Kundenrezension

39 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sie setzen nach so vielen Jahren schon wieder neue Maßstäbe..., 1. August 2008
Rezension bezieht sich auf: Genesis - When in Rome/Come Rain Or Shine - Live 2007 (3 DVDs) (DVD)
Eine halbe Million Zuschauer auf dem antiken Circus Maximus in Rom, das ist die historische Kulisse beim Abschlusskonzert von Genesis' Reunion-Tour 2007. Man würde es wohl kaum glauben, gäbe es die dazugehörige DVD nicht. Menschenmassen - so weit das Auge sehen kann - immer wieder von Turm- und Krankameras aus zahlreichen Perspektiven heraus hochprofessionell eingefangen. Alles blickt auf eine skurrile Bühnenarchitektur, 68 Meter breit, von einer übergroßen, geschwungenen LED-Wand mit zwei Außenbildschirmen gesäumt, darüber sieben Türme, an deren Schienen Scheinwerfer in den römischen Nachthimmel empor fahren. Gigantisch, irgendwie außerirdisch, lebendig?? Allein die Optik dieses Events ist geschichtsträchtig!

Das Konzert ist es ohnehin - nicht nur wegen der Zuschauerzahl, sondern weil es der Abschluss einer nicht mehr für möglich gehaltenen (einmaligen?) Reunion-Tour darstellt. Die Wiedervereinigung des Genesis-Dreiers Banks, Collins und Rutherford, nachdem eine zuvor angepeilte Wiedervereinigung in der Ur-Konstellation mit Gabriel und Hackett geplatzt war. Dafür sind Gitarrist Daryl Stuermer und Drummer Chester Thompson dabei, die schon seit 1977 zum Live-Line-up und damit irgendwie zum 'Inventar' der Band zählen und ganz 'nebenbei' technisch äußerst versierte Musiker sind. Sie sind die ideale Besetzung, um zusammen mit den kreativen Genesis-Köpfen der Post-Gabriel-Phase Songs aus den Jahren 1973 bis 1991 zwei Stunden und 40 Minuten lang zum Leben zu erwecken und den Circus Maximus mit einem Hauch von Magie zu erfüllen.

Irgendwie schaffen sie es sogar, bis auf die ganz frühen Gabriel-Jahre und das Nachzügler-Album mit Ray Wilson allen Genesis-Schaffensphasen gerecht zu werden - so weit das im Rahmen eines Gigs möglich ist. Radiophile Pop-Songs - künstlerisch gleichwohl wertvoll, 'Genesis-like' eben - von "I Can't Dance" ("No Son Of Mine", "I Can't Dance"), "Genesis" ("Mama") und vor allem der kommerziell erfolgreichsten Platte "Invisible Touch" ("Land Of Confusion", "Invisible Touch") sind natürlich Pflicht. Doch zu den Höhepunkten der Show avancieren die komplexeren Kunstwerke aus dem Band-Repertoire - und die stammen nicht nur aus grauer Vorzeit, sondern es gab sie auch in den Zeiten, in denen man schon 'poppiger' komponierte.

"Home By The Sea" (in der Langfassung inklusive "Second Home By The Sea") und "Domino" mit ihren komplexen Wendungen - Highlights - atmosphärisch gepusht durch dramatische bis Ehrfurcht erregende Bombast-Animationen auf der Riesen-LED. Gleichermaßen herausragend ist fast jede Minute richtig 'alten' Materials. Dazu gehört die schaurig-fesselnde Inszenierung von "In The Cage". Dazu gehört der Klassiker "I Know What I Like" in einer XXL-Version. Dazu gehören einige Instrumentalstrecken, zum Beispiel aus "Cinema Show", dem wunderbaren "Firth Of Fifth" (gefühlvolles Stuermer-Solo zum Zungeschnalzen!) oder "Los Endos", das gleich den Charme des kompletten "A Trick Of The Tail"-Albums verströmt. Und dazu gehören die unnachahmlichen Balladen "Ripples", "Afterglow" und "Carpet Crawlers" mit ihren intensiven Gefühlswelten, die nichts von ihrem Zauber eingebüßt haben.

