Kundenrezension

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gute Unterhaltung, 9. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Der letzte Weynfeldt (Broschiert)
Weynfeldt ging ins Bad, duschte und zog einen frischen Pyjama an. Wie jeden Abend. Er besaß vierzehn Pyjamas, alle von seinem Hemdenmacher, alle mit Monogramm, sechs hellblaue für gerade Tage, sechs blauweiß gestreifte für die ungeraden, zwei weiße für die Sonntage. Eine der kleinen Marotten, die er sich leistete und mit denen er ein wenig Luxus und ein wenig Regelmäßigkeit in sein Leben brachte. Denn er glaubte an die Regelmäßigkeit als lebensverlängernde Maßnahme.
Es auch die andere Theorie: Die Regelmäßigkeit mache die Tage gleichförmig, und je mehr sich die Ereignisse und Gewohnheiten wiederholten, desto ähnlicher würde sich die Tage und damit die Jahre. Bis das Leben einem wie ein einziges Jahr vorkomme.
Weynfeldt war vom Gegenteil überzeugt. Je öfter man die gleichen Dinge tat, die gleichen Orte besuchte und die gleichen Leute traf, desto kleiner würden die Unterschiede. Und je kleiner die Unterschiede, desto unmerklicher vergehe die Zeit. Jemand, den man jeden Monat sieht statt nur jedes Jahr, bleibt immer gleich alt. Und man selbst kommt dem andern auch immer gleich alt vor.
Die Regelmäßigkeit verlangsamt den Lauf der Zeit. Davon war Weynfeldt fest überzeugt. Die Abwechslung mag das Lebens ereignisreicher machen, aber sie machte es bestimmt auch kürzer.
("Der letzte Weynfeldt", Seiten 16, 17).

Zwischen Kunstbetrug und Liebesspagat siedelt Martin Suter seine Geschichte an, die durch ihre schlichte Eleganz bezaubert, mit subtiler Spannung angereichert und mit feinem Humor garniert ist. Es ist eine reine Freude diesen Roman zu lesen, den man wahrscheinlich nach einem Abend durchliest und sich dabei niveauvoll und angenehm unterhalten fühlt.

Adrian Weynfeldt heißt der Held dieser Geschichte. Weynfeldt führt als respektabler Kunstexperte und Junggeselle im mittleren Alter ein sehr geregeltes Leben. Und doch beginnt dieser Roman mit einer dramatischen Eingangssituation: Eine Frau steht vor ihm auf dem Balkongeländer, entschlossen ihrem Leben ein Ende zu setzen. Diese Frau hatte Adrian, ganz gegen seine sonstigen Gewohnheiten nach erster Bekanntschaft in einer Bar zu sich nach Hause mitgenommen. Jetzt ist der nächste Morgen und seine neue Bekannte fordert ihn auf, nur einen Grund zu nennen, damit sie das Balkongeländer nicht los lassen wird. Nur einen einzigen. Wie durch ein Wunder findet Adrian zu einer Geste voller Gefühl und damit zu einer ganz neuen Situation. Denn die rothaarige Dame, die sich nun doch überreden lässt, nicht zu springen, ist überzeugt, dass Weynfeldt nun für ihr Leben verantwortlich ist. Eine Verantwortung mit weit reichenden Konsequenzen - und zwar für einige Personen dieser Geschichte.
Und dann ist da noch das Kunstgeschäft Adrians. Es geht um das Gemälde "Femme nue devant salamandre", des Malers Félix Vallottons, welches man abgedruckt auf dem Umschlagbild des Buches betrachten kann. Ein langjähriger Kunstsammler hat sich entschlossen, sich von diesem wertvollen Bild zu trennen. Es wird Weynfeldt anvertraut. Er soll es bei einer Kunstaktion zu einem Höchstgebot versteigern. Eine Herausforderung, die der Kunstexperte mit Ehre und Gewissen zur Zufriedenheit seines Kunden meistern kann. Doch diesmal hat dieser Auftrag einen Haken.

Mit der Figurenzeichnung des Adrian Weynfeldt ist dem Autor ein ganz besonderes Kunststück gelungen. Die Tiefe der Darstellung seines Charakters beeindruckt den Leser und macht ihn neugierig auf die Entwicklung der Geschichte, die mit einigen, kleinen Überraschungen aufwartet. Der moralische und doch so humorvoll vorgetragene Schluss ist ein gelungener Schachzug des Autors. Zufrieden lächelnd beschließt man das Buch und freut sich schon auf weitere anregende Geschichten von Martin Suter.
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Kommentare


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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 14.12.2011 22:42:26 GMT+01:00
christine meint:
Schön, schön, schön! Trotz "Small World" ist das bisher mein liebster Suter. Wenn ich mir nicht gerade den "Koch" zugelegt hätte, könnte ich den Weynfeldt über die Feiertage nochmal lesen. LG, Christine

Veröffentlicht am 23.12.2011 13:18:44 GMT+01:00
Liebe Tanja,

wenn ich mir Deine Rezension so durchlese, sollte ich vielleicht doch meine abneigende Haltung gegenüber dem Gros der deutschsprachigen Literatur überdenken, zumindest teilweise ...

Ich wollte mal kurz vorbeischauen, um Dir ein Frohes Weihnachtsfest mit allem, was für Dich dazugehört zu wünschen. Ich schätze Deine sorgfältigen Rezensionen sehr und weiß, daß auch menschlich schon einiges dazugehört, um so zu schreiben. Hoffentlich geht es im neuen Jahr genauso weiter.

Dir alles Liebe,

Tristram

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.12.2011 13:34:24 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 27.12.2011 13:35:47 GMT+01:00
Hallo, Ihr Lieben,

vielen Dank für die frohen Wünsche und die lieben Worte!

Nun liegen die Feiertage des alten Jahres schon wieder hinter uns und so bleibt mir nur, Euch einen guten Start in das neue Jahr zu wünschen.

Martin Suter habe ich ausgerechnet filmisch für mich entdeckt und seither bin ich eine begeisterte Leserin seiner Werke, die so kurzweilige Unterhaltung bieten.

Rezensionstechnisch habe ich mich im Dezember etwas rar gemacht, möchte jetzt aber wieder durchstarten! Dabei bin ich natürlich auch gespannt, was ich auf Euren Profilseiten Neues entdecke!

Alles Liebe
Tanja
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