Kundenrezension

13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Rückkehr der Musik, 1. September 2013
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Rezension bezieht sich auf: Dimensionaut (Audio CD)
Auch wenn man noch keine Note gehört hat, bietet "Dimensionaut" schon mal alles, was das Herz großer (Prog-)Jungs höher schlagen lässt: Ein edles Artwork, einen spacigen Albumtitel, über 75 Minuten Spiellänge inklusive eines vierteiligen 20-Minüters, und dann ist es auch noch ein Konzeptalbum, das eine Science-Fiction-affine Story zum Thema Zeitreise bietet. Das Beste aber ist: Mission übererfüllt. Hinter den vielversprechenden Eckdaten verbirgt sich eine musikalische Offenbarung. "Dimensionaut" ist bislang locker das Album des Jahres 2013. Ok, weil das heutzutage nicht mehr so schwer ist, ordne ich es unter die Top Drei der vergangenen fünf Jahre ein. Die Jungs von "Sound of Contact" um Simon Collins pfeifen wohltuend auf Geschmacksdikdate, Stil-Kästchen und pures Retro-Nachspielen. Und endlich gibt es mal wieder fetten Sound auf die Ohren, ohne dass diese mit bis zum Anschlag aufgerissenen Kompressoren gemartert werden.

Klar, musikalische Anleihen gibt es viele, aber Phil Collins' Sohnemann und seine zwei Hauptmitstreiter rühren das so gekonnt zusammen, dass man sich gerne an die Vorbilder erinnert. Das geht schon mit dem nach der Band benannten Intro und dem Monsterinstrumental "Cosmic Distance Ladder" los. Da ist eine Menge von Rush drin, wobei die kanadischen Landsmänner froh wären, so etwas noch hinzubekommen.

"Pale Blue Dot" erinnert mit seinem Orgel-Arpeggio an "Won't get fooled again" von The Who, während die von der Gitarre gespielte Leitmelodie witzigerweise Assoziationen an "Running up that Hill" von Kate Bush weckt. Nicht die schlechtesten Referenzen.

"I'm an Dimensionaut" fängt wie eine Ballade an, legt dann aber dynamisch los wie Genesis zu besten "Seconds Out"-Zeiten.

Dann kommen zwei Titel, die einfach nur "sauschön" sind: "Not coming down" hat was von guten Singer-Songwriter-Elementen, mit Violine und einem dramatisch-klassischen Prog-Finale aufgepeppt (Achtung, hier kündigt sich das Motiv an, dass auch die letzten fünf Minuten der CD bestimmen wird, Konzeptalbum eben :-)), während "Remote View" einen Chorus anstimmt, der wie eine sofortige "Alles-wird-gut-Infusion" wirkt.

"Beyond Illumination" ist dann der Song mit der Gastsängerin Hannah Stobart. Keine Ahnung, wer das ist, aber ihre leicht folkloristisch angehauchte Stimme passt gut rein, nachdem dieser Titel zunächst Reggae-Charakter antäuscht.

Mit "Only breathing out" geht es mid-tempo-mäßig weiter, hätte auch von "U-Catastrophe" stammen können, Collins' Junior letztem Solowerk, das die Richtungsänderung vom früheren Pop-Schwerpunkt schon deutlich ankündigte.

Beim "Dark Side of the Moon"-inspirierten "Realm of in - Organic Beings" tut mir es fast leid, dass es "nur" ein mit irgendwelchen Wahnsinns-Stimmen und -Chören geschwängertes Instrumental ist, so schön ist das.

Und "endlich" kommt mit Track 10 die Nummer, die auch Papa Phil hätte singen (und komponiert haben) könnte, ohne dass es auffallen würde, wobei Simon durchweg tiefer gestimmt zu Werke geht. Ich mag "Closer to you" (trotzdem) sehr.

