nur anerkannt werden.
Unter den Titeln möchte ich, neben dem sensationellen 'Mistreated' vor allem noch 'Catch the Rainbow' (wie immer ein Hochgenuss!) hervorheben. Das lange und doch kurzweilige 'Still I'm Sad' habe ich vom Konzert her ein bisschen besser in Erinnerung (liegen aber auch fast 30 Jahre dazwischen!). Hier brilliert in seinem Solo einer der größten Drummer aller Zeiten; Spitzenklasse!
Dass etwas ELP-mäßige Keyboard-Solo (nicht Intro) von D.Stone hingegen ist zwar interessant, aber ehrlich gesagt kein Vergleich zu den Fähigkeiten eines Tony Carey.
Ein wirklicher Kracher ist dann aber wieder 'Do you close your eyes'! Vor allem das fette Strat-Intro zeigt Ritchie Blackmore at his best! Die Nummer braucht, abseits des genialen Intro's, ein wenig bis sie zündet, aber dann entfacht sie einen zerebralen Flächenbrand.
-Blackmore: Einer der besten Rückwärtsspieler bulgarischer Folklore... -Hammerhart!!

Fazit: Wer ein aufnahmetechnich sehr gutes Live-Album von Rainbow möchte, der sollte lieber zur 'On Stage' oder zur sehr guten 'Live in Köln 1976' greifen (letztere bietet auch ein komplettes Konzert!).
Mit der 'Live in Munich 1977' erwirbt man, versteht und akzeptiert man die Vorgeschichte vor allem in punkto Aufnahmetechnik, ein grundsolides und stimmungsvolles Live-Album mit einem Blackmore im, sagen wir mal, Ausnahmezustand.
Packende Tracks mit all den fetten Riffs und Arpeggien, die den 'Meister' so berühmt und beliebt machten. Für alle Freunde und Fans der Band dürfte 'Live in Munich' in jedem Fall ein empfehlenswertes und packendes Live-Album sein! Dafür gibt es, trotz der kleinen Schwächen, die volle Punktzahl.
Die Gänsehaut und die vielen Erinnerungen an damals sind mit Sternen ohnehin nicht zu bewerten.
-Mann, was war das für eine geile Zeit!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
 

Kommentare


Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-10 von 10 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 14.01.2011 17:38:04 GMT+01:00
omega1992 meint:
Kann es sein dass die Cd in Mono ist? Die Instrumente und auch der Applaus sind jedenfalls sehr eng beieinander finde ich

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.01.2011 19:46:59 GMT+01:00
grisu-zu meint:
Nee, die DoCD ist Stereo. Die DVD müsste in Mono sein.
Wobei dich das nicht abschrecken sollte, denn insgesamt ist der Sound der DVD ausgewogener.
Letztlich würde ich heute (und im Gesamten betrachtet) die DVD dem Album vorziehen.
Sie zeigt das ganze Konzert und die kleinen Bildschwächen sind m.A. nach hinnehmbar.

Und lass dich von "Mono" nicht abschrecken. Gibt Aufnahmen, die in Mono wesentlich besser sind, als in der späteren Stereo-Version.

Veröffentlicht am 20.12.2011 16:01:04 GMT+01:00
Poeschl2 meint:
was für eine wunderbare Rezension, man fühlt sich beim Lesen ja fast so, als wäre man damals selbst dabeigewesen und hätte mir einem Bierchen in der Hand sehnsüchtig auf Meister Blackmore's Ankunft gewartet ...vielen Dank dem Autor für diesen schönen Exkurs in die "gute, alte Zeit"...und auch das Konzert bzw. der hier vorliegende Live-Mitschnitt von München 1977 ist ein kleines, aber wirklich feines Stückchen Rock'n'Roll-Geschichte...merci Mr. Blackmore, merci Grisu-Zu... :-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.08.2012 13:51:07 GMT+02:00
grisu-zu meint:
Thx!!

Veröffentlicht am 13.02.2013 15:49:48 GMT+01:00
metalfan meint:
kann mich Poeschl 2 nur anschließen: eine Super Rezi!!