Tatsächlich drehen Genesis gekonnt die Zeit zurück, wenn auch Phil Collins' Stimme nicht mehr so höhentauglich ist wie einst, was aber kaum auffällt, weil man ein paar Songs vorsorglich etwas runtermoduliert hat. Am zweiten Schlagzeug nimmt Collins, wie gewohnt, immer wieder mal Platz, wenn der Gesang Pause hat. Nette Variation gegenüber früher: Das Drum-Duett mit Chester Thompson beginnt an zwei Hockern statt an den Drumkits. Ansonsten hält Collins mit seinen mitunter komischen, halb-italienischen Ansprachen hin und wieder Kontakt zum Publikum, was auch bitter nötig ist, denn die fünf kleinen Männchen auf der Riesenbühne im Mega-Stadion haben keine übermenschliche Bühnenpräsenz, sondern sind nun Mal ganz im Gegenteil, recht zurückhaltende Zeitgenossen und drohen zuweilen im Gigantomanismus der Kulisse unterzugehen. Das vermeidet Frontmann Collins gerade noch, indem er die Massen mit so manchen Gesangsspielchen teilhaben lässt und den 'Domino'-Effekt ganz amüsant und minutenlang mit Hilfe von Scheinwerfern am Publikum erklärt.

Irgendwie haben sie am Ende alles richtig gemacht und eine beeindruckende Show auf die Beine gestellt. Streiten könnte man darüber, ob noch mehr alte Perlen in die Setlist gehört hätten und "Cinema Show" oder "Firth Of Fifth" nicht hätten ungekürzt bleiben müssen. Aber man freut sich ja schon über das Gebotene und außerdem lassen sich aus der Setlist einer Bandkonstellation der Post-Gabriel- und Post-Hackett-Ära nun Mal nicht viele der gespielten Stücke streichen.

Das Bonusmaterial gibt's wohl portioniert, Song für Song. Zu Beginn eines jeden Stücks erscheint links oben im Bild ein kleiner 'Duke'. Auf Knopfdruck laufen jeweils ein paar kurze Filmchen von den Proben oder unterwegs auf Tour mit Situationen, in denen es genau um diesen einen Song ging. Natürlich lassen sich die Sequenzen auch gesondert abspielen, ohne dass man das Konzert unterbricht. Umwerfend sind sie aber nicht. Meistens wird über Details geknobelt und kollektiv drüber beraten, wie man dies und jenes wohl früher gespielt hat. Ziemlich cool ist aber Chesters und Phils Drum-Duett auf dem Lederhocker im Hotelzimmer.

Die Tour-Dokumentation auf DVD 3 begleitet die Band von den allerersten Proben 2006 in New York an. Hier kann man richtig schön mitfühlen, wie tief anfangs noch der Frust gesessen hat, als so mancher der jungen Männer schmerzlich realisieren musste, wie lange er die Stücke nicht mehr gespielt hat. Und außerhalb der Proberäume werden wir Zeuge, wie Monate bis Tage und Stunden vor der ersten Show Ideen gesammelt, Bühnenskizzen und Videowand-Animationen besprochen werden. Unfreiwillig amüsant wirkt immer wieder die Zurückhaltung vor allem der Herren Banks und Rutherford, die bei der tollsten Präsentation riesiger Feuer-Effekte für begeisterte Pyrotechniker erst Mal ein beharrliches Stirnrunzeln übrig haben. Als Running Gag erweist sich die Geschichte vom 'Button Pusher'. Scheitern doch die Videosequenzen kurz vor der Premierenshow um ein Haar daran, dass niemand da ist, der zur richtigen Zeit den richtigen Knopf drückt, damit die Filmchen auch laufen! 1:50 dauert die Doku und bleibt dank solcher (für Band und Manager durchaus schweißtreibenden) Köstlichkeiten recht kurzweilig. Alles in allem holen sich Genesis-Liebhaber zahlreicher Epochen fünfeinhalb unterhaltsame Stunden Altbewährtes, professionell Umgesetztes, groß Inszeniertes ins Haus. Die alten Kerle halten, was sie versprochen haben!
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