Unglaublich, bis jetzt kein einziger Ausfall auf der Scheibe und wir haben noch über 25 Minuten wieder deutlich progressivere Minuten vor uns. "Omega Point" ist ein sechseinhalbminütiges kleines Meisterwerk, weil es vormacht, dass Prog-Zeug radiotauglich sein könnte, wenn es dort gespielt würde, welch eine Stilsynthese.

Tja, und jetzt müsste ja der Super-Superlativ kommen: "Möbius Slip", also das Endlosband, das auch das Cover so schön ziert und nettwerweise auch richtig mit "ö" geschrieben ist. Sagen wir es mal so: Das proggigste Stück auf "Dimensionaut" kann die bis jetzt aufgebauten Übererwartungen nicht komplett einlösen, weil es einige Ideen überdehnt und mit ein paar Tonleitern zuviel aufwartet. Das alte Prog-Versprechen "Das längste Stück ist das Beste" wird auch hier nicht ganz erfüllt, verglichen mit ähnlich langen Riemen etwa der Australier von "Unitopia" klingt "Möbius" aber zugänglich, erfreut mit Mellotron-Sounds, dynamischem Getrommel und einem sehr schönen Finale.

Das war es auch schon mit der leisen Kritik. Unterm Strich: "Dimensionaut" hat wirklich gefehlt, kommt erstaunlicherweise fast ohne Keyboard- oder Gitarren-Soli aus, hat einen Mastermind, der genauso gut singen und drummen kann wie sein Vater, ohne diesen zu kopieren. Als ich im Jahre 2000 erstmals Collins' Debüt "All of who you are" rotieren ließ (übrigens wie die zweite Scheibe bei "Schallbau" in Offenbach produziert!), hätte ich nie gedacht, dass 13 Jahre später solch ein Folgewerk herauskommt. Wer genug von der allgegenwärtigen akustischen Magerkost hat, schaffe sich sich diese CD an. Sie wird sich fast genauso endlos drehen, wie es das Möbius-Band symbolisiert.
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1-7 von 7 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 01.09.2013 18:04:41 GMT+02:00
Pippa Melua meint:
Tolle Kritik. Ausführlich und dennoch auf den Punkt.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.09.2013 21:48:07 GMT+02:00
humblestance meint:
Na, da freut sich ja einer fast noch mehr als ich über dieses Album!
Wäre echt schön, wenn sich da eine neue Super-Band gefunden hätte, die uns die nächsten Jahre mit toller Musik verwöhnen würde - toppen kann man dieses Werk aber wahrscheinlich nicht...

Die besten Grüße - h.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.09.2013 12:25:51 GMT+02:00
Hardy Hoefer meint:
Oh, vielen Dank! Ja, dieses Album ist außergewöhnlich, es hat eine unglaubliche Atmosphäre. Endlich geht eine Band mal wieder in die Vollen! Leider die Minitour im Frühjahr verpennt. Ebenfalls beste Grüße, H.

Veröffentlicht am 14.12.2014 07:37:48 GMT+01:00
Sehr schöne und vor allem aussagekräftige Rezension. Vielen Dank.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.12.2014 12:09:23 GMT+01:00
Hardy Hoefer meint:
Vielen Dank!

Veröffentlicht am 22.04.2015 21:39:40 GMT+02:00
Eins der besten Alben 2013, keine Frage. Jetzt sind 2 Jahre vergangen und ich höre Dave Kerzners 'New World'. Absolutes Hammeralbum. D.Kerzner ist ja bekanntlicher neben S.Collins einer der beiden Mitstreiter bei SOC und nicht mehr dabei. Haben sich wohl zerstritten die Beiden. Ich denke mal dass die Kompostionen von Dimensionaut zum größten Teil von Dave stammten. Somit sieht es eher düster für ein weiters Album dieser Qualität von SOC aus.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.04.2015 15:16:46 GMT+02:00
Hardy Hoefer meint:
Oh, danke für diese Information. Vielleicht ist Simon Collins deswegen in diese komische Drogengeschichte reingerutscht? :)
Werde mir sofort mal die "New World" antun!
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