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Kundenrezension

37 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Achduschreck!, 23. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Brand Sense: Warum wir starke Marken fühlen, riechen, schmecken, hören und sehen können (Gebundene Ausgabe)
Vor einigen Jahren hab ich BRAND sense" nach einem Lebensmittel-Kongress in Frankreich, bei dem das Buch als populäre, gut verkaufbare Mischung aus Unsinn und Wahrheit diskutiert worden ist, gelesen und gleichgültig den Kopf geschüttelt: Was soll der Hype darum? Anlässlich einer zweiten Lektüre anhand der deutschen Übersetzung 6 Jahre später jedoch mischt sich in meine Gleichgültigkeit doch beträchtlicher Ärger. Warum? Um es auf den Punkt zu bringen: Es strotzt das Buch nur so vor falschen und irreführenden Analogien, Bildern, Einschätzungen, Beispielen und schlichtweg falschen Behauptungen. Es ist mir ein Rätsel ist, wie dieses Buch zu einem so großen Erfolg werden konnte und warum durch die Übersetzung der Erfolg prolongiert werden soll. Die haarsträubenden Fehlinformationen, die Lindstrom verbreitet, gipfeln m.E. in der Beschreibung der legendären Zungenlandkarte [51], die seit sage und schreibe 1974 widerlegt ist. Auch die abstruse Behauptung, unser Gehirn funktioniere wie ein "Videorecorder mit fünf Spuren" [17] für die fünf Sinne ist grundfalsch - es ist erstaunlich: der Mann hat keine Ahnung von den Grundprinzipien des Wahrnehmungsprozesses. Die Behauptung, es gäbe keine Marke, die alle fünf Sinne anspräche [179] wird in jedem Supermarkt sofort widerlegt; dort findet man dutzende, ja hunderte solcher "Marken"! Seine Ausführungen über das Zusammenspiel von Geschmack und Geruch [53] sind verworren und dilettantisch, man würde sie nicht mal in einer Bachelorarbeit akzeptieren, denn die Begrifflichkeiten sind dem Autor offensichtlich unklar. Das lang ausgeführte Erfolgsbeispiele Nokia [58ff] desavouiert angesichts der jetzigen Situation Nokias die Grundidee Lindstroms. Die sprudelnde Gedankenlosigkeit des Autors zeigt sich auch in komischen Formulierungen wie: "In Wirklichkeit prasseln 24 Stunden täglich visuelle Informationen über uns herein." [112]. Soso, 24 Stunden aber nur in der hyperaktiven Welt Lindstroms, in der man anscheinend nicht schläft. Pierre Bourdieu wird als Psychologe bezeichnet (166) - falsch. Es gibt wahrscheinlich keinen berühmteren Soziologen als Pierre Bourdieu. Die Lebensmittelbranche wird als "sensorischer Trendfolger" bezeichnet (185). Das ist falsch, die Lebensmittelindustrie arbeitet mit dem, was L. als sensorische Markenführung bezeichnet, seit Jahrzehnten, wenn nicht schon länger. Usw. usf. falsche und problematische Aussagen finden sich fast auf jeder Seite.
Aus meiner Sicht zeigt sich im Erfolg dieses Buchs, dass Teile der Marketing-Branche keine Ahnung von Sensorik und naturwissenschaftlichen Grundlagen der Wahrnehmung haben. Anfang des 21. Jahrhunderts scheinen aber manche Marketing-Leute bemerkt zu haben, dass ihnen die Sensorik-Wissenschaftler den Rang ablaufen und haben daraufhin versucht, sich die Erkenntnisse der Sensorik- und Konsumentenwissenschaften - ja: "unter den Nagel zu reißen". Denn was Lindstrom da so großartig und unverschämt als seine "einzigartige" Forschung, ja eine "Pilotforschung" beschreibt, ist das gerade nicht. Langelange vor ihm schon ist genau dieses Fachgebiet beforscht worden und Lindstrom braucht nur die wissenschaftlichen Literatursuchmaschinen benutzen, dann findet er vieles, was er noch wissen muss. Offensichtlich hat Lindstrom aber nur marginale Kenntnisse vom 2005 aktuellen Forschungsstand in dem Gebiet, über das er schreibt. Schade eigentlich, denn man muss natürlich auch festhalten, dass manches Grundlegendes in diesem Buch schon auch richtig ist. Ich denke da vor allem an die gebetsmühlenartig vorgetragene Hypothese, dass eine multimodale sensorische Ausrichtung von Produkten erfolgversprechender ist als eine Beschränkung auf das Visuelle.

Ich muss den verehrten Amazon-KundInnen raten, das Buch - wenn es denn sein muss - sehr kritisch zu lesen und sich nicht vom jugendlich wirkenden Enthusiasmus des Autors beeindrucken zu lassen.

PS: Achja! Als alter Proust-Leser muss ich dagegen protestieren, dass Proust mit seinen "Memoiren Popularität erlangt" [130] hätte. So ein Unsinn! "A la recherche du temps perdu", in dem die Verknüpfung zwischen Gerüchen und Emotionen bzw. Erinnerungen (Stichwort: Glücksgefühl und Erinnerungen durch Madeleine und Tee) am eindringlichsten beschreiben wird, ist ein gewaltiges, bewundernswertes Romanwerk, aber keineswegs Memoiren-Literatur. Zudem hatte und hat Proust nur einen sehr engen Leserkreis, von "Popularität" keine Spur.
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