Veröffentlicht am 09.04.2013 13:44:41 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 09.04.2013 13:52:24 GMT+02:00
Dr. Rock meint:
Hut ab ! Habe selten eine so geile und fesselnde Rezi gelesen !
Das trifft sowohl auf die Exkursion in die Rockgeschichte der 70er Jahre wie auch auf die Besprechung der Live-DoCD zu !
Aber da ich Rainbow im September 1976 im Alter von 19 Jahren in Nürnberg gesehen habe, kann ich mich in die Schilderung der Ereignisse von "grisu-zu" sehr gut hineinversetzen ! Auch dieses Nürnberg-Konzert ist auf einer Live-DoCD veröffentlicht worden !
Ja, ja - war schon eine verrückte und geile Zeit damals ! Wirklich schade für all diejenigen, die das alles (geburtenbedingt) nicht "live" miterleben konnten !
Yeah - Long Live Rock & Roll !

Dr. Rock

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.04.2013 00:28:17 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 11.04.2013 00:37:31 GMT+02:00
grisu-zu meint:
Yep! Er lebt. Lang und für immer!
Aber auch wenn die geburtsmäßig Benachteiligten den scheinbar schwarzen Peter zugeschoben bekommen - es ist nicht recht.
Mein Großer ist jetzt 16 Jahre alt, spielt saumäßig gut Gitarre.
Geh' mal mit so'nem Jungen auf ein ROB TOGNONI Konzert, zu den DRIVE BY-TRUCKERS, LYNYRD SKYNYRD oder zu THE BREW - dass sind Konzerterlebnisse, die teils heute noch Geschichte schreiben - würde man diese endlose Verdummungskakophonie a la Bohlen oder Song Contest unbeachtet lassen.
Wichtig ist: Es bleibt was hängen - und dass ist genau das was zählt.
Ist erst mal Blut geleckt dann geht was vorwärts und es spielt keine Rolle mehr, ob unsere oder die heutige Zeit verrückt war/en.
In dem Sinne: Long Live R'n'R!
Horns up, Grisu

Veröffentlicht am 20.10.2013 20:21:28 GMT+02:00
Mumpitz meint:
Bin schwer begeistert von dieser Rezension, die dieses aussergewöhnliche Konzertereignis und dessen Entstehung authentisch und supergut beschreibt - so muss das sein! Den Spruch: "Blackmore: Einer der besten Rückwärtsspieler bulgarischer Folklore... -Hammerhart!!" habe ich auch nicht gehört, ist aber genauso treffend.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.10.2013 00:48:24 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 24.10.2013 00:54:58 GMT+02:00
grisu-zu meint:
Danke auch an dich!

Es liest sich immer recht lustig-(trocken) mit der Bulgarischen Folklore, aber immerhin lauschte Blackmore wo immer er konnte am Mittelwellen-Rohr um sich da, in Noten!, so viel wie möglich abzukritzeln.
Ob er's dann vorwärts oder rückwärts spielte war ja einerlei.
Abseits eines, für die 70er Jahre, völlig unbekannten Informationsquell, musste man erstmal auf diese Idee kommen und aus jenen, oft eintönigen Frauengesängen Riffs und Arpeggien zu schreiben, die selbst heute noch Weltruhm genießen.

Wie Blackmore das für sich (und uns) nutzte, ohne dass hier auch nur einer seiner Fans, jenseits der den Balkan durchquerenden Donau, irgendein Tune mitbekam, ist durchwegs bemerkenswert.
So eben auch beim Preludium von "Do you close..."

Aber was red' ich hier... die meisten von euch teilen sich diese Jahre 1:1 mit mir und ich möchte wetten, dass ich nicht der einzige bin der diese Endsiebziger als seine (in allen Belangen!!) besten Jahre bezeichnet.

Horns up an euch alle und thx, Grisu

Veröffentlicht am 18.01.2014 16:08:06 GMT+01:00
Die beste Rezi, die ich bislang bei Amazon lesen konnte! Danke für dieses Musikgeschichtchen!
‹ Zurück 1 Weiter ›

Details

Artikel

Rezensentin / Rezensent