Kundenrezension

37 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen atmosphärisch-dich, psychologisch-kriminalistisch, 15. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Jung, blond, tot: Julia Durants 1. Fall (Knaur TB) (Taschenbuch)
Der Roman hat über 500 Seiten und ist atmosphärisch-dicht und ohne Längen geschrieben!

Die Morde werden grundsätzlich für den Leser in Form des Autopsieberichtes wiedergespiegelt, also schriftlich unblutig und gewaltlos. Nur ein einziges Mal, gegen Ende, wird ein Mord an einem Mädchen aus Sicht des Täters geschildert, was heftig ist, aber nicht textlich ausgeweidet wird. Kurz und prägnant.

Die Hauptermittlerin ist Kommissarin Durant, die vorher bei der Sitte war und erstmalig bei der Mordkommission eingesetzt wird, weil sie unabhängig von ihrer guten Ausbildung ein Gespür für Opfer und Täter hat, viel Erfahrung mit Sexualdelikten und einfach eine sehr spezielle und von Erfolg gekrönte Ermittlungsarbeit leistet. Sie ist mehr als eine gute Polizistin. Darüber hinaus ermittelt sie mit Kommissar Schulz, dessen Tochter auf der Kinderonkologie liegt und mit seinem Leben kämpft, was ihn im Buch immer rarer werden lässt. Berger ist der Kopf, also der Chefermittler, der sich allerdings auf die Büroarbeit beschränkt und das Ausarbeiten am Platz.
Der Ton der Ermittler untereinander ist salopp und zuweilen bissig, also nicht harmonisch und auch nicht sehr diszipliniert. Durant versucht den richtigen Weg stets beizubehalten.

Die Szene ist Frankfurts Oberschicht, also die High-Society, Geld und Macht stehen an oberster Stelle, gefolgt von "um jeden Preis sein Gesicht waren", dazugehören, egal, was es kostet.
Aber auch die andere Seite wird im Extrem wiedergespiegelt, nämlich Suff, Gestank, Armut, Verkommenheit und Gleichgültigkeit.
Ein wenig vermisst habe ich die normale Schicht, ABER, Franz bleibt sich durch den gesamten Roman treu. Er will in diesem Buch in erster Linie von der Oberschicht erzählen. Korruption, Gewalt, Macht und Schweigen sind da nunmal an der Tagesordnung. Für den Leser, der aus normaler Schicht kommt, geregelt arbeitet, keine Drogen nimmt und auch nicht alkoholsüchtig ist oder pedofile Neigungen hat, ist es anfänglich etwas ungewohnt, sich in dieser Welt zu bewegen und einzutauchen. Franz präsentiert einem diese Welt ungeschminkt und überlässt dem Leser, ihm zu folgen, sich einzufinden, sich diese Welt für 500 Seiten als zweite Haut überzulegen, um nachvollziehen und begreifen zu können. Wer das nicht kann, wird den Roman wahrscheinlich die ganze Zeit über mit gemischten Gefühlen lesen und sich nicht fallen lassen können, was aber wichtig ist. Für ein paar Stunden sollte der Leser eintauchen können, dann erfährt man eine unglaubliche Atmosphäre, sehr ausgeprägte Charaktere aus allen Lebensbereichen, den typischen Slang an der Oberfläche, der schnell wechselt, wenn Kommissare "wühlen".

Man rät und rätselt und Franz legt gekonnt Spuren, die den Leser im Glauben lassen, natürlich schon längst zu wissen, wer der Psychopath ist. Aber von wegen. Durch die ständig welchsenden Schauplätze und Personen, die alle spannend, zielstrebig und ausführlich beschrieben werden, kommen immer neue Möglichkeiten in Betracht und man grübelt trotzdem weiter. In manchen Büchern sind diese "Schwenks" von einem Schauplatz zum anderen oder zwischen den Personen hin und her lästig und langweilig. Da wird es gerade spannend und schon kommt der schwenk. Franz macht das sehr gekonnt. Der neue Beginn ist sofort wieder spannend und lenkt einen ab. Es gibt kein Durcheinander. Man kommt nicht durcheinander. Man behält die Personen gut im Kopf, kann sie auseinanderhalten und ihnen Eigenschaften zuordnen. Ein Bild entsteht, ein Puzzle zeigt sich.
Der Mörder wird ca. 70 Seiten vor Schluss entlarft, aber damit ist die Luft nicht raus, ganz und gar nicht. Es geht weiter und zwar spannend. Also kein Frustende!

Jeder Franz ist anders und doch sind sie sich so ähnlich. Franz schreibt stets atmosphärisch dicht, psychologisch interessant, mit charakterlich gut dargestellen Personen, auch wenn Slang und Sprache mal anders sind, als "wir normalen" es so gewohnt sind. Aber diese Welt gibt es nunmal. Franz kann 500 Seiten ohne Längen schreiben, ohne zu verwirren, ohne zu übertreiben und auch ohne wegzulegen.
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